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„Theater Maulkorb”: Generalintendant Tietje sorgt für Klarstellung

  Mit einem Schreiben hat sich Gen­er­al­in­ten­dant Lars Tiet­je nun an die Mitar­beit­er des Meck­len­burg­er Staat­sthe­aters gewandt und noch ein­mal klargestellt, dass er mit sein­er umstrit­te­nen Dien­stan­weisung wed­er das Recht

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  • Veröffentlicht Januar 29, 2018
Gen­er­al­in­ten­dant Lars Tiet­je Foto © Silke Win­kler

 

Mit einem Schreiben hat sich Gen­er­al­in­ten­dant Lars Tiet­je nun an die Mitar­beit­er des Meck­len­burg­er Staat­sthe­aters gewandt und noch ein­mal klargestellt, dass er mit sein­er umstrit­te­nen Dien­stan­weisung wed­er das Recht auf Mei­n­ungs­frei­heit sein­er Mitar­beit­er, noch die Frei­heit der Kun­st unter­drück­en wollte. Die Anweisung sei offen­sichtlich zu kurz und an manchen Stellen zu harsch for­muliert gewe­sen, schreibt Tiet­je. Dafür entschuldigt sich der Gen­er­al­in­ten­dant bei seinen Mitar­beit­ern. 

Lars Tiet­je schreibt weit­er, dass es in seinem Haus Hin­weise gab, dass es während des The­ater­ball­pro­gramms zu „unabge­sproch­enen und ver­let­zen­den Äußerun­gen” kom­men sollte. Der Gen­er­al­in­ten­dant sah sich daher in Pflicht, hier klar und ein­deutig zu reagieren. Tiet­je betont in seinem Schreiben weit­er, dass es einen Unter­schied zwis­chen der pri­vat­en Mei­n­ungsäußerung und der Äußerung in ein­er insze­nierten Vorstel­lung gibt. „Wenn es zur Insze­nierung gehört, poli­tis­che Äußerun­gen zu machen, dann ist das ok. Unabge­sproch­ene pri­vat­en Äußerun­gen haben aber auch dort nichts zu suchen.”, betont Tiet­je.

 

Jeder kann seine Meinung frei äußern

 

Jed­er habe, so der Gen­er­al­in­ten­dant, selb­stver­ständlich darüber hin­aus das Recht seine Mei­n­ung frei zu äußern. „Ich kann mit poli­tis­ch­er Mei­n­ung und sach­lich­er Kri­tik gut umge­hen”, schreibt Lars Tiet­je. Sogle­ich betont er, dass er auch in Zukun­ft nicht in den Erar­beitung­sprozess ein­er Insze­nierung ein­greifen werde. Auch werde er „in der Regel” nicht in den kün­st­lerischen Arbeit­sprozess ein­greifen. Auch dann nicht, wenn poli­tis­che Gegen­stände ver­han­delt wer­den. 

Zugle­ich ver­weist der The­aterchef aber darauf, dass er seine Auf­gabe weit­er­hin darin sehe, das The­ater im Ganzen zu schützen. „Auch vor Ärg­er mit denen, die für unser The­ater ver­ant­wortlich sind oder sich mit ihm ver­bun­den fühlen und es unter­stützen.”, heißt es im Schreiben weit­er. 

Um die ent­stande­nen Irri­ta­tio­nen aus der Welt zu schaf­fen, schlägt Tiet­je eine Diskus­sion­srunde vor, in der man sich darüber aus­tauscht, was Mei­n­ungs­frei­heit und Frei­heit der Kun­st am The­ater für eine Bedeu­tung hat. Auch kann sich Lars Tiet­je dazu eine öffentliche Ver­anstal­tung vorstellen, die sich genau diesem The­men­feld wid­met. 

 

Badenschier möchte vermitteln

 

Unter­dessen kön­nte die Dien­stan­weisung von Lars Tiet­je heute Abend The­ma auf der Stadtvertreter­sitzung wer­den. Mit einem Dringlichkeit­santrag möcht­en die Frak­tio­nen der LINKEN und Bünd­nis 90 / Die Grü­nen heute Ober­bürg­er­meis­ter Rico Baden­schi­er (SPD) auf­fordern, die Dien­stan­weisung Tiet­jes zu bew­erten. Weit­er soll die Stadtvertre­tung darüber in Ken­nt­nis geset­zt wer­den, wie die Stadt als Mit­ge­sellschafter am Staat­sthe­ater gedenkt auf die Dien­stan­weisung zu reagieren. 

In ein­er Stel­lung­nahme hat Baden­schi­er allerd­ings schon die Ablehnung der Dringlichkeit emp­fohlen. Eine Beratung soll dann am 12. März erfol­gen. „Grund­sät­zlich muss The­ater ein Ort des gesellschaftlichen Diskurs­es sein.”, so der Ober­bürg­er­meis­ter. Baden­schi­er bietet weit­er an, zwis­chen den Parteien eine „schlich­t­ende und ver­mit­tel­tende Rolle einzunehmen”.

Für Karsten Jagau von der ASK, die sich in den let­zten Tagen inten­siv mit der Anweisung des Gen­er­al­in­ten­dan­ten auseinan­derge­set­zt hat, ist der Vor­fall nun auch eine Chance. „Wir sehen das als Warn­schuss und Chance, dass auch inner­halb der Belegschaft nun eine bessere Kom­mu­nika­tion stat­tfind­et. Der bish­erige Führungsstil im The­ater hat sich bish­er nicht bewährt. Es bleibt zu hof­fen das der ‚Maulko­rb-Vor­fall‘ schlussendlich pos­i­tive Effek­te auf das Arbeit­skli­ma im Staat­sthe­ater hat.”