Sa, 6. Dezember 2025
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Matcha-Fieber erreicht Schwerin:
Was hinter dem weltweiten Boom steckt?

Matcha erobert Schwerin: Der grüne Trend sorgt für Begeisterung, aber auch für Engpässe. Japans Produktion kommt kaum noch hinterher.

  • Veröffentlicht Oktober 9, 2025
In Schwerin wächst das Interesse an japanischem Matcha-Tee. Händler beobachten eine höhere Nachfrage. Foto: Symbolbild
In Schw­erin wächst das Inter­esse an japanis­chem Matcha-Tee. Händler beobacht­en eine höhere Nach­frage. (Sym­bol­bild)

 

Ein grünes Pul­ver aus Japan erobert derzeit die Welt: Matcha. War es früher vor allem als Tee bekan­nt, find­et man es heute in immer mehr Lebens­mit­teln – ob im Eis, in Süßigkeit­en, im Kaf­fee oder sog­ar über gebrate­nen Nudeln. Auch in Schw­erin ist Matcha im Trend.

Die Neben­wirkung des Booms: die Nach­frage nach japanis­chem Matcha-Tee erre­icht neue Reko­rd­w­erte und sorgt weltweit für Lief­er­eng­pässe. Auch in Meck­len­burg-Vor­pom­mern spüren Händler und Teel­ieb­haber die Fol­gen des glob­alen Matcha-Booms. Beson­ders in Schw­erin bericht­en Fachgeschäfte von einem deut­lich gestiege­nen Inter­esse an dem leuch­t­end grü­nen Pul­ver­tee.

Japan kommt mit der Produktion nicht mehr hinterher

In Japan ist die Matcha-Pro­duk­tion derzeit an ihrer Belas­tungs­gren­ze. Laut dem japanis­chen Land­wirtschaftsmin­is­teri­um wur­den zwis­chen Jan­u­ar und August 2024 über 240 Ton­nen Matcha nach Deutsch­land exportiert, ein Anstieg um 240 Prozent gegenüber dem Vor­jahreszeitraum, so das Bun­desmin­is­teri­um für Land­wirtschaft, Ernährung und Heimat. Damit ist Deutsch­land nach den USA der wichtig­ste Abnehmer für den hochw­er­ti­gen Grün­tee.

Doch die Her­steller in Japan kön­nen die Nach­frage kaum noch bedi­enen. Die Teeplan­ta­gen lei­den unter Hitzepe­ri­o­den und Wet­terex­tremen, und die Zahl der Tee­bauern ist in den ver­gan­genen Jahrzehn­ten drastisch gesunken, von mehr als 53.000 im Jahr 2000 auf nur noch etwa 12.300. Viele Fam­i­lien­be­triebe find­en keine Nach­fol­ger, was die Pro­duk­tion zusät­zlich ein­schränkt.

 

Sta­tis­tik der Teep­ro­duk­tion in Japan. Grafik: Glob­al Japan­ese Tea Asso­ci­a­tion

 

Zudem ist die Her­stel­lung von Matcha aufwendig: Die Teep­flanzen wer­den mehrere Wochen vor der Ernte beschat­tet, um Geschmack und Farbe zu inten­sivieren. Nach der Ernte wer­den die Blät­ter von Hand entstielt, getrock­net und anschließend auf tra­di­tionellen Gran­it­stein­mühlen ver­mahlen. Jede Müh­le schafft nur etwa 30 Gramm Pul­ver pro Stunde – Qual­ität statt Masse.

Schweriner Teehändler beobachten wachsenden Andrang

Auch in Schw­erin zeigt sich die wach­sende Begeis­terung für Matcha deut­lich. Im Tra­di­tion­shaus „Tee Maass“ in der Schmiedestraße ist der Andrang in den ver­gan­genen Monat­en spür­bar gestiegen. „Matcha erlebt bei uns derzeit einen regel­recht­en Hype“, heißt es auf Anfrage unser­er Redak­tion. Zwar gebe es aktuell noch keine gravieren­den Liefer­verzögerun­gen, doch man beobachte die Lage aufmerk­sam.

Beson­ders wichtig sei, auf die Herkun­ft des Tees zu acht­en. „Viele Kun­den wis­sen gar nicht, dass ‚Matcha‘ kein geschützter Begriff ist“, betont das Tee­haus. „Es gibt zahlre­iche Ange­bote aus Chi­na oder anderen Län­dern, die zwar als Matcha verkauft wer­den, aber mit dem echt­en japanis­chen Pro­dukt kaum etwas zu tun haben.“

Original Matcha kommt aus Japan

Echter Matcha stammt auss­chließlich aus Japan, ins­beson­dere aus Regio­nen wie Uji, Nishio oder Kagoshi­ma, wo Kli­ma und Boden ide­ale Bedin­gun­gen bieten. Nur dort wer­den die Pflanzen tra­di­tionell beschat­tet und sorgfältig ver­ar­beit­et.

Bei Nachah­mungen aus anderen Län­dern fehlt oft die Beschat­tung, und die gesamte Pflanze, mit­samt Stie­len und Blat­tadern, wird ver­mahlen. Das führt zu bit­terem Geschmack, mat­ter Farbe und gerin­ger­er Qual­ität, erk­lärt die Ver­braucherzen­trale.

Ein weit­eres Qual­itätsmerk­mal ist die Ver­mahlung: In Japan wer­den Gran­it­stein­mühlen ver­wen­det, die langsam und scho­nend mahlen, um die empfind­lichen Aromen zu erhal­ten. Indus­trielle Mühlen in anderen Län­dern erzeu­gen dage­gen Rei­bung­shitze, die den Tee „ver­bren­nen“ kann.

Gesunde Lebensweise befeuert den Trend

Neben der hohen Qual­ität ist es vor allem der Gesund­heit­strend, der Matcha in Deutsch­land so beliebt macht. Das Pul­ver enthält viele Antiox­i­dantien, Vit­a­mine und Aminosäuren. In sozialen Medi­en kur­sieren zahllose Rezepte für Matcha-Lat­te, Smooth­ies oder Desserts – vor allem jün­gere Kon­sumenten ent­deck­en den grü­nen Tee für sich.

„Wir erleben, dass Matcha längst kein Nis­chen­pro­dukt mehr ist“, bestätigt der Bun­desver­band des Deutschen Lebens­mit­tel­han­dels (BVLH) gegenüber dem Nachricht­en­magazin „Spiegel”. Matcha tauche inzwis­chen in vie­len Pro­duk­tkat­e­gorien auf – von Schoko­lade über Getränke bis hin zu Kos­metik.

Preise ziehen spürbar an

Die starke Nach­frage bleibt nicht ohne Fol­gen: Händler bericht­en von deut­lich gestiege­nen Einkauf­spreisen. Das nieder­säch­sis­che Unternehmen Keiko, das Ten­cha aus Japan importiert und in Deutsch­land zu Matcha ver­mahlt, spricht von ein­er „ras­an­ten“ Nach­frageen­twick­lung. „Erst­mals über­steigt die Nach­frage die ver­füg­bare Ern­te­menge“, schreibt der „Spiegel” in einem Beitrag.

Auch in Meck­len­burg-Vor­pom­mern rech­nen Fach­händler mit weit­er steigen­den Preisen, sollte sich die Lage in Japan nicht entspan­nen. Noch aber sind Matcha-Tees in Schw­erin erhältlich und begehrt in Schw­erin so das Tee­haus.

Wer echt­en Matcha genießen möchte, sollte beim Kauf auf Herkun­ft, Farbe und Geschmack acht­en. Denn auch wenn der Markt zunehmend Nachah­mungen bietet: Das Orig­i­nal mit sein­er sat­ten, tief­grü­nen Farbe kommt nach wie vor aus Japan.