Großer Moor: Zweiter Bauabschnitt freigegeben

Oberbürgermeister Rico Badenschier gab am vergangenen Freitag den Schlachtermarkt und den zweiten Bauabschnitt Großer Moor offiziell für den Verkehr frei.

Foto: Landeshauptstadt Schwerin

 

Zwei große Baumaßnahmen zur städtebaulichen Aufwertung der Altstadt finden mit der Verkehrsfreigabe des zweiten Bauabschnitts des Großen Moor in Schwerin jetzt ihren Abschluss. „Mit der umfassenden Sanierung des Großen Moor ist im Bereich des Marstalls ein neuer Innenstadt-Zugang für Touristen und Besucher entstanden, eine barrierefreie Verbindungsachse zwischen Altstadt und Wasser. Die umfassende Sanierung des Schlachtermarktes hat zudem einen der beliebtesten historischen Plätze unserer Stadt in die Lage versetzt, den unterschiedlichen Nutzungen als Marktfläche, Veranstaltungsort, Freiluftrestaurant, Erholungsort und verkehrsberuhigte Anliegerstraße auch in Zukunft vollauf gerecht zu werden“, sagte Oberbürgermeister Rico Badenschier anlässlich der offiziellen Verkehrsfreigabe am Freitag. „Mein ganz besonderer Dank gilt den am Bau beteiligten Firmen.“

Wichtige Bestandteile der touristischen Infrastruktur

Beide Baumaßnahmen waren als Bausteine der touristischen Entwicklungskonzeption der Landeshauptstadt Schwerin 2011 als vordringlich herausgearbeitet worden. Die Neugestaltung und Sanierung des Schlachtermarktes (2018 – 2021), die nach Fertigstellung des ersten Bauabschnitts des Großen Moor im Bereich der Fußgängerzone (2017 – 2018) erfolgte, wurde durch eine Online-Bürgerbeteiligung eingeleitet, bei der Schwerinerinnen und Schweriner die erarbeiteten Gestaltungsvarianten der Planer ausführlich diskutiert und auch Verbesserungsvorschläge eingebracht haben. Im Zuge der baubegleitenden archäologischen Grabungen konnte auf dem Schlachtermarkt ein Friedhof mit Grablegungen aus dem Jahr 1160 nachgewiesen werden.

Die Platzgestaltung wurde vor allem im Bereich des Brunnens verändert. Der Platz wurde dunkel gepflastert, durch ein helles Pflasterband eingefasst und mit Bänken, versenkbaren Elektroanschlüssen und Papierkörben sowie Fahrradbügeln ausgestattet. An der Straßenkante zur Schlachterstraße wurde die Abgrenzung zur verkehrsberuhigten Anliegerstraße aufgehoben. Die Straße wurde asphaltiert. Der Platzbereich am beliebten Brunnen „Herrn Pastor sien Kauh“ blieb in bisheriger Höhensituation erhalten. Der aus 14 Linden bestehende Baumbestand wurde erneuert, jedoch das Pflanzmuster verändert. Die Baukosten beliefen sich auf insgesamt 1,8 Millionen Euro.

Startschuss für den 2,8 Millionen Euro teuren zweiten Bauabschnitt des Großen Moor war bereits im November 2019. Bis auf Restarbeiten in der angrenzenden Baderstraße sind die Baumaßnahmen abgeschlossen: „Ich danke den Bewohnerinnen und Bewohnern sowie den Gewerbetreibenden für ihre unendliche Geduld, die sie im Verlauf der Bauarbeiten an den Tag gelegt haben. Ich hoffe, dass sie sich durch das, was nun entstanden ist, entschädigt sehen. Mit dem Großen Moor ist eine schöne Flaniermeile entstanden, die die Altstadt mit dem Schweriner See verbindet“, sagt Bau- und Wirtschaftsdezernent Bernd Nottebaum.

Im Zuge der grundhaften Sanierung wurden zwischen der Einmündung der Landesrabbiner-Holdheim-Straße bis zur Einmündung in die Werderstraße alle Straßen- und Gehwegoberflächen sowie Ver- und Entsorgungsleitungen instandgesetzt bzw. erneuert. Die große Zahl dieser Leitungen und der zum Teil sehr schwierige Baugrund waren ausschlaggebend für die sehr lange Bauzeit. Ausführende Baufirma war die TuK- Tief- und Kulturbau GmbH Schwerin.

Neue Erkenntnisse zur Stadt- und Siedlungsgeschichte

Die Straße hat eine in Asphalt befestigte Fahrbahn erhalten. In den Kreuzungsbereichen beruhigen die Aufpflasterungen den Verkehr und ermöglichen es, die Fahrbahn barrierefrei zu überqueren. Das alleenartige Erscheinungsbild wurde durch die Neupflanzung von Silberlinden erhalten. Die Bestandsbäume konnten leider nicht erhalten werden, da sie über den zu erneuernden Leitungsträgern wurzelten. Die Zahl der Stellplätze und Alleebäume hat sich durch die Umgestaltung nicht verringert. Die Gehwege wurden auf der Südseite in Betonsteinpflaster ausgeführt, während auf der Nordseite die vorhandenen Granitplatten Wiederverwendung fanden. Neue Bänke, Fahrradbügel und Papierkörbe komplettieren das Erscheinungsbild des neuen Eingangstors zur Schweriner Altstadt.

Das Bauvorhaben hat auch eine große archäologische Bergung und Dokumentation von Teilen des Bodendenkmals „Altstadt Schwerin“ ermöglicht, die einige neue Erkenntnisse zur Stadt- und Siedlungsgeschichte ergab: Während am Schlachtermarkt Artefakte erwartet worden waren, brachten die Bergungen am Großen Moor überraschende Funde. Das zentrale, dominierende Resultat war der Nachweis eines schiffbaren Kanals den Großen Moor hinauf. Seine Anfänge liegen im 13. Jahrhundert. Er ist der Grund für den auch heute noch breiten Straßenraum, der untypisch für eine Altstadtstraße ist.

Die Baumaßnahmen wurden aus dem Kommunalinvestitionsförderprogramm des Bundes in Höhe von 570.000 Euro (Schlachtermarkt) und aus Mitteln des Landes Mecklenburg-Vorpommern (Großer Moor) in Höhe von 507.000 Euro gefördert.

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