Do, 13. August 2026
Close

Nach Tod von Giraffenjungtier Kato:
Peta fordert Aus für Giraffenhaltung – so reagiert der Zoo Schwerin

Nach dem Tod von Giraffenbulle Kato fordert Peta ein Ende der Giraffenhaltung im Zoo Schwerin. Der Zoo weist die Kritik zurück und verteidigt seine Tierhaltung und seinen Beitrag zum Artenschutz.

Avatar-Foto
  • Veröffentlicht Juli 13, 2026
Giraffenhaltung im Zoo Schwerin
Giraf­fen­bulle „Kato“ wenige Tage nach sein­er Geburt im Zoo Schw­erin. Foto: Zoo Schw­erin

 


In Kürze:

  • Der Anlass: Nach dem Tod des drei Monate alten Giraf­fen­bullen Kato fordert Peta ein Nachzucht- und Importver­bot für Giraf­fen sowie ein Ende der Giraf­fen­hal­tung im Zoo Schw­erin.
  • Die Kri­tik: Die Tier­recht­sor­gan­i­sa­tion wirft Zoos vor, Giraf­fen nicht art­gerecht hal­ten zu kön­nen, und bezweifelt zudem deren Beitrag zum Arten­schutz.
  • Die Reak­tion: Der Zoo Schw­erin weist die Vor­würfe zurück, vertei­digt die Hal­tungs­be­din­gun­gen und betont die Bedeu­tung der Erhal­tungszucht und inter­na­tionaler Arten­schutzpro­gramme.

 

Der Tod des jun­gen Giraf­fen­bullen Kato im Zoo Schw­erin hat eine Debat­te über die Hal­tung der Tiere aus­gelöst. Das erst drei Monate alte Kalb war Anfang Juli getötet wor­den, nach­dem sich sein Gesund­heit­szu­s­tand ver­schlechtert und es Anze­ichen von Schmerzen gezeigt hat­te. Bei anschließen­den Unter­suchun­gen wurde nach Angaben des Zoos eine Frak­tur im Bere­ich der Hal­swirbel­säule fest­gestellt.

Wie es zu der Ver­let­zung kam, ist bis­lang unklar. Nach Angaben des Zoos kön­nte Kato bei ein­er Auseinan­der­set­zung inner­halb der Gruppe oder durch einen Sturz ver­let­zt wor­den sein. Hinzu kam, dass seine Mut­ter Daisy das Jungti­er nicht angenom­men hat­te.

Die Tier­recht­sor­gan­i­sa­tion Peta nahm den Fall zum Anlass, grund­sät­zliche Kri­tik an der Hal­tung von Giraf­fen in zool­o­gis­chen Ein­rich­tun­gen zu üben. Sie fordert ein Nachzucht- und Importver­bot für Giraf­fen in deutschen Zoos. Zudem appel­lierte die Organ­i­sa­tion an die Zood­i­rek­tion und Schw­erins Ober­bürg­er­meis­ter Sebas­t­ian Ehlers, die Giraf­fen­hal­tung in der Lan­deshaupt­stadt zu been­den.

„Der aktuelle Fall in Schw­erin zeigt erneut: Die empfind­lichen Giraf­fen kön­nen in Gefan­gen­schaft nicht tierg­erecht gehal­ten wer­den und haben nichts im Zoo zu suchen“, so Peta-Biolo­gin Yvonne Würz.

Peta kritisiert Haltung von Giraffen in Zoos

Die Organ­i­sa­tion argu­men­tiert, dass Giraf­fen in freier Wild­bahn in kom­plex­en Sozialver­bän­den leben und große Gebi­ete durch­streifen. In Zoos seien die Tiere dage­gen eingeschränk­ten Sozialkon­tak­ten, beengten Gehe­gen und ins­beson­dere im Win­ter lan­gen Aufen­thal­ten in Stal­lun­gen aus­ge­set­zt.

 


Lesen Sie auch:
Giraf­fen­jungti­er Kato musste eingeschläfert wer­den

 

Peta ver­weist zudem auf gesund­heitliche Prob­leme und Ver­hal­tensstörun­gen bei Giraf­fen in men­schlich­er Obhut. Nach Angaben der Organ­i­sa­tion seien zwis­chen 2007 und 2026 in deutschen Zoos rund 50 Giraf­fen vorzeit­ig gestor­ben.

Bere­its 2024 hat­te es im Zoo Schw­erin einen ähn­lichen Fall gegeben. Damals wurde eben­falls ein Jungti­er von Mut­ter Daisy nicht angenom­men. Das Kalb wurde wenige Tage nach sein­er Geburt auf­grund von Fehlstel­lun­gen am Bewe­gungsap­pa­rat getötet.

Der Zoo Schw­erin wider­spricht der Kri­tik deut­lich. „Die grund­sät­zliche Kri­tik an der Hal­tung von Giraf­fen im Zoo Schw­erin weisen wir zurück“, heißt es in ein­er Stel­lung­nahme des Zoos gegenüber SNO.

Zoo Schwerin weist Vorwürfe zurück

Die Ver­ant­wortlichen kri­tisieren zudem die Grund­lage der Vor­würfe. „Darüber hin­aus han­delt es sich bei den Vor­wür­fen um all­ge­meine Aus­sagen zur Giraf­fen­hal­tung in Zoos, ohne Bezug zur konkreten Sit­u­a­tion im Zoo Schw­erin“, heißt es weit­er.

Auch die Beschrei­bung von beengten und ein­töni­gen Gehe­gen tre­ffe auf die Lan­deshaupt­stadt nicht zu. „Die Giraf­fen im Zoo Schw­erin leben in ein­er natur­na­hen Sozial­struk­tur auf ein­er reich struk­turi­erten Anlage, die im Rah­men von Umwelt­bere­icherungs-Maß­nah­men seit­ens des Tierpflege-Teams ständig abwech­slungsre­ich verän­dert wird“, so eine Zoo-Sprecherin weit­er.

Der Darstel­lung, die Tiere müssten wegen niedriger Tem­per­a­turen einen Großteil des Jahres im Stall ver­brin­gen, wider­sprechen die Ver­ant­wortlichen eben­falls. „Die Giraf­fen kön­nen über weite Teile des Jahres zwis­chen Innen- und Auße­nan­la­gen pen­deln.“

Auch Vor­würfe über Ver­hal­tensstörun­gen weist der Zoo zurück. Das Woh­lerge­hen und Ver­hal­ten der Giraf­fen werde von den Teams aus Tierpflege, Tier­medi­zin und Biolo­gie „eng­maschig überwacht“.

So überwacht der Zoo das Wohlergehen der Tiere

Grund­lage der Hal­tung seien die soge­nan­nten „Five Domains of Ani­mal Wel­fare“. Ernährung, Umwel­te­in­flüsse, kör­per­liche Gesund­heit, Ver­hal­ten und der men­tale Zus­tand seien „grundle­gende Bausteine der Tier­hal­tung im Zoo Schw­erin“.

Auch den Vor­wurf gesund­heitlich­er Prob­leme lässt der Zoo nicht gel­ten. „Keine der in Schw­erin gehal­te­nen Giraf­fen lei­det unter gesund­heitlichen Prob­le­men wie Lahmheit oder übergewach­se­nen Klauen“.

Besuch­er kön­nten nach Darstel­lung des Zoos zudem sehr wohl art­typ­is­ches Ver­hal­ten und soziale Inter­ak­tio­nen inner­halb der Gruppe beobacht­en. Sie hät­ten die Möglichkeit, „viel über diese bedro­hte Tier­gruppe zu ler­nen sowie sich für deren Erhalt stark zu machen“. Beson­ders deut­lich gehen die Posi­tio­nen von Peta und Zoo beim The­ma Arten­schutz auseinan­der.

Streit um den Beitrag von Zoos zum Artenschutz

Peta argu­men­tiert, dass in deutschen Zoos geborene Giraf­fen nicht aus­gewil­dert wür­den. Deshalb kön­nten zool­o­gis­che Ein­rich­tun­gen ihre Hal­tung nicht mit dem Schutz bedro­hter Arten begrün­den. Statt öffentliche Gelder für Zoos auszugeben, soll­ten nach Ansicht der Organ­i­sa­tion Arten­schutzpro­jek­te in den Herkun­ft­slän­dern unter­stützt wer­den.

Der Zoo Schw­erin wider­spricht. „Die Aus­sage, Zoos leis­teten keinen Beitrag zum Arten­schutz, entspricht wed­er dem aktuellen wis­senschaftlichen Ken­nt­nis­stand noch der inter­na­tionalen Naturschutzprax­is“.

Wis­senschaftlich geführte Zoos arbeit­eten heute im Rah­men des soge­nan­nten „One Plan Approach“. Dieser verbinde Maß­nah­men im natür­lichen Leben­sraum mit koor­dinierten Reserve­pop­u­la­tio­nen in men­schlich­er Obhut. „Eben­so bedeut­sam sind die Bere­iche ex-situ-Forschung, Umwelt­bil­dung, Unter­stützung von Forschungs- und Transloka­tion­spro­jek­ten im natür­lichen Ver­bre­itungs­ge­bi­et“, argu­men­tiert der Zoo.

Weniger als 4000 Nubische Giraffen in freier Wildbahn

Im Zoo Schw­erin wer­den Nubis­che Giraf­fen gehal­ten. Sie gehören zu den drei Unter­arten der Nördlichen Giraffe. Nach Angaben des Zoos lebten 2025 in den ursprünglichen Ver­bre­itungs­ge­bi­eten in Äthiopi­en, Kenia, Süd­su­dan und Ugan­da weniger als 4.000 Tiere. Die Unter­art gilt als kri­tisch vom Ausster­ben bedro­ht.

Die in europäis­chen Zoos leben­den Nördlichen Giraf­fen bilden unter dem Dach des Europäis­chen Zoover­bands EAZA eine koor­dinierte Reserve­pop­u­la­tion.

„Wir im Zoo Schw­erin tra­gen mit der koor­dinierten Erhal­tungszucht nicht nur ex-situ zum Erhalt dieser ikonis­chen, aber noch immer nicht von der Aus­rot­tung geretteten Tier(unter)art bei“, so eine Zoo-Sprecherin.

Zoo unterstützte Artenschutzprojekte in Afrika

Zudem ver­mit­tle der Zoo seinen Besuch­ern neben biol­o­gis­chen Fak­ten auch Wis­sen über die Gefahren für Giraf­fen. Dazu zählen nach Angaben des Zoos vor allem die Zer­schnei­dung von Leben­sräu­men durch land­wirtschaftliche Nutzung, Wilderei, Bürg­erkriege und die Fol­gen des Kli­mawan­dels.

In diesem Zusam­men­hang ver­weist die Ein­rich­tung auch auf die Arbeit der Giraffe Con­ser­va­tion Foun­da­tion in Afri­ka. Diese habe der Zoo in der Ver­gan­gen­heit bere­its finanziell aus Mit­teln des Umwel­teu­ros UWE unter­stützt.

Auch die Forderung nach einem Importver­bot weist der Zoo zurück. Die Beze­ich­nung könne den falschen Ein­druck erweck­en, dass Giraf­fen für europäis­che Zoos in der Wild­nis gefan­gen und nach Deutsch­land gebracht wür­den. „Was die Forderung zum ‚Importver­bot‘ ange­ht, sollte grund­sät­zlich klargestellt wer­den, dass keine wildleben­den Tiere aus den Ursprungs­ge­bi­eten ‚importiert‘ wer­den“.

Was der Zoo zur Forderung nach einem Importverbot sagt

Im Rah­men der Zucht- und Hal­tung­spro­gramme des Europäis­chen Zoover­bands wür­den Tiere über Län­der­gren­zen hin­weg zwis­chen zool­o­gis­chen Ein­rich­tun­gen aus­ge­tauscht. „Die Zucht- und Hal­tung­spro­gramme des Europäis­chen Zoover­bands EAZA sehen Zusam­men­führun­gen und Tauschs über Lan­des­gren­zen hin­weg vor, um genetis­che Vielfalt zu sich­ern und für die Tiere passende Grup­pen zu wählen“, erk­lärt der Zoo.

Dafür wür­den Tiere trans­portiert und somit for­mal importiert. „Sie wer­den dafür nicht aus Wildbestän­den ent­nom­men“.