IW-Regionalranking:
Warum Schwerin trotz schwacher Platzierung Hoffnung schöpfen kann
Im Deutschlandvergleich liegt Schwerin weiter hinten. Dennoch zeigt das neue IW-Regionalranking: Die Landeshauptstadt holt langsam auf und könnte vom Strukturwandel profitieren.

Die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns gehört im aktuellen Regionalranking des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) weiterhin nicht zu den wirtschaftsstarken Regionen Deutschlands. Im bundesweiten Niveauranking landet Schwerin nur auf Platz 289 von 400 Städten und Landkreisen. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Studie aber auch: Die Entwicklung der vergangenen Jahre fällt deutlich besser aus als die reine Momentaufnahme vermuten lässt.
Im Dynamikranking, das die Veränderungen der vergangenen zwei Jahre misst, erreicht Schwerin Platz 114 und liegt damit leicht über dem Bundesdurchschnitt. Für die IW-Forscher ist genau dieser Unterschied zwischen aktueller Stärke und Entwicklung ein entscheidender Hinweis darauf, welche Regionen Zukunftspotenzial besitzen – und welche Gefahr laufen, dauerhaft zurückzufallen.
Besonders spannend wird das Ranking deshalb im Vergleich mit Städten wie Cottbus. Die ehemalige Braunkohlestadt in Brandenburg gilt bundesweit als stärkster Aufsteiger und landet im Dynamikranking auf Platz eins. Noch vor wenigen Jahren galt die Lausitz vielen als klassische Problemregion des Strukturwandels. Heute profitiert Cottbus von milliardenschweren Investitionen, neuen Forschungseinrichtungen, dem Ausbau der Technischen Universität sowie großen Infrastrukturprojekten wie dem ICE-Instandhaltungswerk der Deutschen Bahn.
Strukturwandel ohne radikalen Bruch
Für Schwerin liefert dieser Aufstieg einen interessanten Vergleich. Denn auch die Landeshauptstadt steht seit Jahren vor der Frage, wie wirtschaftlicher Wandel gelingen kann, ohne die eigenen Stärken aufzugeben. Genau darin sieht IW-Regionalexperte Hanno Kempermann den entscheidenden Punkt erfolgreicher Regionen: „Keine erfolgreiche Region hat auf einen kompletten Strukturbruch gesetzt – sie alle knüpfen an vorhandene Stärken an und entwickeln sie gezielt weiter.“
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In Schwerin zeigt sich dieser Ansatz inzwischen an mehreren Stellen. Mit dem Industriepark Schwerin, neuen Gewerbeansiedlungen, Investitionen in Wasserstofftechnologien sowie dem Ausbau der Gesundheitswirtschaft versucht die Stadt seit Jahren, ihre wirtschaftliche Basis breiter aufzustellen. Anders als klassische Industriestandorte setzt Schwerin dabei stärker auf Dienstleistungen, Verwaltung, Gesundheitssektor und technologieorientierte Unternehmen.
Dass die Stadt im Dynamikranking inzwischen deutlich besser abschneidet als im Niveauranking, deutet darauf hin, dass diese Entwicklung zumindest teilweise Wirkung zeigt. Gleichzeitig bleibt der Abstand zu den wirtschaftlich stärksten Regionen Deutschlands groß. Im Niveauvergleich dominieren weiterhin vor allem Bayern und Teile Baden-Württembergs. Der Landkreis München verteidigt erneut Platz eins. Insgesamt stammen elf der 20 stärksten Regionen aus Bayern.
Auch starke Regionen geraten unter Druck
Interessant ist allerdings, dass ausgerechnet viele frühere Spitzenregionen inzwischen unter Druck geraten. Laut IW hat Baden-Württemberg den höchsten Anteil an sogenannten Verliererregionen seit 2016. Mehr als jeder zweite Kreis verlor im Ranking mindestens 25 Plätze. Die Gründe liegen vor allem in der Krise traditioneller Industriebranchen, steigenden Energiekosten und dem Wandel der globalen Wirtschaft.
Genau daraus ziehen die IW-Forscher eine zentrale Erkenntnis: Wirtschaftlicher Erfolg hängt heute längst nicht mehr nur von Industrieproduktion und Steuerkraft ab. Eine immer größere Rolle spielen Lebensqualität, Fachkräftesicherung, medizinische Versorgung und die Fähigkeit, junge Menschen in der Region zu halten. Nach Angaben der Studie erklärt der Bereich Lebensqualität inzwischen fast die Hälfte des regionalen Erfolgs.
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Für Schwerin ist das eine entscheidende Nachricht. Die Stadt verfügt zwar nicht über die industrielle Stärke süddeutscher Regionen, punktet aber bei weichen Standortfaktoren wie Wohnqualität, Naturraum und vergleichsweise kurzen Wegen. Gleichzeitig bleibt der demografische Wandel eine große Herausforderung. Viele Regionen Mecklenburg-Vorpommerns kämpfen weiterhin mit Fachkräftemangel, Überalterung und einer schwachen industriellen Basis.
Rostock entwickelt sich deutlich dynamischer
Der Vergleich mit Rostock zeigt zudem, wie unterschiedlich sich Städte innerhalb eines Bundeslandes entwickeln können. Während Rostock im Niveauvergleich mit Platz 264 etwas besser abschneidet, zählt die Hansestadt im Dynamikranking mit Platz zwölf bundesweit zu den größten Gewinnern. Schwerin entwickelt sich ebenfalls positiv, wenn auch deutlich langsamer.
Das IW-Regionalranking zeigt damit vor allem eines: Der wirtschaftliche Abstand zwischen den Regionen Deutschlands bleibt groß. Gleichzeitig beweisen Beispiele wie Cottbus aber auch, dass Aufholprozesse möglich sind – wenn Regionen langfristig investieren, vorhandene Stärken weiterentwickeln und Infrastruktur, Wissenschaft und Wirtschaft enger miteinander verbinden.
Genau darin dürfte auch für Schwerin die wichtigste Herausforderung der kommenden Jahre liegen. Die Stadt muss wirtschaftliche Entwicklung, Fachkräftesicherung und Lebensqualität gleichzeitig stärken. Das aktuelle IW-Ranking zeigt zumindest, dass Schwerin dabei nicht mehr nur auf der Stelle tritt.
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