Haushaltssperre Schwerin:
Stadt zieht Notbremse und friert Ausgaben ein
Angesichts dramatisch steigender Kosten, vor allem in der Jugendhilfe, sieht die Stadt keine andere Möglichkeit mehr.

Der städtische Finanzdruck wächst: Auch in der Landeshauptstadt Schwerin zeigen sich die Auswirkungen der bundesweit angespannten Haushaltslage. Am Dienstag informierte Finanzdezernent Silvio Horn den Hauptausschuss über die aktuelle Prognose für das Jahr 2025 – mit einem besorgniserregenden Ausblick. Nach derzeitiger Hochrechnung verschlechtert sich die Finanzlage um rund acht Millionen Euro.
Steigende Sozialausgaben belasten das Haushaltsjahr 2025
Hauptverantwortlich für das Defizit sind laut Horn steigende Pflichtausgaben: Höhere Tarifkosten im Öffentlichen Dienst, steigende Ausgaben für Kindertagesbetreuung und Eingliederungshilfe sowie besonders stark wachsende Kosten in der Jugendhilfe. Obwohl sich die Fallzahlen dort nur moderat entwickeln, steigen die Kosten pro Fall deutlich. Allein in diesem Bereich rechnet die Stadt mit einem Mehraufwand von rund neun Millionen Euro. Als Reaktion darauf kündigt Oberbürgermeister Dr. Rico Badenschier eine Haushaltssperre an, die am 16. Juli 2025 in Kraft tritt. Ab diesem Datum dürfen nur noch gesetzlich vorgeschriebene oder vertraglich gebundene Ausgaben getätigt werden. Freiwillige Leistungen der Stadt werden eingefroren. Die laufenden Investitionsprojekte bleiben hingegen unberührt.
Investitionen bleiben stabil – freiwillige Leistungen auf der Kippe
Badenschier machte deutlich, dass die strukturellen Probleme tiefer liegen: „Die kommunale Familie wird zu wenig gehört. Wenn Entlastungen auf Bundesebene nicht kompensiert werden, zahlen die Städte den Preis.“ Während Sondermittel des Bundes für Investitionen bereitstehen, fehlen Spielräume im laufenden Haushalt. Steigende Personal- und Sozialausgaben sowie Verluste im Nahverkehr drohen, den städtischen Handlungsspielraum langfristig auszuhöhlen. Auf Landesebene sollen Arbeitsgruppen zur Eingliederungshilfe und Kitafinanzierung Lösungen finden. Innerhalb der Stadtverwaltung will man sich den Themen Personal- und Jugendhilfekosten gezielt widmen. Doch klar ist schon jetzt: Ohne grundlegende Reformen der kommunalen Finanzausstattung drohen weitere Einschnitte.



