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Baubeginn für neue Wohnungen:
So soll das ehemalige Kurhaus in Zippendorf künftig aussehen

Am ehemaligen Kurhaus in Zippendorf haben die Bauarbeiten begonnen. Entwürfe zeigen jetzt, wie das denkmalgeschützte Gebäude und das neue Wohnquartier mit insgesamt 79 Mietwohnungen einmal aussehen sollen.

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  • Veröffentlicht August 6, 2026
Kurhaus Zippendorf
Am ehe­ma­li­gen Kurhaus in Zip­pen­dorf begin­nt der Bau. Foto: Dario Rochow

 


In Kürze:

  • Der Hin­ter­grund: Das ehe­ma­lige Kurhaus in Zip­pen­dorf ste­ht seit Anfang der 1990er-Jahre leer. Mehrere Inve­storen und Nutzungskonzepte scheit­erten, das denkmalgeschützte Gebäude ver­fiel über Jahrzehnte.
  • Die Entwick­lung: Inzwis­chen haben die Bauar­beit­en begonnen. Das Kurhaus soll saniert und gemein­sam mit drei Parkvillen zu einem Wohn­quarti­er mit ins­ge­samt 79 Miet­woh­nun­gen umge­baut wer­den.
  • Der Aus­blick: Die Entwürfe zeigen, wie das Gelände kün­ftig ausse­hen soll. Nach derzeit­iger Pla­nung sollen die ersten Woh­nun­gen früh­estens 2028 bezugs­fer­tig sein.

 

Das ehe­ma­lige Kurhaus in Schw­erin-Zip­pen­dorf gehört seit Jahren zu Schw­erins bekan­ntestem Lost Place. Gen­er­a­tio­nen von Schw­er­inern ken­nen das Gebäude an der Criv­itzer Chaussee als ver­fal­l­ene Ruine, die hin­ter Bäu­men ver­bor­gen auf ihre Zukun­ft wartet. Nach­dem auf dem Grund­stück inzwis­chen die ersten Bauar­beit­en begonnen haben, richtet sich der Blick nun darauf, wie sich das Are­al in den kom­menden Jahren verän­dern soll. Entwürfe des Pro­jek­ts zeigen, wie das denkmalgeschützte Kurhaus nach sein­er Sanierung ausse­hen kön­nte und wie die geplanten Neubaut­en in das Gelände einge­bun­den wer­den sollen.

Vorge­se­hen ist, das his­torische Gebäude zu erhal­ten und zu einem Wohn­haus umzubauen. Ergänzt wird es durch drei soge­nan­nte Parkvillen. Ins­ge­samt sollen nach den bish­eri­gen Pla­nun­gen 79 Miet­woh­nun­gen entste­hen. Der Pro­jek­t­name lautet „Han­nah-Luisen-Park”. Nach Angaben des Pro­jek­t­trägers ist Wohn­raum im gehobe­nen Stan­dard vorge­se­hen. Aus­sagen zur späteren Miethöhe gibt es bis­lang nicht. Die Visu­al­isierun­gen zeigen ein Quarti­er, in dem das ehe­ma­lige Kurhaus weit­er­hin den Mit­telpunkt bildet. Die his­torische Fas­sade bleibt in ihren prä­gen­den Grundzü­gen erhal­ten. Dahin­ter und seitlich des Alt­baus entste­hen mod­erne Wohnge­bäude. Wege, Grün­flächen und der vorhan­dene Baumbe­stand sollen das Ensem­ble ergänzen.

Ein Hotel für den aufstrebenden Badeort

Dass das Gebäude heute noch ste­ht, ist keineswegs selb­stver­ständlich. Errichtet wurde das Kurhaus im Jahr 1910. Damals sollte sich Zip­pen­dorf zu einem Luft- und Erhol­ung­sort entwick­eln. Gemein­sam mit dem Strand­ho­tel ent­stand ober­halb des Schw­er­iner Sees ein Hotel, das Gäste aus ganz Nord­deutsch­land anziehen sollte. Ent­wor­fen wurde das Gebäude vom Schw­er­iner Architek­ten Paul Korff. Das Kurhaus ver­fügte über mehr als 60 Gästez­im­mer, Gesellschafts- und Lesez­im­mer sowie großzügige Veran­den. Viele Zim­mer besaßen bere­its Balkone oder Log­gien mit Blick ins Grüne. Für die dama­lige Zeit war das ein gehoben­er Stan­dard.

 

Das Kurho­tel in Zip­pen­dorf kurz nach der Ein­wei­hung 1910. Foto: Archiv

 

Doch die Entwick­lung ver­lief anders als erhofft. Bere­its wenige Jahre nach der Eröff­nung unter­brach der Erste Weltkrieg den Kurbe­trieb. In den fol­gen­den Jahrzehn­ten wech­sel­ten Eigen­tümer und Nutzun­gen mehrfach. Wirtschaftlich kon­nte sich das Haus nie dauer­haft etablieren.

Kurt Tucholsky gehörte zu den Gästen

Trotz­dem schrieb das Kurhaus ein Stück Schw­er­iner Geschichte. Zu den bekan­ntesten Gästen zählte der Schrift­steller Kurt Tuchol­sky. Er ver­brachte Anfang der 1920er-Jahre einige Tage in Zip­pen­dorf. Während des Zweit­en Weltkriegs diente das Gebäude zeitweise als Lazarett.

 


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Nach Kriegsende wurde es zunächst als Erhol­ung­sheim genutzt. In der DDR änderte sich die Nutzung erneut. Das ehe­ma­lige Hotel beherbergte unter anderem Sportler des SC Trak­tor Schw­erin und diente später dem Led­er­warenkom­bi­nat Schw­erin-Süd als Inter­nats- und Weit­er­bil­dung­sein­rich­tung. Viele ältere Schw­er­iner verbinden das Haus deshalb weniger mit sein­er Zeit als Hotel als vielmehr mit sein­er Nutzung in der DDR.

Seit der Wende steht das Haus leer

Mit der deutschen Wiedervere­ini­gung begann die wohl schwierig­ste Phase der Geschichte des Gebäudes. Anfang der 1990er-Jahre wurde das ehe­ma­lige Kurhaus aufgegeben. Zwar wur­den zunächst noch Sicherungs­maß­nah­men vorgenom­men, eine neue Nutzung fand sich jedoch nicht. Es fol­gten zahlre­iche Eigen­tümer­wech­sel und eben­so viele Pro­jek­tideen. Im Gespräch waren unter anderem eine Gesund­heit­sakademie, eine Bil­dung­sein­rich­tung sowie ver­schiedene Wohn­pro­jek­te. Mehrfach wur­den Investi­tio­nen angekündigt, ohne dass sie umge­set­zt wur­den.

 

Von der ein­stigten Pracht blieb zum Schluss nicht mehr viel übrig. Foto: Dario Rochow

 

Mit jedem Jahr ver­schlechterte sich der Zus­tand des denkmalgeschützten Haus­es. Fen­ster wur­den zer­stört, Feuchtigkeit drang in das Gebäude ein und Van­dal­is­mus hin­ter­ließ deut­liche Spuren. Gle­ichzeit­ig entwick­elte sich das Kurhaus zu einem der bekan­ntesten soge­nan­nten Lost Places in Meck­len­burg-Vor­pom­mern. Immer wieder zog die Ruine Fotografen und Geschichtsin­ter­essierte an.

Ein Projekt mit langer Vorgeschichte

Auch das aktuelle Vorhaben brauchte mehrere Jahre bis zur Umset­zung. Die Pro­jek­t­ge­sellschaft wurde bere­its 2019 gegrün­det. Anschließend mussten unter anderem die Pla­nun­gen konkretisiert und das Bau­recht angepasst wer­den. Ende 2024 beschloss die Stadtvertre­tung eine Änderung des Bebau­ungs­plans und schuf damit die pla­nungsrechtlichen Voraus­set­zun­gen für das Vorhaben.

 

Quelle: zwei²W­erk-Architek­ten

Inzwis­chen laufen die Vor­bere­itun­gen für die eigentlichen Bauar­beit­en. Nach Angaben der Stadt haben die Inve­storen den Baube­ginn angezeigt. Auf dem Grund­stück sind bere­its Baugeräte im Ein­satz. Bis aus den Entwür­fen ein fer­tiges Wohn­quarti­er wird, wird allerd­ings noch Zeit verge­hen. Nach derzeit­igem Stand sollen die Woh­nun­gen früh­estens 2028 bezugs­fer­tig sein.

Historisches Gebäude bleibt Mittelpunkt

Die Entwürfe lassen erken­nen, dass das ehe­ma­lige Kurhaus auch kün­ftig das prä­gende Gebäude des Are­als bleiben soll. Die Neubaut­en ord­nen sich in ihrer Höhe dem Alt­bau unter und verteilen sich auf dem parkähn­lichen Grund­stück. Ziel ist es, den denkmalgeschützten Bau zu erhal­ten und gle­ichzeit­ig zusät­zlichen Wohn­raum zu schaf­fen.

 

Quelle: zwei²W­erk-Architek­ten

 

Ob das Pro­jekt nun wie geplant umge­set­zt wird, wer­den viele Schw­er­iner aufmerk­sam ver­fol­gen. Zu oft wurde in den ver­gan­genen Jahrzehn­ten ein Neuan­fang angekündigt, ohne dass sich auf dem Gelände etwas tat. Dies­mal ist die Aus­gangslage eine andere: Erst­mals seit langer Zeit beschränken sich die Pläne nicht mehr auf Zeich­nun­gen und Ankündi­gun­gen. Mit den begonnenen Arbeit­en ist die Entwick­lung des ehe­ma­li­gen Kurhaus­es in eine neue Phase einge­treten. Wie das Quarti­er am Ende ausse­hen wird, zeigen heute zunächst die Entwürfe. Ob sie in eini­gen Jahren Real­ität wer­den, wird sich mit dem Fortschritt der Bauar­beit­en zeigen.