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Meinung/Kommentar:
Wie viele Hinterzimmer hat das Schweriner Stadthaus?

*Achtung* Teile dieses Textes könnten Lokalpolitiker oder die Stadtverwaltung verunsichern! Dieser Text spiegelt die Meinung des Autors wider und ist ein journalistischer Kommentar. *Achtung*

  • Veröffentlicht September 5, 2026
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Schwerin-Lokal Reporter Chris Loose: "Über hundert Räume gibt es im Stadthaus bestimmt. Aber wie viele Hinterzimmer?" (Foto: Redaktion)
Schw­erin Lokal-Reporter Chris Loose: „Über hun­dert Räume gibt es im Stadthaus bes­timmt. Aber wie viele Hin­terz­im­mer?”  Foto: Redak­tion

 

Wie funk­tion­iert eine Stadt wie Schw­erin? Knappe hun­dert­tausend Men­schen, viele Straßen, Gebäude, Geschäfte und viele öffentliche Auf­gaben. Da muss richtig viel repari­ert und instand gehal­ten wer­den. Oder eben gebaut und neu errichtet. All das kostet Geld. Das bekommt die Ver­wal­tung am Ende, zumin­d­est in Teilen, von den Ein­wohn­ern der Stadt. Steuergelder eben, ganz umgangssprach­lich gesagt. Damit der Ober­bürg­er­meis­ter nicht der allein­herrschende Oberkönig von Schw­erin ist, gibt es die Stadtvertre­tung als demokratisch gewähltes Kon­trol­lor­gan. Eben auch um zuviele „Hin­terz­im­mer-Absprachen” zu ver­hin­dern.

Stadtver­wal­tung und Stadtvertre­tung sind bei­des Teile der Exeku­tive. Also der aus­führende Teil. Nur irgend­wie wird man in Schw­erin das Gefühl nicht los, dass diese Exeku­tive sich mehr um sich selb­st und ihre Fre­unde als um die Ein­wohn­er der Stadt küm­mert. Oder anders gesagt: Die Stadtver­wal­tung und die Stadtvertre­tung machen, was gut für die Stadtver­wal­tung und die Stadtvertre­tung ist. Und für ihre Fre­unde.

Oft passiert das über „Hin­terz­im­mer-Absprachen“. Wenige Leute in entschei­den­den Posi­tio­nen sprechen miteinan­der, machen etwas unter sich aus und schmieden einen Plan. Und so, wie der Plan geschmiedet wurde, so passiert er dann auch. Manch­mal mit leicht­en Umwe­gen, wenn es auf ein­mal jemand wagt, Fra­gen zu stellen.

Das Stadtpräsidium

Nach­dem Sebas­t­ian Ehlers (CDU) zum Ober­bürg­er­meis­ter gewählt wurde, wurde der Vor­sitz des Stadt­prä­sid­i­ums frei. Bei der let­zten Sitzung der Stadtvertre­tung gewann Mandy Pfeifer (SPD) diesen Platz als Stadt­präsi­dentin. Die Sitzung war etwas tur­bu­len­ter: Mehrere Unter­brechun­gen vor der Wahl, damit sich die Frak­tionsvor­sitzen­den nochmal absprechen kon­nten. Und Mar­tin Neuhaus (Grüne) zog seine Kan­di­datur zurück und beantragte, die Wahl in den Novem­ber zu ver­schieben. Das wurde abgelehnt. Schw­erin hat 45 Stadtvertreterin­nen und Stadtvertreter; am Ende gaben 20 davon ihre Stim­men für Pfeifer ab. Weniger als die Hälfte, aber mehr Stim­men, als die Frak­tio­nen haben, die Pfeifers Kan­di­datur unter­stützt hat­ten. Man kön­nte hier mut­maßen, dass es Unter­stützung durch die CDU gab. Oder zumin­d­est nötige Enthal­tun­gen. Genau weiß man es nicht, da die Wahl geheim stat­tfand. Das geschah auf Wun­sch des Stadtvertreters Gerd Güll (FDP).

Nun hat­te Schw­erin ein neues Stadt­prä­sid­i­um: zweimal SPD, ein­mal Linke. In der Ver­gan­gen­heit wurde immer darauf geachtet, dass alle großen Frak­tio­nen einen Posten bekom­men. Wären die Stadtvertreter diesem Trend gefol­gt, hätte der Posten des Stadt­präsi­den­ten an den Kan­di­dat­en Thomas de Jesus-Fer­nan­des (AfD) gehen müssen. Die AfD stellt die meis­ten Stadtvertreter in Schw­erin. Mandy Pfeifer sagte damals noch als Frak­tionsvor­sitzende, dass der zweite SPDler im Stadt­prä­sid­i­um keinen Rück­tritt plant. Daniel Mes­lien (SPD) hat­te seine Mei­n­ung dann aber doch vor Kurzem geän­dert. Er ist als stel­lvertre­tender Stadt­präsi­dent zurück­ge­treten und wurde von der Schw­er­iner SPD zum Frak­tionsvor­sitzen­den gemacht. Nun ste­ht Mitte Sep­tem­ber eine neue Wahl im Stadt­prä­sid­i­um an.

Wer wirk­lich böse ist, kön­nte jet­zt ver­muten, dass dort dann Heike Corinth (CDU) gewählt wird. Dann kön­nte es ja eine Absprache gegeben haben, damit die CDU bei der Wahl im Juni die SPD und Mandy Pfeifer unter­stützte. Im Gegen­zug dafür wurde aus­gemacht, dass Daniel Mes­lien seinen Rück­tritt ein­re­icht und dann ein Posten für die CDU frei wird. So ist dann für die alteinge­sesse­nen Stadt­frak­tio­nen alles wie es sein soll. Solche bösen Behaup­tun­gen stellt natür­lich nie­mand auf und das wird sicher­lich nicht passieren. Obwohl die Frak­tion der Unab­hängi­gen Bürger/FDP auf genau solche „Hin­terz­im­mer-Absprachen“ aufmerk­sam machte, als die Frak­tion ihre Kan­di­datin für die Wahl ankündigte.

Kaninchenwerder

Jahre­langer Stre­it mit einem Pächter. Dann ist der endlich weg und es wird ein neuer Insel-Ver­ant­wortlich­er gesucht. Die Stadt schreibt das Ganze aus und es gibt viele Bewer­bun­gen. Zwis­chen all diesen Bewer­bun­gen muss nun ein Konzept aus­gewählt wer­den. Diese Entschei­dung traf die Ver­wal­tung im eige­nen Bere­ich mit ein­er Jury aus Ver­wal­tung und kom­mu­nalen Unternehmen. Die Stadtvertre­tung wurde nicht mit ein­be­zo­gen. Das Gute ist: Die Entschei­dung des Ver­wal­tungskomi­tees war ein­stim­mig. Intern waren sich also alle einig.

Damit auf der Insel dann auch Hecht und Ord­nung, Verzei­hung, Recht und Ord­nung herrschen, soll auch der neue Hafen mit an den Pächter gehen. In der Auss­chrei­bung war davon nie die Rede, da hieß es sog­ar, der Pächter wäre nur für die Beauf­sich­ti­gung zuständig. Nun hat sich das wohl geän­dert und der Pächter kön­nte sog­ar Liegege­bühren kassieren dür­fen. Die soll­ten eigentlich an die Stadt gehen, das war die erste Idee. Immer­hin wurde der Hafen für mehrere Mil­lio­nen saniert. Mit öffentlichen Geldern von Stadt und Land. Steuergelder eben, ganz umgangssprach­lich gesagt.

Wie ist diese Idee ent­standen? Es gab ein Gespräch zwis­chen dem Pächter und der Ver­wal­tung. Ob dieses Gespräch im Stadthaus passierte, wis­sen wir nicht. Wie viele Hin­terz­im­mer das Schw­er­iner Stadthaus hat, wis­sen wir aber auch nicht.

Und jetzt?

Kri­tis­che Nach­fra­gen sind wirk­lich unbe­liebt. Das merkt man schnell. Übel­nehmen kann man das der Ver­wal­tung, der Stadtvertre­tung und allen anderen nicht. So richtig kri­tis­che Presse und Nach­fra­gen ist Schw­erin manch­mal auch nicht mehr gewohnt. Das kann ja sog­ar mal unan­genehm sein. Sowas mögen „Die da oben“ in der Lan­deshaupt­stadt eigentlich nicht. Und mit Stadtvertre­tung und Stadtver­wal­tung sind natür­lich auch nicht immer alle Akteure direkt und per­sön­lich gemeint. Anson­sten hätte man das ja auch ein­fach auf ein Plakat schreiben kön­nen: „Ganz Schw­erin has­st …“ oder sowas.

Die zwei Beispiele sind sicher­lich nicht die einzi­gen „Hin­terz­im­mer-Geschicht­en“ in Schw­erin. Viele sind sicher­lich einen tiefer­ge­hen­den Blick wert. Die find­et man von außen nur eher schlecht. Falls ihr aber wollt, dass man ein The­ma mal näher beleuchtet: Schreibt eine E‑Mail an redaktion@schwerin-lokal.de. Mal guck­en, was wir dann draus machen kön­nen. Oder plant einen Bürg­er­entscheid, der direkt die Stadtvertre­tung und die Ver­wal­tungsspitze abset­zen soll und eine Neuwahl fordert. Aber lest vorher nochmal die Kom­mu­nalver­fas­sung, ob das über­haupt geht.

Und damit der ganze Text auch einen jour­nal­is­tis­chen Wert hat, geht mit der Veröf­fentlichung eine Anfrage an die Stadt­frak­tio­nen raus. Das sind die Fra­gen:

  1. Gibt es aus der Bew­er­tung Ihrer Frak­tion her­aus „Hin­terz­im­mer-Geschäfte“ oder Deals im poli­tis­chen oder im Ver­wal­tungs­bere­ich der Stadt?
  2. Ist es aus Ihrer Sicht nötig, dass die Ver­wal­tung Dinge intern regelt? Wo sollte da aus Ihrer Sicht die Gren­ze sein und haben Sie Beispiele?
  3. Fühlt sich Ihre Frak­tion durch die Ver­wal­tung genug in Entschei­dun­gen einge­bun­den?
  4. Wie wür­den Sie sich die Ein­beziehung der Frak­tio­nen wün­schen und was wür­den Sie in Schw­erin in diesem Bere­ich gerne ändern?

Wir sind ges­pan­nt auf die Antworten! Und einen Artikel wer­den wir daraus natür­lich auch schreiben!

Quellen und Bezüge
Sitzung der Stadtvertre­tung am 29.06.2026: https://bis.schwerin.de/si0057.asp?__ksinr=11677
Kanichen­werder in der Ost­see-Zeitung: https://www.ostsee-zeitung.de/lokales/schwerin/schwerin-millionen-hafen-auf-kaninchenwerder-soll-verpachtet-werden-VZ7H5YCX3ZCFNJT4ZN4QFU276M.html
Ankündi­gun­gen der Wahlvorschläge bei Schw­erin-Lokal: https://schwerin-lokal.de/stellvertretender-stadtpraesident-schwerin/
Auss­chrei­bung zu Kan­inchen­werder bei der Stadt Schw­erin: https://www.schwerin.de/news/ausschreibung-kaninchenwerder/
Außer­dem wur­den noch einige Wahlplakate und eine aktuelle NDR-Doku erwäh­nt.


Dieser Beitrag stellt auss­chließlich die Mei­n­ung des Ver­fassers dar. Er muss nicht zwangsläu­fig die Sichtweise von Schw­erin Lokal wiedergeben.


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