Baubeginn für neue Wohnungen:
So soll das ehemalige Kurhaus in Zippendorf künftig aussehen
Am ehemaligen Kurhaus in Zippendorf haben die Bauarbeiten begonnen. Entwürfe zeigen jetzt, wie das denkmalgeschützte Gebäude und das neue Wohnquartier mit insgesamt 79 Mietwohnungen einmal aussehen sollen.

In Kürze:
- Der Hintergrund: Das ehemalige Kurhaus in Zippendorf steht seit Anfang der 1990er-Jahre leer. Mehrere Investoren und Nutzungskonzepte scheiterten, das denkmalgeschützte Gebäude verfiel über Jahrzehnte.
- Die Entwicklung: Inzwischen haben die Bauarbeiten begonnen. Das Kurhaus soll saniert und gemeinsam mit drei Parkvillen zu einem Wohnquartier mit insgesamt 79 Mietwohnungen umgebaut werden.
- Der Ausblick: Die Entwürfe zeigen, wie das Gelände künftig aussehen soll. Nach derzeitiger Planung sollen die ersten Wohnungen frühestens 2028 bezugsfertig sein.
Das ehemalige Kurhaus in Schwerin-Zippendorf gehört seit Jahren zu Schwerins bekanntestem Lost Place. Generationen von Schwerinern kennen das Gebäude an der Crivitzer Chaussee als verfallene Ruine, die hinter Bäumen verborgen auf ihre Zukunft wartet. Nachdem auf dem Grundstück inzwischen die ersten Bauarbeiten begonnen haben, richtet sich der Blick nun darauf, wie sich das Areal in den kommenden Jahren verändern soll. Entwürfe des Projekts zeigen, wie das denkmalgeschützte Kurhaus nach seiner Sanierung aussehen könnte und wie die geplanten Neubauten in das Gelände eingebunden werden sollen.
Vorgesehen ist, das historische Gebäude zu erhalten und zu einem Wohnhaus umzubauen. Ergänzt wird es durch drei sogenannte Parkvillen. Insgesamt sollen nach den bisherigen Planungen 79 Mietwohnungen entstehen. Der Projektname lautet „Hannah-Luisen-Park”. Nach Angaben des Projektträgers ist Wohnraum im gehobenen Standard vorgesehen. Aussagen zur späteren Miethöhe gibt es bislang nicht. Die Visualisierungen zeigen ein Quartier, in dem das ehemalige Kurhaus weiterhin den Mittelpunkt bildet. Die historische Fassade bleibt in ihren prägenden Grundzügen erhalten. Dahinter und seitlich des Altbaus entstehen moderne Wohngebäude. Wege, Grünflächen und der vorhandene Baumbestand sollen das Ensemble ergänzen.
Ein Hotel für den aufstrebenden Badeort
Dass das Gebäude heute noch steht, ist keineswegs selbstverständlich. Errichtet wurde das Kurhaus im Jahr 1910. Damals sollte sich Zippendorf zu einem Luft- und Erholungsort entwickeln. Gemeinsam mit dem Strandhotel entstand oberhalb des Schweriner Sees ein Hotel, das Gäste aus ganz Norddeutschland anziehen sollte. Entworfen wurde das Gebäude vom Schweriner Architekten Paul Korff. Das Kurhaus verfügte über mehr als 60 Gästezimmer, Gesellschafts- und Lesezimmer sowie großzügige Veranden. Viele Zimmer besaßen bereits Balkone oder Loggien mit Blick ins Grüne. Für die damalige Zeit war das ein gehobener Standard.

Doch die Entwicklung verlief anders als erhofft. Bereits wenige Jahre nach der Eröffnung unterbrach der Erste Weltkrieg den Kurbetrieb. In den folgenden Jahrzehnten wechselten Eigentümer und Nutzungen mehrfach. Wirtschaftlich konnte sich das Haus nie dauerhaft etablieren.
Kurt Tucholsky gehörte zu den Gästen
Trotzdem schrieb das Kurhaus ein Stück Schweriner Geschichte. Zu den bekanntesten Gästen zählte der Schriftsteller Kurt Tucholsky. Er verbrachte Anfang der 1920er-Jahre einige Tage in Zippendorf. Während des Zweiten Weltkriegs diente das Gebäude zeitweise als Lazarett.
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Nach Kriegsende wurde es zunächst als Erholungsheim genutzt. In der DDR änderte sich die Nutzung erneut. Das ehemalige Hotel beherbergte unter anderem Sportler des SC Traktor Schwerin und diente später dem Lederwarenkombinat Schwerin-Süd als Internats- und Weiterbildungseinrichtung. Viele ältere Schweriner verbinden das Haus deshalb weniger mit seiner Zeit als Hotel als vielmehr mit seiner Nutzung in der DDR.
Seit der Wende steht das Haus leer
Mit der deutschen Wiedervereinigung begann die wohl schwierigste Phase der Geschichte des Gebäudes. Anfang der 1990er-Jahre wurde das ehemalige Kurhaus aufgegeben. Zwar wurden zunächst noch Sicherungsmaßnahmen vorgenommen, eine neue Nutzung fand sich jedoch nicht. Es folgten zahlreiche Eigentümerwechsel und ebenso viele Projektideen. Im Gespräch waren unter anderem eine Gesundheitsakademie, eine Bildungseinrichtung sowie verschiedene Wohnprojekte. Mehrfach wurden Investitionen angekündigt, ohne dass sie umgesetzt wurden.

Mit jedem Jahr verschlechterte sich der Zustand des denkmalgeschützten Hauses. Fenster wurden zerstört, Feuchtigkeit drang in das Gebäude ein und Vandalismus hinterließ deutliche Spuren. Gleichzeitig entwickelte sich das Kurhaus zu einem der bekanntesten sogenannten Lost Places in Mecklenburg-Vorpommern. Immer wieder zog die Ruine Fotografen und Geschichtsinteressierte an.
Ein Projekt mit langer Vorgeschichte
Auch das aktuelle Vorhaben brauchte mehrere Jahre bis zur Umsetzung. Die Projektgesellschaft wurde bereits 2019 gegründet. Anschließend mussten unter anderem die Planungen konkretisiert und das Baurecht angepasst werden. Ende 2024 beschloss die Stadtvertretung eine Änderung des Bebauungsplans und schuf damit die planungsrechtlichen Voraussetzungen für das Vorhaben.

Inzwischen laufen die Vorbereitungen für die eigentlichen Bauarbeiten. Nach Angaben der Stadt haben die Investoren den Baubeginn angezeigt. Auf dem Grundstück sind bereits Baugeräte im Einsatz. Bis aus den Entwürfen ein fertiges Wohnquartier wird, wird allerdings noch Zeit vergehen. Nach derzeitigem Stand sollen die Wohnungen frühestens 2028 bezugsfertig sein.
Historisches Gebäude bleibt Mittelpunkt
Die Entwürfe lassen erkennen, dass das ehemalige Kurhaus auch künftig das prägende Gebäude des Areals bleiben soll. Die Neubauten ordnen sich in ihrer Höhe dem Altbau unter und verteilen sich auf dem parkähnlichen Grundstück. Ziel ist es, den denkmalgeschützten Bau zu erhalten und gleichzeitig zusätzlichen Wohnraum zu schaffen.

Ob das Projekt nun wie geplant umgesetzt wird, werden viele Schweriner aufmerksam verfolgen. Zu oft wurde in den vergangenen Jahrzehnten ein Neuanfang angekündigt, ohne dass sich auf dem Gelände etwas tat. Diesmal ist die Ausgangslage eine andere: Erstmals seit langer Zeit beschränken sich die Pläne nicht mehr auf Zeichnungen und Ankündigungen. Mit den begonnenen Arbeiten ist die Entwicklung des ehemaligen Kurhauses in eine neue Phase eingetreten. Wie das Quartier am Ende aussehen wird, zeigen heute zunächst die Entwürfe. Ob sie in einigen Jahren Realität werden, wird sich mit dem Fortschritt der Bauarbeiten zeigen.




