Matcha-Fieber erreicht Schwerin:
Was hinter dem weltweiten Boom steckt?
Matcha erobert Schwerin: Der grüne Trend sorgt für Begeisterung, aber auch für Engpässe. Japans Produktion kommt kaum noch hinterher.

Ein grünes Pulver aus Japan erobert derzeit die Welt: Matcha. War es früher vor allem als Tee bekannt, findet man es heute in immer mehr Lebensmitteln – ob im Eis, in Süßigkeiten, im Kaffee oder sogar über gebratenen Nudeln. Auch in Schwerin ist Matcha im Trend.
Die Nebenwirkung des Booms: die Nachfrage nach japanischem Matcha-Tee erreicht neue Rekordwerte und sorgt weltweit für Lieferengpässe. Auch in Mecklenburg-Vorpommern spüren Händler und Teeliebhaber die Folgen des globalen Matcha-Booms. Besonders in Schwerin berichten Fachgeschäfte von einem deutlich gestiegenen Interesse an dem leuchtend grünen Pulvertee.
Japan kommt mit der Produktion nicht mehr hinterher
In Japan ist die Matcha-Produktion derzeit an ihrer Belastungsgrenze. Laut dem japanischen Landwirtschaftsministerium wurden zwischen Januar und August 2024 über 240 Tonnen Matcha nach Deutschland exportiert, ein Anstieg um 240 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, so das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat. Damit ist Deutschland nach den USA der wichtigste Abnehmer für den hochwertigen Grüntee.
Doch die Hersteller in Japan können die Nachfrage kaum noch bedienen. Die Teeplantagen leiden unter Hitzeperioden und Wetterextremen, und die Zahl der Teebauern ist in den vergangenen Jahrzehnten drastisch gesunken, von mehr als 53.000 im Jahr 2000 auf nur noch etwa 12.300. Viele Familienbetriebe finden keine Nachfolger, was die Produktion zusätzlich einschränkt.

Zudem ist die Herstellung von Matcha aufwendig: Die Teepflanzen werden mehrere Wochen vor der Ernte beschattet, um Geschmack und Farbe zu intensivieren. Nach der Ernte werden die Blätter von Hand entstielt, getrocknet und anschließend auf traditionellen Granitsteinmühlen vermahlen. Jede Mühle schafft nur etwa 30 Gramm Pulver pro Stunde – Qualität statt Masse.
Schweriner Teehändler beobachten wachsenden Andrang
Auch in Schwerin zeigt sich die wachsende Begeisterung für Matcha deutlich. Im Traditionshaus „Tee Maass“ in der Schmiedestraße ist der Andrang in den vergangenen Monaten spürbar gestiegen. „Matcha erlebt bei uns derzeit einen regelrechten Hype“, heißt es auf Anfrage unserer Redaktion. Zwar gebe es aktuell noch keine gravierenden Lieferverzögerungen, doch man beobachte die Lage aufmerksam.
Besonders wichtig sei, auf die Herkunft des Tees zu achten. „Viele Kunden wissen gar nicht, dass ‚Matcha‘ kein geschützter Begriff ist“, betont das Teehaus. „Es gibt zahlreiche Angebote aus China oder anderen Ländern, die zwar als Matcha verkauft werden, aber mit dem echten japanischen Produkt kaum etwas zu tun haben.“
Original Matcha kommt aus Japan
Echter Matcha stammt ausschließlich aus Japan, insbesondere aus Regionen wie Uji, Nishio oder Kagoshima, wo Klima und Boden ideale Bedingungen bieten. Nur dort werden die Pflanzen traditionell beschattet und sorgfältig verarbeitet.
Bei Nachahmungen aus anderen Ländern fehlt oft die Beschattung, und die gesamte Pflanze, mitsamt Stielen und Blattadern, wird vermahlen. Das führt zu bitterem Geschmack, matter Farbe und geringerer Qualität, erklärt die Verbraucherzentrale.
Ein weiteres Qualitätsmerkmal ist die Vermahlung: In Japan werden Granitsteinmühlen verwendet, die langsam und schonend mahlen, um die empfindlichen Aromen zu erhalten. Industrielle Mühlen in anderen Ländern erzeugen dagegen Reibungshitze, die den Tee „verbrennen“ kann.
Gesunde Lebensweise befeuert den Trend
Neben der hohen Qualität ist es vor allem der Gesundheitstrend, der Matcha in Deutschland so beliebt macht. Das Pulver enthält viele Antioxidantien, Vitamine und Aminosäuren. In sozialen Medien kursieren zahllose Rezepte für Matcha-Latte, Smoothies oder Desserts – vor allem jüngere Konsumenten entdecken den grünen Tee für sich.
„Wir erleben, dass Matcha längst kein Nischenprodukt mehr ist“, bestätigt der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) gegenüber dem Nachrichtenmagazin „Spiegel”. Matcha tauche inzwischen in vielen Produktkategorien auf – von Schokolade über Getränke bis hin zu Kosmetik.
Preise ziehen spürbar an
Die starke Nachfrage bleibt nicht ohne Folgen: Händler berichten von deutlich gestiegenen Einkaufspreisen. Das niedersächsische Unternehmen Keiko, das Tencha aus Japan importiert und in Deutschland zu Matcha vermahlt, spricht von einer „rasanten“ Nachfrageentwicklung. „Erstmals übersteigt die Nachfrage die verfügbare Erntemenge“, schreibt der „Spiegel” in einem Beitrag.
Auch in Mecklenburg-Vorpommern rechnen Fachhändler mit weiter steigenden Preisen, sollte sich die Lage in Japan nicht entspannen. Noch aber sind Matcha-Tees in Schwerin erhältlich und begehrt in Schwerin so das Teehaus.
Wer echten Matcha genießen möchte, sollte beim Kauf auf Herkunft, Farbe und Geschmack achten. Denn auch wenn der Markt zunehmend Nachahmungen bietet: Das Original mit seiner satten, tiefgrünen Farbe kommt nach wie vor aus Japan.



