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Neuer Betreiber, offene Fragen:
Neuer Pächter für Kaninchenwerder – doch wer finanziert die Pläne für die Insel?

Nach mehreren gescheiterten Anläufen startet Kaninchenwerder neu. Doch wer finanziert die Pläne? Und warum prüft die Stadt die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Betreibers erst später?

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  • Veröffentlicht Juli 15, 2026
Kaninchenwerder Pächter
Daniel Schmidt (Mitte) ist der neue Pächter von Kan­inchen­werder. Gemein­sam mit seinem Team will er die Insel kün­ftig touris­tisch weit­er­en­twick­eln. Foto: LHS

 

Die Lan­deshaupt­stadt hat die Garage 7 UG als neue Betreiberin für Kan­inchen­werder aus­gewählt. Geschäfts­führer Daniel Schmidt wurde öffentlich als neuer Pächter vorgestellt. Er soll die Insel bewirtschaften und touris­tisch weit­er­en­twick­eln. Doch nach den Erfahrun­gen der ver­gan­genen Jahre stellen sich Fra­gen: Wie belast­bar ist das neue Konzept? Wer soll die geplanten Investi­tio­nen bezahlen? Und wer ste­ht wirtschaftlich hin­ter dem Vorhaben?

Denn während Schmidt öffentlich als neuer Pächter auftritt, ist nach den vor­liegen­den Unternehmensin­for­ma­tio­nen Gui­do Maaß alleiniger Gesellschafter der Garage 7 UG. Welche Funk­tion Maaß bei der Bewirtschaf­tung und der geplanten Entwick­lung der Insel übern­immt, ist bis­lang offen.

Unsere Redak­tion wollte deshalb von Schmidt unter anderem wis­sen, wer das Konzept für die Insel erar­beit­et hat, wer Ver­tragspart­ner der ein­jähri­gen Nutzungsvere­in­barung mit der Stadt ist und welche Rolle Maaß bei dem Vorhaben übern­immt. Auch Fra­gen zur Finanzierung und zu den von Schmidt angekündigten pri­vat­en Inve­storen blieben unbeant­wortet. Schmidt beant­wortete die Fra­gen unser­er Redak­tion trotz mehrfach­er Kon­tak­tver­suche nicht.

Ger­ade bei Kan­inchen­werder lohnt sich ein genauer Blick. In der Ver­gan­gen­heit gab es immer wieder Ver­suche, die Insel dauer­haft zu bewirtschaften und touris­tisch zu entwick­eln. Pächter gin­gen, langfristige Lösun­gen kamen nicht zus­tande. Nun begin­nt der näch­ste Anlauf.

 


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Stadt wählte Konzept ohne vertiefte Bonitätsprüfung aus

Die Lan­deshaupt­stadt entsch­ied sich nach einem mehrstu­fi­gen Auswahlver­fahren für das Konzept der Garage 7 UG. Die verbliebe­nen Bewer­ber hat­ten ihre Vorstel­lun­gen am 21. April ein­er auss­chließlich mit Mitar­beit­ern der Stadtver­wal­tung beset­zten Jury präsen­tiert.

Nach Angaben der Stadt wur­den unter anderem die Qual­ität und Schlüs­sigkeit des Gesamtkonzepts, die wirtschaftliche Tragfähigkeit, die Umset­zbarkeit, die Betreiberkom­pe­tenz sowie die Anforderun­gen des Natur- und Denkmalschutzes bew­ertet. Das aus­gewählte Konzept habe ins­beson­dere durch einen „tragfähi­gen Betreib­er­ansatz“ überzeugt, teilte Michael Helms, Leit­er des Bere­ichs Liegen­schaften beim Zen­tralen Gebäude­m­an­age­ment, auf Nach­frage unser­er Redak­tion mit. Doch wie weit ging die wirtschaftliche Prü­fung vor dieser Entschei­dung?

Nach Angaben der Stadt war eine ver­tiefte Bonität­sprü­fung nicht Bestandteil des Auswahlver­fahrens. Auch eine verbindliche Finanzierung sämtlich­er langfristig denkbar­er Investi­tio­nen mussten die Bewer­ber nicht nach­weisen. Die Stadt unter­schei­det zwis­chen der Bew­er­tung des Betreiber- und Nutzungskonzepts und der Prü­fung vor Abschluss eines langfristi­gen Pachtver­trags. Erst wenn fest­ste­ht, welche finanziellen und son­sti­gen Verpflich­tun­gen der Pächter dauer­haft übernehmen soll, will die Ver­wal­tung dessen wirtschaftliche Leis­tungs­fähigkeit bew­erten.

Was bedeutet „wirtschaftlich tragfähig“?

Die Stadt beze­ich­net das aus­gewählte Konzept als wirtschaftlich tragfähig. Doch worauf stützt sich diese Ein­schätzung? Bew­ertet seien unter anderem die Plau­si­bil­ität des Betrieb­smod­ells wor­den, die schrit­tweise Umset­zbarkeit, die organ­isatorische Leis­tungs­fähigkeit, die Betreiberkom­pe­tenz und die vorge­se­hene Über­nahme laufend­er Auf­gaben auf der Insel. Die pos­i­tive Bew­er­tung bedeute nicht, dass sämtliche langfristig denkbaren Investi­tio­nen bere­its finanziert seien.

Der zulet­zt veröf­fentlichte Jahresab­schluss der Garage 7 UG weist zum 31. Dezem­ber 2024 Ver­mö­genswerte von rund 41.400 Euro und Verbindlichkeit­en von rund 38.300 Euro aus. Zudem war das Eigenkap­i­tal zum Bilanzs­tich­tag voll­ständig aufgezehrt; die Bilanz weist einen nicht durch Eigenkap­i­tal gedeck­ten Fehlbe­trag von rund 4.700 Euro aus. Die Zahlen beziehen sich auf Ende 2024 und erlauben für sich genom­men keine Aus­sage über die heutige wirtschaftliche Lage des Unternehmens. Sie verdeut­lichen jedoch, warum die Frage nach der Finanzierung der geplanten Entwick­lung für Kan­inchen­werder von beson­derem Inter­esse ist. Nach Angaben der Stadt soll die wirtschaftliche Leis­tungs­fähigkeit des Betreibers erst im Zuge der Ver­hand­lun­gen über einen langfristi­gen Pachtver­trag ver­tieft geprüft wer­den.

Wer sind die angekündigten Investoren?

Schmidt hat­te öffentlich erk­lärt, Investi­tio­nen der notwendi­gen Größenord­nung nicht selb­st finanzieren zu kön­nen. Dafür sollen pri­vate Inve­storen ein­sprin­gen, sobald „die Verträge ste­hen und die Bedin­gun­gen stim­men“. Wer diese Inve­storen sind, ob bere­its verbindliche Finanzierungszusagen beste­hen und in welch­er Größenord­nung investiert wer­den soll, ist bis­lang nicht bekan­nt. Der Lan­deshaupt­stadt lagen zum Zeit­punkt der Auswahlentschei­dung nach eigen­er Auskun­ft keine verbindlichen Finanzierungszusagen pri­vater Inve­storen vor, die Grund­lage oder Voraus­set­zung für die Entschei­dung gewe­sen wären. Mögliche pri­vate Finanzierungspart­ner seien nicht Gegen­stand ein­er eigen­ständi­gen Bew­er­tung gewe­sen und hät­ten für die Auswahlentschei­dung keine auss­chlaggebende Bedeu­tung gehabt.

Unsere Redak­tion hätte der gerne vom Pächter erfahren, wer die angekündigten Inve­storen sind, ob bere­its Verträge oder verbindliche Zusagen beste­hen und welche Investi­tio­nen auf Kan­inchen­werder konkret geplant sind.

Welche Rolle spielt der Gesellschafter?

Offen bleibt auch, welche Funk­tion Gui­do Maaß inner­halb des Pro­jek­ts übern­immt. Während Schmidt öffentlich als neuer Pächter vorgestellt wurde, ist Maaß nach den vor­liegen­den Unternehmensin­for­ma­tio­nen alleiniger Gesellschafter der Garage 7 UG. Dass Geschäfts­führer und Gesellschafter eines Unternehmens unter­schiedliche Per­so­n­en sind, ist gesellschaft­srechtlich nicht ungewöhn­lich. Für die geplante langfristige Entwick­lung Kan­inchen­werders stellt sich den­noch die Frage, wie Auf­gaben und Ver­ant­wortlichkeit­en inner­halb des Unternehmens verteilt sind. Unsere Redak­tion fragte Schmidt deshalb, welche Rolle Maaß bei der Bewirtschaf­tung und Entwick­lung der Insel übern­immt.

Stadt will 700.000 Euro investieren

Während viele Fra­gen zur Finanzierung noch offen sind, ste­ht eine Investi­tion der Stadt bere­its fest. Für einen ersten Sanierungsab­schnitt am denkmalgeschützten Gebäude sind rund 700.000 Euro vorge­se­hen. Geplant sind nach Angaben der Ver­wal­tung Arbeit­en an der Veran­da, am Dachtrag­w­erk und an Teilen der tech­nis­chen Infra­struk­tur.

Welche Investi­tio­nen darüber hin­aus der Betreiber übernehmen soll, ist noch nicht gek­lärt. Auch die Verteilung der Kosten für Unter­hal­tung und Reparatur der Strom‑, Wass­er- und Abwasser­an­la­gen soll erst in den Ver­hand­lun­gen über einen langfristi­gen Pachtver­trag geregelt wer­den. Damit bleiben aus­gerech­net jene Punk­te offen, die über die langfristige wirtschaftliche Tragfähigkeit des Pro­jek­ts entschei­den kön­nten.

Die entscheidende Prüfung kommt erst noch

Zunächst gilt lediglich eine ein­jährige Nutzungsvere­in­barung. Sie soll nach Angaben der Stadt den Betrieb in der laufend­en Sai­son sich­ern und gle­ichzeit­ig Zeit für die Ver­hand­lun­gen über eine langfristige Lösung schaf­fen. Bere­its jet­zt übern­immt der Betreiber Auf­gaben bei der Betreu­ung des Hafens und des Aus­sicht­sturms, bei der Bewirtschaf­tung der San­itäran­la­gen, der Pflege über­lassen­er Flächen und bei Verkehrssicherungspflicht­en im ver­traglich über­tra­ge­nen Bere­ich.

Vor Abschluss eines langfristi­gen Pachtver­trags will die Stadt nach eige­nen Angaben die wirtschaftlichen Voraus­set­zun­gen des Betreibers ver­tieft prüfen. Welche Nach­weise sie dafür ver­lan­gen wird, hängt von den später vere­in­barten Pflicht­en ab. In Betra­cht kom­men aktuelle wirtschaftliche Unter­la­gen, Finanzierungsnach­weise für konkrete Investi­tio­nen und gegebe­nen­falls Sicher­heit­en. Ob daraus eine dauer­hafte Lösung für Kan­inchen­werder entste­ht, ist offen.

Nach den Erfahrun­gen der ver­gan­genen Jahre kommt es dies­mal weniger auf die Qual­ität der Ideen an als auf ihre Finanzierung und ihre langfristige wirtschaftliche Tragfähigkeit. Genau diese Fra­gen will die Stadt vor ein­er langfristi­gen Bindung klären. Denn an Konzepten hat es für Kan­inchen­werder in der Ver­gan­gen­heit nicht geman­gelt. Entschei­dend wird sein, ob sie sich dies­mal dauer­haft tra­gen.