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Neue Gedenktafel auf katholischem Friedhof enthüllt:
Historische Kriegsgräberstätte wird feierlich wieder eingeweiht

In Schwerin wird die historische Kriegsgräberstätte französischer Kriegsgefangener von 1870/71 mit einer neuen Gedenktafel feierlich wieder eingeweiht.

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  • Veröffentlicht Mai 22, 2026
Die Tafel neben dem Obelisken auf dem katholischen Friedhof nennt die Namen aller 50 in Schwerin verstorbenen französischen Kriegsgefangenen des deutsch-französischen Krieg von 1870/71. © Landeshauptstadt Schwerin/Jakob Schwichtenberg
Die Tafel neben dem Obelisken auf dem katholis­chen Fried­hof nen­nt die Namen aller 50 in Schw­erin ver­stor­be­nen franzö­sis­chen Kriegs­ge­fan­genen des deutsch-franzö­sis­chen Krieg von 1870/71. Foto: Lan­deshaupt­stadt Schwerin/Jakob Schwicht­en­berg

 

Auf dem katholis­chen Fried­hof in Schw­erin wird am Pfin­gst­sam­stag die his­torische Kriegs­gräber­stätte franzö­sis­ch­er Kriegs­ge­fan­gener feier­lich wieder eingewei­ht. Im Mit­telpunkt ste­ht die Enthül­lung ein­er neuen Gedenk­tafel mit den Namen jen­er 50 franzö­sis­chen Kriegs­ge­fan­genen, die während des Deutsch-Franzö­sis­chen Krieges 1870/71 in Schw­erin ums Leben kamen.

Zwis­chen Sep­tem­ber 1870 und März 1871 waren mehr als 1.400 franzö­sis­che Kriegs­ge­fan­gene in Schw­erin interniert. Eine bis heute sicht­bare Erin­nerung an diese Zeit ist der soge­nan­nte Fran­zosen­weg am Schw­er­iner Innensee. Teile des dama­li­gen Prom­e­naden­wegs nach Zip­pen­dorf wur­den von franzö­sis­chen Gefan­genen angelegt.

Obwohl Schw­erin im Gegen­satz zu vie­len anderen Gefan­genen­lagern von größeren Epi­demien ver­schont blieb, star­ben ins­ge­samt 50 franzö­sis­che Kriegs­ge­fan­gene – über­wiegend an Typhus. Sie wur­den auf dem katholis­chen Fried­hof der Stadt beige­set­zt.

Bere­its ein Jahr nach Kriegsende ent­stand dort ein Obelisk aus Sand­stein, der an die Ver­stor­be­nen erin­nert. Finanziert wurde das Denkmal damals durch Spenden engagiert­er Schw­er­iner Bürg­er aus der katholis­chen Kirchenge­meinde. Die franzö­sis­che Inschrift erin­nert bis heute an die „50 franzö­sis­chen Kriegs­ge­fan­genen, die im Win­ter 1870/71 in Schw­erin gestor­ben sind“.

 

Obelisk jahrzehntelang fast vergessen

Über viele Jahrzehnte geri­et die Gedenkstätte weit­ge­hend in Vergessen­heit. Erst durch das Engage­ment des Schw­er­iner Ehep­aars Fritz und Moni­ka Loest wurde der Obelisk im Jahr 1996 umfassend restau­ri­ert. Bis heute küm­mern sie sich um die Pflege des Denkmals und den Blu­men­schmuck an Gedenk­ta­gen.

Die nun ergänzte Gedenk­tafel geht auf das Forschung­spro­jekt „Die Vergesse­nen“ zurück, das gemein­sam von der Stiftung Meck­len­burg und der Lan­deshaupt­stadt Schw­erin umge­set­zt wurde. Unter­stützt wurde das Pro­jekt vom franzö­sis­chen Erin­nerungsvere­in Le Sou­venir Français sowie durch För­der­mit­tel des Deutsch-Franzö­sis­chen Bürg­er­fonds.

Zur Wiedere­in­wei­hung am 23. Mai wer­den unter anderem der Präsi­dent von Le Sou­venir Français, Serge Bar­celli­ni, Vertreter der deutschen und franzö­sis­chen Kriegs­gräber­für­sorge sowie Ange­hörige der franzö­sis­chen Stre­itkräfte erwartet.

Schw­erins stel­lvertre­tender Ober­bürg­er­meis­ter Bernd Not­te­baum betonte die Bedeu­tung aktiv­er Erin­nerungskul­tur und deutsch-franzö­sis­ch­er Ver­ständi­gung. Ger­ade in Zeit­en wach­sender nationaler Span­nun­gen müsse die europäis­che Zusam­me­nar­beit gepflegt und vertei­digt wer­den.

Der Deutsch-Franzö­sis­che Krieg von 1870/71 gilt heute in Deutsch­land weit­ge­hend als vergessen, obwohl er maßge­blich zur Grün­dung des Deutschen Reich­es beitrug. Der Krieg forderte hun­dert­tausende Tote und Ver­let­zte und belastete das Ver­hält­nis zwis­chen Deutsch­land und Frankre­ich über Jahrzehnte hin­weg.