Statistik des BKA überrascht mit hoher Kriminalitätsrate:
Schwerin unter Deutschlands Top 10 der gefährlichsten Städte
Schwerin zählt laut aktueller BKA-Statistik zu den gefährlichsten Städten Deutschlands – doch was sagen die Zahlen wirklich aus? Eine Einordnung zwischen Statistik, Alltag und Sicherheitsgefühl.

Auf den ersten Blick wirkt Schwerin wie das Gegenteil eines Kriminalitätsschwerpunkts: Eine historische Altstadt, viel Wasser, viel Grün, wenig Hektik. Doch laut aktueller Kriminalstatistik des Bundeskriminalamts (BKA) für das Jahr 2024 zählt die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns zu den zehn gefährlichsten Städten Deutschlands – zumindest auf dem Papier.
In der jüngst veröffentlichten Auswertung landet Schwerin auf Platz 9, gemessen an der sogenannten Häufigkeitszahl. Diese Kennziffer beschreibt, wie viele Straftaten pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner registriert wurden – eine statistische Methode, die Städte unterschiedlicher Größe vergleichbar machen soll. Für Schwerin ergibt sich dabei ein Wert von 12.343 Straftaten pro 100.000 Einwohner, basierend auf über 12.000 erfassten Delikten im Jahr 2024.
Kriminalitätsranking: Warum Schwerin auffällt
Diese Platzierung überrascht viele – schließlich verbinden die meisten Schwerin eher mit Schloss, Seenlandschaft und Beschaulichkeit als mit Kriminalität. Doch ein Blick in die Methodik zeigt: Gerade kleinere Städte wie Schwerin schneiden in solchen Rankings oft schlechter ab als erwartet. Denn während Großstädte mit Millionenbevölkerung eine gewisse „statistische Pufferzone“ haben, schlägt in kleineren Kommunen jeder einzelne Fall deutlicher zu Buche.
Zur Einordnung: Berlin, mit über 500.000 erfassten Straftaten, liegt in absoluten Zahlen zwar weit vor Schwerin – landet im Ranking aber „nur“ auf Platz 3, da die Hauptstadt auch weit über drei Millionen Einwohner zählt. In Schwerin hingegen wirkt sich bereits eine mittlere vierstellige Fallzahl deutlich auf die Kriminalitätsquote aus.
Was steckt hinter den Zahlen?
In der Schweriner Statistik dominieren laut BKA Diebstahldelikte, Betrugsfälle, Sachbeschädigungen und sogenannte Straßenkriminalität – also Vorfälle im öffentlichen Raum. Auch Schwarzfahren im öffentlichen Nahverkehr ist ein Thema, das durch verstärkte Kontrollen häufiger zur Anzeige gebracht wird und damit die Statistik beeinflusst. Solche eher geringfügigen Ordnungswidrigkeiten fließen genauso in die Gesamtzahl ein wie schwerwiegendere Straftaten.
Ein wiederkehrender Brennpunkt ist laut polizeilichen Lagebildern der Marienplatz. Hier kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Auseinandersetzungen, Diebstählen oder anderen sicherheitsrelevanten Vorfällen. Um gegenzusteuern, entwickelte die Stadt in Zusammenarbeit mit der Polizei verstärkte Präsenzmaßnahmen mit einer mobilen Polizeiwache, sowie den Ausbau der Videoüberwachung auf dem Marienplatz.
Statistisch auffällig – aber ist Schwerin unsicher?
Trotz der Platzierung auf Platz 9 im Ranking gilt: Die reine Zahl sagt noch nichts über das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung aus. Viele Einwohnerinnen und Einwohner fühlen sich in Schwerin weiterhin sicher – auch, weil die Zahl schwerer Gewaltverbrechen im Verhältnis niedrig bleibt. Außerdem ist zu beachten, dass die Statistik alle Delikte gleichwertig zählt – also keinen Unterschied zwischen Ladendiebstahl und schweren Gewalttaten macht.
Auch deutschlandweit gibt es Entwarnung: Die Gesamtkriminalität ist rückläufig. Laut BKA wurden im Jahr 2024 rund 5,83 Millionen Straftaten bundesweit registriert – das entspricht einem Rückgang von etwa 1,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Einordnung im bundesweiten Vergleich
Neben Schwerin finden sich im aktuellen BKA-Ranking sowohl erwartbare Großstädte als auch eher überraschende Kandidaten: Auf Platz 1 steht Bremen mit über 15.400 Straftaten pro 100.000 Einwohner, gefolgt von Frankfurt am Main und Berlin. Auf den Plätzen vor Schwerin liegen unter anderem Städte wie Göttingen, Erfurt und Bremerhaven – allesamt Kommunen, die in der öffentlichen Wahrnehmung eher als ruhig gelten, aber ebenfalls hohe Häufigkeitszahlen aufweisen.

Hier zeigt sich ein grundsätzliches Problem solcher Statistiken: Sie geben einen Überblick über polizeilich registrierte Kriminalität – nicht aber über das tatsächliche Ausmaß an Unsicherheit oder Gefährdung im Alltag.




