Große Kulturpläne:
Neuer Konzertsaal für Schwerin? Stadtpolitik berät über Machbarkeitsstudie
Musiker der Mecklenburgischen Staatskapelle werben für einen Konzertsaal in Schwerin. Nun befasst sich die Stadtpolitik mit dem Vorhaben. Zur Debatte stehen eine Machbarkeitsstudie und ein Alternativantrag der Grünen.

Foto: Carsten Steger – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Link
Die Pläne für einen neuen Konzertsaal in Schwerin beschäftigen im Moment die Kommunalpolitik. Begonnen hat alles Ende 2025. Damals gründete sich der Verein „Ein Konzertsaal für Schwerin e. V.“, den Musikerinnen und Musiker der Mecklenburgischen Staatskapelle ins Leben gerufen haben. Der Verein setzt sich für den Bau eines Konzertsaals in der Landeshauptstadt ein. Nach eigenen Angaben soll ein Gebäude entstehen, das nicht nur Raum für klassische Konzerte bietet, sondern auch für weitere Musik- und Veranstaltungsformate genutzt werden kann. Nach Angaben des Vereins spielte auch die Aufnahme des Residenzensembles Schwerin in die UNESCO-Welterbeliste bei der Gründung eine Rolle. Die Musiker sehen sich als Botschafter dieses kulturellen Erbes und wollen mit Kammerkonzerten und weiteren Benefizveranstaltungen selbst einen Beitrag zur Finanzierung des Projekts leisten.
Ein gemeinsamer Antrag von CDU, SPD, Linken sowie der Fraktion Unabhängige Bürger/FDP in der Stadtvertretung sieht nun vor, zunächst die Voraussetzungen für eine Machbarkeitsstudie zu schaffen. Gleichzeitig liegt ein Ersetzungsantrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/Die PARTEI vor.
Studie statt Bauentscheidung
Zunächst geht es jedoch nicht um eine Entscheidung über den Bau selbst. Der mehrfraktionelle Antrag sieht eine umfassende Machbarkeitsstudie vor. Gemeinsam mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern und dem Förderverein sollen die Voraussetzungen für eine solche Untersuchung geschaffen und Förder- sowie Finanzierungsmöglichkeiten geprüft werden. Darüber hinaus sollen Akteure aus Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft, Tourismus und Stadtentwicklung beteiligt werden. Untersucht werden sollen unter anderem mögliche Standorte, Nutzungskonzepte, Betreiber- und Finanzierungsmodelle sowie die Investitions- und Folgekosten.
Zur Begründung führen die Fraktionen an, dass zwischen kleineren Sälen und der Sport- und Kongresshalle eine Lücke im Veranstaltungsangebot bestehe. „Schwerin verfügt über ein bedeutendes kulturelles Leben, aber es besteht eine Lücke zwischen kleineren Sälen und der Schweriner Kongresshalle“, heißt es in der Vorlage. Ein Konzertsaal mit 550 bis 750 Plätzen könne bestehende Kulturinstitutionen stärken und neue Kooperationen ermöglichen. Als mögliche Partner werden unter anderem die NDR-Klangkörper, die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, das Mecklenburgische Staatstheater, das Konservatorium Schwerin und das Landesjugendorchester Mecklenburg-Vorpommern genannt.
Die Antragsteller betonen zugleich, dass die Studie ausdrücklich „ergebnisoffen“ angelegt werden soll und „keine Vorentscheidung über einen Bau treffen“ solle. Vielmehr gehe es darum, Chancen, Risiken, Kosten und Fördermöglichkeiten objektiv zu untersuchen und der Stadtvertretung eine belastbare Entscheidungsgrundlage vorzulegen.
Verwaltung sieht Land in der Pflicht
Die Stadtverwaltung bewertet den Vorstoß grundsätzlich positiv. In ihrer Stellungnahme heißt es: „Der Befund, dass in der Landeshauptstadt Schwerin eine Lücke in der kulturellen Infrastruktur besteht, wird geteilt. Die Erarbeitung einer fundierten Entscheidungsgrundlage im weiteren Prozess und in der Diskussion ist der richtige Ansatz.“
Gleichzeitig verweist die Verwaltung auf die finanzielle Situation der Landeshauptstadt. Schwerin sei derzeit „nicht in der Lage, den erforderlichen Rahmen für eine entsprechende Machbarkeitsstudie bereitzustellen“. Eine solche Untersuchung müsse deshalb durch das Land Mecklenburg-Vorpommern oder durch Dritte finanziert werden.
Grünen-Fraktion schlägt anderen Weg vor
Einen anderen Weg schlägt die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/Die PARTEI vor. In ihrem Ersetzungsantrag fordert sie zunächst keinen externen Gutachter, sondern einen Bericht der Verwaltung bis Ende August. Darin sollen die bestehenden Veranstaltungsstätten – darunter die Sport- und Kongresshalle sowie die Palmberg-Arena – hinsichtlich ihrer Eignung für Konzert‑, Kongress- und Tagungsformate bewertet werden. Außerdem soll untersucht werden, ob über die vorhandenen Angebote hinaus überhaupt Bedarf für einen neuen Konzert- und Kongresssaal besteht.
In der Begründung heißt es, Schwerin verfüge bereits über „ein vielfältiges kulturelles Angebot und etablierte Veranstaltungsorte für Kongresse, Tagungen und Großveranstaltungen“. Deshalb erscheine es sinnvoll, zunächst die vorhandenen Kapazitäten zu bewerten, bevor über mögliche Investitionen entschieden werde.
Verwaltung lehnt ab
Für diesen Vorschlag spricht die Verwaltung allerdings keine Empfehlung aus. Sie verweist auf den erheblichen personellen Aufwand, den die geforderten Untersuchungen verursachen würden. Insbesondere die Bewertung möglicher Standorte, Nutzungskonzepte sowie finanzieller und städtebaulicher Rahmenbedingungen erfordere umfangreiche Analysen, die „mit den vorhandenen personellen Ressourcen kurzfristig nicht leistbar sind“. Auch die vorgesehene Frist bis zum 30. August sei „nicht realistisch“.
Darüber hinaus erinnert die Verwaltung daran, dass die Errichtung eines Konzert- und Kongresssaals eine neue freiwillige Aufgabe der Stadt wäre. Angesichts des laufenden Konsolidierungsprozesses müssten zusätzliche Investitionen und Folgekosten besonders kritisch bewertet werden. Eine Prüfung könne zwar durch eine Machbarkeitsstudie erfolgen, deren Durchführung und Finanzierung müsse jedoch durch Dritte übernommen werden.
Über beide Anträge entscheidet die Stadtvertretung in ihrer Sitzung. Dabei wird sich zeigen, ob zunächst eine Machbarkeitsstudie oder zunächst ein Verwaltungsbericht auf den Weg gebracht wird.




