Frühe ICE-Züge vor dem Aus:
Schwesig erhöht den Druck auf die Bahn
Frühe ICE-Züge von Schwerin nach Hamburg sollen gestrichen werden. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig macht die Anbindung zur Chefsache. Politik und Pendler hoffen auf eine Korrektur der Bahn-Pläne.

Symbolbild: KarinKarin auf Pixabay
Kaum ein Thema ist im Wahljahr so sensibel wie die Frage, wie Menschen morgens zur Arbeit kommen. In Mecklenburg-Vorpommern, wo Entfernungen groß und Alternativen oft rar sind, reicht schon eine gestrichene Verbindung, um politische Debatten auszulösen. Genau das passiert derzeit in Schwerin.
Mit dem geplanten Wegfall der frühen ICE-Züge von Rostock über Schwerin nach Hamburg hat die Deutsche Bahn einen Nerv getroffen. Für viele Berufspendler waren diese Verbindungen über Jahre hinweg fester Bestandteil ihres Alltags – und für manche sogar der Grund, in Mecklenburg-Vorpommern zu leben und in Hamburg zu arbeiten.
Dass die Entscheidung ausgerechnet nach der monatelangen Vollsperrung der Strecke Hamburg–Berlin bekannt wurde, sorgt zusätzlich für Unmut. Geduld sei genug strapaziert worden, heißt es aus der Region. Nun gehe es nicht mehr um Baustellen, sondern um die grundsätzliche Erreichbarkeit der Landeshauptstadt am frühen Morgen.
Breiter Schulterschluss gegen die Bahn
Der Protest ist ungewöhnlich geschlossen. Vertreter nahezu aller Parteien in Schwerin fordern den Erhalt der Frühverbindungen. Auch auf Landesebene wächst der Druck. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hat die Sache zur Chefinnenangelegenheit erklärt und das Gespräch mit Bahnchefin Evelyn Palla gesucht. Das teilte die Ministerpräsidentin in einem Post auf „Facebook” mit.
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Im Gespräch sei seitens der Landeschefin sei deutlich gemacht worden, dass die Landesregierung die Streichung für falsch hält, vor allem mit Blick auf Pendler und die wirtschaftliche Entwicklung. Mit Bahnchefin Palla hat sich Schwesig nach ihren Angaben nun zu einem Treffen verabredet. Bei diesem Treffen soll es auch um „weitere Fragen rund um den Bahnverkehr in Mecklenburg-Vorpommern” gehen.
Zuvor hatte bereits CDU-Landeschef Daniel Peters in einem Schreiben an die Bahnspitze eine Rücknahme der Entscheidung gefordert. Selten war der politische Schulterschluss in dieser Frage so breit.
Stadt sieht Standortnachteil
Auch die Schweriner Stadtvertretung reagierte. In einem Dringlichkeitsbeschluss wurde Oberbürgermeister Bernd Nottebaum beauftragt, Gespräche mit Bahn und Landesregierung zu führen. Die Sorge: Ohne den Früh-ICE verlängern sich die Fahrzeiten spürbar, Regionalzüge werden voller und viele Pendler steigen wieder ins Auto.
Genau davor warnen Betroffene. Wer früh in Hamburg sein muss, hat mit dem neuen Fahrplan kaum Spielraum. Die Regionalverbindungen seien schon jetzt stark ausgelastet, berichten Pendler. Ein zusätzlicher Zeitverlust von bis zu 40 Minuten sei im Arbeitsalltag kaum zu kompensieren.
Bahn verweist auf Wirtschaftlichkeit
Die Deutsche Bahn bleibt dennoch bei ihrer Linie. Die Auslastung der frühen ICE-Züge habe zuletzt nur rund 15 Prozent betragen, argumentiert der Konzern. Für den eigenwirtschaftlichen Fernverkehr sei das nicht tragbar. Anders als Regionalzüge würden ICE-Verbindungen nicht von den Ländern bestellt oder finanziert.
Zudem verweist die Bahn auf ein neues Fahrplankonzept: Fern- und Nahverkehr sollen sich künftig zeitlich besser ergänzen. Der erste ICE Richtung Hamburg startet demnach erst nach sieben Uhr. Frühere Fahrgäste müssten auf den Regionalexpress ausweichen.
Landtag diskutiert Alternativen
Im Landtag ist die Debatte inzwischen angekommen. CDU-Abgeordneter Sebastian Ehlers sprach am Donnerstag von einem „echten Standortproblem“ für Westmecklenburg. Es gehe nicht um Schuldzuweisungen, sondern um Lösungen. Als möglichen Ausweg brachte er einen schnellen, vom Land finanzierten Regionalexpress mit wenigen Halten ins Spiel.
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Ob ein solches Modell kommt, ist offen. Das Verkehrsministerium verweist darauf, dass Fernverkehr eigentlich Aufgabe des Bundes sei und nicht dauerhaft aus Landeskassen ersetzt werden könne.
Pendler zwischen Hoffnung und Realität
Für viele Berufstätige bleibt die Lage unbefriedigend. Die Bahn argumentiert mit Zahlen, die Politik mit Standortfragen. Dazwischen stehen Pendler, die morgens pünktlich zur Arbeit müssen. Ob Gespräche und politische Appelle noch etwas bewegen, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Klar ist schon jetzt: Der Streit um den Früh-ICE ist längst mehr als eine Fahrplanfrage: Er ist ein Symbol für die Verkehrspolitik im ländlichen Raum.
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