Außenstelle in Schwerin:
Das soll die Innovationsagentur für Unternehmen in Schwerin bringen
Vier Bundesländer gründen eine gemeinsame Innovationsagentur. Sie soll Unternehmen vernetzen, Fördermittel erschließen und Forschung sowie Wirtschaft zusammenbringen. Für Mecklenburg-Vorpommern ist eine Außenstelle in Schwerin geplant.

Wer als mittelständisches Unternehmen eine neue Technologie entwickeln oder ein Forschungsprojekt starten will, stößt oft auf dieselben Hürden: Es fehlen die passenden Ansprechpartner, der Zugang zu wissenschaftlichen Einrichtungen oder der Überblick über Förderprogramme von Bund und Europäischer Union. Genau hier soll künftig eine neue Innovationsagentur der Metropolregion Hamburg ansetzen. Sie soll Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen über Ländergrenzen hinweg zusammenbringen und Innovationsprojekte auf den Weg bringen. Profitieren sollen davon insbesondere kleine und mittlere Unternehmen.
Die vier Bundesländer Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen wollen die Agentur zum 1. Januar 2027 gründen. Eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichneten die Regierungsvertreter Mitte Juni bei den Ludwigsluster Gesprächen im Schloss Ludwigslust. Geplant ist ein Hauptsitz in Hamburg sowie jeweils eine Außenstelle in den beteiligten Bundesländern. Nach Informationen des NDR soll diese für Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin entstehen.
OECD sah Defizite bei der Zusammenarbeit
Die Idee für die Agentur ist allerdings deutlich älter. Bereits 2019 hatte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) der Metropolregion Hamburg empfohlen, eine gemeinsame Innovationsagentur aufzubauen. Zwar verfüge die Region über starke Hochschulen, Forschungseinrichtungen und innovative Unternehmen, diese arbeiteten jedoch häufig innerhalb der jeweiligen Landesgrenzen. Potenziale für gemeinsame Projekte blieben dadurch ungenutzt. Die Agentur soll diese Lücke schließen und als zentrale Anlaufstelle für Innovationen fungieren.
Nach dem Konzept soll sie bestehende Einrichtungen wie Wirtschaftsförderungen, Industrie- und Handelskammern oder Gründerzentren nicht ersetzen. Stattdessen soll sie deren Arbeit ergänzen und dort aktiv werden, wo länderübergreifende Zusammenarbeit bislang fehlt. Zu ihren Aufgaben gehören die Vernetzung von Unternehmen und Wissenschaft, die Suche nach Kooperationspartnern, die Begleitung gemeinsamer Innovationsprojekte sowie die Unterstützung bei Förderanträgen des Bundes und der Europäischen Union. Außerdem soll sie Informationen bündeln und den Wissenstransfer innerhalb der Metropolregion organisieren.
Das Konzept beschreibt die Agentur als eine Art Kümmerer für Innovationen. Sie soll Trends beobachten, Zukunftsthemen identifizieren, Unternehmen und Forschungseinrichtungen miteinander vernetzen und neue Projekte anstoßen. Ziel ist es, Ideen schneller in marktfähige Produkte, Dienstleistungen oder Geschäftsmodelle zu überführen und die Innovationskraft der gesamten Metropolregion zu stärken.
Vorteile vor allem für den Mittelstand
Besonders kleine und mittlere Unternehmen sollen von der neuen Struktur profitieren. Anders als große Konzerne verfügen sie häufig nicht über eigene Forschungsabteilungen oder Spezialisten für Förderprogramme. Die Agentur soll deshalb den Zugang zu Fachwissen erleichtern und Unternehmen dabei unterstützen, Partner aus Wissenschaft oder Wirtschaft zu finden. Gleichzeitig soll sie helfen, Fördergelder aus Berlin und Brüssel in die Region zu holen.
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) sieht darin auch eine Chance für Mecklenburg-Vorpommern. „Heute gehen wir gemeinsam den nächsten Schritt. Wir stellen die Weichen für die Gründung einer Innovationsagentur. Das Ziel ist klar: Wir wollen mehr länderübergreifende Innovationsprojekte in der Metropolregion Hamburg“, sagte sie in Ludwigslust. Für Mecklenburg-Vorpommern verspreche sich das Land „eine größere Sichtbarkeit und weitere Stärkung der Innovationskraft, die wir schon im Land haben“. Gleichzeitig erhoffe man sich Unterstützung „gerade für unsere kleineren und mittleren Unternehmen, zum Beispiel bei überregionalen und internationalen Projekten“.
Auch aus der Wirtschaft kommt Zustimmung. Matthias Belke, Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Schwerin, sieht in der Agentur eine wichtige Ergänzung der bestehenden Strukturen. „Unternehmen benötigen innovationsfreundliche Rahmenbedingungen, strukturierte FuE-Beratung, effizienten Technologietransfer und Zugang zu Netzwerken“, sagte Belke. Die neue Einrichtung schaffe „eine Schnittstelle, die genau da ansetzt“. Wissenschaft und Wirtschaft sollten dadurch enger verbunden und „überregionale Synergien genutzt“ werden. Zugleich unterstütze die IHK den Ansatz, „die Kompetenzen Mecklenburg-Vorpommerns zukunftsgerichtet in die Metropolregion Hamburg einzubringen“.
Sechs Zukunftsfelder im Mittelpunkt
Inhaltlich soll sich die Agentur auf sechs Zukunftsfelder konzentrieren: nachhaltige und smarte Energiesysteme, nachhaltige Materialien und Produktionsprozesse, Life Science und Gesundheit, Bioökonomie und Ernährungswirtschaft, CO₂-freie Mobilität sowie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. In diesen Bereichen sehen die beteiligten Länder die größten Chancen, sich international stärker zu positionieren und gemeinsame Innovationsprojekte voranzubringen.
Finanziert werden soll die Innovationsagentur von den vier Bundesländern. Vorgesehen ist ein jährliches Budget von rund 1,5 Millionen Euro. Nach Angaben der Metropolregion Hamburg wäre sie die erste länderübergreifende Innovationsagentur dieser Art in Deutschland.
Diskussion um den Standort
Für Diskussionen sorgt unterdessen die Frage, wo die Außenstelle für Mecklenburg-Vorpommern angesiedelt wird. Nach Informationen des NDR soll sie in Schwerin entstehen. Wismars Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) reagierte darauf verärgert. Die Hansestadt hatte ebenfalls auf den Standort gehofft, unter anderem wegen der Einbindung der Hochschule Wismar in die Vorarbeiten. Beyer kritisierte, ihm sei die Entscheidung erst auf Nachfrage bestätigt worden. „Selbstverständlich werde ich ein Gesprächsangebot auch annehmen, nur wenn die Ministerpräsidentin bereits eine Entscheidung verkündet hat, kann der Grund für ein solches Angebot ja lediglich Beschwichtigung sein – und die bin ich nicht bereit entgegenzunehmen.“




