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Außenstelle in Schwerin:
Das soll die Innovationsagentur für Unternehmen in Schwerin bringen

Vier Bundesländer gründen eine gemeinsame Innovationsagentur. Sie soll Unternehmen vernetzen, Fördermittel erschließen und Forschung sowie Wirtschaft zusammenbringen. Für Mecklenburg-Vorpommern ist eine Außenstelle in Schwerin geplant.

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  • Veröffentlicht Juli 1, 2026
Innovationsagentur Schwerin
Das Lud­wig-Bölkow-Haus der IHK zu Schw­erin: Die Wirtschaft begrüßt die geplante Inno­va­tion­sagen­tur der Metropol­re­gion Ham­burg als Chance für mehr Tech­nolo­gi­etrans­fer und bessere Ver­net­zung. Foto: Ste­fan Rochow 

 

Wer als mit­tel­ständis­ches Unternehmen eine neue Tech­nolo­gie entwick­eln oder ein Forschung­spro­jekt starten will, stößt oft auf diesel­ben Hür­den: Es fehlen die passenden Ansprech­part­ner, der Zugang zu wis­senschaftlichen Ein­rich­tun­gen oder der Überblick über Förder­pro­gramme von Bund und Europäis­ch­er Union. Genau hier soll kün­ftig eine neue Inno­va­tion­sagen­tur der Metropol­re­gion Ham­burg anset­zen. Sie soll Unternehmen, Hochschulen und Forschung­sein­rich­tun­gen über Län­der­gren­zen hin­weg zusam­men­brin­gen und Inno­va­tion­spro­jek­te auf den Weg brin­gen. Prof­i­tieren sollen davon ins­beson­dere kleine und mit­tlere Unternehmen.

Die vier Bun­deslän­der Ham­burg, Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Schleswig-Hol­stein und Nieder­sach­sen wollen die Agen­tur zum 1. Jan­u­ar 2027 grün­den. Eine entsprechende Absicht­serk­lärung unterze­ich­neten die Regierungsvertreter Mitte Juni bei den Lud­wigslus­ter Gesprächen im Schloss Lud­wigslust. Geplant ist ein Haupt­sitz in Ham­burg sowie jew­eils eine Außen­stelle in den beteiligten Bun­deslän­dern. Nach Infor­ma­tio­nen des NDR soll diese für Meck­len­burg-Vor­pom­mern in Schw­erin entste­hen.

OECD sah Defizite bei der Zusammenarbeit

Die Idee für die Agen­tur ist allerd­ings deut­lich älter. Bere­its 2019 hat­te die Organ­i­sa­tion für wirtschaftliche Zusam­me­nar­beit und Entwick­lung (OECD) der Metropol­re­gion Ham­burg emp­fohlen, eine gemein­same Inno­va­tion­sagen­tur aufzubauen. Zwar ver­füge die Region über starke Hochschulen, Forschung­sein­rich­tun­gen und inno­v­a­tive Unternehmen, diese arbeit­eten jedoch häu­fig inner­halb der jew­eili­gen Lan­des­gren­zen. Poten­ziale für gemein­same Pro­jek­te blieben dadurch ungenutzt. Die Agen­tur soll diese Lücke schließen und als zen­trale Anlauf­stelle für Inno­va­tio­nen fungieren.

Nach dem Konzept soll sie beste­hende Ein­rich­tun­gen wie Wirtschafts­förderun­gen, Indus­trie- und Han­del­skam­mern oder Grün­derzen­tren nicht erset­zen. Stattdessen soll sie deren Arbeit ergänzen und dort aktiv wer­den, wo län­derüber­greifende Zusam­me­nar­beit bis­lang fehlt. Zu ihren Auf­gaben gehören die Ver­net­zung von Unternehmen und Wis­senschaft, die Suche nach Koop­er­a­tionspart­nern, die Begleitung gemein­samer Inno­va­tion­spro­jek­te sowie die Unter­stützung bei Förder­anträ­gen des Bun­des und der Europäis­chen Union. Außer­dem soll sie Infor­ma­tio­nen bün­deln und den Wis­senstrans­fer inner­halb der Metropol­re­gion organ­isieren.

Das Konzept beschreibt die Agen­tur als eine Art Küm­mer­er für Inno­va­tio­nen. Sie soll Trends beobacht­en, Zukun­ft­s­the­men iden­ti­fizieren, Unternehmen und Forschung­sein­rich­tun­gen miteinan­der ver­net­zen und neue Pro­jek­te anstoßen. Ziel ist es, Ideen schneller in mark­t­fähige Pro­duk­te, Dien­stleis­tun­gen oder Geschäftsmod­elle zu über­führen und die Inno­va­tion­skraft der gesamten Metropol­re­gion zu stärken.

Vorteile vor allem für den Mittelstand

Beson­ders kleine und mit­tlere Unternehmen sollen von der neuen Struk­tur prof­i­tieren. Anders als große Konz­erne ver­fü­gen sie häu­fig nicht über eigene Forschungsabteilun­gen oder Spezial­is­ten für Förder­pro­gramme. Die Agen­tur soll deshalb den Zugang zu Fach­wis­sen erle­ichtern und Unternehmen dabei unter­stützen, Part­ner aus Wis­senschaft oder Wirtschaft zu find­en. Gle­ichzeit­ig soll sie helfen, Fördergelder aus Berlin und Brüs­sel in die Region zu holen.

Min­is­ter­präsi­dentin Manuela Schwe­sig (SPD) sieht darin auch eine Chance für Meck­len­burg-Vor­pom­mern. „Heute gehen wir gemein­sam den näch­sten Schritt. Wir stellen die Weichen für die Grün­dung ein­er Inno­va­tion­sagen­tur. Das Ziel ist klar: Wir wollen mehr län­derüber­greifende Inno­va­tion­spro­jek­te in der Metropol­re­gion Ham­burg“, sagte sie in Lud­wigslust. Für Meck­len­burg-Vor­pom­mern ver­spreche sich das Land „eine größere Sicht­barkeit und weit­ere Stärkung der Inno­va­tion­skraft, die wir schon im Land haben“. Gle­ichzeit­ig erhoffe man sich Unter­stützung „ger­ade für unsere kleineren und mit­tleren Unternehmen, zum Beispiel bei über­re­gionalen und inter­na­tionalen Pro­jek­ten“.

Auch aus der Wirtschaft kommt Zus­tim­mung. Matthias Belke, Präsi­dent der Indus­trie- und Han­del­skam­mer zu Schw­erin, sieht in der Agen­tur eine wichtige Ergänzung der beste­hen­den Struk­turen. „Unternehmen benöti­gen inno­va­tions­fre­undliche Rah­menbe­din­gun­gen, struk­turi­erte FuE-Beratung, effizien­ten Tech­nolo­gi­etrans­fer und Zugang zu Net­zw­erken“, sagte Belke. Die neue Ein­rich­tung schaffe „eine Schnittstelle, die genau da anset­zt“. Wis­senschaft und Wirtschaft soll­ten dadurch enger ver­bun­den und „über­re­gionale Syn­ergien genutzt“ wer­den. Zugle­ich unter­stütze die IHK den Ansatz, „die Kom­pe­ten­zen Meck­len­burg-Vor­pom­merns zukun­fts­gerichtet in die Metropol­re­gion Ham­burg einzubrin­gen“.

Sechs Zukunftsfelder im Mittelpunkt

Inhaltlich soll sich die Agen­tur auf sechs Zukun­fts­felder konzen­tri­eren: nach­haltige und smarte Energiesys­teme, nach­haltige Mate­ri­alien und Pro­duk­tion­sprozesse, Life Sci­ence und Gesund­heit, Bioökonomie und Ernährungswirtschaft, CO₂-freie Mobil­ität sowie Dig­i­tal­isierung und Kün­stliche Intel­li­genz. In diesen Bere­ichen sehen die beteiligten Län­der die größten Chan­cen, sich inter­na­tion­al stärk­er zu posi­tion­ieren und gemein­same Inno­va­tion­spro­jek­te voranzubrin­gen.

Finanziert wer­den soll die Inno­va­tion­sagen­tur von den vier Bun­deslän­dern. Vorge­se­hen ist ein jährlich­es Bud­get von rund 1,5 Mil­lio­nen Euro. Nach Angaben der Metropol­re­gion Ham­burg wäre sie die erste län­derüber­greifende Inno­va­tion­sagen­tur dieser Art in Deutsch­land.

Diskussion um den Standort

Für Diskus­sio­nen sorgt unter­dessen die Frage, wo die Außen­stelle für Meck­len­burg-Vor­pom­mern ange­siedelt wird. Nach Infor­ma­tio­nen des NDR soll sie in Schw­erin entste­hen. Wis­mars Bürg­er­meis­ter Thomas Bey­er (SPD) reagierte darauf verärg­ert. Die Hans­es­tadt hat­te eben­falls auf den Stan­dort gehofft, unter anderem wegen der Ein­bindung der Hochschule Wis­mar in die Vorar­beit­en. Bey­er kri­tisierte, ihm sei die Entschei­dung erst auf Nach­frage bestätigt wor­den. „Selb­stver­ständlich werde ich ein Gespräch­sange­bot auch annehmen, nur wenn die Min­is­ter­präsi­dentin bere­its eine Entschei­dung verkün­det hat, kann der Grund für ein solch­es Ange­bot ja lediglich Beschwich­ti­gung sein – und die bin ich nicht bere­it ent­ge­gen­zunehmen.“