Besuch aus aller Welt:
2.000 Zeugen Jehovas besuchen Schwerin und erinnern an Verfolgung in der DDR
Rund 2.000 internationale Gäste von Jehovas Zeugen besuchen Schwerin. Neben dem Welterbe steht die Verfolgung der Glaubensgemeinschaft in der DDR im Mittelpunkt.

In Kürze:
- Rund 2.000 internationale Gäste der Jehovas Zeugen besuchen im Rahmen eines Kongresses Schwerin.
- Zum Programm gehören das Schweriner Schloss und das UNESCO-Welterbe Residenzensemble.
- Eine eigens eingerichtete Ausstellung beschäftigt sich mit der Verfolgung von Jehovas Zeugen während der SED-Diktatur.
Rund 2.000 internationale Gäste von Jehovas Zeugen besuchen derzeit Schwerin. Anlass ist ein internationaler Kongress der Glaubensgemeinschaft in Hamburg. Zum Begleitprogramm gehören ein Besuch des Schweriner Schlosses und eine Ausstellung über die Verfolgung von Jehovas Zeugen in der DDR.
Insgesamt sind nach Angaben der Glaubensgemeinschaft rund 5.000 Delegierte aus 25 Ländern bis zum 18. August in Norddeutschland unterwegs. Für etwa 2.000 von ihnen ist ein Ausflug nach Schwerin vorgesehen. Dort besichtigen sie unter anderem das zum UNESCO-Welterbe gehörende Residenzensemble.
Zum Programm gehört eine Führung durch das Schweriner Schloss mit Thronsaal und weiteren historischen Räumen. Im Burggarten begleiten historisch gekleidete Darsteller die Besucher. Organisiert wurde dieser Teil des Programms nach Angaben der Glaubensgemeinschaft von ehrenamtlichen Helfern aus Schwerin und der Umgebung.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Geschichte der Religionsgemeinschaft in der DDR. In einem Gemeindegebäude in Schwerin wurde dafür eine zweisprachige Ausstellung eingerichtet. Sie beschäftigt sich mit dem Verbot der Zeugen Jehovas im Jahr 1950 und den Folgen für ihre Mitglieder.
Ausstellung erinnert an Verfolgung in der DDR
Nach Angaben der Glaubensgemeinschaft waren rund 50 Ehrenamtliche an Recherche, Gestaltung und Aufbau der Ausstellung beteiligt. Unterstützt worden seien sie dabei von lokalen Historikern und Zeitzeugen. Gezeigt werden unter anderem historische Fotografien, Schreibmaschinen, ein Tonbandgerät sowie Möbel und andere Gegenstände aus der DDR-Zeit.
Neben den Exponaten setzt die Ausstellung auf Videointerviews und persönliche Berichte von Zeitzeugen aus Ost- und Westdeutschland. Internationale Besucher sollen dadurch erfahren, unter welchen Bedingungen Mitglieder der Glaubensgemeinschaft während der SED-Diktatur lebten.
Eine Besucherin aus Florida beschreibt den Eindruck so: „Es fühlt sich an, als würde man bei jemandem im Wohnzimmer sitzen und erleben, wie das Leben damals war.“
Auch Zeitzeugen sind während der Veranstaltung vor Ort. Arturo González aus Paraguay berichtet, er habe zunächst einen Erlebnisbericht von Peter Lasch auf einem Bildschirm gesehen. Anschließend habe er festgestellt, dass Lasch selbst im Raum gewesen sei und Fragen beantwortet habe. „Das war wirklich etwas Besonderes“, sagt González.
Jehovas Zeugen waren in der DDR verboten
Die Zeugen Jehovas wurden am 31. August 1950 in der DDR verboten. Angehörige der Glaubensgemeinschaft wurden unter anderem wegen ihrer religiösen Aktivitäten, ihrer politischen Neutralität und der Verweigerung des Wehrdienstes verfolgt.
Nach Angaben von Jehovas Zeugen wurden mehr als 5.000 Mitglieder in der DDR zu Gefängnisstrafen verurteilt. Die Ausstellung in Schwerin greift neben der staatlichen Verfolgung auch Formen des Widerstands und der gegenseitigen Unterstützung innerhalb der Glaubensgemeinschaft auf.
Michael Tsifidaris, Sprecher von Jehovas Zeugen in Norddeutschland, verbindet die historische Ausstellung mit einer Botschaft für die Gegenwart. Die damaligen Mitglieder hätten trotz persönlicher Nachteile an ihren Überzeugungen festgehalten. „Nächstenliebe ist stärker als Misstrauen und Propaganda“, sagt Tsifidaris.
Rund 250 Helfer in Schwerin im Einsatz
Neben Schlossbesuch und Ausstellung gibt es für die internationalen Gäste ein Begegnungsprogramm. Rund um ein Gemeindehaus der Glaubensgemeinschaft in Schwerin finden während der sechs Veranstaltungstage Treffen mit Livemusik sowie gastronomischen Angeboten statt.
Nach Angaben von Jehovas Zeugen sind dafür rund 250 freiwillige Helfer im Einsatz. Die Veranstaltungen würden von Mitgliedern selbst organisiert und durch freiwillige Spenden finanziert. Ähnliche Programme wurden für die Kongressteilnehmer auch an anderen Orten in Norddeutschland vorbereitet.



