Neue Gedenktafel auf katholischem Friedhof enthüllt:
Historische Kriegsgräberstätte wird feierlich wieder eingeweiht
In Schwerin wird die historische Kriegsgräberstätte französischer Kriegsgefangener von 1870/71 mit einer neuen Gedenktafel feierlich wieder eingeweiht.

Auf dem katholischen Friedhof in Schwerin wird am Pfingstsamstag die historische Kriegsgräberstätte französischer Kriegsgefangener feierlich wieder eingeweiht. Im Mittelpunkt steht die Enthüllung einer neuen Gedenktafel mit den Namen jener 50 französischen Kriegsgefangenen, die während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 in Schwerin ums Leben kamen.
Zwischen September 1870 und März 1871 waren mehr als 1.400 französische Kriegsgefangene in Schwerin interniert. Eine bis heute sichtbare Erinnerung an diese Zeit ist der sogenannte Franzosenweg am Schweriner Innensee. Teile des damaligen Promenadenwegs nach Zippendorf wurden von französischen Gefangenen angelegt.
Obwohl Schwerin im Gegensatz zu vielen anderen Gefangenenlagern von größeren Epidemien verschont blieb, starben insgesamt 50 französische Kriegsgefangene – überwiegend an Typhus. Sie wurden auf dem katholischen Friedhof der Stadt beigesetzt.
Bereits ein Jahr nach Kriegsende entstand dort ein Obelisk aus Sandstein, der an die Verstorbenen erinnert. Finanziert wurde das Denkmal damals durch Spenden engagierter Schweriner Bürger aus der katholischen Kirchengemeinde. Die französische Inschrift erinnert bis heute an die „50 französischen Kriegsgefangenen, die im Winter 1870/71 in Schwerin gestorben sind“.
Obelisk jahrzehntelang fast vergessen
Über viele Jahrzehnte geriet die Gedenkstätte weitgehend in Vergessenheit. Erst durch das Engagement des Schweriner Ehepaars Fritz und Monika Loest wurde der Obelisk im Jahr 1996 umfassend restauriert. Bis heute kümmern sie sich um die Pflege des Denkmals und den Blumenschmuck an Gedenktagen.
Die nun ergänzte Gedenktafel geht auf das Forschungsprojekt „Die Vergessenen“ zurück, das gemeinsam von der Stiftung Mecklenburg und der Landeshauptstadt Schwerin umgesetzt wurde. Unterstützt wurde das Projekt vom französischen Erinnerungsverein Le Souvenir Français sowie durch Fördermittel des Deutsch-Französischen Bürgerfonds.
Zur Wiedereinweihung am 23. Mai werden unter anderem der Präsident von Le Souvenir Français, Serge Barcellini, Vertreter der deutschen und französischen Kriegsgräberfürsorge sowie Angehörige der französischen Streitkräfte erwartet.
Schwerins stellvertretender Oberbürgermeister Bernd Nottebaum betonte die Bedeutung aktiver Erinnerungskultur und deutsch-französischer Verständigung. Gerade in Zeiten wachsender nationaler Spannungen müsse die europäische Zusammenarbeit gepflegt und verteidigt werden.
Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 gilt heute in Deutschland weitgehend als vergessen, obwohl er maßgeblich zur Gründung des Deutschen Reiches beitrug. Der Krieg forderte hunderttausende Tote und Verletzte und belastete das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich über Jahrzehnte hinweg.




