Sa, 18. April 2026
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Arbeitsbelastung an Schulen:
Jede fünfte Lehrkraft würde den Beruf nicht wieder wählen

Eine Umfrage zeigt: Viele Lehrkräfte in Mecklenburg-Vorpommern fühlen sich stark belastet. Rund jede fünfte würde den Beruf heute nicht noch einmal wählen.

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  • Veröffentlicht März 19, 2026
Viele Lehrkräfte fühlen sich stark belastet, jede fün­fte würde den Beruf nicht erneut wählen. Foto: Sym­bol­bild

 

Viele Lehrerin­nen und Lehrer in Meck­len­burg-Vor­pom­mern empfind­en ihren Beruf ein­er Umfrage zufolge als stark belas­tend. Rund 19 Prozent wür­den sich heute nicht noch ein­mal für den Lehrberuf entschei­den. Das geht aus ein­er lan­desweit­en Befra­gung her­vor, die von der Gew­erkschaft Erziehung und Wis­senschaft (GEW) Meck­len­burg-Vor­pom­mern gemein­sam mit der Georg-August-Uni­ver­sität Göt­tin­gen vorgestellt wurde.

42 Prozent der Befragten gaben an, sich erneut für den Beruf entschei­den zu wollen, während 39 Prozent unentschlossen sind. Zudem würde etwa die Hälfte der Lehrkräfte nach eige­nen Angaben vom Lehrberuf abrat­en.

An der Umfrage im Novem­ber 2025 beteiligten sich mehr als 2.000 Lehrerin­nen und Lehrer aus dem Land. Die Befra­gung ist Teil des Forschung­spro­jek­ts „Verbesserung der Attrak­tiv­ität des Lehrberufs in MV“, das von der Uni­ver­sität Göt­tin­gen gemein­sam mit der GEW durchge­führt und von der Max-Traeger-Stiftung gefördert wird. Weit­ere Ergeb­nisse sollen in den kom­menden Monat­en veröf­fentlicht wer­den.

Als größte Belas­tung nan­nten die Befragten den hohen Zeit­druck. Rund 80 Prozent fühlen sich dadurch stark beansprucht. Zudem berichteten viele Lehrkräfte von steigen­den Arbeit­san­forderun­gen in den ver­gan­genen Jahren (73 Prozent) sowie regelmäßiger Mehrar­beit (68 Prozent).

 

Work-Life-Balance für viele Lehrer schwierig

Auch die Vere­in­barkeit von Beruf und Pri­vatleben bere­it­et vie­len Schwierigkeit­en. 81 Prozent der Befragten gaben an, neben der Arbeit zu wenig Zeit für Fam­i­lie, Fre­unde und per­sön­liche Inter­essen zu haben. Fast ein Drit­tel empfind­et den beru­flichen Ein­satz zudem nicht mehr als angemessen im Ver­hält­nis zu Anerken­nung, Entwick­lungsmöglichkeit­en und Bezahlung.

Nach Angaben der GEW schätzen viele Lehrkräfte auch ihre gesund­heitliche Sit­u­a­tion kri­tisch ein. Nur 40 Prozent beze­ich­neten ihren all­ge­meinen Gesund­heit­szu­s­tand als gut oder sehr gut, während 22 Prozent ihn als weniger gut oder schlecht ein­stuften. Auch beim psy­chis­chen Wohlbefind­en und beim Risiko für Burn-out seien die Werte ver­gle­ich­sweise ungün­stig.

Rund ein Vier­tel der Lehrkräfte plant laut Umfrage, im kom­menden Schul­jahr ihre Arbeit­szeit zu reduzieren. Unter den über 55-Jähri­gen gaben sog­ar 60 Prozent an, ver­mut­lich nicht bis zum reg­ulären Pen­sion­salter im Schul­dienst zu bleiben.

Trotz des Lehrkräfte­man­gels fand nach Angaben des Bil­dungsmin­is­teri­ums im ver­gan­genen Schul­jahr der Großteil des Unter­richts statt. An all­ge­mein­bilden­den Schulen wur­den dem­nach 97 Prozent der Stun­den durchge­führt, an beru­flichen Schulen öffentlich­er Träger 92 Prozent. Damit sei weniger Unter­richt aus­ge­fall­en als im Schul­jahr zuvor.

Bil­dungsmin­is­terin Simone Old­en­burg (Linke) erk­lärte, die Sit­u­a­tion an den Schulen bleibe anges­pan­nt. Lehrkräfte wür­den jedoch viel dafür tun, dass möglichst wenig Unter­richt aus­falle. Nach Angaben des Min­is­teri­ums sollen unter anderem zusät­zliche Unter­stützung durch Ver­wal­tungskräfte sowie organ­isatorische Änderun­gen im Schu­lall­t­ag zur Ent­las­tung beitra­gen.