Fr, 7. August 2026
Close

Statistik des BKA überrascht mit hoher Kriminalitätsrate:
Schwerin unter Deutschlands Top 10 der gefährlichsten Städte

Schwerin zählt laut aktueller BKA-Statistik zu den gefährlichsten Städten Deutschlands – doch was sagen die Zahlen wirklich aus? Eine Einordnung zwischen Statistik, Alltag und Sicherheitsgefühl.

Avatar-Foto
  • Veröffentlicht Juli 19, 2025
Gefährlichste Städte Deutschland 2024
Der Marien­platz gilt als Krim­i­nal­ität­shotspot in Schw­erin. Foto: Ste­fan Rochow

 

Auf den ersten Blick wirkt Schw­erin wie das Gegen­teil eines Krim­i­nal­itätss­chw­er­punk­ts: Eine his­torische Alt­stadt, viel Wass­er, viel Grün, wenig Hek­tik. Doch laut  aktueller Krim­i­nal­sta­tis­tik des Bun­deskrim­i­nalamts (BKA) für das Jahr 2024 zählt die Lan­deshaupt­stadt Meck­len­burg-Vor­pom­merns zu den zehn gefährlich­sten Städten Deutsch­lands – zumin­d­est auf dem Papi­er.

In der jüngst veröf­fentlicht­en Auswer­tung lan­det Schw­erin auf Platz 9, gemessen an der soge­nan­nten Häu­figkeit­szahl. Diese Kennz­if­fer beschreibt, wie viele Straftat­en pro 100.000 Ein­wohner­in­nen und Ein­wohn­er reg­istri­ert wur­den – eine sta­tis­tis­che Meth­ode, die Städte unter­schiedlich­er Größe ver­gle­ich­bar machen soll. Für Schw­erin ergibt sich dabei ein Wert von 12.343 Straftat­en pro 100.000 Ein­wohn­er, basierend auf über 12.000 erfassten Delik­ten im Jahr 2024.

Kriminalitätsranking: Warum Schwerin auffällt

Diese Platzierung über­rascht viele – schließlich verbinden die meis­ten Schw­erin eher mit Schloss, Seen­land­schaft und Beschaulichkeit als mit Krim­i­nal­ität. Doch ein Blick in die Methodik zeigt: Ger­ade kleinere Städte wie Schw­erin schnei­den in solchen Rank­ings oft schlechter ab als erwartet. Denn während Großstädte mit Mil­lio­nen­bevölkerung eine gewisse „sta­tis­tis­che Puffer­zone“ haben, schlägt in kleineren Kom­munen jed­er einzelne Fall deut­lich­er zu Buche.

Zur Einord­nung: Berlin, mit über 500.000 erfassten Straftat­en, liegt in absoluten Zahlen zwar weit vor Schw­erin – lan­det im Rank­ing aber „nur“ auf Platz 3, da die Haupt­stadt auch weit über drei Mil­lio­nen Ein­wohn­er zählt. In Schw­erin hinge­gen wirkt sich bere­its eine mit­tlere vier­stel­lige Fal­lzahl deut­lich auf die Krim­i­nal­ität­squote aus.

Was steckt hinter den Zahlen?

In der Schw­er­iner Sta­tis­tik dominieren laut BKA Dieb­stahlde­lik­te, Betrugs­fälle, Sachbeschädi­gun­gen und soge­nan­nte Straßenkrim­i­nal­ität – also Vor­fälle im öffentlichen Raum. Auch Schwarz­fahren im öffentlichen Nahverkehr ist ein The­ma, das durch ver­stärk­te Kon­trollen häu­figer zur Anzeige gebracht wird und damit die Sta­tis­tik bee­in­flusst. Solche eher ger­ingfügi­gen Ord­nungswidrigkeit­en fließen genau­so in die Gesamtzahl ein wie schw­er­wiegen­dere Straftat­en.

Ein wiederkehren­der Bren­npunkt ist laut polizeilichen Lage­bildern der Marien­platz. Hier kam es in der Ver­gan­gen­heit immer wieder zu Auseinan­der­set­zun­gen, Dieb­stählen oder anderen sicher­heit­srel­e­van­ten Vor­fällen. Um gegen­zus­teuern, entwick­elte die Stadt in Zusam­me­nar­beit mit der Polizei ver­stärk­te Präsenz­maß­nah­men mit ein­er mobilen Polizei­wache, sowie den Aus­bau der Videoüberwachung auf dem Marien­platz.

Statistisch auffällig – aber ist Schwerin unsicher?

Trotz der Platzierung auf Platz 9 im Rank­ing gilt: Die reine Zahl sagt noch nichts über das sub­jek­tive Sicher­heits­ge­fühl der Bevölkerung aus. Viele Ein­wohner­in­nen und Ein­wohn­er fühlen sich in Schw­erin weit­er­hin sich­er – auch, weil die Zahl schw­er­er Gewaltver­brechen im Ver­hält­nis niedrig bleibt. Außer­dem ist zu beacht­en, dass die Sta­tis­tik alle Delik­te gle­ich­w­er­tig zählt – also keinen Unter­schied zwis­chen Ladendieb­stahl und schw­eren Gewalt­tat­en macht.

Auch deutsch­landweit gibt es Ent­war­nung: Die Gesamtkrim­i­nal­ität ist rück­läu­fig. Laut BKA wur­den im Jahr 2024 rund 5,83 Mil­lio­nen Straftat­en bun­desweit reg­istri­ert – das entspricht einem Rück­gang von etwa 1,7 Prozent im Ver­gle­ich zum Vor­jahr.

Einordnung im bundesweiten Vergleich

Neben Schw­erin find­en sich im aktuellen BKA-Rank­ing sowohl erwart­bare Großstädte als auch eher über­raschende Kan­di­dat­en: Auf Platz 1 ste­ht Bre­men mit über 15.400 Straftat­en pro 100.000 Ein­wohn­er, gefol­gt von Frank­furt am Main und Berlin. Auf den Plätzen vor Schw­erin liegen unter anderem Städte wie Göt­tin­gen, Erfurt und Bre­mer­haven – alle­samt Kom­munen, die in der öffentlichen Wahrnehmung eher als ruhig gel­ten, aber eben­falls hohe Häu­figkeit­szahlen aufweisen.

 

Quelle: Krim­i­nal­sta­tis­tik des Bun­deskrim­i­nalamtes (BKA)

 

Hier zeigt sich ein grund­sät­zlich­es Prob­lem solch­er Sta­tis­tiken: Sie geben einen Überblick über polizeilich reg­istri­erte Krim­i­nal­ität – nicht aber über das tat­säch­liche Aus­maß an Unsicher­heit oder Gefährdung im All­t­ag.

 

Redak­tioneller Hin­weis: Die Beze­ich­nung „gefährlich“ bezieht sich auss­chließlich auf die Zahl reg­istri­ert­er Straftat­en. Das sub­jek­tive Sicher­heits­ge­fühl und die Schwere der Delik­te wur­den hier­bei nicht berück­sichtigt.