Nach Tod von Giraffenjungtier Kato:
Peta fordert Aus für Giraffenhaltung – so reagiert der Zoo Schwerin
Nach dem Tod von Giraffenbulle Kato fordert Peta ein Ende der Giraffenhaltung im Zoo Schwerin. Der Zoo weist die Kritik zurück und verteidigt seine Tierhaltung und seinen Beitrag zum Artenschutz.

In Kürze:
- Der Anlass: Nach dem Tod des drei Monate alten Giraffenbullen Kato fordert Peta ein Nachzucht- und Importverbot für Giraffen sowie ein Ende der Giraffenhaltung im Zoo Schwerin.
- Die Kritik: Die Tierrechtsorganisation wirft Zoos vor, Giraffen nicht artgerecht halten zu können, und bezweifelt zudem deren Beitrag zum Artenschutz.
- Die Reaktion: Der Zoo Schwerin weist die Vorwürfe zurück, verteidigt die Haltungsbedingungen und betont die Bedeutung der Erhaltungszucht und internationaler Artenschutzprogramme.
Der Tod des jungen Giraffenbullen Kato im Zoo Schwerin hat eine Debatte über die Haltung der Tiere ausgelöst. Das erst drei Monate alte Kalb war Anfang Juli getötet worden, nachdem sich sein Gesundheitszustand verschlechtert und es Anzeichen von Schmerzen gezeigt hatte. Bei anschließenden Untersuchungen wurde nach Angaben des Zoos eine Fraktur im Bereich der Halswirbelsäule festgestellt.
Wie es zu der Verletzung kam, ist bislang unklar. Nach Angaben des Zoos könnte Kato bei einer Auseinandersetzung innerhalb der Gruppe oder durch einen Sturz verletzt worden sein. Hinzu kam, dass seine Mutter Daisy das Jungtier nicht angenommen hatte.
Die Tierrechtsorganisation Peta nahm den Fall zum Anlass, grundsätzliche Kritik an der Haltung von Giraffen in zoologischen Einrichtungen zu üben. Sie fordert ein Nachzucht- und Importverbot für Giraffen in deutschen Zoos. Zudem appellierte die Organisation an die Zoodirektion und Schwerins Oberbürgermeister Sebastian Ehlers, die Giraffenhaltung in der Landeshauptstadt zu beenden.
„Der aktuelle Fall in Schwerin zeigt erneut: Die empfindlichen Giraffen können in Gefangenschaft nicht tiergerecht gehalten werden und haben nichts im Zoo zu suchen“, so Peta-Biologin Yvonne Würz.
Peta kritisiert Haltung von Giraffen in Zoos
Die Organisation argumentiert, dass Giraffen in freier Wildbahn in komplexen Sozialverbänden leben und große Gebiete durchstreifen. In Zoos seien die Tiere dagegen eingeschränkten Sozialkontakten, beengten Gehegen und insbesondere im Winter langen Aufenthalten in Stallungen ausgesetzt.
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Peta verweist zudem auf gesundheitliche Probleme und Verhaltensstörungen bei Giraffen in menschlicher Obhut. Nach Angaben der Organisation seien zwischen 2007 und 2026 in deutschen Zoos rund 50 Giraffen vorzeitig gestorben.
Bereits 2024 hatte es im Zoo Schwerin einen ähnlichen Fall gegeben. Damals wurde ebenfalls ein Jungtier von Mutter Daisy nicht angenommen. Das Kalb wurde wenige Tage nach seiner Geburt aufgrund von Fehlstellungen am Bewegungsapparat getötet.
Der Zoo Schwerin widerspricht der Kritik deutlich. „Die grundsätzliche Kritik an der Haltung von Giraffen im Zoo Schwerin weisen wir zurück“, heißt es in einer Stellungnahme des Zoos gegenüber SNO.
Zoo Schwerin weist Vorwürfe zurück
Die Verantwortlichen kritisieren zudem die Grundlage der Vorwürfe. „Darüber hinaus handelt es sich bei den Vorwürfen um allgemeine Aussagen zur Giraffenhaltung in Zoos, ohne Bezug zur konkreten Situation im Zoo Schwerin“, heißt es weiter.
Auch die Beschreibung von beengten und eintönigen Gehegen treffe auf die Landeshauptstadt nicht zu. „Die Giraffen im Zoo Schwerin leben in einer naturnahen Sozialstruktur auf einer reich strukturierten Anlage, die im Rahmen von Umweltbereicherungs-Maßnahmen seitens des Tierpflege-Teams ständig abwechslungsreich verändert wird“, so eine Zoo-Sprecherin weiter.
Der Darstellung, die Tiere müssten wegen niedriger Temperaturen einen Großteil des Jahres im Stall verbringen, widersprechen die Verantwortlichen ebenfalls. „Die Giraffen können über weite Teile des Jahres zwischen Innen- und Außenanlagen pendeln.“
Auch Vorwürfe über Verhaltensstörungen weist der Zoo zurück. Das Wohlergehen und Verhalten der Giraffen werde von den Teams aus Tierpflege, Tiermedizin und Biologie „engmaschig überwacht“.
So überwacht der Zoo das Wohlergehen der Tiere
Grundlage der Haltung seien die sogenannten „Five Domains of Animal Welfare“. Ernährung, Umwelteinflüsse, körperliche Gesundheit, Verhalten und der mentale Zustand seien „grundlegende Bausteine der Tierhaltung im Zoo Schwerin“.
Auch den Vorwurf gesundheitlicher Probleme lässt der Zoo nicht gelten. „Keine der in Schwerin gehaltenen Giraffen leidet unter gesundheitlichen Problemen wie Lahmheit oder übergewachsenen Klauen“.
Besucher könnten nach Darstellung des Zoos zudem sehr wohl arttypisches Verhalten und soziale Interaktionen innerhalb der Gruppe beobachten. Sie hätten die Möglichkeit, „viel über diese bedrohte Tiergruppe zu lernen sowie sich für deren Erhalt stark zu machen“. Besonders deutlich gehen die Positionen von Peta und Zoo beim Thema Artenschutz auseinander.
Streit um den Beitrag von Zoos zum Artenschutz
Peta argumentiert, dass in deutschen Zoos geborene Giraffen nicht ausgewildert würden. Deshalb könnten zoologische Einrichtungen ihre Haltung nicht mit dem Schutz bedrohter Arten begründen. Statt öffentliche Gelder für Zoos auszugeben, sollten nach Ansicht der Organisation Artenschutzprojekte in den Herkunftsländern unterstützt werden.
Der Zoo Schwerin widerspricht. „Die Aussage, Zoos leisteten keinen Beitrag zum Artenschutz, entspricht weder dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand noch der internationalen Naturschutzpraxis“.
Wissenschaftlich geführte Zoos arbeiteten heute im Rahmen des sogenannten „One Plan Approach“. Dieser verbinde Maßnahmen im natürlichen Lebensraum mit koordinierten Reservepopulationen in menschlicher Obhut. „Ebenso bedeutsam sind die Bereiche ex-situ-Forschung, Umweltbildung, Unterstützung von Forschungs- und Translokationsprojekten im natürlichen Verbreitungsgebiet“, argumentiert der Zoo.
Weniger als 4000 Nubische Giraffen in freier Wildbahn
Im Zoo Schwerin werden Nubische Giraffen gehalten. Sie gehören zu den drei Unterarten der Nördlichen Giraffe. Nach Angaben des Zoos lebten 2025 in den ursprünglichen Verbreitungsgebieten in Äthiopien, Kenia, Südsudan und Uganda weniger als 4.000 Tiere. Die Unterart gilt als kritisch vom Aussterben bedroht.
Die in europäischen Zoos lebenden Nördlichen Giraffen bilden unter dem Dach des Europäischen Zooverbands EAZA eine koordinierte Reservepopulation.
„Wir im Zoo Schwerin tragen mit der koordinierten Erhaltungszucht nicht nur ex-situ zum Erhalt dieser ikonischen, aber noch immer nicht von der Ausrottung geretteten Tier(unter)art bei“, so eine Zoo-Sprecherin.
Zoo unterstützte Artenschutzprojekte in Afrika
Zudem vermittle der Zoo seinen Besuchern neben biologischen Fakten auch Wissen über die Gefahren für Giraffen. Dazu zählen nach Angaben des Zoos vor allem die Zerschneidung von Lebensräumen durch landwirtschaftliche Nutzung, Wilderei, Bürgerkriege und die Folgen des Klimawandels.
In diesem Zusammenhang verweist die Einrichtung auch auf die Arbeit der Giraffe Conservation Foundation in Afrika. Diese habe der Zoo in der Vergangenheit bereits finanziell aus Mitteln des Umwelteuros UWE unterstützt.
Auch die Forderung nach einem Importverbot weist der Zoo zurück. Die Bezeichnung könne den falschen Eindruck erwecken, dass Giraffen für europäische Zoos in der Wildnis gefangen und nach Deutschland gebracht würden. „Was die Forderung zum ‚Importverbot‘ angeht, sollte grundsätzlich klargestellt werden, dass keine wildlebenden Tiere aus den Ursprungsgebieten ‚importiert‘ werden“.
Was der Zoo zur Forderung nach einem Importverbot sagt
Im Rahmen der Zucht- und Haltungsprogramme des Europäischen Zooverbands würden Tiere über Ländergrenzen hinweg zwischen zoologischen Einrichtungen ausgetauscht. „Die Zucht- und Haltungsprogramme des Europäischen Zooverbands EAZA sehen Zusammenführungen und Tauschs über Landesgrenzen hinweg vor, um genetische Vielfalt zu sichern und für die Tiere passende Gruppen zu wählen“, erklärt der Zoo.
Dafür würden Tiere transportiert und somit formal importiert. „Sie werden dafür nicht aus Wildbeständen entnommen“.




