Sparkurs bei Helios:
„Versorgung nicht gewährleistet“ – Hilferuf aus Kinderklinik Schwerin
In einem offenen Brief kritisieren Ärzte und Pflegekräfte der Kinderklinik Schwerin die Helios-Geschäftsleitung scharf. Sie warnen: Die Versorgung kleiner Patienten sei akut gefährdet.

Alarm in der Kinderklinik der Helios Kliniken Schwerin: In einem offenen Brief schlagen Ärzte und Pflegepersonal öffentlich Alarm. Der Hintergrund: massive Sorgen um die Qualität der Versorgung – vor allem der besonders schutzbedürftigen Frühchen. Die Mitarbeitenden kritisieren offen die Geschäftsleitung und sehen die Versorgung der kleinen Patienten durch Sparmaßnahmen ernsthaft gefährdet. Zuerst hatte die „Ostsee-Zeitung” (OZ) über dieses Schreiben berichtet.
Im offenen Brief heißt es: „Wir sehen, dass unsere pflegerische und ärztliche Verantwortung durch die aktuellen Regularien der geschäftsführenden Leitung nicht mehr ausreichend erfüllt werden können.“ Der aktuell geltende Personalschlüssel sei aus Sicht der Klinikbeschäftigten unzureichend, um eine „zufriedenstellende Versorgung“ sicherzustellen – besonders auf einer Station, auf der es um Leben und Tod gehen kann.
Geschäftsleitung möchte Schreiben nicht kommentieren
Die Helios-Geschäftsführung wollte den offenen Brief nicht kommentieren. Sprecherin Ines Balkow verwies gegenüber der OZ lediglich darauf, dass „im Bereich der Pflege in den vergangenen Monaten Personal aufgebaut worden“ sei. Zwei von drei Stationen der Kinder- und Jugendmedizin hätten demnach derzeit sogar mehr Pflegekräfte als der Stellenplan vorsehe.
Gleichzeitig betonte sie, man reagiere auf Engpässe mit organisatorischen Maßnahmen: „Wir reduzieren vorsorglich die Zahl der belegten Betten und kompensieren kurzfristige Ausfälle mit diensthabendem Personal.“
Kritik aus Politik und Klinik
Hinter den Kulissen sieht es jedoch anders aus – davon sind viele Beschäftigte überzeugt. Es sei absehbar, dass sich die angespannte Personallage weiter verschärfe, wenn qualifiziertes Fachpersonal die Klinik verlasse. Bereits jetzt sei die Arbeitsbelastung hoch, berichten Pflegekräfte.
Auch Schwerins Stadtpräsident Sebastian Ehlers (CDU), der dem Aufsichtsrat der Klinik angehört, äußerte zuletzt Kritik am strikten Sparkurs, den der Klinikbetreiber Fresenius bundesweit durchsetzt. Gegenüber dem NDR sagte er: „Wir nehmen die Vorwürfe ernst.” Es müssten sich nun alle Beteiligten an einen Tisch setzen. Auch Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsministerium kündigte an, der Schweriner Klinik nun Fragen zur Versorgungssicherheit stellen zu wollen.
Die Kinderklinik in Schwerin erfüllt einen wichtigen überregionalen Auftrag. Von Stendal über Wismar bis nach Boizenburg vertrauen Familien auf die spezialisierten Angebote der Klinik. Diese Angebote zu sichern, sei zunehmend schwerer, warnt das Personal.
„Wenn sich die Situation nicht bessert, müssen Familien künftig auf Kliniken in Berlin oder Hamburg ausweichen“, heißt es in dem Brief. Damit drohe der Verlust eines zentralen Versorgungsstandorts in Mecklenburg-Vorpommern.
Oberbürgermeister berichtet von Klinikgewinn – und Personalabbau
Obwohl die Klinik wirtschaftlich nicht schlecht dasteht – laut Angaben gegenüber Oberbürgermeister Rico Badenschier erzielte Helios im April allein im ersten Quartal einen Gewinn von 5,1 Millionen Euro – wurden offenbar Verträge mit externen Dienstleistern gekündigt. Aufgaben seien dadurch wieder beim medizinischen Personal gelandet, was zu zusätzlicher Belastung geführt habe.
Gleichzeitig verzeichnete die Klinik nach eigenen Angaben im April einen Personalbestand von 132,6 Vollkräften über Plan sowie Sachkostenüberschreitungen von 2,4 Millionen Euro.
Im offenen Brief appellieren die Mitarbeitenden eindringlich an Politik und Öffentlichkeit: „Kinder und deren Eltern im Krankenhaus benötigen mehr Zeit, Geduld und Zuwendung. Wir bitten um Unterstützung, dass die Qualität der Schweriner Kinderklinik als verlässlicher überregionaler Versorger erhalten bleibt.“




