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Gibt es „Hinterzimmer-Absprachen“ in Schwerin?
Hälfte der Stadtvertretung schweigt

Wir fragten bei den Fraktionen an, ob es aus ihrer Sicht „Hinterzimmer-Absprachen“ in Schwerin gibt. Nur die Hälfte der Stadtfraktionen antwortete.

  • Veröffentlicht September 14, 2026
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Sitzung des Hauptausschusses im Rathaus vor einer Sitzung der Stadtvertretung. (Foto: Chris Loose)
Sitzung des Haup­tauss­chuss­es im Rathaus. (Foto: Chris Loose)

Vor etwas mehr als ein­er Woche veröf­fentlichte Schw­erin Lokal einen Kom­men­tar zu „Hin­terz­im­mer-Absprachen“ in der Schw­er­iner Ver­wal­tung und Stadtvertre­tung. Darin kündigten wir auch an, die Frak­tio­nen zu diesem The­ma zu befra­gen. Die Frak­tio­nen um die AfD, die Grü­nen und die „Unab­hängi­gen Bürg­er“ haben sich geäußert. Die Frak­tio­nen um die CDU, die SPD und die Linke hüllen sich in Schweigen. In Zahlen gerech­net äußern sich damit mehr Stadtvertreter nicht zu „Hin­terz­im­mer-Absprachen“ als Stadtvertreter, die dazu eine Stel­lung beziehen.

Daran ist beson­ders inter­es­sant, dass diese drei Frak­tio­nen in der Ver­gan­gen­heit den größten Ein­fluss auf das Geschehen in und um Schw­erin hat­ten: Aus den Rei­hen von CDU, SPD und Linken kamen und kom­men ein Großteil der Dez­er­nen­ten, des Stadt­prä­sid­i­ums und die Ober­bürg­er­meis­ter. Die Antworten der “Unab­hängi­gen Bürg­er”, der Grü­nen und der AfD geben wir euch natür­lich trotz­dem wieder. Die Rei­hen­folge ori­en­tiert sich am Zeit­punkt der Antwort. Wer schneller war, ste­ht weit­er oben.

Frühzeitige Information, Transparenz und offenen Austausch

Die Frak­tion der „Unab­hängi­gen Bürg­er“ (kurz UB) möchte nicht von „Hin­terz­im­mer-Absprachen“ sprechen, solange keine konkreten Beweise vor­liegen. Die UBs sehen jedoch Anlass zu hin­ter­fra­gen, ob poli­tis­che Entschei­dun­gen in Schw­erin offen getrof­fen wer­den. Als Beispiel nen­nt die Frak­tion die aktuelle Neube­set­zung des Stadt­prä­sid­i­ums. Auch bei der Ver­gabe von Kan­inchen­werder soll Trans­parenz wichtig sein: „Wenn sich wesentliche Rah­menbe­din­gun­gen nach ein­er Auss­chrei­bung bzw. einem Inter­essen­bekun­dungsver­fahren verän­dern, muss nachvol­lziehbar sein, wie und warum dies geschieht und ob die zuständi­gen Gremien einzubeziehen sind“, so der Frak­tionsvor­sitzende Man­fred Strauß.

Genug in Entschei­dun­gen einge­bun­den, fühlt sich die Frak­tion nicht immer. Strauß dazu: “Die Frak­tio­nen soll­ten nicht erst mit einem fer­ti­gen Ergeb­nis kon­fron­tiert wer­den, son­dern frühzeit­ig die Möglichkeit bekom­men, sich mit wesentlichen Fra­gen und unter­schiedlichen Optio­nen auseinan­derzuset­zen.” Laut der Frak­tion muss die Ver­wal­tung hand­lungs­fähig bleiben und auch Dinge intern vor­bere­it­en und entschei­den kön­nen. Die Frak­tion wün­scht sich trotz­dem mehr frühzeit­ige Infor­ma­tion, Trans­parenz und einen offe­nen Aus­tausch.

Gut vernetzte Interessen- und Lobbygruppen

Auch die Frak­tion um die Grü­nen möchte den Begriff „Hin­terz­im­mer-Absprachen“ nicht pauschal ver­wen­den. Die Frak­tion hat den Ein­druck, dass es in Schw­erin gut ver­net­zte Inter­essen- und Lob­by­grup­pen mit einem beson­deren Zugang zur Ver­wal­tung und zu poli­tisch Ver­ant­wortlichen gibt. Als Beispiel nen­nt der Frak­tionsvor­sitzende Arndt Müller den Vere­in „Pro Schw­erin“: „Der Vere­in set­zt sich sehr engagiert für bes­timmte Vorhaben und Entwick­lun­gen in Schw­erin ein. Gle­ichzeit­ig gehören ihm auch Per­so­n­en an, die bei der Umset­zung solch­er Vorhaben wirtschaftlich tätig wer­den kön­nen.“ In Bezug auf die Lan­des­garten­schau muss, so Müller, in diesem Fall für aus­re­ichende Trans­parenz gesorgt wer­den. Ähn­liche Fra­gen stellen sich für Müller auch beim 600.000-Euro-Stadtpark am Nor­dufer des Ziegelin­nensees und beim War­nitzer Feld.

Die Grü­nen sehen das Prob­lem in Schw­erin darin, dass die Ver­wal­tung die Stadtvertre­tung oft vor fast vol­len­dete Tat­sachen stellt. Das soll dann so ablaufen: Die Ver­wal­tung und Fir­men oder Geschäft­sleute entwick­eln einen Plan. Der wird aus­gear­beit­et, entwick­elt und es entste­hen bere­its Kosten. Wenn dann die Stadtvertre­tung ein­be­zo­gen wird, wird durch die Ver­wal­tung der Ein­druck ver­mit­telt, dass ein Kur­swech­sel kaum noch möglich sei. Müller dazu: “Wenn bere­its Geld aus­gegeben und konkrete Pla­nun­gen angestoßen wor­den sind, entste­ht für die Poli­tik zwangsläu­fig ein erhe­blich­er Entschei­dungs­druck.” Die Grü­nen wün­schen sich, dass die Stadt­poli­tik früher einge­bun­den wird. Dann kön­nte auch die Ver­wal­tung ent­lastet wer­den, da keine poli­tis­chen Kon­flik­te auftreten, wenn bere­its viel Aufwand betrieben wurde.

Absprachen werden gerne geleugnet

Die AfD sagt, dass es in Schw­erin viele „Hin­terz­im­mer-Absprachen“ gibt. Auch wenn die dann von den Beteiligten natür­lich geleugnet wer­den. Die Frak­tionsvor­sitzende Petra Fed­er­au sagt dazu: „Wenn unter den anderen Frak­tio­nen nach dem Mot­to ‚Gib­st du mir, dann geb ich dir‘ Absprachen zur Beset­zung von Spitzen­po­si­tio­nen in der Ver­wal­tung und der Stadtvertre­tung getrof­fen wer­den, dann ver­wun­dert es nicht, wenn die Bürg­er das Ver­trauen in die Poli­tik ver­lieren.“ Sondierungs­ge­spräche beze­ich­net die AfD als vol­lkom­men legit­im, die Ver­gan­gen­heit soll jedoch Anlass gegeben haben, dass sich der Ver­dacht auf vorherige Absprachen mehrmals bestätigt hat.

Zur Zusam­me­nar­beit zwis­chen Stadtvertre­tung und Stadtver­wal­tung sagt Fed­er­au: „Das Ver­trauen in die Ver­wal­tungsar­beit wird ab und zu erschüt­tert.“ Als Beispiele nen­nt sie die Kon­tro­verse um die Beset­zung der ZGM-Werkleitung und die geplante Ver­pach­tung des Hafens von Kan­inchen­werder. Luft nach oben sieht die AfD bei der Trans­parenz der Ver­wal­tung, um die Stadt­frak­tio­nen in Entschei­dun­gen einzu­binden. Fed­er­au und die AfD hof­fen, dass das Ver­sprechen des neuen Ober­bürg­er­meis­ters Sebas­t­ian Ehlers (CDU) auf gute Zusam­me­nar­beit keine leere Worthülse bleibt.

Hälfte der Stadtvertretung schweigt

Die Frak­tio­nen, die in der Ver­gan­gen­heit weniger in die weg­weisenden Entschei­dun­gen in der Stadt einge­bun­den waren, haben sich geäußert. Von „Hin­terz­im­mer-Absprachen“ wollen nicht alle sprechen, aber zufrieden sind sie auch nicht. Offen ist, was die SPD, die CDU und die Linken zu „Hin­terz­im­mer-Absprachen“ zu sagen haben. Vielle­icht kon­nte man sich in den Frak­tio­nen nicht auf Antworten eini­gen. Oder es gab Absprachen in Hin­terz­im­mern, dass keine Antwort ver­schickt wird. Vielle­icht wurde auch die Entschei­dung getrof­fen, dass man ver­sucht, unan­genehme Fra­gen lieber auszusitzen. Ohne Antworten ist das schw­er einzuschätzen.


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