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Sicherer Heimweg per Bus:
Stadtvertretung berät über „Halten auf Wunsch“

Abends näher an der Haustür aussteigen: In Schwerin soll ein neuer Nachtservice im Busverkehr mehr Sicherheit bringen. Die UB/FDP-Fraktion hat dazu einen Antrag eingebracht, die Verwaltung signalisiert Zustimmung.

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  • Veröffentlicht Dezember 22, 2025
Halten auf Wunsch Schwerin
Ein Bus ist unter­wegs. Mit dem geplanten Ser­vice „Hal­ten auf Wun­sch“ kön­nten Fahrgäste kün­ftig nach 20 Uhr näher an ihrem Ziel aussteigen kön­nen. Foto: Ost­seewelle­hi­tra­dioEigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Link

Wer in den Abend­stun­den mit dem Bus unter­wegs ist, ste­ht am Ende der Fahrt oft vor der­sel­ben Her­aus­forderung: Die reg­uläre Hal­testelle liegt nicht immer dort, wo der Heimweg tat­säch­lich begin­nt. Beson­ders nach 20 Uhr müssen Fahrgäste nicht sel­ten län­gere Streck­en zu Fuß zurück­le­gen – durch schlecht beleuchtete Straßen, ruhige Wohnge­bi­ete oder wenig fre­quen­tierte Wege. Für viele Men­schen bedeutet das ein spür­bar gerin­geres Sicher­heits­ge­fühl.

Genau an diesem Punkt set­zt ein neuer Antrag der UB/FDP-Frak­tion in der Schw­er­iner Stadtvertre­tung an. Mit dem Nacht­ser­vice „Hal­ten auf Wun­sch“ soll der Busverkehr flex­i­bler gestal­tet wer­den. Busse des Nahverkehrs Schw­erin (NVS) sollen ab 20 Uhr – sofern es die Verkehrs- und Sicher­heit­slage zulässt – auch zwis­chen reg­ulären Hal­testellen anhal­ten dür­fen. Ziel ist es, Fahrgästen einen sicher­eren und kürz­eren Heimweg zu ermöglichen und damit den öffentlichen Nahverkehr ins­ge­samt attrak­tiv­er zu machen.

Antrag für mehr Sicherheit und kürzere Wege

Der Antrag sieht vor, den Ober­bürg­er­meis­ter zu beauf­tra­gen, Gespräche mit dem NVS zu führen. Dabei soll geprüft wer­den, wie der Nacht­ser­vice flächen­deck­end im Stadt­ge­bi­et einge­führt wer­den kann. Das Prinzip ist dabei bewusst ein­fach gehal­ten: Fahrgäste kön­nen dem Fahrper­son­al rechtzeit­ig sig­nal­isieren, dass sie zwis­chen zwei Hal­testellen aussteigen möcht­en. Der Bus hält dann an ein­er geeigneten Stelle, an der wed­er der Verkehrs­fluss noch die Sicher­heit gefährdet wer­den.

In der Begrün­dung des Antrags macht die UB/FDP-Frak­tion deut­lich, dass es sich um ein in anderen Städten bere­its erprobtes Mod­ell han­delt. Unter dem Mot­to „Hal­ten auf Wun­sch“ ist es dort möglich, dass Busse in den Abend- und Nacht­stun­den zwis­chen zwei Hal­testellen stop­pen, um einen sicheren Ausstieg zu ermöglichen. Aus Sicht der Frak­tion sprechen vor allem kürzere Wege nach Hause und ein erhöht­es Sicher­heits­ge­fühl für diesen Ser­vice. Ger­ade in Zeit­en mit gerin­gerem Verkehrsaufkom­men könne diese Flex­i­bil­ität einen spür­baren Unter­schied für die Fahrgäste machen.

Darüber hin­aus wird betont, dass der Nacht­ser­vice nicht nur dem Sicher­heit­saspekt dient. Durch eine attrak­ti­vere Gestal­tung des ÖPNV kön­nten mehr Men­schen motiviert wer­den, auch abends den Bus zu nutzen. Das stärke den öffentlichen Nahverkehr ins­ge­samt und leiste zugle­ich einen Beitrag zu Umwelt- und Kli­mazie­len, da der Indi­vid­u­alverkehr reduziert wer­den könne.

Positive Stellungnahme aus der Verwaltung

Rück­en­wind erhält der Antrag aus der Stadtver­wal­tung. In ihrer Stel­lung­nahme kommt sie zu dem Ergeb­nis, dass der Vorstoß rechtlich zuläs­sig ist und in den eige­nen Wirkungskreis der Kom­mune fällt. Es han­delt sich um eine neue frei­willige Auf­gabe, konkrete finanzielle Mehrbe­las­tun­gen wer­den derzeit jedoch nicht gese­hen. Ein Kos­ten­deck­ungsvorschlag ist nach Ein­schätzung der Ver­wal­tung daher nicht erforder­lich. Entsprechend emp­fiehlt sie der Stadtvertre­tung, dem Antrag zuzus­tim­men.

Gle­ichzeit­ig macht die Ver­wal­tung deut­lich, dass die prak­tis­che Umset­zung an klare Bedin­gun­gen geknüpft ist. Das Anhal­ten auf Wun­sch könne nur dort erfol­gen, wo es die Straßen- und Sicher­heit­slage zulasse. Die Ver­ant­wor­tung für die Entschei­dung im Einzelfall liege beim Fahrper­son­al, das die Sit­u­a­tion vor Ort am besten ein­schätzen könne. Damit soll gewährleis­tet wer­den, dass der zusät­zliche Ser­vice nicht zu gefährlichen Verkehrssi­t­u­a­tio­nen führt.

Ein weit­er­er wichtiger Bestandteil des Antrags ist die Trans­parenz gegenüber den Fahrgästen. Die UB/FDP-Frak­tion fordert eine klare Infor­ma­tion­spflicht. Fahrgäste sollen genau wis­sen, ab wann der Nacht­ser­vice gilt, wie er genutzt wer­den kann und welche Voraus­set­zun­gen erfüllt sein müssen. Denkbar sind Hin­weise in den Bussen, auf der Inter­net­seite des NVS oder über dig­i­tale Fahrgastin­for­ma­tio­nen. Ergänzend ist eine regelmäßige Auswer­tung vorge­se­hen: Ein­mal jährlich soll die Stadtvertre­tung darüber informiert wer­den, wie häu­fig der Ser­vice genutzt wurde und wie hoch die Umset­zungsquote ist.

Orientierung an bewährten Modellen

In der Antrags­be­grün­dung ver­weist die UB/FDP-Frak­tion aus­drück­lich auf Beispiele aus anderen Städten. Beson­ders das Ros­tock­er Mod­ell dient dabei als Ori­en­tierung. Dort wird das „Hal­ten auf Wun­sch“ bere­its prak­tiziert und als Beitrag zu mehr Sicher­heit im Abend­verkehr ver­standen. Die Über­nahme eines solchen Mod­ells könne aus Sicht der Antrag­steller auch in Schw­erin dazu beitra­gen, die Zufrieden­heit der Fahrgäste zu erhöhen und den ÖPNV zeit­gemäß weit­erzuen­twick­eln.

Neben dem Sicher­heits­ge­fühl spielt auch die Leben­squal­ität eine Rolle. Wer weiß, dass der Bus abends näher am Ziel hält, fühlt sich im All­t­ag ent­lastet. Ger­ade für Men­schen ohne Auto oder mit eingeschränk­ter Mobil­ität kann das Ange­bot einen echt­en Mehrw­ert darstellen. Zugle­ich bleibt der Ser­vice bewusst flex­i­bel und sit­u­a­tion­s­ab­hängig, um den unter­schiedlichen Gegeben­heit­en im Stadt­ge­bi­et Rech­nung zu tra­gen.

Ob und wann der Nacht­ser­vice „Hal­ten auf Wun­sch“ in Schw­erin einge­führt wird, hängt nun von der Entschei­dung der Stadtvertre­tung ab. Sollte sie dem Antrag zus­tim­men, fol­gen Gespräche zwis­chen Ober­bürg­er­meis­ter und NVS über die konkrete Umset­zung.

Fest ste­ht bere­its jet­zt: Der Antrag greift ein The­ma auf, das viele Schw­er­iner­in­nen und Schw­er­iner direkt bet­rifft. Der Heimweg am Abend gehört für viele zum All­t­ag – und kön­nte mit dem geplanten Nacht­ser­vice kün­ftig kürz­er, sicher­er und angenehmer wer­den.