Prävention statt Eskalation:
Ministerium ergreift Maßnahmen
Gewalt an Schulen nimmt deutlich zu – das zeigt sich nicht nur in alarmierenden Zahlen, sondern auch in konkreten Vorfällen wie dem Angriff auf ein 11-jähriges Mädchen in Schwerin.

Gewalt, Mobbing und Straftaten bestimmen den Schulalltag vieler Schülerinnen und Schüler in unserem Land. Dabei sollte doch klar sein: Gewalt und Schule gehören nicht zusammen. Mit dieser Prämisse will Bildungsministerin Simone Oldenburg (LINKE) der Gewalt an Schulen den Kampf ansagen.
Gewalt nimmt zu
Dass die Gewalt an den Schulen zunimmt, mussten Eltern erst zu Beginn des Jahres feststellen, als ein 11-jähriges Mädchen auf dem Schulhof der Schweriner Bertolt-Brecht- Schule grausam von ihren Mitschülerinnen getreten und geschlagen worden war.
Diese besorgniserregende Entwicklung spiegelt sich auch in offiziellen Zahlen wider: Im Schuljahr 2024/25 wurden laut Bildungsministerin 2133 Meldungen über Gewalttaten und Bedrohungen bei den Schulämtern registriert- etwa 900 mehr als noch im Schuljahr (2023/24) zuvor. Zwar seien die Lehrkräfte inzwischen stärker sensibilisiert und meldeten Vorfälle häufiger an die Schulämter, doch das dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass die “Zahl der Gewalttaten tatsächlich gestiegen ist”, so Oldenburg.
Von den insgesamt 2133 gemeldeten Gewalttaten im vergangenen Schuljahr entfielen etwa 900 Fälle auf Körperverletzungen und 77 auf Amok- und Bombendrohungen. Oldenburg macht für den starken Anstieg vor allem die zunehmende Polarisierung in der Gesellschaft, die Hinwendung zu extremen Positionen und eine Verrohung der Sprache verantwortlich.
Ein Programm soll Abhilfe schaffen
Mit einem neu aufgelegten Präventionskonzept will die Landesregierung nun der Zahl der Gewaltvorfälle entgegenwirken. Hierzu soll ein Leitfaden, der Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften klare Handlungsempfehlungen bietet und Kontaktstellen für Beratungsangebote auflistet, ein Mittel im Kampf gegen die Gewalt an unseren Schulen sein. Der große Vorteil, so Oldenburg: „Man muss nicht lange suchen, wo man Hilfe bekommt.” Darüber hinaus soll das “Streitschlichterprogramm”, für das unterstützende Pädagogen ausgebildet worden sind, sowie eigenständige Unterrichtsprogramme, die die Persönlichkeit der Schülerinnen und Schüler stärken, helfen, Schule wieder zu einem Umfeld des Miteinanders zu machen.
Neben den Maßnahmen, die in der Schule ergriffen werden, nimmt die Ministerin auch die Eltern ins Visier: Die Aufgabe, Gewalt an den Schulen zu reduzieren, allein an die Lehrkräfte zu adressieren, sei falsch. Denn “ bei Prävention sind alle gefragt”, so die LINKEN-Politikerin.
AfD übt Kritik
Wie so oft, wenn es um Fragen zum Bildungssystem geht, möchte die größte Oppositionspartei unseres Landes einen anderen Kurs einschlagen. Das ändert sich auch nicht mit Blick auf das neue Präventionsprogramm: “Die heute vorgestellten Konzepte des Bildungs- und Innenministeriums wirken wie operative Hektik, die systemisches Scheitern kaschieren soll”, so der Fraktionschef Nikolaus Kramer. Seine Idee: Autorität und Verantwortung wiederherstellen. Darüber hinaus soll sich auf ein Wertekonsens geeinigt werden, auf den sich sowohl Lehrkräfte als auch Eltern und die Gesellschaft stützen können.
Schülerrat begrüßt Vorhaben
Wie der Stadtschülerrat Schwerin auf Anfrage bestätigt, ist Gewalt eines der häufigsten Gesprächsthemen, wenn sie mit den Schweriner Schülerinnen und Schüler ins Gespräch kommen. Auf die Frage hin, wie sie das Konzept einordnen, fand der Vorsitzende Maximilian Aeberlin lobende Worte: “Als Schülerrat begrüßen wir ausdrücklich die Initiative von Bildungsministerin Simone Oldenburg, der zunehmenden Gewalt an unseren Schulen entschieden entgegenzutreten. Gewalt, Mobbing und Bedrohungen dürfen keinen Platz in unserem Schulalltag haben. Weder auf dem Pausenhof noch im Klassenzimmer.”



