Im Vorbeigehen Flagge gegen Rassismus zeigen

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(red). Ein Zeichen für eine neue Willkommenskultur in Schwerin zu setzen. Das war gestern das Anliegen des Bündnisses »Schwerin für alle« in der Mecklenburger Straße. Die Initiatoren ärgern sich schon lange darüber, dass die Mehrheit in der Gesellschaft immer nur wie auf Knopfdruck reagiert, wenn es um das Thema Rassismus und Umgang mit Flüchtlingen in unserer Stadt geht.

 

Am Anfang des Jahres überschlugen sich die Reaktionen, als das islamfeindliche Bündnis »MVgida« regelmäßige »Abendspaziergänge« in Schwerin ankündigte. Das Staatstheater und das Schweriner Schloss schalteten aus Protest das Licht aus, Ministerpräsident Sellering und weitere Landes-, Kommunalpolitiker, Gewerkschaften und Verbände nahmen an der ersten Gegenkundgebung gegen MVgida teil. Dieses Engagement ist nun in der Folge fast völlig zum Erliegen gekommen und man scheint sich in der Stadt daran gewöhnt zu haben, dass Menschen mit fragwürdigen Thesen alle zwei Wochen in der Stadt demonstrieren. Die Initiatoren des gestrigen Infostandes wollen sich mit dieser schleichenden Akzeptanz nicht abfinden und suchen neue Wege, sich den Parolen von MVgida entgegenzustellen. »Es wird Zeit, eigene Impulse zu setzen.«, so Vera Neumann, Mitinitiatorin der Aktion. »Viele Menschen finden neben Familie und Beruf nicht mehr regelmässig die Zeit, sich an den von MVgida gesetzten Terminen durch Gegendemonstrationen für eine Willkommenskultur einzusetzen. Das ist verständlich. Doch es gibt andere Wege als nur auf die MVgida-Aktionen zu reagieren.«

 

Eine klare und eindeutige Botschaft

 

So wollten die Aktivisten gestern die Möglichkeit eröffnen, sozusagen im »Vorübergehen« ein Zeichen zu setzen. Die Idee: Ein etwa sechs mal sieben Meter großes Stoffbanner, inmitten der Fußgängerzone ausgebreitet, lud die Menschen zum Unterzeichnen ein. Auf dem Banner eine klare und eindeutige Botschaft: »stop racism, refugees welcome« (Rassismus stoppen – Flüchtlinge willkommen!). Das ist das Motto des freien und offenen Bündnisses »Schwerin für alle«. Unter dieser Aussagen hatten sich daher auch gestern Vertreter der Projektwerkstatt BuntesQ, des Projektes Komplex, Attac Schwerin und Vertreter aus den Parteien Die Linke, Piraten und der Aktion Stadt- und Kulturschutz (ASK) am Infostand in der Mecklenburgstraße versammelt, um auch einmal die Buntheit des antirassistischen Bündnisses in der Stadt erlebbar zu machen. »Viele wissen nicht wie bunt und vielfältig die Bewegung ›Schwerin für alle‹ ist.«, sagt Oliver Pfaff, der die Initiative mit ins Leben gerufen hat. »Wir sind keine Chaoten. Wir haben es nur satt, uns von Demonstrationen der MVgida die Termine diktieren zu lassen. Wir wollen eine Aktion starten, um in Schwerin eine echte Willkommenskultur zu ermöglichen.«

 

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Besonders stört die Aktivisten des Bündnisses, dass man in der Öffentlichkeit immer wieder so tut, als ob es sich bei ihnen nur um Gewalttäter handeln würde. Dieser Vorwurf wäre eigentlich schon angesichts des Verlaufs der bisherigen Demonstrationen von MVgida nicht haltbar. Trotzdem möchte das Bündnis Gelegenheit geben, sich ein eigenes Bild zu machen. »Wir wollen nicht nur informieren, sondern mit Aktionen und Veranstaltungen auf unsere Ziele aufmerksam machen und den Leuten zeigen, dass wir keine Steineschmeißer sind, sondern es als menschlich ansehen, für Toleranz und gegen Rasissmus auch mal laute Worte zu finden.« meint Vera Neumann.

 

Bundesministerin Schwesig unterstützt spontan das Anliegen

 

Torsten »Mathetoddy« Müller, der sich vor allem durch ehrenamtliche Mathenachhilfe für Kinder und Jugendliche in der Stadt einen Namen gemacht hat, unterstützte die Aktion gestern ebenfalls. »Nur auf MVgida reagieren wird niemandem helfen. Agieren, selber Impulse setzen, das ist es«, da ist sich der Initiator der Projektwerkstatt BuntesQ sicher. So nutzten gestern viele Menschen die Möglichkeit, auf dem Transparent durch ihre Unterschrift ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen.

 

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Die prominenteste Unterschrift gestern war mit Sicherheit die von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig. Die Bundesministerin war zufällig in der Stadt unterwegs und kam spontan mit den Initiatoren ins Gespräch. Sie fand die Aktion so gut, dass sie ihre Unterschrift nicht verweigerte. »Ja natürlich unterstütze ich diese Idee«, so Schwesig. Neben Manuela Schwesig unterschrieb der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin, Diedrich Baxmann. Insgesamt 200 Unterschriften kamen gestern zusammen.

 

Das die Schaffung einer Willkommenskultur das beste Mittel gegen angstverbreitende Parolen gegen Flüchtlinge ist, macht auch die Bundesregierung deutlich. Anfang dieser Woche kündigte sie ein Programm an, dass Flüchtlinge vor Ort durch Teilhabe und Bildung unterstützen soll, sich in das örtliche Gemeinwesen zu integrieren. Auch in Schwerin arbeiten viele Menschen im Moment daran, Flüchtlingen eine Atmosphäre des Willkommens zu bereiten.

 
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