Mo, 9. Februar 2026
Close

Frühe ICE-Züge vor dem Aus:
Schwesig erhöht den Druck auf die Bahn

Frühe ICE-Züge von Schwerin nach Hamburg sollen gestrichen werden. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig macht die Anbindung zur Chefsache. Politik und Pendler hoffen auf eine Korrektur der Bahn-Pläne.

Avatar-Foto
  • Veröffentlicht Februar 2, 2026
ICE-Streichung Schwerin
Die ICE-Frühverbindun­gen nach Ham­burg sollen gestrichen wer­den.
Sym­bol­bild: KarinKarin auf Pix­abay

 

Kaum ein The­ma ist im Wahl­jahr so sen­si­bel wie die Frage, wie Men­schen mor­gens zur Arbeit kom­men. In Meck­len­burg-Vor­pom­mern, wo Ent­fer­nun­gen groß und Alter­na­tiv­en oft rar sind, reicht schon eine gestrich­ene Verbindung, um poli­tis­che Debat­ten auszulösen. Genau das passiert derzeit in Schw­erin.

Mit dem geplanten Weg­fall der frühen ICE-Züge von Ros­tock über Schw­erin nach Ham­burg hat die Deutsche Bahn einen Nerv getrof­fen. Für viele Beruf­spendler waren diese Verbindun­gen über Jahre hin­weg fes­ter Bestandteil ihres All­t­ags – und für manche sog­ar der Grund, in Meck­len­burg-Vor­pom­mern zu leben und in Ham­burg zu arbeit­en.

Dass die Entschei­dung aus­gerech­net nach der monate­lan­gen Vollsper­rung der Strecke Hamburg–Berlin bekan­nt wurde, sorgt zusät­zlich für Unmut. Geduld sei genug stra­paziert wor­den, heißt es aus der Region. Nun gehe es nicht mehr um Baustellen, son­dern um die grund­sät­zliche Erre­ich­barkeit der Lan­deshaupt­stadt am frühen Mor­gen.

Breiter Schulterschluss gegen die Bahn

Der Protest ist ungewöhn­lich geschlossen. Vertreter nahezu aller Parteien in Schw­erin fordern den Erhalt der Frühverbindun­gen. Auch auf Lan­desebene wächst der Druck. Min­is­ter­präsi­dentin Manuela Schwe­sig hat die Sache zur Chefinnenan­gele­gen­heit erk­lärt und das Gespräch mit Bah­nchefin Eve­lyn Pal­la gesucht. Das teilte die Min­is­ter­präsi­dentin in einem Post auf „Face­book” mit.

Sie sehen ger­ade einen Platzhal­ter­in­halt von Face­book. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzu­greifen, klick­en Sie auf die Schalt­fläche unten. Bitte beacht­en Sie, dass dabei Dat­en an Drit­tan­bi­eter weit­ergegeben wer­den.

Mehr Infor­ma­tio­nen

Im Gespräch sei seit­ens der Lan­deschefin sei deut­lich gemacht wor­den, dass die Lan­desregierung die Stre­ichung für falsch hält, vor allem mit Blick auf Pendler und die wirtschaftliche Entwick­lung. Mit Bah­nchefin Pal­la hat  sich Schwe­sig nach ihren Angaben nun zu einem Tre­f­fen verabre­det. Bei diesem Tre­f­fen soll es auch um „weit­ere Fra­gen rund um den Bah­n­verkehr in Meck­len­burg-Vor­pom­mern” gehen.

Zuvor hat­te bere­its CDU-Lan­deschef Daniel Peters in einem Schreiben an die Bahn­spitze eine Rück­nahme der Entschei­dung gefordert. Sel­ten war der poli­tis­che Schul­ter­schluss in dieser Frage so bre­it.

Stadt sieht Standortnachteil

Auch die Schw­er­iner Stadtvertre­tung reagierte. In einem Dringlichkeits­beschluss wurde Ober­bürg­er­meis­ter Bernd Not­te­baum beauf­tragt, Gespräche mit Bahn und Lan­desregierung zu führen. Die Sorge: Ohne den Früh-ICE ver­längern sich die Fahrzeit­en spür­bar, Region­alzüge wer­den voller und viele Pendler steigen wieder ins Auto.

Genau davor war­nen Betrof­fene. Wer früh in Ham­burg sein muss, hat mit dem neuen Fahrplan kaum Spiel­raum. Die Region­alverbindun­gen seien schon jet­zt stark aus­ge­lastet, bericht­en Pendler. Ein zusät­zlich­er Zeitver­lust von bis zu 40 Minuten sei im Arbeit­sall­t­ag kaum zu kom­pen­sieren.

Bahn verweist auf Wirtschaftlichkeit

Die Deutsche Bahn bleibt den­noch bei ihrer Lin­ie. Die Aus­las­tung der frühen ICE-Züge habe zulet­zt nur rund 15 Prozent betra­gen, argu­men­tiert der Konz­ern. Für den eigen­wirtschaftlichen Fer­n­verkehr sei das nicht trag­bar. Anders als Region­alzüge wür­den ICE-Verbindun­gen nicht von den Län­dern bestellt oder finanziert.

Zudem ver­weist die Bahn auf ein neues Fahrplankonzept: Fern- und Nahverkehr sollen sich kün­ftig zeitlich bess­er ergänzen. Der erste ICE Rich­tung Ham­burg startet dem­nach erst nach sieben Uhr. Frühere Fahrgäste müssten auf den Regional­ex­press auswe­ichen.

Landtag diskutiert Alternativen

Im Land­tag ist die Debat­te inzwis­chen angekom­men. CDU-Abge­ord­neter Sebas­t­ian Ehlers sprach am Don­ner­stag von einem „echt­en Stan­dort­prob­lem“ für West­meck­len­burg. Es gehe nicht um Schuldzuweisun­gen, son­dern um Lösun­gen. Als möglichen Ausweg brachte er einen schnellen, vom Land finanzierten Regional­ex­press mit weni­gen Hal­ten ins Spiel.

Sie sehen ger­ade einen Platzhal­ter­in­halt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzu­greifen, klick­en Sie auf die Schalt­fläche unten. Bitte beacht­en Sie, dass dabei Dat­en an Drit­tan­bi­eter weit­ergegeben wer­den.

Mehr Infor­ma­tio­nen

Ob ein solch­es Mod­ell kommt, ist offen. Das Verkehrsmin­is­teri­um ver­weist darauf, dass Fer­n­verkehr eigentlich Auf­gabe des Bun­des sei und nicht dauer­haft aus Lan­deskassen erset­zt wer­den könne.

Pendler zwischen Hoffnung und Realität

Für viele Beruf­stätige bleibt die Lage unbe­friedi­gend. Die Bahn argu­men­tiert mit Zahlen, die Poli­tik mit Stan­dort­fra­gen. Dazwis­chen ste­hen Pendler, die mor­gens pünk­tlich zur Arbeit müssen. Ob Gespräche und poli­tis­che Appelle noch etwas bewe­gen, wird sich in den kom­menden Wochen zeigen. Klar ist schon jet­zt: Der Stre­it um den Früh-ICE ist längst mehr als eine Fahrplan­frage:  Er ist ein Sym­bol für die Verkehrspoli­tik im ländlichen Raum.

 


Lesen Sie auch: Bahn erk­lärt das Aus für den Früh-ICE nach Ham­burg