Landtagswahl 2026:
Jascha Dopp fordert wirtschaftlichen Neustart für Schwerin
Jascha Dopp will für die CDU in den Landtag. Im Interview spricht er über Wirtschaft, Schwerins Finanzen, Bildung, Migration, Sicherheit und seine Ziele für die Stadt bis 2031.

Im Vorfeld der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern spricht Schwerin-Lokal mit den Direktkandidatinnen und Direktkandidaten der Landeshauptstadt. Im Mittelpunkt steht die Frage, was sie konkret für Schwerin und das Land erreichen wollen.
Heute im Gespräch: Jascha Dopp (CDU). Dopp ist seit vielen Jahren politisch in Schwerin aktiv und arbeitet beruflich in der Landesverwaltung. Im Wahlkreis Schwerin I tritt er an, nachdem Sebastian Ehlers mit seiner Wahl zum Oberbürgermeister nicht erneut für den Landtag kandidiert.
Dopp setzt im Wahlkampf vor allem auf wirtschaftliches Wachstum, eine bessere Bildungspolitik und mehr Sicherheit. Er fordert zudem eine konsequentere Finanzierung der Kommunen nach dem Grundsatz „Wer bestellt, bezahlt“, will kleinere und mittelständische Unternehmen stärker unterstützen und sieht weiterhin Potenzial für einen Hochschulstandort in Schwerin.
Im Interview spricht er über die Bilanz der rot-roten Landesregierung, die schwierige Lage der CDU, Schwerins Finanzen, Wirtschaft und Bürokratie, Bildung, Migration und Sicherheit sowie seine Ziele für die kommenden fünf Jahre.
Herr Dopp, Sie sind seit vielen Jahren politisch in Schwerin aktiv und arbeiten in der Landesverwaltung. Warum kandidieren Sie jetzt für den Landtag?
Die Situation ist in diesem Wahlkreis eine besondere. Unser frisch gebackener Oberbürgermeister Sebastian Ehlers hatte den Wahlkreis 8 vorher inne und saß für Schwerin im Landtag. Mit seiner Wahl zum Oberbürgermeister war klar, dass er nicht erneut für den Landtag antreten kann.
Man hat mich dann gebeten, für ihn einzuspringen. Das war auch mit der Partei abgestimmt und wurde insbesondere vom Landesvorsitzenden unterstützt. Nach kurzer Überlegung habe ich zugesagt. Ich bin schon lange politisch für die CDU und vorher auch für die Junge Union aktiv. Ich bin in Schwerin aufgewachsen, hier zur Schule gegangen, wohne hier und bringe mich seit vielen Jahren politisch ein. Dann spricht eben auch viel dafür, die Chance zu ergreifen und für seine Stadt im Landtag etwas erreichen zu wollen.
Wenn Sie auf die vergangenen fünf Jahre unter der rot-roten Landesregierung zurückblicken: Was ist gut gelaufen und wo braucht Mecklenburg-Vorpommern einen Kurswechsel?
Wenn Sie die vergangenen fünf Jahre ansprechen, fällt mir als Erstes ein, dass nicht genug für die wirtschaftliche Entwicklung unseres Bundeslandes getan wurde.
Wir sind ein tolles Bundesland mit Ostseeküste, Seenplatte, Wäldern und viel Natur. Deshalb kommen jedes Jahr sehr viele Touristen zu uns. Gerade auch Schwerin braucht sich mit seinen Seen, Wäldern, dem Schloss und dem Welterbe nicht zu verstecken. Was uns aber fehlt, ist eine solide und breit aufgestellte wirtschaftliche und industrielle Basis. Das ist kein Problem, das erst mit der rot-roten Landesregierung begonnen hat. Aber angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen ist in den vergangenen Jahren zu wenig aufgeholt worden. Das hat auch gesellschaftliche Folgen. Wir sehen es bei Schulen, bei der Abwanderung junger Menschen und beim Fachkräftemangel.
Viele junge Menschen erleben diese verlorenen Jahre, in denen Freunde nach der Schule oder Ausbildung wegziehen. Das war bei mir selbst so und ist im gesamten Land ein großes Problem. Der Schlüssel ist für mich eine gute wirtschaftliche Perspektive. Genau diese Entwicklung ist vernachlässigt worden. Mecklenburg-Vorpommern liegt bei vielen wirtschaftlichen Strukturen weiterhin deutlich hinter anderen Ländern. Das möchte ich ändern. Deshalb setzt auch die CDU einen klaren Schwerpunkt auf die wirtschaftliche Entwicklung.
Gleichzeitig liegt die CDU in den Umfragen deutlich hinter SPD und AfD. Warum wird die CDU derzeit so wenig gehört?
Das tut uns natürlich weh. Ein Teil davon hängt aus meiner Sicht mit der veränderten Medienlandschaft zusammen.
Social Media spielt eine immer größere Rolle. Auch im klassischen Nachrichtengeschäft geht es zunehmend um Mobilisierung, Aufregung, Schlagzeilen und Emotionen. Für eine Partei, die sich als Partei der politischen Mitte versteht und konkrete inhaltliche Vorschläge machen möchte, ist das eine Herausforderung. Das bedeutet aber nicht, dass Probleme, die beispielsweise von AfD oder Linken angesprochen werden, automatisch falsch sind. Das wäre ein großer Irrweg. Die Menschen haben reale Probleme.
Wenn diese Probleme allerdings nur genutzt werden, um sich zu profilieren oder Aufregung zu erzeugen, ohne konkrete Lösungen anzubieten, führt das aus meiner Sicht in die falsche Richtung. Die CDU muss lernen, unter den heutigen Bedingungen besser zu kommunizieren. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass man mit Inhalten und Ergebnissen überzeugen muss. Auch nach der Bundestagswahl hätte ich mir auf Bundesebene schneller konkrete Ergebnisse gewünscht.
Schwerin steckt seit Jahren in finanziellen Schwierigkeiten. Ist das hauptsächlich ein hausgemachtes Problem oder wird die Stadt strukturell nicht ausreichend finanziert?
Da müssen wir Schwerin auch einmal ein Stück weit in Schutz nehmen.
Schwerin hatte unter Oberbürgermeistern verschiedener Parteien immer große Herausforderungen beim Haushalt. Trotzdem hat die Stadt es geschafft, innerhalb von weniger als zehn Jahren die Verschuldung beziehungsweise das Defizit von rund 173 Millionen Euro auf etwa 75 Millionen Euro zu reduzieren. Fast 100 Millionen Euro in weniger als zehn Jahren abzubauen, ist eine beachtliche Leistung. Daran haben viele Parteien mitgewirkt. Die CDU hat diese Konsolidierung immer unterstützt und auch eingefordert.
Trotzdem haben wir jetzt wieder ein erhebliches Defizit. Das liegt nicht daran, dass die Stadt plötzlich angefangen hätte, Geld ohne Ende auszugeben. Ein entscheidender Faktor sind steigende Sozialausgaben und andere Pflichtleistungen. Dadurch bleibt kaum noch finanzieller Spielraum für freiwillige Aufgaben. Für mich wäre deshalb als Landtagsabgeordneter ein zentraler Punkt, wieder konsequent zum Prinzip der Konnexität zurückzukehren. Vereinfacht gesagt: Wer bestellt, bezahlt.
Wenn Bund oder Land neue Leistungen beschließen, dürfen sie nicht einen Teil der Kosten bei den Kommunen abladen. Das passiert aber seit Jahren. Es werden neue Ansprüche geschaffen, Bund oder Land übernehmen vielleicht 80 oder 90 Prozent und der Rest bleibt bei den Kommunen hängen. Gerade finanzschwache Städte geraten dadurch immer weiter unter Druck. Schwerin hat gezeigt, dass es seine Finanzen selbst konsolidieren kann. Aber das funktioniert nicht, wenn ständig neue Pflichtaufgaben hinzukommen, die nicht vollständig finanziert werden.
Sie setzen stark auf Wirtschaft. Was müsste sich ändern, damit sich mehr Unternehmen in Schwerin und Mecklenburg-Vorpommern ansiedeln?
Bei großen Unternehmen haben wir leider eine lange Tradition darin, Chancen nicht konsequent genug zu nutzen.
Es gab in der Vergangenheit beispielsweise Gespräche über große Industrieansiedlungen. Wenn Investoren dann das Gefühl haben, dass andere Standorte bessere Bedingungen bieten, gehen sie eben nach Sachsen, Thüringen oder Süddeutschland. Wir müssen bei solchen Chancen schneller sein und dürfen nicht zuerst darüber diskutieren, welche möglichen Probleme irgendwann entstehen könnten. Aber noch wichtiger ist mir, dass wir nicht nur auf große Konzerne schauen.
Die Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern besteht ganz überwiegend aus kleinen und mittelständischen Unternehmen. Diese Unternehmen müssen mindestens genauso gut unterstützt werden wie große Investoren. Dazu gehören bessere Bürgschaftsmöglichkeiten und bessere Finanzierungsmöglichkeiten für Investitionen. Ein weiterer großer Punkt ist der Bürokratieabbau. Ich weiß, dass dieses Wort inzwischen fast jeder benutzt. Deshalb haben wir einen konkreteren Ansatz. Wir wollen nicht nur neue Berichts- und Dokumentationspflichten stoppen. Wir wollen sämtliche bestehenden landesrechtlichen Berichtspflichten überprüfen. Die Ministerien sollen innerhalb eines Jahres begründen müssen, warum eine Vorschrift weiterhin notwendig ist. Wenn diese Begründung nicht erfolgt, fällt die Regelung weg.
Viele Vorgaben überschneiden sich ohnehin mit Bundes- oder Europarecht. Mit einem solchen Ansatz könnten wir einen erheblichen Teil der Bürokratie vereinfachen oder abschaffen. Wir brauchen einen Neustart in der Wirtschaftspolitik.
Neben der Wirtschaft nennt die CDU Bildung als Schwerpunkt. Was müsste sich konkret ändern?
Die Bilanz der derzeitigen Bildungspolitik ist aus meiner Sicht sehr schlecht.
Wenn wir uns Leistungsdaten und Abiturergebnisse anschauen, steht Mecklenburg-Vorpommern im bundesweiten Vergleich nicht gut da. Für mich zeigt sich darin auch ein unterschiedliches bildungspolitisches Verständnis.
Wir müssen wieder dahin kommen, dass exzellente Bildung in Mecklenburg-Vorpommern möglich ist. Dazu gehört für uns, die Gymnasien zu stärken und Standards wieder anzuheben. Ich halte nichts davon, Leistungsanforderungen immer weiter abzubauen oder Konkurrenz grundsätzlich negativ zu sehen. Eine Prüfung, bei der am Ende kein Ergebnis, keine Note oder keine Einordnung mehr eine Rolle spielt, verliert aus meiner Sicht ihren Sinn.
Es geht bei Bildung nicht um Gleichmacherei, sondern darum, Potenziale zu fördern. Dafür müssen Schülerinnen und Schüler auch herausgefordert werden. Gleichzeitig brauchen Kinder mit besonderem Förderbedarf eine gezielte Unterstützung. Deshalb halte ich es auch für falsch, Förderschulen vollständig abzuschaffen. Besondere Bedürfnisse müssen auch besonders berücksichtigt werden.
Sicherheit ist für viele Menschen in Schwerin ein wichtiges Thema. Was müsste sich konkret verändern?
Beim Marienplatz sieht man, dass Polizeipräsenz und Kameraüberwachung durchaus etwas bewirken können.
Natürlich gibt es dort weiterhin Probleme, aber die Situation hat sich gegenüber früheren Jahren verändert. Mein Eindruck ist allerdings, dass sich ein Teil der Probleme lediglich verlagert hat. Wir sehen inzwischen Entwicklungen am Markt und am Schlachtermarkt. Dort hat es zuletzt auch schwere Auseinandersetzungen gegeben.
Wenn ein Konzept an einem Ort funktioniert, sich das Problem aber an einen anderen Ort verschiebt, muss man darauf reagieren. Deshalb würde ich prüfen, ob Polizeipräsenz und Videoüberwachung auch auf die Fußgängerzone, den Markt und den Schlachtermarkt ausgeweitet werden können. Entscheidend ist aber auch, Probleme überhaupt anzuerkennen.
Die Politik der vergangenen zehn Jahre, an der auch die CDU beteiligt war, hat an bestimmten Stellen Probleme verursacht. Das kann und muss man selbstkritisch sagen. Genauso falsch wäre es aber, so zu tun, als sei alles verloren. Es gibt konkrete Möglichkeiten für Stadt, Land und Bund, die Situation zu verbessern.
In Teilen Ihrer Sicherheitspolitik vertreten Sie ähnliche Forderungen wie die AfD. Wo unterscheiden sich CDU und AfD bei Migration und Sicherheit?
Ich spreche der AfD nicht ab, dass sie bei einzelnen konkreten Problemen Forderungen stellt, die auch wir vertreten. Der Unterschied liegt für mich im Gesamtbild. Irreguläre Migration muss besser kontrolliert werden. Idealerweise passiert das bereits an den europäischen Außengrenzen.
Menschen, die keinen Aufenthaltstitel haben und ausreisepflichtig sind, müssen auch konsequenter zurückgeführt werden. Aber genauso wichtig ist die andere Seite.
Wir brauchen qualifizierte Zuwanderung nach Mecklenburg-Vorpommern und Schwerin. Gerade in Pflege und medizinischen Berufen haben wir einen erheblichen Fachkräftemangel. In Schweriner Kliniken arbeiten beispielsweise viele ausländische Fachkräfte. Würden diese Menschen plötzlich fehlen, hätten wir erhebliche Probleme. Deshalb muss man unterscheiden. Eine ausgebildete Krankenschwester, die mit Sprachkenntnissen, Arbeitsvertrag und Qualifikation nach Deutschland kommt, ist etwas völlig anderes als jemand, der ohne Perspektive auf Arbeit einreist und möglicherweise zusätzlich straffällig wird. Diese Differenzierung ist für mich entscheidend und fehlt mir bei der AfD häufig.
Sie treten in einem Wahlkreis unter anderem gegen Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Leif-Erik Holm an. Warum sollte man Ihnen trotzdem die Erststimme geben?
Ich könnte jetzt behaupten, dass ich genauso bekannt bin und dieselben Chancen habe. Das wäre aber nicht ehrlich. Das ist sicherlich einer der schwierigsten Wahlkreise in Mecklenburg-Vorpommern. Gegen die Ministerpräsidentin oder Leif-Erik Holm ein Direktmandat zu gewinnen, ist für mich extrem schwierig. Aber ich kandidiere nicht, weil ich darin in erster Linie eine persönliche Karriereperspektive sehe.
Ich kandidiere, weil ich hinter den Ideen und Überzeugungen der CDU stehe und mich für meine Stadt einbringen möchte. Auch wenn man keine sichere Aussicht auf ein Mandat hat, ist es in einer Demokratie wichtig, für seine politischen Überzeugungen einzustehen. Es gibt Menschen, die weder Holm noch Schwesig wählen möchten. Für diese Menschen möchte ich ein politisches Angebot sein. Jede Stimme ist Teil demokratischer Repräsentation und kann später auch für politische Mehrheiten wichtig werden.
Angenommen, Sie ziehen in den Landtag ein und wir sprechen 2031 erneut. Welche drei Dinge müssten sich verändert haben, damit Sie von einer erfolgreichen Legislaturperiode sprechen?
Erstens wünsche ich mir, dass die wirtschaftliche Entwicklung Schwerins deutlich an Schwung gewinnt, gerade bei kleinen und mittelständischen Unternehmen.
Auch im Tourismus sehe ich große Chancen. Schwerin hat durch das Welterbe ein enormes Potenzial, aber noch zu wenige gute Hotels. Tagestouristen sind wichtig. Aber ein Gast, der ein oder zwei Nächte bleibt, bringt der Stadt wirtschaftlich deutlich mehr. Dafür brauchen wir gute Hotels, Investoren und bessere Rahmenbedingungen. Zweitens wünsche ich mir eine starke Bildungslandschaft. Schwerin hat gute Schulen, aber sie können noch besser werden. Dazu gehören staatliche und private Schulen.
Außerdem bleibt für mich die Ansiedlung beziehungsweise der Ausbau eines Hochschulangebots in Schwerin ein wichtiges Ziel. Wir werden keine Universität aus Rostock oder Greifswald nach Schwerin verlagern. Aber praxisnahe Hochschulangebote, wie es sie bereits in einzelnen Bereichen gibt, können wir weiterentwickeln. Das würde jungen Menschen ermöglichen, für Ausbildung und Studium in Schwerin zu bleiben und anschließend hier ins Berufsleben einzusteigen. Drittens wünsche ich mir deutlich mehr Sicherheit.
Ich möchte in fünf Jahren meine dann jugendliche Tochter mit einem guten Gefühl abends in Schwerin unterwegs sein lassen können. Hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben. Aber dieses grundlegende Sicherheitsgefühl hatten wir in Schwerin lange und wir können es wieder erreichen. Dafür müssen wir konkrete Probleme lösen und dürfen uns nicht nur von ideologischen Scheuklappen leiten lassen.
Vielen Dank für das Gespräch.
Danke schön.
Das Gespräch führte Dario Rochow





