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Kunsthaus Lübz:
Acht Handschriften, ein Treffpunkt – Kunst erzeugt Präsenz

Acht Kunstschaffende aus sechs Ländern, Workshops und viel Raum für Begegnungen: „Treffpunkt Kunsthaus Lübz“ zeigte, wie unterschiedlich Kunst Präsenz erzeugen kann.

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  • Veröffentlicht September 22, 2026
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Kun­st im Dia­log: Im Kun­sthaus Lübz kamen während der Ausstel­lung „Tre­ff­punkt Kun­sthaus Lübz“ unter­schiedliche kün­st­lerische Posi­tio­nen und der direk­te Aus­tausch über die Arbeit­en zusam­men.
Foto: Ste­fan Rochow

 

Acht Kün­st­lerin­nen und Kün­stler aus sechs europäis­chen Län­dern, unter­schiedliche Biografien und eben­so unter­schiedliche kün­st­lerische Hand­schriften: Mit „Tre­ff­punkt Kun­sthaus Lübz“ ist eine Ausstel­lung zu Ende gegan­gen, die ver­schiedene For­men kün­st­lerischen Arbeit­ens zusam­men­führte.

Ver­e­na Scholz, Clau­dia Maria Ammann, Mag­da Jarząbek, Alja Piry, Jacek Kar­low­icz, Ellen Kar­low­icz Rishovd, Edith Spi­ra und Anke Zürn waren daran beteiligt. Arbeit­en auf Papi­er und Lein­wand standen neben Instal­la­tio­nen, hinzu kamen Video- und Lichtkun­st. Für einige Wochen wurde das Kun­sthaus damit zu einem Ort, an dem nicht nur Werke gezeigt wur­den, son­dern auch kün­st­lerisch­er Aus­tausch stat­tfand.

Die Ausstel­lung war Teil der LUPINALE 2026. Das regionale For­mat verbindet Kun­st- und Kul­tur­orte in Süd­west­meck­len­burg zwis­chen Elbauen und Seen­plat­te und ste­ht in diesem Jahr unter dem Titel „Zeit­en­wende: Umbrüche und Licht­blicke“. In Lübz bekam dieser größere Rah­men eine eigene Aus­prä­gung: Die Beteiligten wur­den nicht auf ein gemein­sames Ausstel­lungs­the­ma verpflichtet.

Kunst erzeugt Präsenz

Während der gemein­samen Auf­bauzeit ent­stand unter den Beteiligten ein Satz, der etwas von dem auf den Punkt brachte, was im Kun­sthaus geschah: „Kun­st erzeugt Präsenz.“

Ein Gang durch die Räume zeigte, wie unter­schiedlich diese Präsenz entste­hen kon­nte. Ger­ahmte Arbeit­en grif­f­en Risse, Spuren und unregelmäßige Ober­flächen auf. An ander­er Stelle bedeck­ten zahlre­iche kle­in­for­matige, far­bige Muster fast eine ganze Wand. Kräftige schwarze Arbeit­en standen neben ein­er Werk­gruppe aus dun­klen Blät­tern mit hellen, organ­isch wirk­enden Struk­turen. Ein groß­for­matiges Bild set­zte mit zurück­hal­tenden Far­ben und freien Lin­ien einen anderen Akzent.

 


Galerie „Treffpunkt Kunsthaus Lübz”

 

 


 

Andere Arbeit­en bezo­gen den Raum unmit­tel­bar ein. Far­bige geometrische Ele­mente verteil­ten sich über eine Wand, während schwarze For­men an ander­er Stelle in ein­er Rei­he auf die Architek­tur reagierten. Eine Instal­la­tion aus zahlre­ichen her­ab­hän­gen­den Fäden set­zte sich optisch in ein­er spiegel­nden Fläche fort. Auch Schrift wurde zum Gestal­tungsmit­tel: Englis­che Sätze ver­liefen auf einzel­nen Blät­tern nicht in gewöhn­lichen Zeilen, son­dern bilde­ten durch ihre Anord­nung eigene For­men.

Farbe traf auf Schwarz-Weiß, geometrische Ord­nung auf freie Lin­ien und Spuren, klein­teilige Rei­hun­gen auf groß­for­matige Arbeit­en, Fläche auf räum­liche Instal­la­tion. Dabei blieb das Kun­sthaus selb­st sicht­bar. Seine rauen Wände, freigelegten Schicht­en und Gebrauchsspuren bilde­ten keinen neu­tralen Hin­ter­grund. Manche Arbeit­en set­zten sich deut­lich davon ab, andere gin­gen optisch eine Verbindung mit den vorhan­de­nen Ober­flächen ein.

Von der Bildhauerei zur Begegnung

Ini­ti­iert wurde „Tre­ff­punkt Kun­sthaus Lübz“ von Clau­dia Maria Ammann. Die 1954 in Zürich geborene Kün­st­lerin lebt in Meck­len­burg und arbeit­et seit Jahrzehn­ten mit Stein. Sie studierte an der Hochschule für bildende Kün­ste Berlin und war Meis­ter­schü­lerin von Joachim Schmettau und Mako­to Fuji­wara. Mit Lübz ist sie schon länger ver­bun­den: Bere­its 2003 ent­stand eine Arbeit für den Burggarten, 2019 war sie beim Mathe-Fam­i­lien-Fest in der Stadt vertreten.

Ammanns Blick auf das Pro­jekt kommt aus der eige­nen kün­st­lerischen Prax­is. Über Jahrzehnte ent­stand zugle­ich ein inter­na­tionales Net­zw­erk. Einige der Verbindun­gen, die schließlich nach Lübz führten, reichen weit zurück: Kün­st­lerin­nen und Kün­stler lernte Ammann bei früheren Pro­jek­ten ken­nen, weit­ere Kon­tak­te ent­standen über gemein­same Kol­le­gen.

Für die Ausstel­lung wollte sie den Beteiligten möglichst wenig vorgeben. „Wir haben halt kein The­ma gehabt, son­dern ‚Tre­ff­punkt Kun­sthaus‘“, sagt Ammann im Gespräch.

Kunst braucht nicht immer ein Motto

Dahin­ter ste­ht eine Hal­tung zur kün­st­lerischen Arbeit. Kün­st­lerin­nen und Kün­stler begin­nen nicht mit jed­er Ausstel­lung bei null. Fragestel­lun­gen entwick­eln sich häu­fig über Jahre, manch­mal über ein ganzes Kün­stler­leben.

„Man arbeit­et immer an einem The­ma. Wenn man beru­flich immer dran­bleibt, entwick­elt sich ein The­ma“, sagt Ammann. Ein zusät­zlich geset­ztes Ausstel­lungs­the­ma könne davon eher ablenken. Die Arbeit­en in Lübz mussten deshalb wed­er eine gemein­same Botschaft erzeu­gen noch einan­der illus­tri­eren.

„Ver­schieden­heit­en sind so wertvoll“, sagt Ammann. Sie spricht von der „Vielfalt und Fein­heit der einzel­nen Men­schen“ und davon, wie diese „nebeneinan­der, miteinan­der“ beste­hen kön­nen. Für die Ausstel­lung bedeutete das vor allem, den Beteiligten Raum für ihre bere­its entwick­el­ten kün­st­lerischen Arbeit­en zu geben.

Kunst als Prozess

Zum Konzept gehörte auch, einzelne Arbeitsweisen für Besuch­er zu öff­nen. Beim Aktion­stag „Kun­st erleben“ beschäftigte sich Ellen Kar­low­icz Rishovd im Lübz­er Burggarten unter dem Titel „Cam­ou­flage“ mit Wahrnehmung und Umge­bung. Mag­da Jarząbek lud bei „Finde Dein Muster“ dazu ein, Struk­turen zu ent­deck­en. Anke Zürn exper­i­men­tierte mit Eisen­gal­lustinte. Edith Spi­ra und Alja Piry kamen bei einem Kün­st­lerge­spräch mit dem Pub­likum ins Gespräch.

Damit wurde neben den aus­gestell­ten Arbeit­en auch sicht­bar, dass Kun­st ein Prozess des Beobacht­ens, Aus­pro­bierens und Entschei­dens ist.

Licht verändert den Blick

Beson­ders unmit­tel­bar ließ sich das beim Exper­i­men­tieren mit Licht erfahren. Beim Work­shop am Sam­stag arbeit­eten die Teil­nehmer mit unter­schiedlichen Gegen­stän­den und Mate­ri­alien, verän­derten deren Posi­tion, bewegten die Lichtquellen und beobachteten die entste­hen­den Pro­jek­tio­nen. Schat­ten wan­derten, Kon­turen ver­schoben sich, For­men über­lagerten sich oder ver­schwan­den wieder.

Licht diente dabei nicht allein dazu, etwas sicht­bar zu machen, son­dern wurde selb­st zum gestal­ter­ischen Mit­tel. Je nach Beleuch­tung und Anord­nung kon­nte der­selbe Gegen­stand anders erscheinen.

Für Clau­dia Maria Ammann und Ver­e­na Scholz knüpft dieses Spiel mit Licht und Wahrnehmung an eine gemein­same kün­st­lerische Arbeit an. Seit 2017 beschäfti­gen sich die Stein­bild­hauerin und die Videokün­st­lerin im Pro­jekt „Licht und Stein“ mit dem Zusam­men­spiel von Licht, Pro­jek­tion und Mate­r­i­al. Präsen­ta­tio­nen gab es unter anderem in Nor­we­gen, Kiel und Meck­len­burg-Vor­pom­mern.

Im Work­shop wurde dieser Ansatz auf unter­schiedliche Mate­ri­alien über­tra­gen. Die Teil­nehmer kon­nten selb­st erproben, wie Licht, Posi­tion und Per­spek­tive die Wahrnehmung verän­dern.

Entscheidend ist die Begegnung

Für Ammann bemisst sich die Wirkung ein­er solchen Ausstel­lung nicht allein daran, wie viele Men­schen den Weg ins Kun­sthaus find­en. Sie schätzt ein Pub­likum, das sich Zeit nimmt, genauer hin­schaut und ins Gespräch kommt – Men­schen, die „fra­gen oder wis­sen wollen“, wie sie es for­muliert.

Die über­schaubare Größe des Kun­sthaus­es bot dafür einen beson­deren Rah­men. Die Kün­stler waren als Gesprächspart­ner präsent, bei den Work­shops ent­standen direk­te Kon­tak­te.

Raum für das Ungeplante

Nicht alles ließ sich pla­nen. Ammann erin­nert sich an eine spon­tane Per­for­mance während der Ausstel­lungswochen. Aus einem Besuch entwick­elte sich kurzfristig der Vor­trag eines lan­gen Gedichts der dänis­chen Schrift­stel­lerin Inger Chris­tensen. „Es war wun­der­schön“, sagt sie.

Ger­ade solche Momente gehörten zum Charak­ter der Ausstel­lung. Sie ent­standen aus der Sit­u­a­tion her­aus und erweit­erten das zuvor geplante Pro­gramm.

Ein Haus, das Menschen tragen

Hin­ter dem Kun­sthaus Lübz ste­ht zugle­ich ein Team, das sich ehre­namtlich engagiert und dazu beiträgt, dass Ausstel­lun­gen, Work­shops und Ver­anstal­tun­gen stat­tfind­en kön­nen.

Dieses Engage­ment bleibt für Besuch­er leicht im Hin­ter­grund, ist für einen Kun­stort wie diesen aber wesentlich. Kün­st­lerische Arbeit braucht nicht nur Räume, son­dern auch Men­schen, die Zeit und Ver­ant­wor­tung übernehmen. Das gilt beson­ders für Häuser abseits der großen Kul­turzen­tren, die einen kon­tinuier­lichen Ausstel­lungs­be­trieb nicht allein mit haup­tamtlichen Struk­turen tra­gen kön­nen.

„Wie kann dieses Haus lebendig werden?“

Damit bekommt eine Frage, die Ammann über die einzelne Ausstel­lung hin­aus beschäftigt, zusät­zlich­es Gewicht.

„Was kann man machen, damit dieses Haus lebendig wird?“, fragt sie im Gespräch. Während der Ausstel­lungswochen sei es im Inneren lebendig gewe­sen. Die weit­erge­hende Her­aus­forderung sieht sie darin, diese Energie stärk­er nach außen wirken zu lassen.

Hier berührt sich die Lübz­er Ausstel­lung mit dem größeren Rah­men der LUPINALE, die Kun­st an unter­schiedlichen Orten sicht­bar machen und miteinan­der ver­net­zen will.

Die Ausstel­lung ist inzwis­chen been­det. Für einige Wochen kamen im Kun­sthaus acht kün­st­lerische Posi­tio­nen, Work­shops, Gespräche und auch unge­plante Momente zusam­men. Der Satz aus den gemein­samen Auf­bau­ta­gen fasst diese Erfahrung vielle­icht am knapp­sten: Kun­st erzeugt Präsenz.