Vermögen und Schulden:
Wie steht Schwerin finanziell da? Neue Bilanz soll Überblick geben
Was besitzt Schwerin, welche Schulden stehen dem gegenüber? Eine neue Gesamtrechnung soll Stadt und kommunale Unternehmen zusammen betrachten. Sie ist laut Verwaltung fertig.

In Kürze:
- Schwerins erste Konzernbilanz für 2024 ist laut Stadt fertig und soll zwischen Oktober und Dezember 2026 vorgestellt werden.
- Sie betrachtet Vermögen und Verpflichtungen der Stadt und der einbezogenen Unternehmen gemeinsam.
- Eine hohe Bilanzsumme bedeutet weder einen entsprechenden Verkaufspreis der Stadt noch frei verfügbares Geld.
Was besitzt Schwerin und welche Schulden stehen diesem Vermögen gegenüber? Einen umfassenderen Blick darauf soll die erste Konzernbilanz der Landeshauptstadt ermöglichen. Die Rechnung für das Jahr 2024 ist inzwischen fertig, teilte die Stadt auf Anfrage von Schwerin Lokal mit. Zwischen Oktober und Dezember 2026 soll sie in die politischen Gremien kommen.
Dabei geht es um mehr als das Geld im städtischen Haushalt. Auch die einzubeziehenden kommunalen Unternehmen werden berücksichtigt. So entsteht ein gemeinsamer Überblick über Vermögen, Schulden, Einnahmen und Ausgaben der Stadt und ihrer Gesellschaften.
Wie hoch die entsprechenden Summen für Schwerin ausfallen, hat die Verwaltung noch nicht mitgeteilt. Auch welche Unternehmen genau berücksichtigt wurden, geht aus ihrer Antwort bislang nicht hervor. Einen konkreten Termin für die Vorstellung nennt sie ebenfalls noch nicht.
Die Erstellung habe wegen der angespannten Haushaltslage keine oberste Priorität gehabt, erklärt die Stadt. Zudem hätten Personalengpässe, technische Anpassungen und umfangreiche Abstimmungen die Arbeit erschwert. Grundsätzlich hält die Verwaltung den Aufwand für zu hoch.
Warum Schwerin eine Konzernbilanz braucht
Eine Stadt besitzt Gebäude, Grundstücke und Straßen. Weitere Vermögenswerte können bei ihren Unternehmen liegen, etwa Wohnungen bei einer kommunalen Wohnungsgesellschaft oder Fahrzeuge bei einem Verkehrsunternehmen. Diese Unternehmen führen eigene Bücher: Sie rechnen selbst ab, was sie besitzen, verdienen und ausgeben.
Wer nur den städtischen Haushalt betrachtet, sieht deshalb nicht das vollständige wirtschaftliche Bild. Der sogenannte Gesamtabschluss soll die einzelnen Rechnungen zusammenführen. Vereinfacht gesagt werden Stadt und einbezogene Unternehmen dabei wie eine gemeinsame wirtschaftliche Einheit betrachtet.
Das ist für Schwerin vorgeschrieben. Die Kommunalverfassung, verpflichtet kreisfreie und große kreisangehörige Städte zu einem solchen Abschluss. Er soll einen Überblick darüber geben, welches Vermögen vorhanden ist, welche Verpflichtungen bestehen und wie die wirtschaftlichen Ergebnisse ausfallen.
Die Einzelrechnungen werden nicht einfach addiert
Damit ein verlässliches Gesamtbild entsteht, müssen finanzielle Beziehungen innerhalb des städtischen Verbunds herausgerechnet werden. Ein vereinfachtes Beispiel: Leiht die Stadt einer eigenen Gesellschaft eine Million Euro, hat die Stadt eine Forderung und das Unternehmen eine Schuld. Für beide zusammen ist dadurch aber kein zusätzliches Vermögen entstanden.
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Solche internen Beziehungen werden deshalb bei der Zusammenführung bereinigt. Der Fachbegriff dafür lautet Konsolidierung. Genau diese Arbeit erfordert nach Angaben der Schweriner Verwaltung bei der erstmaligen Erstellung besonders viele Abstimmungen.
Welche Unternehmen einbezogen werden, hängt unter anderem davon ab, wie stark die Stadt deren Entscheidungen beeinflussen kann. Kleinere Beteiligungen von geringer Bedeutung müssen nach den gesetzlichen Regeln nicht zwingend in die gemeinsame Rechnung aufgenommen werden. Die konkrete Auswahl für Schwerin ist noch nicht bekannt.
Schwerin hatte einen früheren Zeitplan
Die Verwaltung wollte den ersten Gesamtabschluss ursprünglich bereits 2025 fertigstellen. Im Haushaltsplan 2025/2026 ging sie davon aus, die Rechnung für 2024 bis zum 30. September 2025 aufzustellen und dem Rechnungsprüfungsamt zu übergeben. Nun hat es länger gedauert als ursprünglich geplant.
Die Stadt bezweifelt, dass die zusätzliche Rechnung ihr im Alltag ausreichend weiterhilft. Der „personelle, organisatorische und finanzielle Aufwand“ stehe nach ihrer Auffassung „in keinem vernünftigen Verhältnis zum praktischen Nutzen“.
Wismar zeigt, was in einer solchen Bilanz steckt
Die Bürgerschaft in Wismar hatte am 24. September über den ersten Gesamtabschluss für 2024 beschlossen. Die gemeinsame Bilanz Wismars erreicht demnach zum Jahresende 2024 rund 997,6 Millionen Euro. Darin stehen beispielsweise bebaute Grundstücke mit rund 370 Millionen Euro sowie Maschinen, technische Anlagen und Fahrzeuge mit etwa 157,5 Millionen Euro. Zugleich weist der Abschluss rund 228,8 Millionen Euro Kreditschulden aus.
Die knapp eine Milliarde Euro bedeutet nicht, dass Wismar für diesen Betrag verkauft werden könnte. Die Summe umfasst die in der Bilanz erfassten Werte, etwa Gebäude, Grundstücke und Fahrzeuge. Zugleich zeigt die Rechnung, wie dieses Vermögen bezahlt wurde: mit eigenen Mitteln, Fördergeldern oder Krediten, die noch zurückgezahlt werden müssen.
Viel Vermögen bedeutet nicht viel Geld auf dem Konto
Auch eine Stadt mit umfangreichem Vermögen kann Schwierigkeiten haben, ihre laufenden Ausgaben zu bezahlen. Eine Schule hat beispielsweise einen Wert in der Bilanz. Mit diesem Gebäude lassen sich aber weder Gehälter noch Stromrechnungen bezahlen.
Ähnlich ist es bei Straßen, Brücken oder Fahrzeugen, die für öffentliche Aufgaben gebraucht werden. Ihr Wert ist nicht frei verfügbares Geld. Eine große Bilanzsumme allein sagt daher wenig darüber aus, welchen finanziellen Spielraum eine Stadt gerade hat.
Für Schwerin wird die Gesamtrechnung zunächst zeigen, wie groß das zusammengeführte Vermögen ist und welche Verpflichtungen ihm gegenüberstehen. Da sie sich auf Ende 2024 bezieht, beschreibt sie zudem die damalige Lage, nicht automatisch die Finanzsituation im Herbst 2026.
Wie Schwerin bisher den Überblick behält
Die Verwaltung betont, dass sie ihre Unternehmen auch bisher wirtschaftlich begleitet und kontrolliert. Dafür sei die Gesellschaft für Beteiligungsverwaltung Schwerin mbH, kurz GBV, zuständig. Diese erstelle jedes Jahr einen Beteiligungsbericht.
Darin werde die wirtschaftliche Entwicklung der städtischen Gesellschaften dargestellt. Zusammen mit dem Jahresabschluss der Stadt liefere dieser Bericht bereits einen umfassenden Überblick, erklärt die Verwaltung. Die Konzernbilanz soll diese Informationen nun um eine gemeinsame Rechnung ergänzen.





