Schwerin stellt die Weichen für die Zukunft:
Großprojekte prägen die kommenden Jahre
Von Schulneubau über Feuerwehr, Wärmeplanung und neue Wohnquartiere bis zur möglichen Landesgartenschau – 2026 wird für die Stadtentwicklung zum Schlüsseljahr.

Im Schweriner Stadthaus wird in diesem Jahr kräftig angepackt. Vor allem im Fachbereich Bauen und Stadtentwicklung stehen zahlreiche Aufgaben an, damit wichtige Bauprojekte rechtzeitig auf den Weg gebracht werden können. Der Grund: Bereits 2026 sollen erste größere Baumaßnahmen starten, die für die Entwicklung der Landeshauptstadt von zentraler Bedeutung sind. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Neubau der Beruflichen Schule Gesundheit und Sozialwesen (GeSo) in Neu Zippendorf. Bis Mitte 2026 sollen dort die Erschließungsarbeiten beginnen. In dem neuen Schulkomplex werden künftig rund 1.800 Berufsschüler lernen. Die bisherigen Standorte in der Dr.-Hans-Wolf-Straße, der Arsenalstraße und der Werkstraße werden damit zusammengeführt. Ab Februar 2030 soll die Ausbildung in gewerblichen, sozialen und medizinischen Berufen in modernen Lehr- und Praxisräumen starten. Bestandteil des Projekts ist außerdem eine neue Dreifeldsporthalle mit Zuschauertribüne, die auch für Vereinswettkämpfe und Veranstaltungen genutzt werden kann. Die Baukosten liegen bei 138 Millionen Euro. „Bis Oktober 2029 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein“, sagt Oberbürgermeister Bernd Nottebaum (CDU).
Sicherheit und Energie im Blick
Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Fortschreibung des Brandschutzbedarfsplans für die Jahre 2026 bis 2031. Dabei werden sämtliche Abläufe von der Alarmierung bis zum Katastropheneinsatz überprüft. Vorgesehen ist auch eine räumliche Erweiterung der Feuerwehr an der Ludwigsluster Chaussee, wo sich die Leitstelle befindet. Die Planungen und Genehmigungen sollen 2026 abgeschlossen werden, der Baustart ist für 2027 vorgesehen. Parallel dazu arbeitet die Stadt an ihrer künftigen Energieversorgung. Spätestens im Sommer 2026 soll die neue Wärmekonzeption vorliegen. Sie dient als Orientierung für Investitionen und Bauvorhaben von Unternehmen, Vermietern und privaten Haushalten. Ziel ist eine sichere, planbare und klimafreundliche Wärmeversorgung. Eine Bürgerbeteiligung ist im Frühjahr geplant. Die Wärmeplanung gilt als wichtiger Schritt auf dem Weg zu den Klimazielen bis 2045.
Mehr Platz und Sicherheit für Radfahrer
Auch im Straßenbau setzt Schwerin neue Schwerpunkte. Ab 2026 stehen weitere Straßenerneuerungen an, bei denen die Sicherheit von Radfahrern verbessert werden soll. In Neumühle beginnt im Frühjahr der Ausbau der Schwalbenstraße. Ende 2026 folgt der Abschnitt der Neumühler/Wittenburger Straße zwischen Netto und Obotritenring, wo der bislang aufgemalte Radweg einer sicheren Lösung für alle Verkehrsteilnehmer weicht. Zudem wird die Mecklenburgstraße zwischen IHK und Platz der Jugend zur Fahrradstraße umgebaut. Für die Brückenverbindung zur Stadionstraße sind die Fördermittel bereits bis spätestens 2028 gesichert.
Berliner Platz soll neue Stadtteilmitte werden

Mit der Überplanung soll dem einstigen DDR-Vorzeige-Quartier am Berliner Platz neues Leben eingehaucht werden. Planer sprechen von der „Neuen Mitte“ (Ideenskizze unten) für die Stadtteile Großer Dreesch, Neu Zippendorf und Mueßer Holz. Dafür wurde in den vergangenen Jahren durch den Abriss alter Wohnblöcke Platz geschaffen. Stand jetzt beginnen die bauvorbereitenden Maßnahmen im ersten Bauabschnitt auf dem 14.500 Quadratmeter großen Grundstück im Juni 2026. Unter Federführung der Wohnungsgesellschaft Schwerin (WGS) sind etwa 370 neue Wohnungen mit einer Wohnfläche von insgesamt 25.000 Quadratmetern geplant, darunter auch Sozialwohnungen. Ab Mitte 2027 sollen die ersten Wohnhäuser im Rohbau stehen. Eingebunden in das Großprojekt ist die neue Berufliche Schule der Stadt an der Pankower Straße (Foto oben). 77 Millionen Euro Gesamtbaukosten sind für das Wohnquartier veranschlagt. Für die Erschließung zeichnet sich das Zentrale Gebäudemanagement (ZGM) verantwortlich.
Industriepark entwickelt sich
Der neue Autobahnzubringer „Schwerin-Süd“ kommt. Mit vier Millionen Euro beteiligt sich Schwerin daran. Damit wird die Voraussetzung für weitere Ansiedelungen geschaffen. 50 Prozent der Gesamtfläche im Industriepark sind schon an Investoren verkauft, rund 35 Prozent sind aktuell belegt. Die Stadt befindet sich mit weiteren Interessenten im Gespräch.
Neues Wohnen auf Warnitzer Feld

Nach dem ständigen Hin und Her zwischen dem ehemaligen Oberbürgermeister Rico Badenschier und den Fraktionen in der Stadtvertretung steht nun fest: Das neue Wohngebiet „Warnitzer Feld“ wird umgesetzt (Grafik). Noch im ersten Halbjahr soll der B‑Plan offengelegt werden. Wenn es keine Einwände gibt, könnte mit der Erschließung zum Jahresende begonnen werden. Etwa 1.000 Wohnungen sollen nach jetzigem Stand im Norden Schwerins gebaut werden. Einfamilienhäuser, Tiny-Häuser, Mietwohnungen und auch Sozialwohnungen stehen auf dem Plan. Das Vorhaben wird in Zusammenarbeit mit der Landesgrunderwerbsgesellschaft realisiert, die bereits entsprechende Flächen erworben und eine erhebliche Summe investiert hat. Frühestens 2027 rechnen die Stadtplaner mit dem Baustart.
Wohnen mit Blick auf den See

In der Weststadt, auf dem Gelände der ehemaligen Berufsschule an der Johannes-Brahms-Straße und angrenzenden SWG-Flächen, werden auf dem insgesamt 22.000 Quadratmetern großen Areal rund 200 Wohnungen entstehen. Nach Vorstellungen der SWG könnten vier Wohngebäude im östlichen und drei Häuser im westlichen Teil mit barrierearmen und barrierefreien Wohnungen auf vier Etagen plus Staffelgeschoss gebaut werden. Auch öffentlich geförderte Wohnungen sind geplant. „Es sollen möglichst alle Generationen und Schichten berücksichtigt werden“, sagt Vorstandsvorsitzender Guido Müller. Rund 50 Millionen Euro investiert die Genossenschaft dafür. Damit es im Frühjahr 2027 mit der Erschließung losgehen kann, müssen 2026 die baurechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden.
Machbarkeitsstudie Landesgartenschau

2026 wird die Stadt in Abstimmung mit „Pro Schwerin“ eine sogenannte Machbarkeitsstudie für die Landesgartenschau erstellen. Zum Sommer soll dann feststehen, ob sich Schwerin für die Durchführung bewirbt. Die Landeshauptstadt, die seit 2025 zum Welterbe gehört, will sich die Landesgartenschau 2035 sichern. Es geht um eine 40 Hektar große Fläche am alten Güterbahnhof (Foto). Das Gelände – wo heute Schienen vor sich hinrosten und Gebäude verfallen – soll von Altlasten befreit und eine „Grüne Lunge“ für Schwerin werden. Ähnlich wie bei der BUGA 2009 versprechen sich die Initiatoren positive touristische Effekte sowie die Belebung einer Brache.
Tourismuskonzept wird angepasst
Mit Auflösung der Stadtmarketinggesellschaft und Eingliederung in die Stadtverwaltung zum 1. Januar wird das „Touristische Entwicklungskonzept“ angepasst. Der Welterbe-Status soll stärker in den Fokus rücken und dabei helfen, mehr Langzeittouristen in die Stadt zu locken. Hotelkapazitäten werden erweitert, aber auch Veranstaltungen neu konzipiert. Ebenso wird die digitale Vermarktung einen neuen Stellenwert bekommen. Fest steht aber: Bewährtes soll bleiben.



