Landtagswahl 2026:
Jens Kulbatzki will Brücken bauen statt politische Lager pflegen
Im Vorfeld der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern spricht Schwerin Lokal mit den Direktkandidatinnen und Direktkandidaten der Landeshauptstadt. Im Mittelpunkt steht die Frage, was sie konkret für Schwerin erreichen wollen.

Im Vorfeld der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern spricht Schwerin Lokal mit den Direktkandidatinnen und Direktkandidaten der Landeshauptstadt. Im Mittelpunkt steht die Frage, was sie konkret für Schwerin und das Land erreichen wollen.
Heute im Gespräch: Jens Kulbatzki (BSW). Der 60-Jährige kandidiert im Wahlkreis Schwerin II und bringt einen Lebenslauf mit, der eher selten in klassischen Politikerbiografien zu finden ist. Kulbatzki ist gelernter Dachdecker, war selbstständig, arbeitete in unterschiedlichen Berufen, darunter auch in verschiedenen sozialen Bereichen, ist seit mehr als 13 Jahren als Kraftfahrer im Landtag Mecklenburg-Vorpommern und seit 2024 auch als Schöffe am Amtsgericht Schwerin tätig. Politik kennt er damit seit Jahren aus nächster Nähe, ohne bislang selbst Berufspolitiker gewesen zu sein.
In Schwerin ist Kulbatzki zudem seit vielen Jahren als Veranstalter und Organisator bekannt. Ein Schwerpunkt seines Engagements liegt auf Charity-Veranstaltungen und sozialen Projekten. Dabei brachte er Menschen, Unternehmen und Unterstützer immer wieder für gemeinnützige Zwecke zusammen. Nach eigenen Angaben kamen auf diesem Weg insgesamt rund 265.000 Euro für 13 soziale Projekte zusammen.
Im Interview spricht er über seinen ungewöhnlichen Weg in die Politik, die sozialen Unterschiede innerhalb Schwerins, die angespannte Haushaltslage der Stadt, Kaufkraft und Energiepreise, Migration und Sicherheit, seinen Umgang mit der AfD sowie darüber, wie sich Schwerin bis 2031 verändern sollte.
Herr Kulbatzki, Sie sind gelernter Dachdecker und arbeiten seit mehr als 13 Jahren als Fahrer im Landtag. Sie kennen den politischen Betrieb also aus nächster Nähe. Warum wollen Sie jetzt selbst in den Landtag einziehen?
Als ich vor über 40 Jahren Dachdecker gelernt habe, hätte ich natürlich nie gedacht oder geplant, irgendwann selbst in die Politik zu gehen. Das war nie mein Lebensziel.
Aber ich war schon als Kind politisch interessiert. Ich habe mich mit der Politik in der DDR, später mit bundesdeutscher Politik und Weltpolitik beschäftigt. Meine Frau würde wahrscheinlich sagen: mehr als normale Menschen. Für mich war das aber immer normal.
Als ich dann im Landtag angefangen habe, geschah das zunächst nicht wegen des Politikbetriebs, sondern weil sich für mich die Möglichkeit für einen interessanten Job ergeben hat. Natürlich lernt man dort Politik noch einmal viel intensiver kennen. Ich bin kein Politiker und habe dort keine entscheidende Stellung. Ich arbeite als Fahrer.
Aber ich bin seit mittlerweile mehr als 13 Jahren mit Politikern unterwegs und frage ihnen in der Regel Löcher in den Bauch. Ich will wissen, warum Dinge so funktionieren, wie sie funktionieren – oder warum sie eben nicht funktionieren.
Irgendwann hat sich daraus die Frage ergeben: Warum eigentlich nicht selbst? Ich bin mittlerweile 60, habe verschiedene Lebensstationen hinter mir, Ich komme aus dem Leben. Ich möchte jetzt etwas dafür tun, dass sich Politik positiv verändert.
Sie haben viele Politiker über Jahre begleitet. Was wollen Sie aufgrund dieser Erfahrungen selbst anders machen?
Ich bin unabhängig von Politik ein Mensch, der gerne Menschen zusammenbringt, verbindet und Brücken baut. Das war im Privaten so, in meiner Selbstständigkeit und auch bei Veranstaltungen.
Dasselbe möchte ich in der Politik erreichen: dass man wieder mehr gemeinsam an Lösungen für die Menschen arbeitet und nicht nur mit dem Gedanken: Was bringt meiner Partei etwas? Was dient meiner Karriere? Welche Hinterzimmer Absprachen gibt es?
Zu Wendezeiten gab es den Begriff des runden Tisches. Das ist für mich ein gutes Sinnbild. Entscheidungsträger und Politiker unterschiedlicher Parteien werden natürlich nicht einer Meinung sein. Aber man muss sich zusammensetzen, analysieren, wo das Problem liegt, was gelöst werden muss und wie man möglichst gemeinsam zu einer Lösung kommt.
Mir ist bewusst, dass das niemals zu 100 Prozent funktionieren wird. Es gibt unterschiedliche Interessen und Ansichten. Aber wir sollten diesen Weg wieder stärker beschreiten.
Sie treten in Schwerin II an. Gerade der Große Dreesch, Neu Zippendorf und Mueßer Holz stehen immer wieder im Mittelpunkt sozialpolitischer Diskussionen. Was sind dort aus Ihrer Sicht die größten Probleme?
Ein Kernproblem in Schwerin ist die Segregation, also diese starke Trennung innerhalb der Stadt. Schwerin hat eine für Deutschland schon auffällige Trennung zwischen ärmeren und wohlhabenderen Wohngebieten.
Natürlich ist nicht jeder, der in der Innenstadt wohnt, reich und nicht jeder in Neu Zippendorf oder Mueßer Holz arm. Aber es ist schon auffällig und negativ für eine Stadt, wenn es auf der einen Seite Quartiere gibt, die als abgehängt gelten oder in denen sich Menschen abgehängt fühlen und auf der anderen Seite die sogenannten besseren Wohngegenden.
Ich möchte, dass wir das stärker zusammenführen. Wir müssen sozialen Wohnungsbau fördern und das Wohnumfeld verbessern. Es reicht nicht zu sagen: Wir brauchen bezahlbare Wohnungen. Wir brauchen auch ein gutes, familien- und menschenfreundliches Umfeld, das für möglichst viele Menschen erschwinglich ist.
Dabei geht es nicht darum, unrealistische Mietpreise festzusetzen. Aber mit Unterstützung des Landes und klugen politischen Entscheidungen müssen wir erreichen, dass Menschen sagen: Warum sollte ich nicht nach Neu Zippendorf oder Mueßer Holz ziehen?
Dafür müssen Wohnraum, Infrastruktur, Schulen, Grünflächen und Sicherheit stimmen.
Sie waren früher SPD-Mitglied. Warum haben Sie sich später ausgerechnet für das BSW entschieden?
Mich hat schon immer gereizt, etwas zu tun, was nicht unbedingt dem Mainstream entspricht. Das hat mich eigentlich mein ganzes Leben begleitet.
Politisch wollte ich zunächst gar nicht unbedingt wieder einer Partei beitreten. Ich wollte eine Bewegung unterstützen, bei der ich das Gefühl habe: Die wollen wirklich etwas verändern und haben auch die Möglichkeit dazu.
Dieses Gefühl hatte ich bei der SPD irgendwann nicht mehr. Ich bin allerdings nicht aus der SPD ausgetreten, um anschließend ins BSW einzutreten. Ich war bereits Ende 2020 oder Anfang 2021 ausgetreten, weil mir dieser Veränderungswille und der Ansatz einer anderen Politik gefehlt haben.
Als dann die Diskussion um Sahra Wagenknecht und eine mögliche neue Partei begann, habe ich zunächst aus Interesse Kontakt aufgenommen und gefragt, ob es in Mecklenburg-Vorpommern bereits Ansprechpartner oder Strukturen gibt.
Daraufhin wurde ich kontaktiert, habe verschiedene damalige Protagonisten kennengelernt und wurde gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, mit meiner Vita und meinen Möglichkeiten in Schwerin und Umgebung eine Struktur aufzubauen.
Das fand ich auch aus organisatorischer Sicht spannend. Ich bin ein Organisations- und Veranstaltungsmensch. Die Möglichkeit, bei einer neuen politischen Kraft von Anfang an etwas aufzubauen, bekommt man nicht jeden Tag.
So bin ich eines der ersten Mitglieder des BSW in Mecklenburg-Vorpommern geworden und habe angefangen, Strukturen in Schwerin, Nordwestmecklenburg, Wismar und Umgebung aufzubauen.
Sie waren Vorsitzender des BSW-Kreisverbandes Nordwestmecklenburg und sind anschließend zurückgetreten. Es gab Berichte über parteiinterne Kritik. Was ist passiert?
Ich habe nach meinem Rücktritt auch davon gehört, dass es angeblich Kritik oder Abwahlwünsche gegeben habe. Mir persönlich ist das so nicht bekannt. Nicht, weil ich es nicht hören möchte, sondern weil es mir gegenüber nicht offen kommuniziert wurde. Was möglicherweise im Hintergrund besprochen wurde, weiß ich natürlich nicht.
Der eigentliche Hintergrund meines Rücktritts war meine zeitliche Belastung. Ich habe einen sehr zeitintensiven Job. Das ist kein klassischer Acht-Stunden-Arbeitstag. Im Durchschnitt komme ich auf über 200 Arbeitsstunden im Monat, teilweise mit Wochenenden, Feiertagen, Abenden und Übernachtungen.
Ich habe außerdem eine Familie, drei Kinder, darunter noch eine minderjährige Tochter, und meine Frau arbeitet ebenfalls in Vollzeit.
Gleichzeitig wurde das BSW-Projekt immer größer und zeitintensiver. Irgendwann musste ich mich fragen: Kann ich das Amt des Kreisvorsitzenden weiterhin so ausfüllen, wie ich es selbst für richtig halte?
Ich wollte nicht irgendeinen Titel tragen und gleichzeitig wissen, dass ich die Aufgabe nicht in der notwendigen Qualität erfüllen kann.
Hinzu kam, dass die Landtagswahl näher rückte und ich bereits Direktkandidat in Schwerin war. Ich wohne postalisch in Nordwestmecklenburg, war dort Kreisvorsitzender, sollte den Wahlkampf dort organisieren und gleichzeitig als Direktkandidat in Schwerin präsent sein.
Deshalb habe ich einen klaren Schnitt gemacht und gesagt: Ich unterstütze den Kreisverband gerne weiterhin punktuell und im Hintergrund, aber ich kann nicht gleichzeitig Kreisvorsitzender sein und all diese anderen Aufgaben vernünftig erfüllen.
Der Rücktritt erfolgte freiwillig. Für mich war das der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt.
Schwerin steckt finanziell in einer schwierigen Situation. Wie könnte das Land der Stadt helfen und wo sehen Sie Einsparpotenzial?
Ich möchte nicht so tun, als würde ich bereits jeden Haushaltstitel und jede einzelne Summe kennen. Da müsste ich mich als Abgeordneter noch detaillierter einarbeiten.
Aber es gibt Beispiele, bei denen sich Bürger zu Recht fragen, ob mit öffentlichen Geldern vernünftig umgegangen wird.
Wir haben nach Corona in Ministerien und nachgeordneten Bereichen einen hohen Anteil an Homeoffice. Gleichzeitig wurde angekündigt, dadurch langfristig Büroflächen und Kosten einzusparen. Tatsächlich ist der gesamte Apparat in den vergangenen Jahren aber stark gewachsen.
Ein konkretes Beispiel ist die Sanierung der Staatskanzlei. Ich bin kein Bausachverständiger und kann nicht beurteilen, welche Sanierungsschritte zwingend notwendig sind. Aber ich frage mich, warum für einen vorübergehenden Auszug eine Immobilie wie die Alte Post gekauft und für Millionen umgebaut werden muss.
Warum nutzt man nicht vorübergehend leer stehende Flächen, beispielsweise am Margaretenhof, wo die Agentur für Arbeit große Flächen freigezogen hat? Und warum denkt man bei einer Immobilie in bester Innenstadtlage nicht über eine Nutzung nach, die Schwerin langfristig wirtschaftlich etwas bringt, etwa ein Hotel oder vielleicht einen möglichen Hochschulstandort?
Das sind zunächst Gedanken und Beispiele. Als Abgeordneter kann man dann konkret nachfragen: Welche Kosten entstehen? Welche Alternativen wurden geprüft? Welche Einsparungen sind tatsächlich erreicht worden?
Ich glaube, genau diese unbequemen Fragen muss Politik stellen.
Das BSW verspricht höhere Kaufkraft und niedrigere Lebenshaltungskosten. Was kann Mecklenburg-Vorpommern dabei überhaupt konkret verändern?
Ein Punkt ist beispielsweise das Tariftreuegesetz. Grundsätzlich halte ich es für richtig, dass Menschen vernünftig bezahlt werden. Auch den Mindestlohn halte ich grundsätzlich für richtig, weil er gerade im Niedriglohnbereich zunächst für mehr Einkommen sorgt.
Aber natürlich müssen wir gleichzeitig sehen, dass steigende Löhne für kleine und mittelständische Unternehmen erhebliche zusätzliche Kosten bedeuten. Wenn die Kosten steigen, steigen auch die Preise. Diesen Kreislauf aufzulösen ist sehr schwierig.
Deshalb müssen wir vor allem die Lebenshaltungskosten betrachten. Mieten, Energie und Mobilität müssen für normale Arbeitnehmer wieder bezahlbarer werden.
Bei den Energiekosten gehört für mich dazu, ernsthaft zu prüfen, ob Nord Stream 2 wieder in Betrieb genommen werden kann und ob wir wieder günstiger Gas importieren können. Energiepreise betreffen schließlich nicht nur den Strom, sondern auch Heizkosten, Kraftstoff und letztlich viele andere Preise.
Die Menschen erwarten nicht, dass am nächsten Morgen alles perfekt ist. Aber sie müssen merken können: Der Sprit wird etwas günstiger, Energie wird bezahlbarer und ich kann meine Miete bezahlen.
Wenn eine Familie mit zwei normalen Einkommen nach Miete, Auto und allen laufenden Kosten jeden Euro umdrehen muss und überlegen muss, ob sie mit den Kindern noch ins Kino gehen kann, läuft etwas falsch.
Wer arbeitet und Steuern zahlt, sollte nicht nur existieren, sondern auch leben können.
Sie haben sich öffentlich gegen die sogenannte Brandmauer ausgesprochen. Bedeutet das auch eine mögliche Koalition mit der AfD?
Nein. Eine Koalition mit der AfD würden wir und auch ich persönlich nicht mittragen. Aber die Brandmauer als politisches Prinzip ist gescheitert. Die Politik der vergangenen Jahre hat nicht funktioniert, sie hat das Gegenteil erreicht.
Für mich bedeutet das: Wenn im Landtag ein sachlich richtiger Antrag eingebracht wird, muss man sich damit beschäftigen – unabhängig davon, ob er von SPD, Grünen, Linken oder AfD kommt.
Wenn beispielsweise jemand einen guten Vorschlag für kostenlosen Nahverkehr für Schülerinnen und Schüler macht, warum sollte ich dagegen stimmen, nur weil der Antrag von einer anderen Partei kommt?
Das gilt für die Linke genauso wie für die AfD.
Eine sachbezogene Zustimmung zu einem Antrag ist für mich etwas völlig anderes als eine Koalition. Das BSW sollte nicht aus irgendwelchen Machtoptionen heraus einfach mit anderen Parteien koalieren. Wir sind auch angetreten, um etwas anders zu machen.
Was müsste passieren, damit Schwerin für Unternehmen und Fachkräfte attraktiver wird?
Unternehmen brauchen natürlich geeignete Flächen, Infrastruktur und verlässliche Rahmenbedingungen. Aber wir dürfen dabei die Fachkräfte nicht vergessen.
Wenn ein Unternehmen einen Ingenieur oder eine andere Fachkraft beispielsweise aus Hannover nach Schwerin holen möchte, reicht ein gutes Gehalt allein nicht.
Diese Person fragt sich auch: Wo kann ich wohnen? Wo können meine Kinder zur Schule gehen? Welche Möglichkeiten hat mein Partner oder meine Partnerin? Welche kulturellen Angebote gibt es? Wie ist die Infrastruktur?
Deshalb muss man Wirtschaftspolitik viel stärker als Gesamtpaket betrachten.
Wir müssen Schwerin und die Umgebung zu einem attraktiven Standort machen – nicht nur für Unternehmen, sondern auch für die Menschen, die dort arbeiten sollen.
Dazu gehört auch, dass Bund und Land die Kommunen bei Aufgaben, die ihnen übertragen werden, vernünftig finanzieren. Gerade bei Jugendhilfe und sozialen Leistungen werden Gesetze beschlossen, deren Kosten am Ende oft alleine von Kommunen getragen werden müssen.
Hier muss der Grundsatz gelten: Wer bestellt, bezahlt.
Migration und Sicherheit beschäftigen auch viele Menschen in Schwerin. Was müsste sich aus Ihrer Sicht verändern?
Ich würde Gewalt und Kriminalität zunächst nicht ausschließlich auf Migration beziehen. In jeder Nationalität gibt es Menschen, die sich nicht an Regeln halten. Mein Grundsatz lautet deshalb: klare Regeln, klare Konsequenzen.
Migration im positiven Sinne, also beispielsweise die Zuwanderung von Fachkräften, ist selbstverständlich willkommen. Ich bin in Berlin geboren und aufgewachsen. Multikulturalität war für mich immer etwas völlig Normales.
Auch zum Asylrecht stehe ich.
Aber eine unkontrollierte Einwanderung überfordert die Kommunen und die dort lebenden Menschen. Deshalb brauchen wir klare Regeln für Einwanderung und Asyl, die dann auch tatsächlich umgesetzt werden.
Wenn jemand hier lebt, muss er sich an unsere Regeln halten. Wenn jemand schwere Straftaten oder Gewalttaten begeht, müssen darauf klare und schnelle Konsequenzen folgen.
Dafür müssen die entsprechenden Behörden wie die Justiz und die Polizei personell und auch technisch entsprechend ausgestattet sein. Es kann nicht sein, dass Verfahren jahrelang dauern und ein Urteil erst Jahre nach einer Tat erfolgt.
Gleichzeitig möchte ich ausdrücklich sagen: Die meisten Menschen, die zu uns kommen, sind vernünftige und fleißige Menschen. Eine kleine Gruppe kann aber die Wahrnehmung einer ganzen Gruppe negativ prägen.
Bei konkreten Kriminalitätsschwerpunkten müssen wir außerdem handeln. Am Marienplatz haben Videoüberwachung und mehr Polizeipräsenz Wirkung gezeigt. Wenn sich solche Maßnahmen bewähren, kann man sie an anderen Brennpunkten prüfen.
Stellen wir uns vor, Sie ziehen in den Landtag ein und wir sprechen 2031 erneut miteinander. Welche drei Veränderungen müssten eingetreten sein, damit Sie Ihre Arbeit als erfolgreich bezeichnen?
Erstens würde ich mir wünschen, dass wir die gesellschaftliche und politische Spaltung ein Stück weit überwunden haben. Dass es wieder normaler ist, dass unterschiedliche Parteien und politische Akteure vernünftig miteinander sprechen und versuchen, gemeinsam Lösungen für die Menschen zu finden.
Natürlich wird es immer unterschiedliche Ansichten und notwendige Kompromisse geben. Aber wenn wir 2031 sagen könnten, dass sich die politische Zusammenarbeit deutlich verbessert hat, wäre das für mich ein Erfolg.
Zweitens wünsche ich mir für meinen Wahlkreis, dass insbesondere der Dreesch, Neu Zippendorf und Mueßer Holz wieder stärker als attraktive Teile Schwerins wahrgenommen werden.
Es darf nicht heißen: „Sag mir, wo du wohnst, und ich sage dir, wer du bist.“
Warum sollten beispielsweise Gutverdienende und finanziell Unabhängige nicht dort wohnen? Wenn die Wohnung schön und bezahlbar ist, das Umfeld stimmt, die Kinder gute Schulen haben und man sich sicher fühlt, sollte die Adresse keine Rolle spielen.
Drittens möchte ich einen gut funktionierenden und nachhaltigen Tourismus in Schwerin sehen. Nicht nur Besucher, die für wenige Stunden durch die Stadt geführt werden und anschließend wieder abreisen.
Wir brauchen Gäste, die gerne zwei, drei oder fünf Tage bleiben, weil es gute Hotels, Gastronomie, Kultur und eine attraktive Innenstadt gibt.
Dazu gehören auch kleinere Kulturangebote, Cafés, Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten, öffentliche Toiletten, Fahrradverleih und möglicherweise Angebote wie eine Gästekarte, mit der Besucher den Nahverkehr nutzen können.
Wir sollten uns nicht nur das Prädikat Welterbe aufschreiben, sondern Schwerin auch tatsächlich zu einer attraktiven Welterbestadt entwickeln.
Wenn wir 2031 sehen könnten, dass sich in diesen Bereichen wirklich etwas bewegt hat, könnte ich zufrieden auf fünf Jahre Landtagsarbeit zurückblicken.
Vielen Dank für das Gespräch.
Danke.
Das Gespräch führte Dario Rochow





