Neuer Betreiber, offene Fragen:
Neuer Pächter für Kaninchenwerder – doch wer finanziert die Pläne für die Insel?
Nach mehreren gescheiterten Anläufen startet Kaninchenwerder neu. Doch wer finanziert die Pläne? Und warum prüft die Stadt die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Betreibers erst später?

Die Landeshauptstadt hat die Garage 7 UG als neue Betreiberin für Kaninchenwerder ausgewählt. Geschäftsführer Daniel Schmidt wurde öffentlich als neuer Pächter vorgestellt. Er soll die Insel bewirtschaften und touristisch weiterentwickeln. Doch nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre stellen sich Fragen: Wie belastbar ist das neue Konzept? Wer soll die geplanten Investitionen bezahlen? Und wer steht wirtschaftlich hinter dem Vorhaben?
Denn während Schmidt öffentlich als neuer Pächter auftritt, ist nach den vorliegenden Unternehmensinformationen Guido Maaß alleiniger Gesellschafter der Garage 7 UG. Welche Funktion Maaß bei der Bewirtschaftung und der geplanten Entwicklung der Insel übernimmt, ist bislang offen.
Unsere Redaktion wollte deshalb von Schmidt unter anderem wissen, wer das Konzept für die Insel erarbeitet hat, wer Vertragspartner der einjährigen Nutzungsvereinbarung mit der Stadt ist und welche Rolle Maaß bei dem Vorhaben übernimmt. Auch Fragen zur Finanzierung und zu den von Schmidt angekündigten privaten Investoren blieben unbeantwortet. Schmidt beantwortete die Fragen unserer Redaktion trotz mehrfacher Kontaktversuche nicht.
Gerade bei Kaninchenwerder lohnt sich ein genauer Blick. In der Vergangenheit gab es immer wieder Versuche, die Insel dauerhaft zu bewirtschaften und touristisch zu entwickeln. Pächter gingen, langfristige Lösungen kamen nicht zustande. Nun beginnt der nächste Anlauf.
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Stadt wählte Konzept ohne vertiefte Bonitätsprüfung aus
Die Landeshauptstadt entschied sich nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren für das Konzept der Garage 7 UG. Die verbliebenen Bewerber hatten ihre Vorstellungen am 21. April einer ausschließlich mit Mitarbeitern der Stadtverwaltung besetzten Jury präsentiert.
Nach Angaben der Stadt wurden unter anderem die Qualität und Schlüssigkeit des Gesamtkonzepts, die wirtschaftliche Tragfähigkeit, die Umsetzbarkeit, die Betreiberkompetenz sowie die Anforderungen des Natur- und Denkmalschutzes bewertet. Das ausgewählte Konzept habe insbesondere durch einen „tragfähigen Betreiberansatz“ überzeugt, teilte Michael Helms, Leiter des Bereichs Liegenschaften beim Zentralen Gebäudemanagement, auf Nachfrage unserer Redaktion mit. Doch wie weit ging die wirtschaftliche Prüfung vor dieser Entscheidung?
Nach Angaben der Stadt war eine vertiefte Bonitätsprüfung nicht Bestandteil des Auswahlverfahrens. Auch eine verbindliche Finanzierung sämtlicher langfristig denkbarer Investitionen mussten die Bewerber nicht nachweisen. Die Stadt unterscheidet zwischen der Bewertung des Betreiber- und Nutzungskonzepts und der Prüfung vor Abschluss eines langfristigen Pachtvertrags. Erst wenn feststeht, welche finanziellen und sonstigen Verpflichtungen der Pächter dauerhaft übernehmen soll, will die Verwaltung dessen wirtschaftliche Leistungsfähigkeit bewerten.
Was bedeutet „wirtschaftlich tragfähig“?
Die Stadt bezeichnet das ausgewählte Konzept als wirtschaftlich tragfähig. Doch worauf stützt sich diese Einschätzung? Bewertet seien unter anderem die Plausibilität des Betriebsmodells worden, die schrittweise Umsetzbarkeit, die organisatorische Leistungsfähigkeit, die Betreiberkompetenz und die vorgesehene Übernahme laufender Aufgaben auf der Insel. Die positive Bewertung bedeute nicht, dass sämtliche langfristig denkbaren Investitionen bereits finanziert seien.
Der zuletzt veröffentlichte Jahresabschluss der Garage 7 UG weist zum 31. Dezember 2024 Vermögenswerte von rund 41.400 Euro und Verbindlichkeiten von rund 38.300 Euro aus. Zudem war das Eigenkapital zum Bilanzstichtag vollständig aufgezehrt; die Bilanz weist einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von rund 4.700 Euro aus. Die Zahlen beziehen sich auf Ende 2024 und erlauben für sich genommen keine Aussage über die heutige wirtschaftliche Lage des Unternehmens. Sie verdeutlichen jedoch, warum die Frage nach der Finanzierung der geplanten Entwicklung für Kaninchenwerder von besonderem Interesse ist. Nach Angaben der Stadt soll die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Betreibers erst im Zuge der Verhandlungen über einen langfristigen Pachtvertrag vertieft geprüft werden.
Wer sind die angekündigten Investoren?
Schmidt hatte öffentlich erklärt, Investitionen der notwendigen Größenordnung nicht selbst finanzieren zu können. Dafür sollen private Investoren einspringen, sobald „die Verträge stehen und die Bedingungen stimmen“. Wer diese Investoren sind, ob bereits verbindliche Finanzierungszusagen bestehen und in welcher Größenordnung investiert werden soll, ist bislang nicht bekannt. Der Landeshauptstadt lagen zum Zeitpunkt der Auswahlentscheidung nach eigener Auskunft keine verbindlichen Finanzierungszusagen privater Investoren vor, die Grundlage oder Voraussetzung für die Entscheidung gewesen wären. Mögliche private Finanzierungspartner seien nicht Gegenstand einer eigenständigen Bewertung gewesen und hätten für die Auswahlentscheidung keine ausschlaggebende Bedeutung gehabt.
Unsere Redaktion hätte der gerne vom Pächter erfahren, wer die angekündigten Investoren sind, ob bereits Verträge oder verbindliche Zusagen bestehen und welche Investitionen auf Kaninchenwerder konkret geplant sind.
Welche Rolle spielt der Gesellschafter?
Offen bleibt auch, welche Funktion Guido Maaß innerhalb des Projekts übernimmt. Während Schmidt öffentlich als neuer Pächter vorgestellt wurde, ist Maaß nach den vorliegenden Unternehmensinformationen alleiniger Gesellschafter der Garage 7 UG. Dass Geschäftsführer und Gesellschafter eines Unternehmens unterschiedliche Personen sind, ist gesellschaftsrechtlich nicht ungewöhnlich. Für die geplante langfristige Entwicklung Kaninchenwerders stellt sich dennoch die Frage, wie Aufgaben und Verantwortlichkeiten innerhalb des Unternehmens verteilt sind. Unsere Redaktion fragte Schmidt deshalb, welche Rolle Maaß bei der Bewirtschaftung und Entwicklung der Insel übernimmt.
Stadt will 700.000 Euro investieren
Während viele Fragen zur Finanzierung noch offen sind, steht eine Investition der Stadt bereits fest. Für einen ersten Sanierungsabschnitt am denkmalgeschützten Gebäude sind rund 700.000 Euro vorgesehen. Geplant sind nach Angaben der Verwaltung Arbeiten an der Veranda, am Dachtragwerk und an Teilen der technischen Infrastruktur.
Welche Investitionen darüber hinaus der Betreiber übernehmen soll, ist noch nicht geklärt. Auch die Verteilung der Kosten für Unterhaltung und Reparatur der Strom‑, Wasser- und Abwasseranlagen soll erst in den Verhandlungen über einen langfristigen Pachtvertrag geregelt werden. Damit bleiben ausgerechnet jene Punkte offen, die über die langfristige wirtschaftliche Tragfähigkeit des Projekts entscheiden könnten.
Die entscheidende Prüfung kommt erst noch
Zunächst gilt lediglich eine einjährige Nutzungsvereinbarung. Sie soll nach Angaben der Stadt den Betrieb in der laufenden Saison sichern und gleichzeitig Zeit für die Verhandlungen über eine langfristige Lösung schaffen. Bereits jetzt übernimmt der Betreiber Aufgaben bei der Betreuung des Hafens und des Aussichtsturms, bei der Bewirtschaftung der Sanitäranlagen, der Pflege überlassener Flächen und bei Verkehrssicherungspflichten im vertraglich übertragenen Bereich.
Vor Abschluss eines langfristigen Pachtvertrags will die Stadt nach eigenen Angaben die wirtschaftlichen Voraussetzungen des Betreibers vertieft prüfen. Welche Nachweise sie dafür verlangen wird, hängt von den später vereinbarten Pflichten ab. In Betracht kommen aktuelle wirtschaftliche Unterlagen, Finanzierungsnachweise für konkrete Investitionen und gegebenenfalls Sicherheiten. Ob daraus eine dauerhafte Lösung für Kaninchenwerder entsteht, ist offen.
Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre kommt es diesmal weniger auf die Qualität der Ideen an als auf ihre Finanzierung und ihre langfristige wirtschaftliche Tragfähigkeit. Genau diese Fragen will die Stadt vor einer langfristigen Bindung klären. Denn an Konzepten hat es für Kaninchenwerder in der Vergangenheit nicht gemangelt. Entscheidend wird sein, ob sie sich diesmal dauerhaft tragen.




