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Streit um Bauprojekt Kranweg in Schwerin:
So wollen die Fraktionen nach der Sommerpause weitermachen

Der Streit um 166 Wohnungen am Schweriner Ziegelsee beschäftigt nun die Landesregierung. Doch wie reagieren die Stadtfraktionen auf die Entscheidung des Petitionsausschusses und was planen sie?

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  • Veröffentlicht Juli 14, 2026
Seit Jahren klafft am Schw­er­iner Ziegelsee eine Bau­grube. Auf dem Gelände neben dem Spe­ich­er-Hotel sollen 166 Woh­nun­gen entste­hen. Das umstrit­tene Vorhaben beschäftigt weit­er die Stadt­poli­tik. Foto: Dario Rochow

 


In Kürze:

  • Die Entschei­dung: Der Peti­tion­sauss­chuss fordert die Lan­desregierung auf, die kom­mu­nal­rechtlichen Regelun­gen zu über­prüfen, die im Stre­it um das Bau­vorhaben am Kran­weg eine Rolle spie­len.
  • Der Stre­it: Am Schw­er­iner Ziegelsee sollen 166 Woh­nun­gen entste­hen. Kri­tik­er bemän­geln Abwe­ichun­gen vom Bebau­ungs­plan und die gerin­gen Ein­flussmöglichkeit­en der Stadtvertre­tung.
  • Die Reak­tio­nen: Grüne und Linke sehen weit­eren Hand­lungs­be­darf, SPD und AfD wollen zunächst berat­en. Unab­hängige Bürger/FDP lehnen eine Änderung des Bebau­ungs­plans derzeit ab.

 

Der Stre­it um den geplanten Wohnkom­plex am Kran­weg hat inzwis­chen eine grund­sät­zliche poli­tis­che und rechtliche Debat­te aus­gelöst. Der Peti­tion­sauss­chuss des Land­tages hat die Lan­desregierung aufge­fordert, die kom­mu­nal­rechtlichen Regelun­gen zu über­prüfen, die bei dem umstrit­te­nen Bau­vorhaben eine entschei­dende Rolle spie­len. Hin­ter­grund ist eine ungewöhn­liche rechtliche Kon­stel­la­tion: Die Schw­er­iner Stadtvertre­tung hat­te sich gegen das Bau­vorhaben aus­ge­sprochen, weil der geplante Wohnkom­plex in mehreren Punk­ten vom gel­tenden Bebau­ungs­plan abwe­icht. Der dama­lige Ober­bürg­er­meis­ter Rico Baden­schi­er (SPD) wider­sprach dem Beschluss jedoch in sein­er Funk­tion als Ver­wal­tungschef.

Nach bish­eriger Recht­sauf­fas­sung durfte die Stadtvertre­tung über die konkrete Bauan­frage gar nicht entschei­den. Denn während das Kom­mu­nal­par­la­ment die Inter­essen der Gemeinde ver­tritt, nimmt die Schw­er­iner Stadtver­wal­tung als untere Bauauf­sichts­be­hörde zugle­ich Auf­gaben der Kreisebene wahr. Diese ist bei Entschei­dun­gen über Bauanträge an das gel­tende Bau­recht gebun­den. Der Peti­tion­sauss­chuss sieht in dieser Kon­struk­tion nun grund­sät­zlichen Prü­fungs­be­darf. Die Lan­desregierung soll klären, ob die kom­mu­nal­rechtlichen Regelun­gen geän­dert wer­den müssen. Betrof­fen ist nicht nur Schw­erin. Eine ver­gle­ich­bare Kon­stel­la­tion gibt es auch in den anderen kre­is­freien und großen kreisange­höri­gen Städten des Lan­des.

Für das konkrete Bau­vorhaben am Kran­weg kön­nte eine mögliche Geset­zesän­derung allerd­ings zu spät kom­men. Nach Ein­schätzung des Peti­tion­sauss­chussvor­sitzen­den Thomas Krüger (SPD) wäre eine Neuregelung früh­estens Ende des Jahres möglich und würde nicht rück­wirk­end gel­ten. Krüger hat­te zugle­ich auf eine weit­ere Möglichkeit hingewiesen: Die Schw­er­iner Stadtvertre­tung kön­nte selb­st ver­suchen, über eine Änderung oder Aufhe­bung des Bebau­ungs­plans Ein­fluss auf die weit­ere Entwick­lung am Kran­weg zu nehmen.

Damit stellt sich nach der Entschei­dung des Peti­tion­sauss­chuss­es eine entschei­dende Frage: Wird die Schw­er­iner Stadt­poli­tik nach der Som­mer­pause selb­st aktiv?

Grüne sehen bisherige Haltung bestätigt

Die Grü­nen begrüßen die Entschei­dung des Peti­tion­sauss­chuss­es aus­drück­lich. Die Frak­tion sieht sich in ihrer bish­eri­gen Posi­tion zum Bau­vorhaben bestätigt. „Wie bere­its die Stadtvertre­tung spricht sich nun auch der Peti­tion­sauss­chuss dafür aus, dass der im demokratis­chen Dia­log zwis­chen Anwohner­in­nen und Anwohn­ern, Ver­wal­tung und Vorhaben­träger entwick­elte Bebau­ungs­plan einge­hal­ten wer­den sollte“, erk­lärt die Frak­tion auf SNO-Anfrage.

Aus Sicht der Grü­nen zeigt der Fall, dass die Ein­flussmöglichkeit­en der Kom­mu­nalpoli­tik über­prüft wer­den müssen. Auch nach Inkraft­treten eines Bebau­ungs­plans müsse die Stadt­poli­tik ein­greifen kön­nen, wenn ein konkretes Vorhaben die zuvor gefun­de­nen Kom­pro­misse mis­sachte oder deren Ziele unter­laufe. Dabei betont die Frak­tion, dass es ihr nicht darum gehe, den Bau von Woh­nun­gen am Kran­weg grund­sät­zlich zu ver­hin­dern. Ziel sei vielmehr, die Vere­in­barun­gen einzuhal­ten, die im Bebau­ungs­plan fest­geschrieben wur­den.

Die Grü­nen prüfen nach eige­nen Angaben weit­er­hin die poli­tis­chen und rechtlichen Möglichkeit­en. Dazu ste­he die Frak­tion regelmäßig mit der Bürg­erini­tia­tive im Aus­tausch.

SPD hält Änderung des Bebauungsplans für wenig hilfreich

Zurück­hal­tender reagiert die SPD-Frak­tion. Eine abschließende Beratung über die Entschei­dung des Peti­tion­sauss­chuss­es habe inner­halb der Frak­tion noch nicht stattge­fun­den. Die Sozialdemokrat­en ver­weisen darauf, dass eine Änderung des Bebau­ungs­plans nur Auswirkun­gen auf zukün­ftige Bauanträge hätte. Bere­its erteilte Genehmi­gun­gen blieben davon unberührt.

Zudem gebe es am Ziegelin­nensee kaum noch rel­e­vante Baulück­en. Eine Änderung des Bebau­ungs­plans sei deshalb „augen­schein­lich nicht hil­fre­ich“, heißt es aus der Frak­tion. Hinzu komme, dass entsprechende Änderungsver­fahren in der Regel etwa zwei Jahre dauerten. Nach der Som­mer­pause will sich die SPD erneut mit dem Hin­weis des Peti­tion­sauss­chuss­es befassen und über das weit­ere Vorge­hen berat­en.

AfD begrüßt Prüfung der gesetzlichen Regelungen

Auch die AfD sieht durch den Fall Kran­weg grund­sät­zlichen Änderungs­be­darf. Dass die Zuständigkeit­en bei Bauanträ­gen in kre­is­freien Städten über­prüft wer­den sollen, sei „auf jeden Fall sehr zu begrüßen“, sagt Frak­tionsvor­sitzende Petra Fed­er­au auf SNO-Anfrage. Die Diskus­sio­nen um den Kran­weg hät­ten gezeigt, dass eine „geset­zliche Schieflage“ beste­he, wenn die Stadtvertre­tung bei Entschei­dun­gen der Ver­wal­tung über Befreiun­gen von Bebau­ungsplä­nen kein Ein­spruch­srecht habe.

 


Darum geht es beim Streit um den Kranweg

Seit mehreren Jahren klafft neben dem denkmalgeschützten Spe­ich­er-Hotel am Schw­er­iner Ziegelsee eine große Bau­grube. Nach­dem der erste Pro­jek­ten­twick­ler Insol­venz angemeldet hat­te, über­nahm die Bau­fir­ma HTG aus Gade­busch das Vorhaben. Geplant ist ein Wohnkom­plex mit Miet- und Eigen­tumswoh­nun­gen.

Ursprünglich soll­ten rund 200 Woh­nun­gen entste­hen. Nach Kri­tik von Anwohn­ern und ein­er Bürg­erini­tia­tive reduzierte HTG die Zahl auf 166 Woh­nun­gen und strich ein Stock­w­erk aus den Pla­nun­gen. Umstrit­ten bleibt das Pro­jekt den­noch. Das benach­barte Spe­ich­er-Hotel befürchtet wirtschaftliche Nachteile durch den Neubau, Anwohn­er war­nen vor ein­er zusät­zlichen Belas­tung der Infra­struk­tur. Zudem weicht das Vorhaben in mehreren Punk­ten vom gel­tenden Bebau­ungs­plan ab.


 

Einen Wider­spruch zwis­chen der bish­eri­gen Recht­sauf­fas­sung der Schw­er­iner Stadtver­wal­tung und des Innen­min­is­teri­ums auf der einen sowie der Entschei­dung des Peti­tion­sauss­chuss­es auf der anderen Seite sieht die AfD allerd­ings nicht. Stadt und Innen­min­is­teri­um hät­ten sich an die gel­tende Recht­slage gehal­ten. Das eigentliche Prob­lem liege in den geset­zlichen Regelun­gen selb­st, durch die Kom­mu­nalvertre­tun­gen kre­is­freier Städte bei Entschei­dun­gen über Bauanträge und Aus­nah­men von Bebau­ungsplä­nen „qua­si ent­machtet“ wür­den.

Kri­tik übt die AfD jedoch am Umgang der Ver­wal­tung mit den Ein­wän­den gegen das Bau­vorhaben. Diese seien bei der Entschei­dung über die beantragten Abwe­ichun­gen vom Bebau­ungs­plan nicht aus­re­ichend berück­sichtigt wor­den. Ob die Frak­tion nach der Som­mer­pause eine poli­tis­che Ini­tia­tive unter­stützen wird, ist noch offen. Es beste­he Beratungs­be­darf. „Mit purem Aktion­is­mus ist in dieser Angele­gen­heit auch nie­man­dem geholfen“, so Fed­er­au.

Unabhängige Bürger/FDP sehen keinen Anlass zum Eingreifen

Deut­lich anders fällt die Bew­er­tung der Frak­tion Unab­hängige Bürger/FDP aus. Sie sieht derzeit keinen Grund, ihre bish­erige Hal­tung zum Pro­jekt zu ändern. „Für uns gilt weit­er­hin: Entschei­dun­gen müssen auf der Grund­lage des gel­tenden Rechts getrof­fen wer­den, und an die geset­zlichen Vor­gaben haben sich alle Beteiligten zu hal­ten“, erk­lärt die Frak­tion.

Die seit Jahren beste­hende Baulücke am Ziegelsee sei städte­baulich unbe­friedi­gend und solle sin­nvoll entwick­elt wer­den. Eine Änderung oder Aufhe­bung des Bebau­ungs­plans hält die Frak­tion derzeit nicht für zielführend. Ob nach der Som­mer­pause weit­er­er poli­tis­ch­er Hand­lungs­be­darf beste­he, solle zunächst intern berat­en wer­den. Aktuell sehe die Frak­tion dafür jedoch keine Ver­an­las­sung.

Linke sehen Signal für kommunale Selbstverwaltung

Die Linke bew­ertet die Entschei­dung des Peti­tion­sauss­chuss­es dage­gen als Zeichen dafür, dass die Diskus­sion um das Bau­vorhaben rechtlich noch nicht been­det ist. „Die Entschei­dung des Peti­tion­sauss­chuss­es zeigt, dass die rechtliche Bew­er­tung des Bau­vorhabens am Kran­weg keineswegs abschließend gek­lärt ist“, so Frak­tionsvor­sitzen­der Gerd Böttger gegenüber SNO.

Dass die Lan­desregierung nun die kom­mu­nal­rechtlichen Regelun­gen über­prüfen soll, unter­stre­iche den beste­hen­den Klärungs­be­darf. Sollte sich her­ausstellen, dass die Stadtvertre­tung weit­er­hin Ein­fluss auf das Ver­fahren nehmen könne, wäre dies aus Sicht der Linken ein wichtiges Sig­nal für die kom­mu­nale Selb­stver­wal­tung und die Rechte der gewählten Stadtvertreter. Die Frak­tion habe von Beginn an deut­lich gemacht, dass ein der­art umstrittenes Bau­vorhaben nicht auss­chließlich ver­wal­tungsrechtlich betra­chtet wer­den dürfe. Es gebe auch eine poli­tis­che Ver­ant­wor­tung gegenüber der Bürg­erini­tia­tive.

Nach der Som­mer­pause will die Linke die Bew­er­tung der Lan­desregierung und mögliche rechtliche Kon­se­quen­zen abwarten. Soll­ten sich weit­ere Hand­lungsmöglichkeit­en ergeben, will die Frak­tion entsprechende Ini­tia­tiv­en prüfen und unter­stützen.

Keine Mehrheit für schnelles Vorgehen erkennbar

Damit zeich­net sich vor der Som­mer­pause keine gemein­same Ini­tia­tive der Schw­er­iner Stadt­poli­tik ab. Zwar sehen Grüne, Linke und AfD grund­sät­zlichen Klärungs­be­darf bei den Ein­flussmöglichkeit­en der Stadtvertre­tung. Über konkrete Schritte herrscht jedoch Uneinigkeit. Die SPD will zunächst weit­er berat­en. Die AfD ver­weist auf offene rechtliche Fra­gen. Unab­hängige Bürger/FDP sehen derzeit keinen Hand­lungs­be­darf.

Für die Bürg­erini­tia­tive gegen das Bau­vorhaben dürfte das eine ernüchternde Nachricht sein. Denn während die Lan­desregierung die vom Peti­tion­sauss­chuss aufge­wor­fe­nen kom­mu­nal­rechtlichen Fra­gen prüfen soll, laufen die Pla­nun­gen für den Wohnkom­plex weit­er.

Für das Pro­jekt mit 166 Woh­nun­gen liegt nach Angaben der Stadt bere­its ein Bau­vorbescheid vor. Der eigentliche Bauantrag wurde bis­lang noch nicht gestellt. Die zuständi­ge Bau­fir­ma HTG hat­te angekündigt, noch in diesem Jahr mit den Arbeit­en begin­nen zu wollen. Ob die Stadtvertre­tung nach der Som­mer­pause noch ein­mal ver­sucht, Ein­fluss auf das umstrit­tene Pro­jekt zu nehmen, bleibt damit offen. Klar ist bis­lang nur: Der Stre­it um den Kran­weg ist poli­tisch noch nicht been­det.