„Theater Maulkorb“: Generalintendant Tietje sorgt für Klarstellung

Der Generalintendant des Mecklenburger Staatstheaters Lars Tietje hat sich nach seiner umstrittenen Dienstanweisung inzwischen mit einem Schreiben an die Mitarbeiter seines Hause gewandt. Oberbürgermeister Rico Badenschier möchte nun vermitteln.

Generalintendant Lars Tietje Foto © Silke Winkler

 

Mit einem Schreiben hat sich Generalintendant Lars Tietje nun an die Mitarbeiter des Mecklenburger Staatstheaters gewandt und noch einmal klargestellt, dass er mit seiner umstrittenen Dienstanweisung weder das Recht auf Meinungsfreiheit seiner Mitarbeiter, noch die Freiheit der Kunst unterdrücken wollte. Die Anweisung sei offensichtlich zu kurz und an manchen Stellen zu harsch formuliert gewesen, schreibt Tietje. Dafür entschuldigt sich der Generalintendant bei seinen Mitarbeitern. 

Lars Tietje schreibt weiter, dass es in seinem Haus Hinweise gab, dass es während des Theaterballprogramms zu „unabgesprochenen und verletzenden Äußerungen“ kommen sollte. Der Generalintendant sah sich daher in Pflicht, hier klar und eindeutig zu reagieren. Tietje betont in seinem Schreiben weiter, dass es einen Unterschied zwischen der privaten Meinungsäußerung und der Äußerung in einer inszenierten Vorstellung gibt. „Wenn es zur Inszenierung gehört, politische Äußerungen zu machen, dann ist das ok. Unabgesprochene privaten Äußerungen haben aber auch dort nichts zu suchen.“, betont Tietje.

 

Jeder kann seine Meinung frei äußern

 

Jeder habe, so der Generalintendant, selbstverständlich darüber hinaus das Recht seine Meinung frei zu äußern. „Ich kann mit politischer Meinung und sachlicher Kritik gut umgehen“, schreibt Lars Tietje. Sogleich betont er, dass er auch in Zukunft nicht in den Erarbeitungsprozess einer Inszenierung eingreifen werde. Auch werde er „in der Regel“ nicht in den künstlerischen Arbeitsprozess eingreifen. Auch dann nicht, wenn politische Gegenstände verhandelt werden. 

Zugleich verweist der Theaterchef aber darauf, dass er seine Aufgabe weiterhin darin sehe, das Theater im Ganzen zu schützen. „Auch vor Ärger mit denen, die für unser Theater verantwortlich sind oder sich mit ihm verbunden fühlen und es unterstützen.“, heißt es im Schreiben weiter. 

Um die entstandenen Irritationen aus der Welt zu schaffen, schlägt Tietje eine Diskussionsrunde vor, in der man sich darüber austauscht, was Meinungsfreiheit und Freiheit der Kunst am Theater für eine Bedeutung hat. Auch kann sich Lars Tietje dazu eine öffentliche Veranstaltung vorstellen, die sich genau diesem Themenfeld widmet. 

 

Badenschier möchte vermitteln

 

Unterdessen könnte die Dienstanweisung von Lars Tietje heute Abend Thema auf der Stadtvertretersitzung werden. Mit einem Dringlichkeitsantrag möchten die Fraktionen der LINKEN und Bündnis 90 / Die Grünen heute Oberbürgermeister Rico Badenschier (SPD) auffordern, die Dienstanweisung Tietjes zu bewerten. Weiter soll die Stadtvertretung darüber in Kenntnis gesetzt werden, wie die Stadt als Mitgesellschafter am Staatstheater gedenkt auf die Dienstanweisung zu reagieren. 

In einer Stellungnahme hat Badenschier allerdings schon die Ablehnung der Dringlichkeit empfohlen. Eine Beratung soll dann am 12. März erfolgen. „Grundsätzlich muss Theater ein Ort des gesellschaftlichen Diskurses sein.“, so der Oberbürgermeister. Badenschier bietet weiter an, zwischen den Parteien eine „schlichtende und vermitteltende Rolle einzunehmen“.

Für Karsten Jagau von der ASK, die sich in den letzten Tagen intensiv mit der Anweisung des Generalintendanten auseinandergesetzt hat, ist der Vorfall nun auch eine Chance. „Wir sehen das als Warnschuss und Chance, dass auch innerhalb der Belegschaft nun eine bessere Kommunikation stattfindet. Der bisherige Führungsstil im Theater hat sich bisher nicht bewährt. Es bleibt zu hoffen das der ‚Maulkorb-Vorfall‘ schlussendlich positive Effekte auf das Arbeitsklima im Staatstheater hat.“

 

 

 

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