Hochschulstandort Schwerin Quo vadis?

Am gestrigen Abend betrachteten und diskutierten Experten aus verschiedenen Bereichen den aktuellen Stand der Entwicklungen zum Hochschulstandort Schwerin.

Das interessant besetzte Posium der Diskussion am gestrigen Abend in Schwerin | Foto: privat

Vor gut einem Jahr, im Oktober 2018, war es eine Podiumsdiskussion auf der damaligen Schweriner Wissenschaftswoche, die zu einer unerwarteten Dynamik führte. Einer Dynamik, die Stadt in ihrer Funktion als Hochschul- und Wissenschaftsstandort weiter zu entwickeln. Ein breites Bündnis entstand, und seit dem ist eine ganze Menge geschehen und erreicht.

In nur 11 Monaten extrem viel erreicht

 

Siegbert Eisenach, Hauptsgeschäftsführer der IHK zu Schwerin | Foto: IHK zu Schwerin

Nun, etwa 11 Monate später, sollte eine erneute Abendveranstaltung der diesjährigen Wissenschaftswoche mit Gastvortrag und Diskussionsrunde sich der Frage näher, wo man im gemeinsamen Streben steht. Der Schweriner-IHK Hauptgeschäftsführer Siegbert Eisenach verwies auf eine Vielzahl an kleineren und größeren Expertenrunden, Workshops, Diskussionen und auch informellen Gesprächen, die es seither gegeben hat. Neben dem bereits vorhandenen und zu unterstützenden privaten Hochschulengagement sei dabei vor allem auch der Focus auf eine staatliche Hochschulstruktur für Schwerin gelegt worden.

Mit zum Beispiel den Bereichen „Kunststoffentwicklung und -bearbeitung“, Stadt-Umland-Beziehungen“, „Wasserstoff“ oder auch „Wirtschaft – Sport – Gesundheit“ habe man denkbare und weiter zu verfolgende Bereiche für potenzielle Studienangebote herausgearbeitet. Gemeinsam will man nun nicht zuletzt auch mit dem Land weiter ins Detail gehen und der gesamte Prozess so vorantreiben. Klar sei, „die Schweriner Unternehmen und Institutionen werden den Druck eher erhöhen, was weitere Hochschulstrukturen in Schwerin betrifft“, so Eisenach. Eine klare Ansage, die anschließend auch Werner Hinz, Vorsitzender von PRO SCHWERIN e.V. ebenso wie die große Bedeutung der Diskussion 2018 unterstrich.

Wichtige Erkenntnisse aus Dortmund nutzen

Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer IHK zu Dortmund, bei seinem Vortrag in Schwerin | Foto: privat

Auch der Gastredner des Abends, Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Dortmund, sieht das Schweriner Bestreben als nachvollziehbar und richtig an. Seine Unterstützung sagte er für diesen Prozess wiederholt an diesem Abend zu. Am Beispiel Dortmunds zeigte Schreiber auf, welch große Bedeutung Hochschul- und Wissenschaftsstrukturen letztendlich für die Entwicklung in seiner Stadt hatten. Niemand habe 1968 bei Gründung der Universität dort auch nur erahnen können, welch unglaublich positive Struktureffekte diese Entscheidung bis in die heutige Zeit hinein haben würde.  Zwei bedrohliche Strukturwandel habe Dortmund eben durch ein wirklich gemeinsames Bekenntnis zu Hochschule und Wissenschaft erfolgreich bewältigt.

Eines der elementaren Geheimnisse verriet Schreiber auch: Ein tatsächliches Miteinander von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung, das es seit den 1980er Jahren in Fragen zu Wissenschaft und Hochschulen gäbe. Parteipolitische Interessen gelang es nachhaltig bei diesen Thematiken zurück zu stellen. Nicht Klüngelkreise sondern transparent gemeinsame Arbeit führten zum Erfolg. Dieser aber, und auch darauf verwies Schreiber, braucht Zeit. Jetzt erst kann die Stadt wirklich ernten, was einstmals gesät wurde. Was zählt, sei ein gemeinsamer Spirit, bei dem auch Stadt und Region gemeinsam etwas erreichen wollen.

Konstruktive aber auch klare Diskussion

Prof. Roland Larek (Hochschule Wismar) während der Podiumsdiskussion in Schwerin | Foto: privat

In der anschließenden Podiumsrunde unterstrichen vor allem die aus Schwerin kommenden Teilnehmer eine breite Einigkeit. Den eingeschlagenen Weg möchte man fortsetzen. Verschiedenste Argumente aus interner Sicht aber auch mit Blick auf regionale oder gar landesweit ziehende Argumente kamen zu Wort. Wünsche, dass die Jugend vor Ort bleiben und vor allem neue Studierende und Wissenschaftler neue Impulse geben könnten sprachen die Teilnehmer an. Es zeigte sich eine tatsächlich durch große Teile der Stadt klar erkennbare Linie, Schwerin als Wissenschafts- und Hochschulstandort weiter zu entwickeln – und dies gern mit staatlichen Hochschulstrukturen.

Deutlich wurde an diesem Abend aber auch, dass eben dieser Prozess außerhalb Schwerins zumindest kritisch betrachtet wird. Denn schon in seinem ersten Statement machte der Prorektor Forschung an der Hochschule Wismar, Prof. Roland Larek, deutlich, dass man in Wismar durchaus skeptisch, verwundert und auch irritiert auf die Entwicklungen in Schwerin schaue. Er verwies dabei auf die schon lange anhaltenden Kämpfe um Personal- und Finanzausstattung bestehender Hochschulen.  In diesem Zusammenhang stellte er dann auch die offensichtlich andernorts diskutierte Frage, wie in diese Realitäten eine neue staatliche Hochschule in Schwerin passen könnte.

Etwas Unruhe im Publikum und intensives Argumentieren der Podiumsrunde folgten. Manchmal schien der Wismaraner Vertreter etwas auf einsamem Posten zu stehen. Schwerin schien sich einig. Prof. Larek stellte allerdings nochmals klar, dass es ihm nicht um eine grundsätzliche Ablehnung der Idee ginge. Vielmehr fehle ihm noch die Erkenntnis, worin ein qualitativer oder quantitativer Mehrwert einer staatlichen Hochschule in Schwerin für die Hochschullandschaft des Landes liegen könnte. Hier dies war ein Ergebnis des Abends, muss von nun an intensiver gearbeitet und kommuniziert werden. Damit gelang es auch in diesem Jahr mit der Podiumsdiskussion neue wichtige Erkenntnisse für das Wie des weiteren Weges zu gewinnen.

Gemeinsam ist vieles möglich

Allerdings, und auch das gehört zur ganzen Sicht auf den Abend, zeigten die anschließenden Gesprächsrunden im Rahmen des come together dann doch, dass ohne Frage eine große Offenheit auf allen Seiten besteht. Die noch in der Diskussion vom Dortmunder Stefan Schreiber angesprochene Notwendigkeit eines gemeinsamen Kämpfens um mehr Investitionen in Bildung – dann zugunsten beider Standorte – wurde als richtiger Ansatz gesehen. Auch wurden Möglichkeiten eines eventuellen Miteinanders konstruktiv andiskutiert.

 

Kommentar

Keine Frage, das war durchaus eine kleine Standortdebatte. Schwerin kämpfte für staatliche Hochschulstrukturen vor Ort und Wismar für die dort bestehenden. Beides nachvollziehbar und richtig. Und eben diese Diskussion kann die Arbeit nur stärken und verbessern. Denn es kann festgestellt werden, dass viele Schwerinerinnen und Schweriner quer durch die Stadtgesellschaft wieder gemeinsam für eine Sache eintreten. Nämlich für eine positive Entwicklung des Wissenschafts- und Hochschulstandortes Schwerin und dies mit einer staatlichen Hochschulstruktur.

Noch enger und sensibler zusammenarbeiten

Es war aber auch wichtig, eben nicht diplomatische Antworten sondern echte Gedanken und vor allem auch Sorgen aus Wismar zu hören. Denn nur gemeinsam mit der Hochschule Wismar kann und wird das Ansinnen Schwerins erfolgreich enden. Aber dafür müssen beide Seiten frühzeitig um die Befindlichkeiten und eventuellen Sorgen des anderen wissen. Nun gilt es, noch intensiver miteinander zu reden und den Gedankenaustausch voranzutreiben. Die Hochschule Wismar muss offenbar noch besser mitgenommen werden – inhaltlich wie in Fragen der Sensibilität.

Das kann ja noch ganz andere Vorteile mit sich bringen. Denn was kann Schwerin Besseres passieren, als auch die Fachexpertise der Hochschule Wismar zukünftig noch intensiver nutzen zu können? Dort sitzen Experten, die sich mit den Regularien des Landes in der Arbeit mit staatlichen Hochschuleinrichtungen bestens auskennen. Dort gibt es schon heute Strukturen, auf die wir aufbauen können.

An Dortmund ein Beispiel nehmen: Gemeinsam kämpfen

Eines ist zumindest sicher: Allein werden und wollen wir es nicht schaffen. Dortmund hat es uns vorgemacht. Nicht durch das Verteidigen von Einzelinteressen, sondern durch das Bündeln wichtiger gemeinsamer Kräfte kommt man zum Erfolg. Nutzen wir diese Erkenntnisse. Nehmen wir die Hochschule Wismar mit ihrer fachlichen Expertise, ihren interessanten Ideen und auch mit all ihrer nachvollziehbaren Skepsis noch besser mit. Bauen wir gemeinsames Vertrauen auf bzw. aus und kämpfen wir gemeinsam für einen starken Wissenschafts- und Hochschulstandort.

Redaktion

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