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Kaninchenwerder:
Stadt verteidigt Vergabe – Finanzierung bleibt weiter offen

Warum erhielt die Garage 7 UG den Zuschlag für Kaninchenwerder? Eine Anfrage aus der Stadtvertretung bringt neue Details ans Licht. Doch zentrale Fragen zur Finanzierung bleiben offen.

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  • Veröffentlicht August 4, 2026
Kanninchenwerder
Die Aus­flugsin­sel Kan­inchen­werder ste­ht mit­ten im Neustart. Nach der Ver­gabe an die Garage 7 UG bleiben Fra­gen zur Finanzierung und zum Auswahlver­fahren. Foto: LHS

 

Die Ver­gabe der Bewirtschaf­tung von Kan­inchen­werder beschäftigt jet­zt auch die Kom­mu­nalpoli­tik. Der frak­tion­slose Stadtvertreter Heiko Stein­müller hat­te sich mit ein­er umfan­gre­ichen Anfrage an Ober­bürg­er­meis­ter Sebas­t­ian Ehlers (CDU) gewandt und wollte wis­sen, warum aus­gerech­net das Unternehmen Garage 7 UG den Zuschlag erhielt, obwohl Details der Auswahl bis­lang nicht öffentlich sind. Die Antwort der Stadt schafft zwar Klarheit über den Ablauf des Ver­fahrens. Zen­trale Fra­gen zur Bew­er­tung und zur Finanzierung bleiben jedoch offen.

Bere­its vor einiger Zeit hat­te SNO über offene Punk­te rund um den neuen Betreiber berichtet. Geschäfts­führer Daniel Schmidt war öffentlich als neuer Pächter vorgestellt wor­den. Nach den vor­liegen­den Unternehmen­su­n­ter­la­gen ist jedoch Gui­do Maaß alleiniger Gesellschafter der Garage 7 UG. Fra­gen nach der inter­nen Rol­len­verteilung, den angekündigten Inve­storen und der Finanzierung der geplanten Entwick­lung beant­wortete Schmidt trotz mehrfach­er Kon­tak­tver­suche damals nicht.

 


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Steinmüller verlangt Transparenz

Mit ins­ge­samt sechs Fra­gen wollte Stein­müller nun von der Stadtver­wal­tung erfahren, welche Punk­tzahlen die Bewer­ber im Auswahlver­fahren erre­icht­en, welche Stärken die jew­eili­gen Konzepte hat­ten, wer die Entschei­dung traf und warum der Haup­tauss­chuss damals über die Inhalte der Konzepte nicht informiert wurde.

Die Ver­wal­tung ver­weist in ihrer Antwort auf ein ver­wal­tungsin­ternes Auswahlver­fahren. Bew­ertet wor­den seien unter anderem die Qual­ität und Plau­si­bil­ität der Nutzungskonzepte, deren wirtschaftliche Tragfähigkeit, die Betreiberkom­pe­tenz, die Umset­zbarkeit sowie die Vere­in­barkeit mit Natur- und Denkmalschutz. Die konkrete Bew­er­tungs­ma­trix und sämtliche Punk­tzahlen sollen jedoch nicht veröf­fentlicht wer­den. Diese seien auss­chließlich Bestandteil der ver­wal­tungsin­ter­nen Vor­bere­itung der Entschei­dung gewe­sen. Ger­ade dieser Punkt dürfte die Diskus­sion weit­er anheizen. Denn ohne die Bew­er­tung bleibt öffentlich nicht nachvol­lziehbar, weshalb sich das Unternehm­nen Garage 7 UG gegen die übri­gen Bewer­ber durch­set­zen kon­nte.

 

Stadt: Garage 7 überzeugte insgesamt

In ihrer Stel­lung­nahme begrün­det die Ver­wal­tung die Entschei­dung mit ein­er Gesamtab­wä­gung aller Kri­te­rien. Das Konzept der Garage 7 UG habe ins­beson­dere durch seine wirtschaftliche Tragfähigkeit, eine nachvol­lziehbare Betrieb­sorgan­i­sa­tion, die kurzfristige Umset­zbarkeit sowie eine nach­haltige touris­tis­che Entwick­lung der Insel überzeugt. Auss­chlaggebend sei aus­drück­lich nicht ein einzelnes Kri­teri­um gewe­sen, son­dern die Gesamt­be­w­er­tung.

 


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Genau hier set­zt die Kri­tik an. Gegenüber SNO hat­te die Stadt bere­its erk­lärt, dass die finanzielle Leis­tungs­fähigkeit des Unternehmens im Auswahlver­fahren gar nicht umfassend geprüft wurde. Eine ver­tiefte Bonität­sprü­fung fand nicht statt. Auch verbindliche Finanzierungszusagen der angekündigten pri­vat­en Inve­storen lagen zum Zeit­punkt der Auswahlentschei­dung nach Angaben der Ver­wal­tung nicht vor. Die Ver­wal­tung unter­schei­det deshalb zwis­chen zwei Ebe­nen: Im Auswahlver­fahren wurde bew­ertet, ob das Betreiberkonzept grund­sät­zlich wirtschaftlich schlüs­sig und umset­zbar erscheint. Ob die Garage 7 UG die geplanten Investi­tio­nen tat­säch­lich finanzieren kann, soll dage­gen erst vor Abschluss eines langfristi­gen Pachtver­trags geprüft wer­den.

Die Stadt bew­ertet das Konzept damit zwar als wirtschaftlich tragfähig, will aber erst später prüfen, ob die Finanzierung tat­säch­lich gesichert ist. Ger­ade dieser Punkt wirft Fra­gen auf, weil die langfristige Entwick­lung von Kan­inchen­werder maßge­blich davon abhän­gen dürfte, ob die angekündigten Investi­tio­nen tat­säch­lich finanziell abgesichert wer­den kön­nen.

 

Keine politischen Gremien beteiligt

Stein­müller fragte außer­dem nach der Zusam­menset­zung der Jury. Nach Angaben der Ver­wal­tung bestand sie auss­chließlich aus Beschäftigten der Stadtver­wal­tung. Vertreten gewe­sen seien unter anderem das Zen­trale Gebäude­m­an­age­ment (ZGM), der Fach­di­enst Umwelt, der Bere­ich Touris­mus sowie der Eigen­be­trieb SDS. Die Zusam­menset­zung sei entsprechend der jew­eili­gen fach­lichen Zuständigkeit­en erfol­gt.

Auch die Frage, warum Haup­tauss­chuss oder Stadtvertre­tung nicht beteiligt wur­den, beant­wortet die Ver­wal­tung ein­deutig. Für die abgeschlossene Nutzungsvere­in­barung seien die in der Haupt­satzung fest­gelegten Wert­gren­zen nicht erre­icht wor­den. Deshalb habe keine Beschlusszuständigkeit der poli­tis­chen Gremien bestanden. Die Auswahl des Betreibers sei voll­ständig inner­halb der Ver­wal­tung vor­bere­it­et wor­den.

 

Interne Unterlagen zeichnen differenzierteres Bild

Der Redak­tion liegen darüber hin­aus ver­wal­tungsin­terne Unter­la­gen aus dem Ver­gabev­er­fahren vor. Danach wur­den ins­ge­samt 15 Bewer­bun­gen ein­gere­icht, fünf Konzepte kamen in die engere Auswahl. Die Bew­er­tung erfol­gte anhand eines Kri­te­rienkat­a­logs, bei dem unter anderem Wirtschaftlichkeit, touris­tis­ches Konzept, Umweltverträglichkeit und Gas­tronomie unter­schiedlich gewichtet wur­den.

Nach diesen Unter­la­gen belegte die Garage 7 UG im Bew­er­tungsver­fahren allerd­ings nicht den ersten, son­dern den zweit­en Platz. Die Stadt äußert sich in ihrer Antwort auf Stein­müllers Anfrage nicht zu einzel­nen Platzierun­gen oder Punk­tzahlen und ver­weist stattdessen auf die Gesamtab­wä­gung des Auswahlver­fahrens.

 

Finanzierung bleibt entscheidende Frage

Unab­hängig vom Auswahlver­fahren bleiben wesentliche Fra­gen zur langfristi­gen Entwick­lung der Insel offen. Nach dem zulet­zt veröf­fentlicht­en Jahresab­schluss ver­fügte die Garage 7 UG Ende 2024 über Ver­mö­genswerte von rund 41.400 Euro bei Verbindlichkeit­en von rund 38.300 Euro. Das Eigenkap­i­tal war voll­ständig aufgezehrt. Diese Bilanz­dat­en erlauben zwar keine Aus­sage über die heutige wirtschaftliche Sit­u­a­tion, erk­lären aber, warum die Finanzierung des Pro­jek­ts beson­dere Aufmerk­samkeit erhält.

Daniel Schmidt hat­te selb­st erk­lärt, Investi­tio­nen dieser Größenord­nung nicht allein stem­men zu kön­nen. Stattdessen sollen pri­vate Inve­storen ein­steigen, sobald langfristige Verträge abgeschlossen seien. Wer diese Inve­storen sind, ob bere­its verbindliche Zusagen beste­hen und welche Investi­tio­nen konkret geplant sind, blieb bis­lang unbeant­wortet.

Fest ste­ht dage­gen, dass die Stadt zunächst rund 700.000 Euro in einen ersten Sanierungsab­schnitt des denkmalgeschützten Gebäudes investieren will. Erst danach sollen die Ver­hand­lun­gen über einen langfristi­gen Pachtver­trag fort­ge­set­zt wer­den. Nach Angaben der Ver­wal­tung wird in diesem Zusam­men­hang auch die wirtschaftliche Leis­tungs­fähigkeit des Betreibers erst­mals ver­tieft geprüft.

Damit ste­ht Kan­inchen­werder erneut an einem Punkt, an dem nicht allein das vorgestellte Konzept über den Erfolg entschei­den dürfte. Ob aus den Plä­nen eine dauer­haft tragfähige Lösung wird, hängt vor allem davon ab, ob die angekündigte Finanzierung tat­säch­lich gesichert wer­den kann. Die Anfrage von Heiko Stein­müller zeigt, dass auch in der Kom­mu­nalpoli­tik der Wun­sch nach mehr Trans­parenz bei diesem Ver­fahren wächst.