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Vision blieb Video:
Jagdschloss Friedrichsthal verfällt trotz großer Wohnpläne

Luxuswohnungen versprochen, Ruine geblieben: Das Jagdschloss Friedrichsthal sollte zum exklusiven Wohnort werden. Stattdessen verfällt das Denkmal – seit Jahren passiert auf dem Gelände nichts.

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  • Veröffentlicht Juli 24, 2025
Jagsschloss Friedrichsthal
Lost Place in Schw­erin: Das Jagdschloss in Friedrich­sthal ver­fällt. Foto: Ste­fan Rochow

 

Noch vor weni­gen Jahren wur­den große Erwartun­gen geweckt: Mit stim­mungsvoller Musik, ele­gan­ten Kam­er­afahrten und Slo­gans wie „priv­i­legiert wohnen“ präsen­tierte ein Wer­be­film der Fir­ma Thomas Frank Immo­bilien das Jagdschloss Friedrich­sthal als exk­lu­sive Wohnadresse. In dem Imagev­ideo war die Rede von Leichtigkeit, Frei­heit, geschicht­strächtiger Architek­tur und einem Lebens­ge­fühl zwis­chen Natur und Noblesse. „Ein Ort, der uns beflügelt“, hieß es – und: „Die neuen Dom­izile bieten ein erheben­des Wohnge­fühl.“

Heute, fast sieben Jahre später, wirkt dieser Film wie ein Doku­ment uner­füll­ter Ver­sprechen.

 

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Stillstand statt Sanierung

Das denkmalgeschützte Ensem­ble an der B104 sollte in zwölf hochw­er­tige Eigen­tumswoh­nun­gen ver­wan­delt wer­den. Großzügige Grun­drisse, mod­erne Ausstat­tung, ein Garten im englis­chen Stil – so lautete das Konzept. Geplanter Baube­ginn: 2019. Fer­tig­stel­lung: 2020. Bis zu fünf Mil­lio­nen Euro soll­ten investiert wer­den. Das Pro­jekt war genehmigt, mit den Behör­den abges­timmt und öffentlich vorgestellt – unter anderem beim Friedrich­sthaler Lärchen­fest.

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Doch passiert ist seit­dem nichts. Das Jagdschloss ste­ht weit­er­hin leer. Fen­ster sind eingeschla­gen, Fas­saden mit Graf­fi­ti beschmiert, das Dach schad­haft. Der Bauza­un ist offen, Ver­botss­childer wer­den ignori­ert. Jugendliche ver­schaf­fen sich regelmäßig Zugang zum Gelände. Das einst repräsen­ta­tive Gebäude ist heute ein Lost Place – über­lassen sich selb­st.

Ein Schloss mit Geschichte – und vielen Eigentümern

Erbaut wurde das Schloss 1790 von Regierungsrat August Georg von Bran­den­stein als Som­mer­haus. Großher­zog Friedrich Franz I. erwarb es später und ließ es zum Jagdschloss umbauen. Im 20. Jahrhun­dert wurde es unter anderem als Kriegswaisen­heim, Tuberku­lose­heil­stätte und Altenheim genutzt. Seit 1993 ste­ht es leer. In den let­zten anderthalb Jahrzehn­ten wech­selte es mehrfach den Eigen­tümer – ohne dass eine der angekündigten Nutzun­gen je ver­wirk­licht wurde.

2010 plante eine Berlin­er Investorin ein Café und Woh­nun­gen – sie gab das Pro­jekt auf. 2017 über­nahm eine Inve­storen­gruppe aus Nieder­sach­sen. Die Stadt genehmigte 2019 den Umbau zu Wohnein­heit­en. Doch seit­dem herrscht Still­stand. Seit dem wurde der Bauantrag mehrfach ver­längert – zulet­zt in diesem Jahr. Ein Baube­ginn wurde bish­er nicht angezeigt. Bau- oder denkmal­rechtliche Anord­nun­gen zur Sicherung gebt es derzeit nicht.

Filmische Fassade – reale Leere

Der Wer­be­film bleibt der einzige Ein­druck von dem, was hätte entste­hen sollen: Luftauf­nah­men zeigen das Schloss im Son­nen­licht, während ein Sprech­er von einem Ort spricht, „an dem sich Geschichte mit mod­ernem Wohnanspruch verbindet“. Es ist von „hochw­er­tiger Ausstat­tung“, „dezen­tem Luxus“ und „Natur, die das Leben bes­timmt“ die Rede. Dazu Bilder von alten Mauern, Parkan­la­gen und stil­voll möblierten Wohn­räu­men – eine dig­i­tale Illu­sion, die mit der heuti­gen Real­ität kaum noch in Verbindung ste­ht.

Kein Kontakt, keine Klarheit

Nach Recherchen der „Ost­see-Zeitung”  gehört das Grund­stück der Bohn­horst Land­han­del GmbH aus Nieder­sach­sen. Anfra­gen zu dem Pro­jekt wur­den bis­lang nicht beant­wortet. Auch der ursprünglich beauf­tragte Mak­ler berichtet, seit Jahren keinen Kon­takt mehr zu den Ver­ant­wortlichen zu haben. Die Ver­mark­tung sei für ihn abgeschlossen.

Das Jagdschloss Friedrich­sthal ist ein Stück Schw­er­iner Geschichte – und ein Sinnbild für gescheit­erte Stad­ten­twick­lung. Noch beste­ht Bau­recht. Noch wäre eine Sanierung denkbar. Doch mit jedem weit­eren Jahr Leer­stand wächst der Ver­fall. Die Vision vom „priv­i­legierten Wohnen im Schloss“ dro­ht endgültig zu verblassen – wie die Bilder eines Wer­be­films, der heute wirkt wie ein Blick in eine Par­al­lel­welt.

Bis sich etwas ändert, bleibt das Schloss das, was es derzeit ist: ein ver­wahrloster Ort mit glanzvoller Ver­gan­gen­heit und ungek­lärter Zukun­ft.