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Nachwuchssanitäter im Wettstreit in Erster Hilfe:
Junge Schweriner sind Ersthelfer mit Zukunft

Rettung in Schülerhand: Beim Schulsanitätswettbewerb in Schwerin bewiesen 15 Teams ihr Können in Erster Hilfe – mit Teamgeist, Routine und echtem Einsatz für den Ernstfall.

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  • Veröffentlicht Juli 13, 2025
Raphael Hartig (vorn) vom Goethe-Gymnasium versorgt eine junge Frau, nachdem er sie in die stabile Seitenlage gebracht hat, Foto: maxpress
Raphael Har­tig (vorn) vom Goethe-Gym­na­si­um ver­sorgt eine junge Frau, nach­dem er sie in die sta­bile Seit­en­lage gebracht hat. Foto: max­press

Was ist zu tun, wenn jemand in Ohn­macht fällt, beim Sturz von der Schul­treppe einen Bruch erlei­det oder sich eine schwere Schnit­twunde zuzieht? Für diese Fälle sind die ehre­namtlichen Schul­san­itäter erste Ansprech­part­ner. Wie fit sie in Erster Hil­fe sind und wie sie uner­wartete Not­la­gen bewälti­gen, war die Her­aus­forderung beim Schul­san­itätswet­tbe­werb an diesem Woch­enende in der Lan­deshaupt­stadt. 14 Mannschaften von Schw­er­iner Schulen und eine aus Stral­en­dorf waren dabei und kämpften rund um das Frid­eri­cianum um Punk­te.

Große Herausforderungen der Ersten Hilfe

Die Nach­wuchssan­itäter mussten sich hier­bei an sieben ver­schiede­nen Sit­u­a­tio­nen den großen Her­aus­forderun­gen der Ersten Hil­fe stellen. „Die Schwierigkeit bestand darin, dass die Schüler nicht wussten, in welchen Not­si­t­u­a­tio­nen sie ihr erwor­benes Wis­sen anwen­den müssen“, sagt Jens Leupold, der Geschäfts­führer des DRK-Kreisver­ban­des Schw­erin. „Die Infos darüber blieben bis zum Beginn des Wet­tbe­werbes geheim, selb­st die Schied­srichter erfuhren erst am Mor­gen, welche Not­fälle an den Sta­tio­nen simuliert wer­den“, ergänzt Jens Leupold. „Außer­dem mussten alle Teil­nehmer zum Auf­takt des Wet­tbe­werbes ihre Handys abgeben, damit sie nicht untere­inan­der über die Auf­gaben kom­mu­nizieren kon­nten“, ergänzt er schmun­zel­nd.

Verantwortung im Ehrenamt

„Ich freue mich, dass Ihr Ver­ant­wor­tung für eure Schule übernehmt und euch im Ehre­namt so sehr engagiert“, betonte Nanne Schu­mann, stel­lvertre­tende Lei­t­erin der Schw­er­iner Berufs­feuer­wehr in ihrer Begrüßungsrede an die jun­gen Ers­thelfer. Sie selb­st sei im Schul­san­itäts­di­enst gewe­sen und heute froh darüber, dass die Schul­san­itäter im Ern­st­fall bei der Ein­weisung von Ret­tungs­fahrzeu­gen und der Über­gabe der Patien­ten an die Ret­tungskräfte eine unglaubliche Hil­fe darstellen.“ Christoph Roet­tig, Mit­tel­stufenko­or­di­na­tor des Frid­eri­cianums bedank­te sich eben­falls für den Ein­satz der Schul­san­itäter, die, so Roet­tig, fast täglich an sein­er Schule im Ein­satz sind. „Ihr set­zt Eure kost­bare Zeit für das Ehre­namt ein, das ist großar­tig. Ihr seid heute alle Sieger“, motivierte er die jun­gen Sanis.

Busunfall auf dem Schulhof

Danach ging es los und die Nach­wuchssan­itäter verteil­ten sich auf dem Gelände der Schule und in der Marien­platz-Galerie. Dort gab es ins­ge­samt 14 ver­schiedene Sta­tio­nen, an denen Unfall­si­t­u­a­tio­nen nachgestellt wur­den oder bei denen es galt, the­o­retis­ches Wis­sen, Fit­ness oder Geschick­lichkeit zu beweisen. Die Schüler woll­ten natür­lich beweisen, dass sie ihr ehre­namtlich erwor­benes Wis­sen gut anwen­den kön­nen und für den Ern­st­fall gewapp­net sind. Das bewiesen zum Beispiel Raphael Har­tig und seine drei Team­mit­glieder vom Goethe Gym­na­si­um an ein­er simulierten Unfall­stelle auf dem Schul­hof. Hier war ein Klein­bus einem Reh aus­gewichen und gegen einen Baum geprallt. Es gibt sieben ver­let­zte Per­so­n­en und nur vier Helfer. Eine Her­aus­forderung für die Gruppe, die unter anderem Kopfver­let­zun­gen ver­sor­gen muss, eine Per­son mit Herzprob­le­men betreut und eine bewusst­lose Frau in die sta­bile Seit­en­lage brin­gen und beobacht­en muss. Das sind 15 Minuten Anspan­nung, in denen die Schüler von den Schied­srichtern beobachtet und bew­ertet wer­den.

Schiedsrichter vom DRK Kreisverband

Denn natür­lich geht es beim Wet­tbe­werb auch darum zu gewin­nen. „Bew­ertet wird unter anderem, ob die richtige Rei­hen­folge einge­hal­ten wurde, ob sich die Schüler Mühe geben und wie die Per­so­n­en ange­sprochen wer­den“, berichtet Daniela Dröse, die als Schied­srich­terin fungiert, während sie son­st im Kreisauskun­fts­büro des Schw­er­iner DRK-Kreisver­ban­des tätig ist. An ihrer Sta­tion im Wet­tbe­werb simulieren Darsteller Per­so­n­en nach über­mäßigem Dro­genkon­sum. „Auch hier ist das Sprechen wichtig. 15 Minuten mit jeman­dem reden, den man nicht ken­nt und der sich vielle­icht nicht helfen lassen möchte, ist eine Her­aus­forderung. Dann sollte der Ret­tungswa­gen da sein“, beschreibt sie die gestellte Sit­u­a­tion.

 

Maja Schmidt vom Fridericianum (l.), redet auf die „Drogenopfer“ ein, bis der Rettungswagen kommt, Foto: maxpress
Maja Schmidt vom Frid­eri­cianum (l.), redet auf die „Drogenopfer“ ein, bis der Ret­tungswa­gen kommt. Foto: max­press

Maja Schmidt und ihr Team aus dem Frid­eri­cianum haben das hier gut gemeis­tert. „Die Jugendlichen üben regelmäßig und haben eine viel größere Rou­tine als die meis­ten Erwach­se­nen bei der Ersten Hil­fe. Sie han­deln ein­fach und das ist genau richtig in Not­fall­si­t­u­a­tio­nen“, beschreibt Jens Leupold die Pro­fes­sion­al­ität der jun­gen Sanis, die sich min­destens alle zwei Wochen nach dem reg­ulären Stun­den­plan in Erster Hil­fe unter­richt­en lassen und im Erwach­se­nenal­ter teil­weise beim Ret­tungs­di­enst beru­flich Fuß fassen.

Übung macht den Meister

Meike Papen­hagen besucht die neunte Klasse des Schulzen­trums in Stral­en­dorf. „Ich bin schon seit zwei Jahren Schul­san­itä­terin und habe schon eine Rei­he Ein­sätze an mein­er Schule gehabt“, erzählt sie. Heute heißt es für sie und ihr Team, die Ver­let­zten eines Trep­pen­sturzes zu ver­sor­gen. Während sie eine Per­son mit Prel­lun­gen und einem Bruch ver­sorgt, erkundigt sie sich bei den anderen Helfern ihrer Gruppe über den Zus­tand der weit­eren Ver­let­zten. So wird Teamgeist gelebt. Im Team entschei­det die Gruppe auch, wer an der näch­sten Sta­tion – es geht um Herz­druck­mas­sage und Mund-zu-Mund-Beat­mung, an den Start geht. Nach der vorgegebe­nen Zeit waren auch die bei­den Schüler ein wenig aus der Puste. Erste Hil­fe heißt heutzu­tage nicht nur, die richti­gen medi­zinis­chen Entschei­dun­gen zu tre­f­fen, son­dern auch soziale Kom­pe­tenz zu beweisen.

 

Das Sani-Team der IGS Bertolt Brecht kümmerte sich konzentriert um die Verletzung des Radfahrers, während der Schiedsrichter (l.) auf die Abläufe der Helferinnen schaut, Foto: maxpress
Das Sani-Team der IGS Bertolt Brecht küm­merte sich konzen­tri­ert um die Ver­let­zung des Rad­fahrers, während der Schied­srichter (l.) auf die Abläufe der Helferin­nen schaut. Foto: max­press

Was also tun, wenn sich Unfal­lverur­sach­er und ‑Opfer noch beschimpfen? Die Stre­i­thähne tren­nen und mit etwas Abstand ver­sor­gen, so hat es das Sani-Team der IGS Bertolt Brecht an der Sta­tion mit dem Fahrradun­fall entsch­ieden. Jana küm­mert sich um den verun­fall­ten Rad­fahrer, Leon um die schimpfende Fußgän­gerin und ihre Abschür­fun­gen an Arm und Kopf.

Sieger Goethe-Gymnasium und Fridericianum

Am Ende waren sich alle einig: Ohne Tea­mar­beit geht nichts. Bei der Siegerehrung in der Klassen­stufe 8 bis 12 jubelte das Team vom Frid­eri­cianum und holte in der Gesamtwer­tung die meis­ten Punk­te. Bei den Jün­geren der Klassen­stufe 5 bis 7 siegte das Team vom Goethe-Gym­na­si­um. Jens Leupold, Geschäfts­führer des DRK Kreisver­ban­des Schw­erin, bedank­te sich bei allen Schul­san­itätern, die mit­gemacht haben, sowie bei allen ehre­namtlichen Helfern, die dieses Woch­enende über­haupt ermöglicht und mit­gestal­tet haben.