Vision blieb Video:
Jagdschloss Friedrichsthal verfällt trotz großer Wohnpläne
Luxuswohnungen versprochen, Ruine geblieben: Das Jagdschloss Friedrichsthal sollte zum exklusiven Wohnort werden. Stattdessen verfällt das Denkmal – seit Jahren passiert auf dem Gelände nichts.

Noch vor wenigen Jahren wurden große Erwartungen geweckt: Mit stimmungsvoller Musik, eleganten Kamerafahrten und Slogans wie „privilegiert wohnen“ präsentierte ein Werbefilm der Firma Thomas Frank Immobilien das Jagdschloss Friedrichsthal als exklusive Wohnadresse. In dem Imagevideo war die Rede von Leichtigkeit, Freiheit, geschichtsträchtiger Architektur und einem Lebensgefühl zwischen Natur und Noblesse. „Ein Ort, der uns beflügelt“, hieß es – und: „Die neuen Domizile bieten ein erhebendes Wohngefühl.“
Heute, fast sieben Jahre später, wirkt dieser Film wie ein Dokument unerfüllter Versprechen.
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Stillstand statt Sanierung
Das denkmalgeschützte Ensemble an der B104 sollte in zwölf hochwertige Eigentumswohnungen verwandelt werden. Großzügige Grundrisse, moderne Ausstattung, ein Garten im englischen Stil – so lautete das Konzept. Geplanter Baubeginn: 2019. Fertigstellung: 2020. Bis zu fünf Millionen Euro sollten investiert werden. Das Projekt war genehmigt, mit den Behörden abgestimmt und öffentlich vorgestellt – unter anderem beim Friedrichsthaler Lärchenfest.
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Doch passiert ist seitdem nichts. Das Jagdschloss steht weiterhin leer. Fenster sind eingeschlagen, Fassaden mit Graffiti beschmiert, das Dach schadhaft. Der Bauzaun ist offen, Verbotsschilder werden ignoriert. Jugendliche verschaffen sich regelmäßig Zugang zum Gelände. Das einst repräsentative Gebäude ist heute ein Lost Place – überlassen sich selbst.
Ein Schloss mit Geschichte – und vielen Eigentümern
Erbaut wurde das Schloss 1790 von Regierungsrat August Georg von Brandenstein als Sommerhaus. Großherzog Friedrich Franz I. erwarb es später und ließ es zum Jagdschloss umbauen. Im 20. Jahrhundert wurde es unter anderem als Kriegswaisenheim, Tuberkuloseheilstätte und Altenheim genutzt. Seit 1993 steht es leer. In den letzten anderthalb Jahrzehnten wechselte es mehrfach den Eigentümer – ohne dass eine der angekündigten Nutzungen je verwirklicht wurde.
2010 plante eine Berliner Investorin ein Café und Wohnungen – sie gab das Projekt auf. 2017 übernahm eine Investorengruppe aus Niedersachsen. Die Stadt genehmigte 2019 den Umbau zu Wohneinheiten. Doch seitdem herrscht Stillstand. Seit dem wurde der Bauantrag mehrfach verlängert – zuletzt in diesem Jahr. Ein Baubeginn wurde bisher nicht angezeigt. Bau- oder denkmalrechtliche Anordnungen zur Sicherung gebt es derzeit nicht.
Filmische Fassade – reale Leere
Der Werbefilm bleibt der einzige Eindruck von dem, was hätte entstehen sollen: Luftaufnahmen zeigen das Schloss im Sonnenlicht, während ein Sprecher von einem Ort spricht, „an dem sich Geschichte mit modernem Wohnanspruch verbindet“. Es ist von „hochwertiger Ausstattung“, „dezentem Luxus“ und „Natur, die das Leben bestimmt“ die Rede. Dazu Bilder von alten Mauern, Parkanlagen und stilvoll möblierten Wohnräumen – eine digitale Illusion, die mit der heutigen Realität kaum noch in Verbindung steht.
Kein Kontakt, keine Klarheit
Nach Recherchen der „Ostsee-Zeitung” gehört das Grundstück der Bohnhorst Landhandel GmbH aus Niedersachsen. Anfragen zu dem Projekt wurden bislang nicht beantwortet. Auch der ursprünglich beauftragte Makler berichtet, seit Jahren keinen Kontakt mehr zu den Verantwortlichen zu haben. Die Vermarktung sei für ihn abgeschlossen.
Das Jagdschloss Friedrichsthal ist ein Stück Schweriner Geschichte – und ein Sinnbild für gescheiterte Stadtentwicklung. Noch besteht Baurecht. Noch wäre eine Sanierung denkbar. Doch mit jedem weiteren Jahr Leerstand wächst der Verfall. Die Vision vom „privilegierten Wohnen im Schloss“ droht endgültig zu verblassen – wie die Bilder eines Werbefilms, der heute wirkt wie ein Blick in eine Parallelwelt.
Bis sich etwas ändert, bleibt das Schloss das, was es derzeit ist: ein verwahrloster Ort mit glanzvoller Vergangenheit und ungeklärter Zukunft.



