Hartmannbund Landesverbände fordern enge Kooperation zwischen Politik und Ärzteschaft

Die Landesverbände Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern diskutierten kürzlich mit der Politik über die aktuellen Erkenntnisse zu momentanen und prognostizierbaren Corona-Entwicklungen. Das Fazit ließ sich in kurze Worte fassen: Für die kommenden Monate sind klare Regelungen erforderlich.

Weiterhin zeigt sich: Impfungen verhindern effektiv schwerere Krankheitsverläufe. | Foto: Pete Linforth

Ein Blick in Geschäfte, Busse, Bahnen, Gastronomien, Clubs, Kinos, Theater und viele andere Orte zeigtes mehr als deutlich: Für die meisten Menschen scheint auch in Schwerin Corona kein Thema mehr zu sein. Auch vor dem Hintergrund wieder steigender Infektionszahlen scheint sich keine Vorsicht einzustellen. Vernunft sieht sicherlich anders aus. Vieles ist noch unklar, was die derzeit dominanten Ominkron-Subvarianten BA.4 und BA.5 betrifft. Was sich allerdings abzeichnet, und diesbezüglich gilt es doch zumindest aufzuhorchen: Es zeichnet sich ab, dass die beiden dominanten Varianten nicht mehr ganz so lari-fari verlaufen, wie ihre Vorgänger. Eine Ähnlichkeit der Verläufe mit der Delta-Welle ist nicht auszuschließen.

 

Aktuelle Ominkron-Varianten zeigen Tendenzen zu schwereren Verläufen

Vermutlich ist es am Ende die Bundesregierung selbst, die eine der vermeintlich effektivsten Virenschleudern kreiert hat: Das 9-Euro-Ticket. Ein Blick in die Vielzahl der Nahverkehrszüge in diesen Tagen zeigt, was gemeint ist. Nicht auszuschließen, dass einige Kabinettsmitlglieder sogar bewusst einen solchen Ansteckungsbereich herbeiführten. „Durchseuchung“ lautet dabei das Stichwort, das sie aber nicht laut aussprechen. Blickt man auf die Ignoranz einzelner Minister und auch des Kanzlers ist auch dies alles andere als von der Hand zu weisen. So lange die Situation überschaubar bleibt, lassen sie sich wohl auch weiter für ihren Freiheitskurs feiern. Sollte sie doch kritisch werden oder gar außer Kontrolle geraten, zeigen sie bestimmt schnell auf andere.

 

Hartmannbund diskutierte mit Politik

Klar ist und bleibt: Was wir über aktuelle und künftige Corona-Varianten wissen, gilt es vor im Blick zu behalten und zu diskutieren. Dabei sollte der Blick stets auch auf künftige Konfliktpotenziale gerichtets ein, die Gruppierungen wie die Querdenker-Bewegung bieten? Unter dem Titel „Covid 19 – die Veränderung der Gesellschaft und die Rolle der Ärzteschaft“ hatten die Hartmannbund Landesverbände Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein daher auf ihrer gemeinsamen Delegiertenversammlung zur Diskussion eingeladen. Neben interessierten Ärzten waren mit Christine Klingohr (SPD), Harry Glawe (CDU) und René Domke (FDP) auch Vertreterinnen und Vertreter aus der Politik der Einladung ins Wismarer Zeughaus gefolgt.

 

Referate von verschiedenen Betrachtungspunkten aus

Zum Stand der Forschung referierte aus infektiologischer Sicht Prof. Dr. Micha Löbermann, Leiter der Abteilung für Tropenmedizin und Infektionskrankheiten am Zentrum für Innere Medizin der Universitätsmedizin Rostock. Er zeigte unter anderem auf, welche Varianten des Coronavirus auf dem Vormarsch sind. Ebenso referierte er, welche Therapieoptionen sich als effektiv erwiesen haben, und was mit Impfungen tatsächlich erreichbar ist. Die Veränderungen der Gesellschaft thematisierte dann Prof. Dr. Wolfgang Muno, Lehrstuhlinhaber des Instituts für Politik- und Verwaltungswissenschaften der Universität Rostock. Neben Gemeinsamkeiten der verschiedenen Protestbewegungen beleuchtete er auch mögliche gesellschaftliche Konfliktpotenziale durch die Vermischung verschiedener Gruppierungen und Ideologien.

 

Klare Regelungen für die kommenden Monate gefordert

In der von Andrea Wegner moderierten Anschlussdiskussion erläuterte Diplom-Medizinerin Maren von Appen, wie die Pandemie sich auf das Verhältnis zwischen Patienten und Ärzten auswirkte. Auch weitere Mitglieder der Hartmannbund Landesverbände teilten ihre Einschätzungen und diskutierten mögliche Lösungen für die bestehenden Konflikte. Diplom-Mediziner Bernd Helmecke, Vorsitzender des Hartmannbund Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern, sprach sich in seinem Fazit für eine
gemeinsame Herangehensweise aus. Das Coronavirus werde weiterhin ein Thema bleiben und müsse weiterverfolgt werden. Sein klarer Appell: „Covid muss als das gesamtgesellschaftliche Problem gesehen werden, das es ist. Darum bedarf es klarer Regelungen für die kommenden Monate. Und einer engen Zusammenarbeit zwischen Ärzteschaft und Politik.“

 

Hintergrund

Der Hartmannbund – Verband der Ärztinnen und Ärzte Deutschlands e.V. ist der einzige freie Verband, der die beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen aller Ärzte, Zahnärzte und Medizinstudierenden in Deutschland – unabhängig vom Fachgebiet, ob niedergelassen, angestellt oder im öffentlichen Gesundheitsdienst tätig – vertritt.

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