Hebammen sorgen sich um ihre Zukunft

Immer mehr Hebammen ziehen sich aus der Geburthilfe zurück Foto: Helene Souza  / pixelio.de
Immer mehr Hebammen ziehen sich aus der Geburthilfe zurück
Foto: Helene Souza / pixelio.de

(sr). Hebammen bangen um ihre Existenz. Schwerin-Lokal wollte wissen, wie Hebammenverband und Politik die Situation beurteilten – mit bemerkenswerten Ergebnissen.

 

Sie sind die stillen Begleiter während der Schwangerschaft, der Geburt und im Wochenbett. Sie sind Vertrauensperson, Ernährungsberater und Psychotherapeuten in einem. Damit könnte nun aber spätestens im nächsten Jahr Schluss sein. Die Hebammen bangen im Moment bundesweit um ihre Existenz.

 

Schuld ist die Situation um die Haftpflichtversicherung, die für jede freiberufliche Hebamme verpflichtend ist, die im Moment wackelt. Nachdem sich die Nürnberger Versicherung aus dem einzigen Versicherungskonsortium, das die Gruppenhaftpflicht anbietet, im nächsten Jahr zurückziehen möchte, fürchten viele Hebammen, dass es dann keine Möglichkeiten der Versicherung mehr gibt. Das würde einem Berufsverbot gleichkommen.

 

Daher sind die Ängste der Hebammen groß, was die Zukunft ihres Berufes betrifft. „Die Lage auf dem Versicherungsmarkt führt zum Zusammenbruch der Versorgung mit Geburtshilfe. Das ist eine absurde Situation“, sagt Martina Klenk, die Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes e.V. (DHV).

 

Die Versicherungsprämien für die Haftpflichtversicherung ist ohnehin schon in den letzten drei Jahren so enorm angestiegen, dass viele freiberufliche Hebammen große finanzielle Probleme haben, ihre Prämien zu zahlen. Die Infragestellung der Versicherungsmöglichkeiten, stellt daher nur eine weitere Verschärfung der Situation dar.

 

Viele Hebammen haben Konsequenzen gezogen und zumindest die Geburtshilfe aufgegeben oder stark eingeschränkt. Die meisten sind auf andere Tätigkeiten ausgewichen: Geburtsvorbereitung, Stillberatung, Nachsorge und vor allem die Familienhebammen spielen eine immer größere Rolle.

 

Der Hebammenverband in Mecklenburg-Vorpommern schweigt

 

Deutscher Hebammenverband in Mecklenburg-Vorpommern äußert sich nicht zur Situation  © pixelio.de/ Hartmut910
Deutscher Hebammenverband in Mecklenburg-Vorpommern äußert sich nicht zur Situation
© pixelio.de/ Hartmut910

Als lokale Internetzeitung, interessierte sich Schwerin-Lokal dafür, wie die Situation der Hebammen in Schwerin aussieht. Wie beurteilt der Landesverband des Deutschen Hebammenverbandes die Situation? Vom Hebammenverband in Mecklenburg-Vorpommern, hätten wir gerne gewusst, wie er die Lage der Hebammen in Schwerin unter dem Aspekt der anstehenden Veränderungen beurteilt. Auch interessierte uns, was aus Sicht des Verbandes passieren müsste, um das drohende Aus der Hebammen noch zu verhindern.

 

Leider lies die Landesvorsitzende des Hebammenverbandes in Mecklenburg-Vorpommern, Sigrid Ehle, eine entsprechende Medienanfrage bis heute unbeantwortet. Angesichts der sich abzeichnenden dramatischen Situation der Hebammen, hätte sich manche Hebamme sicherlich eine bessere Vertretung ihrer Anliegen gewünscht.

 

„Wir brauchen eine  nachhaltige Lösung der Haftpflichtproblematik“

 

Die Hebammen dürfen in dieser Situation nicht alleine gelassen werden. Ansprechpartner ist die Bundespolitik. Deshalb fragte Schwerin-Lokal bei den beiden im Wahlkreis ansässigen Bundestagsabgeordneten Dr. Dietmar Bartsch (LINKE) und Dietrich Monstadt (CDU) nach. Uns interessierte, wie die Bundespolitiker die Situation beurteilen und wie sie die Hebammen in ihrem Wahlkreis unterstützen möchten.

 

BundestagsabgeordneterDietmar Bartsch schweigt zur Situation der Hebammen
Bundestagsabgeordneter Dietmar Bartsch (LINKE) schweigt zur Situation der Hebammen

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der LINKEN im Deutschen Bundestag, Dr. Dietmar Bartsch beantwortete unsere Anfrage leider überhaupt nicht.

 

Für den Schweriner Bundestagsabgeordneten und Mitglied des Gesundheitsausschusses, Dietrich Monstadt (CDU) ist klar: „Als Bundestagsabgeordneter setze ich mich aus Überzeugung für alle Hebammen, insbesondere aus meinem Wahlkreis, ein.“

 

Gegenüber Schwerin-Lokal erklärt er, dass derzeit der Abschlussbericht mit den Hebammenverbänden abgestimmt wird und noch im ersten Quartal 2014 vorgelegt werden soll. Da im Rahmen der Arbeitsgruppe Gesundheit im Deutschen Bundestag insbesondere auch die Vorschläge der Hebammen zu einer möglichen Umgestaltung der Kostentragung der Berufshaftpflichtprämien erörtert wurden und neben der Kostenproblematik versicherungsrechtliche Fragen eine Rolle spielen, werde die Vorlage des Berichtes abgewartet und auf dieser Grundlage mit allen Beteiligten an einer tragfähigen Perspektive für die Hebammenversorgung in Deutschland und damit auch in Mecklenburg-Vorpommern gearbeitet.

 

Bundestagsabgeordneter Dietrich Monstadt (CDU): “Als Bundestagsabgeordneter setze ich mich aus Überzeugung für alle Hebammen, insbesondere aus meinem Wahlkreis, ein.”
Bundestagsabgeordneter Dietrich Monstadt (CDU): “Ich setze mich aus Überzeugung für alle Hebammen, insbesondere aus meinem Wahlkreis, ein.”

„Trotz dieser doch sehr emotionalen öffentlichen Diskussion in den letzten Tagen und Wochen dürfen wir nicht vergessen: Es geht hier um eine Reihe von komplexen Zusammenhängen und rechtlichen Fragen, wie z. B. Versicherungsfragen, Schadensersatzfragen und gesundheits-politischen Fragen. Das ist weitaus  schwieriger als es öffentlich meist wahrgenommen wird. Eine alleinige Erhöhung der Vergütung der Hebammen löst das Problem nicht.“

 

Fakt sei, so der CDU-Bundestagsabgeordnete, dass eine nachhaltige Lösung der Haftpflichtproblematik her muss, damit die Versorgung mit  Hebammen  auch dauerhaft gesichert bleibt. „Dafür habe ich mich in der Vergangenheit eingesetzt und werde es auch in Zukunft weiter tun“, sagt Monstadt.

 

Das Problem der Vorlage des Berichtes dürfte aber sein, dass sich die Arbeitsgruppe bisher nur mit den hohen Haftpflichtprämien  beschäftigt hat. Das Problem, dass sich womöglich keine Versicherung mehr für die Hebammen findet, hatte da noch niemand auf dem Schirm. Daher ist eine schnelle Lösung des Problems nicht zu erwarten.

Redaktion

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