Sicherer Heimweg per Bus:
Stadtvertretung berät über „Halten auf Wunsch“
Abends näher an der Haustür aussteigen: In Schwerin soll ein neuer Nachtservice im Busverkehr mehr Sicherheit bringen. Die UB/FDP-Fraktion hat dazu einen Antrag eingebracht, die Verwaltung signalisiert Zustimmung.

Wer in den Abendstunden mit dem Bus unterwegs ist, steht am Ende der Fahrt oft vor derselben Herausforderung: Die reguläre Haltestelle liegt nicht immer dort, wo der Heimweg tatsächlich beginnt. Besonders nach 20 Uhr müssen Fahrgäste nicht selten längere Strecken zu Fuß zurücklegen – durch schlecht beleuchtete Straßen, ruhige Wohngebiete oder wenig frequentierte Wege. Für viele Menschen bedeutet das ein spürbar geringeres Sicherheitsgefühl.
Genau an diesem Punkt setzt ein neuer Antrag der UB/FDP-Fraktion in der Schweriner Stadtvertretung an. Mit dem Nachtservice „Halten auf Wunsch“ soll der Busverkehr flexibler gestaltet werden. Busse des Nahverkehrs Schwerin (NVS) sollen ab 20 Uhr – sofern es die Verkehrs- und Sicherheitslage zulässt – auch zwischen regulären Haltestellen anhalten dürfen. Ziel ist es, Fahrgästen einen sichereren und kürzeren Heimweg zu ermöglichen und damit den öffentlichen Nahverkehr insgesamt attraktiver zu machen.
Antrag für mehr Sicherheit und kürzere Wege
Der Antrag sieht vor, den Oberbürgermeister zu beauftragen, Gespräche mit dem NVS zu führen. Dabei soll geprüft werden, wie der Nachtservice flächendeckend im Stadtgebiet eingeführt werden kann. Das Prinzip ist dabei bewusst einfach gehalten: Fahrgäste können dem Fahrpersonal rechtzeitig signalisieren, dass sie zwischen zwei Haltestellen aussteigen möchten. Der Bus hält dann an einer geeigneten Stelle, an der weder der Verkehrsfluss noch die Sicherheit gefährdet werden.
In der Begründung des Antrags macht die UB/FDP-Fraktion deutlich, dass es sich um ein in anderen Städten bereits erprobtes Modell handelt. Unter dem Motto „Halten auf Wunsch“ ist es dort möglich, dass Busse in den Abend- und Nachtstunden zwischen zwei Haltestellen stoppen, um einen sicheren Ausstieg zu ermöglichen. Aus Sicht der Fraktion sprechen vor allem kürzere Wege nach Hause und ein erhöhtes Sicherheitsgefühl für diesen Service. Gerade in Zeiten mit geringerem Verkehrsaufkommen könne diese Flexibilität einen spürbaren Unterschied für die Fahrgäste machen.
Darüber hinaus wird betont, dass der Nachtservice nicht nur dem Sicherheitsaspekt dient. Durch eine attraktivere Gestaltung des ÖPNV könnten mehr Menschen motiviert werden, auch abends den Bus zu nutzen. Das stärke den öffentlichen Nahverkehr insgesamt und leiste zugleich einen Beitrag zu Umwelt- und Klimazielen, da der Individualverkehr reduziert werden könne.
Positive Stellungnahme aus der Verwaltung
Rückenwind erhält der Antrag aus der Stadtverwaltung. In ihrer Stellungnahme kommt sie zu dem Ergebnis, dass der Vorstoß rechtlich zulässig ist und in den eigenen Wirkungskreis der Kommune fällt. Es handelt sich um eine neue freiwillige Aufgabe, konkrete finanzielle Mehrbelastungen werden derzeit jedoch nicht gesehen. Ein Kostendeckungsvorschlag ist nach Einschätzung der Verwaltung daher nicht erforderlich. Entsprechend empfiehlt sie der Stadtvertretung, dem Antrag zuzustimmen.
Gleichzeitig macht die Verwaltung deutlich, dass die praktische Umsetzung an klare Bedingungen geknüpft ist. Das Anhalten auf Wunsch könne nur dort erfolgen, wo es die Straßen- und Sicherheitslage zulasse. Die Verantwortung für die Entscheidung im Einzelfall liege beim Fahrpersonal, das die Situation vor Ort am besten einschätzen könne. Damit soll gewährleistet werden, dass der zusätzliche Service nicht zu gefährlichen Verkehrssituationen führt.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Antrags ist die Transparenz gegenüber den Fahrgästen. Die UB/FDP-Fraktion fordert eine klare Informationspflicht. Fahrgäste sollen genau wissen, ab wann der Nachtservice gilt, wie er genutzt werden kann und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Denkbar sind Hinweise in den Bussen, auf der Internetseite des NVS oder über digitale Fahrgastinformationen. Ergänzend ist eine regelmäßige Auswertung vorgesehen: Einmal jährlich soll die Stadtvertretung darüber informiert werden, wie häufig der Service genutzt wurde und wie hoch die Umsetzungsquote ist.
Orientierung an bewährten Modellen
In der Antragsbegründung verweist die UB/FDP-Fraktion ausdrücklich auf Beispiele aus anderen Städten. Besonders das Rostocker Modell dient dabei als Orientierung. Dort wird das „Halten auf Wunsch“ bereits praktiziert und als Beitrag zu mehr Sicherheit im Abendverkehr verstanden. Die Übernahme eines solchen Modells könne aus Sicht der Antragsteller auch in Schwerin dazu beitragen, die Zufriedenheit der Fahrgäste zu erhöhen und den ÖPNV zeitgemäß weiterzuentwickeln.
Neben dem Sicherheitsgefühl spielt auch die Lebensqualität eine Rolle. Wer weiß, dass der Bus abends näher am Ziel hält, fühlt sich im Alltag entlastet. Gerade für Menschen ohne Auto oder mit eingeschränkter Mobilität kann das Angebot einen echten Mehrwert darstellen. Zugleich bleibt der Service bewusst flexibel und situationsabhängig, um den unterschiedlichen Gegebenheiten im Stadtgebiet Rechnung zu tragen.
Ob und wann der Nachtservice „Halten auf Wunsch“ in Schwerin eingeführt wird, hängt nun von der Entscheidung der Stadtvertretung ab. Sollte sie dem Antrag zustimmen, folgen Gespräche zwischen Oberbürgermeister und NVS über die konkrete Umsetzung.
Fest steht bereits jetzt: Der Antrag greift ein Thema auf, das viele Schwerinerinnen und Schweriner direkt betrifft. Der Heimweg am Abend gehört für viele zum Alltag – und könnte mit dem geplanten Nachtservice künftig kürzer, sicherer und angenehmer werden.



