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Sparkurs bei Helios:
„Versorgung nicht gewährleistet“ – Hilferuf aus Kinderklinik Schwerin

In einem offenen Brief kritisieren Ärzte und Pflegekräfte der Kinderklinik Schwerin die Helios-Geschäftsleitung scharf. Sie warnen: Die Versorgung kleiner Patienten sei akut gefährdet.

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  • Veröffentlicht Juni 27, 2025
Kinderklinik Schwerin
Foto: Helios

Alarm in der Kinderklinik der Helios Kliniken Schw­erin: In einem offe­nen Brief schla­gen Ärzte und Pflegeper­son­al öffentlich Alarm. Der Hin­ter­grund: mas­sive Sor­gen um die Qual­ität der Ver­sorgung – vor allem der beson­ders schutzbedürfti­gen Frühchen. Die Mitar­bei­t­en­den kri­tisieren offen die Geschäft­sleitung und sehen die Ver­sorgung der kleinen Patien­ten durch Spar­maß­nah­men ern­sthaft gefährdet. Zuerst hat­te die „Ost­see-Zeitung” (OZ) über dieses Schreiben berichtet.

Im offe­nen Brief heißt es: „Wir sehen, dass unsere pflegerische und ärztliche Ver­ant­wor­tung durch die aktuellen Reg­u­lar­ien der geschäfts­führen­den Leitung nicht mehr aus­re­ichend erfüllt wer­den kön­nen.“ Der aktuell gel­tende Per­son­alschlüs­sel sei aus Sicht der Klinikbeschäftigten unzure­ichend, um eine „zufrieden­stel­lende Ver­sorgung“ sicherzustellen – beson­ders auf ein­er Sta­tion, auf der es um Leben und Tod gehen kann.

Geschäftsleitung möchte Schreiben nicht kommentieren

Die Helios-Geschäfts­führung wollte den offe­nen Brief nicht kom­men­tieren. Sprecherin Ines Balkow ver­wies gegenüber der OZ lediglich darauf, dass „im Bere­ich der Pflege in den ver­gan­genen Monat­en Per­son­al aufge­baut wor­den“ sei. Zwei von drei Sta­tio­nen der Kinder- und Jugendmedi­zin hät­ten dem­nach derzeit sog­ar mehr Pflegekräfte als der Stel­len­plan vorse­he.

Gle­ichzeit­ig betonte sie, man reagiere auf Eng­pässe mit organ­isatorischen Maß­nah­men: „Wir reduzieren vor­sor­glich die Zahl der belegten Bet­ten und kom­pen­sieren kurzfristige Aus­fälle mit dien­sthaben­dem Per­son­al.“

Kritik aus Politik und Klinik

Hin­ter den Kulis­sen sieht es jedoch anders aus – davon sind viele Beschäftigte überzeugt. Es sei abse­hbar, dass sich die anges­pan­nte Per­son­al­lage weit­er ver­schärfe, wenn qual­i­fiziertes Fach­per­son­al die Klinik ver­lasse. Bere­its jet­zt sei die Arbeits­be­las­tung hoch, bericht­en Pflegekräfte.

Auch Schw­erins Stadt­präsi­dent Sebas­t­ian Ehlers (CDU), der dem Auf­sicht­srat der Klinik ange­hört, äußerte zulet­zt Kri­tik am strik­ten Sparkurs, den der Klinikbe­treiber Fre­se­nius bun­desweit durch­set­zt. Gegenüber dem NDR sagte er:  „Wir nehmen die Vor­würfe ernst.” Es müssten sich nun alle Beteiligten an einen Tisch set­zen. Auch Meck­len­burg-Vor­pom­merns Gesund­heitsmin­is­teri­um kündigte an, der Schw­er­iner Klinik nun Fra­gen zur Ver­sorgungssicher­heit stellen zu wollen.

Die Kinderklinik in Schw­erin erfüllt einen wichti­gen über­re­gionalen Auf­trag. Von Sten­dal über Wis­mar bis nach Boizen­burg ver­trauen Fam­i­lien auf die spezial­isierten Ange­bote der Klinik. Diese Ange­bote zu sich­ern, sei zunehmend schw­er­er, warnt das Per­son­al.

„Wenn sich die Sit­u­a­tion nicht bessert, müssen Fam­i­lien kün­ftig auf Kliniken in Berlin oder Ham­burg auswe­ichen“, heißt es in dem Brief. Damit dro­he der Ver­lust eines zen­tralen Ver­sorgungs­stan­dorts in Meck­len­burg-Vor­pom­mern.

Oberbürgermeister berichtet von Klinikgewinn – und Personalabbau

Obwohl die Klinik wirtschaftlich nicht schlecht daste­ht – laut Angaben gegenüber Ober­bürg­er­meis­ter Rico Baden­schi­er erzielte Helios im April allein im ersten Quar­tal einen Gewinn von 5,1 Mil­lio­nen Euro – wur­den offen­bar Verträge mit exter­nen Dien­stleis­tern gekündigt. Auf­gaben seien dadurch wieder beim medi­zinis­chen Per­son­al gelandet, was zu zusät­zlich­er Belas­tung geführt habe.

Gle­ichzeit­ig verze­ich­nete die Klinik nach eige­nen Angaben im April einen Per­son­albe­stand von 132,6 Vol­lkräften über Plan sowie Sachkostenüber­schre­itun­gen von 2,4 Mil­lio­nen Euro.

Im offe­nen Brief appel­lieren die Mitar­bei­t­en­den ein­dringlich an Poli­tik und Öffentlichkeit: „Kinder und deren Eltern im Kranken­haus benöti­gen mehr Zeit, Geduld und Zuwen­dung. Wir bit­ten um Unter­stützung, dass die Qual­ität der Schw­er­iner Kinderklinik als ver­lässlich­er über­re­gionaler Ver­sorg­er erhal­ten bleibt.“