Oberbürgermeisterwahl in Schwerin:
Lars Schubert: „Schwerin braucht eine Kehrtwende mit Vernunft“
Lars Schubert wirbt für einen wirtschaftlichen Kurswechsel in Schwerin: weniger Verwaltung, mehr Wohnungsbau, klare Prioritäten im Haushalt und eine Stadtentwicklung, die Wirtschaft, Kultur und Lebensqualität zusammendenkt.

SNO hat mit Lars Schubert, Oberbürgermeisterkandidat für Schwerin, über seine Pläne für die Zukunft der Landeshauptstadt gesprochen. Im Interview erklärt er, warum er für einen wirtschaftlichen Kurswechsel wirbt, wie er Schwerin als Standort stärken will und weshalb für ihn Themen wie Verwaltung, Wohnungsbau, Stadtentwicklung und Kultur nur im Zusammenhang gedacht werden können.
SNO: Herr Schubert, Sie sind Kandidat bei der Oberbürgermeisterwahl 2026 für Schwerin. Warum diese Stadt und warum Ihre Agenda?
Lars Schubert: Schwerin ist meine Heimatstadt, sie liegt mir unglaublich am Herzen. Die Natur, die Landschaft, die Menschen und letztendlich auch meine prägenden Kindheits- und Jugenderfahrungen verbinden mich mit Schwerin wirklich zutiefst. Das merkt man besonders dann, wenn man Schwerin einmal verlässt und merkt, was einem dann eigentlich entgeht. Ich werbe für Schwerin auch überall, wo ich bin, immer wieder bei Freunden und Bekannten, die Stadt zu besuchen und sich ihre Schönheit anzuschauen. Das haben viele Menschen noch gar nicht getan. Und das erklärt natürlich viel, warum ich mich für diese Stadt wirklich einsetzen möchte.
SNO: Sie sind mit sehr ambitionierten Ideen angetreten. Wie soll Schwerin für Sie konkret 2035 aussehen, also zum Ende einer ersten Wahlperiode?
Lars Schubert: Schwerin soll die sich seit 20 Jahren drehende Abwärtsschraube im Trend umgekehrt haben. Im Jahr 2035 wird es immer noch nicht an jeder Ecke wundervoll sein, ohne dass es irgendein Problem gibt. Aber es wird dafür gesorgt sein, dass der selbsttragende Wirtschaftsaufschwung, den ich seit 2002 bei meiner ersten Kandidatur als Oberbürgermeisterkandidat anmahne, tatsächlich in greifbare Nähe rückt. Das ist das entscheidende Moment für Perspektive, die die Menschen spüren, damit sie hier nicht weggehen, sich im Gegenteil hier niederlassen und Schwerin Strahlkraft entwickelt – auch im Bundesgebiet – als eine der lebenswertesten Städte Norddeutschlands.
„Schwerin muss aus dem Dornröschenschlaf herauskommen”
SNO: Daran soll der Bürger dann erkennen, dass wir auf dem richtigen Weg sind?
Lars Schubert: Ja. Wobei Schwerin im Sinne von Natur und Landschaft natürlich heute schon lebenswert ist. Es fehlt nur an wirtschaftlichen Perspektiven. Und genau die muss man schaffen. Dazu habe ich einige Ideen.
SNO: Wie sehen diese Ideen konkret aus?
Lars Schubert: Die Hauptidee ist, dass wir aus dem Dornröschenschlaf herauskommen müssen. Wir dürfen nicht länger warten, dass irgendwann irgendein Unternehmen kommt und sich auf einer unserer Gewerbeflächen ansiedeln möchte. Sondern wir definieren vorab Kriterien, was wir als Schwerin erreichen wollen. Manche Städte oder Gemeinden sind auf bestimmte Branchen ausgerichtet – etwa Automobil, Tourismus oder Life Science. Ich will dem aber nicht vorgreifen. Das ist ein strategischer Zielbildprozess, den man als Stadt entwickeln muss. Und dann kommt der entscheidende Neuigkeitswert: Wir können heute global mit KI-Tools ermitteln, wo ein Unternehmen in Japan, in Südkorea, in Südamerika oder in den USA gerade in unserem Zielbildraum dabei ist, wachsen zu wollen. Das kann man anhand von Börsenberichten und anderen Daten erkennen – teilweise schon, bevor die Unternehmen selbst wissen, dass sie investieren wollen. Genau das machen wir dann mit Unternehmen. Das habe ich schon 2002 gefordert. Damals gab es diese Tools noch nicht, heute ist das relativ gut umsetzbar. Das ist der Unterschied zu einem Ansatz, bei dem man nur wartet und sagt: Wir haben hier kurze Wege, das Stadthaus, den Wirtschaftsförderer, eine Tasse Kaffee und Gebäck. Ich habe eine andere Vorstellung von proaktivem Handeln. Und genau damit möchte ich die Stadt wirtschaftlich nach vorne bringen.
SNO: Sie sprechen von großen Konzernen und internationalen Unternehmen. Warum sollte Schwerin für die attraktiv sein? Wir haben einen hohen Gewerbesteuerhebesatz, infrastrukturelle Herausforderungen und andere Standortnachteile.
Lars Schubert: Ich fordere nicht erst seit gestern attraktive Steuern und Gebühren für Unternehmen. Es ist wie mit einer Kneipe: Man kommt nicht mit einem hohen Preis in den Markt und sagt dann, jetzt kommt mal alle schön her. Man wird nur überzeugen können, wenn das Gesamtpaket stimmig ist. Wir wollen unsere Assets nicht verramschen. Aber mit dem Gewerbesteuerhebesatz, wie er heute ist, können wir natürlich nicht wettbewerbsfähig sein. Deswegen trete ich für eine Gewerbesteuersenkung ein. Dann kommen natürlich sofort die Stimmen, die sagen: Das geht alles nicht, wir sind Konsolidierungsgemeinde und müssen an jeder Ecke den Bürger schröpfen. Da sage ich: Das nenne ich Totsparen. Das kann man machen, mit mir wird es das nicht geben. Ich werde mich als Vertreter der Stadt gegenüber Land und Bund so einsetzen, dass wir lebensfähig werden und bleiben.
SNO: Wenn die Gewerbesteuer sinkt, aber neue Unternehmen noch gar nicht da sind, fehlt doch zunächst Geld in der Kasse. Wie wollen Sie das lösen?
Lars Schubert: Indem man klare Prioritäten setzt, was man sinnvoll mit dem Geld macht, das man bekommt. Und indem man Förderungen, die auf Landesebene ausgereicht werden und von denen ich manche für völlig sinnlos halte, umwidmet. Das bedeutet: Man muss sich gegenüber dem Land als Interessenvertreter der Stadt – und in Wahrheit auch anderer Kommunen – stark machen. Konkret: Die Stadt Schwerin plant jetzt wieder E‑Busse anzuschaffen, 13 Stück für 7,8 Millionen Euro. Da muss ich ganz ehrlich sagen: Das ist teure Symbolpolitik, die dem Klimaschutz allenfalls zweitrangig nützt. Jeder E‑Bus schleppt einen gewaltigen CO2-Rucksack mit sich herum, der nur nicht bei uns anfällt, sondern in der Produktion anderswo. Klimaschutz beginnt aus meiner Sicht mit regenerativen Kraftstoffen, die heute schon zur Verfügung stehen, gerade bei Dieselfahrzeugen. HVO100 beispielsweise. Ich bin dazu im Austausch mit entsprechenden Akteuren. Prinzipiell wäre es möglich, ab morgen alle Dieselfahrzeuge in Schwerin zu einem sehr hohen Anteil klimaneutral zu betreiben. Da sage ich mir: Dann verzichten wir lieber auf teure Symbolpolitik wie die Anschaffung dieser E‑Busse und gewinnen dort Spielräume.
Klimaschutz ist nicht nur lokal sondern Global
SNO: Das klingt nach einem grundsätzlichen anderen Zugang zur Klimapolitik.
Lars Schubert: Ja. Das heißt nicht, dass ich mich gegen Klimaschutz ausspreche. Im Gegenteil. Aber auf meinen Plakaten steht nicht umsonst „Kehrtwende“ und gleichrangig „Vernunft“. Vernunft bedeutet: Klimaschutz als globale Herausforderung begreifen. Und globale Herausforderung heißt: Was ist der Beitrag, den unser Land leisten kann? Nicht: Was können wir auf lokaler Ebene tun, um uns symbolisch als Erste klimaneutral zu erklären? Wir haben mit dem EU-Zertifikatehandel ein marktwirtschaftliches Instrument. Wenn ich das laufen lasse und parallel mit Verboten, Regularien und Förderkulissen alles andere draufsetze, dann verteuere ich die CO2-Vermeidung. Genau das führt dazu, dass die Wettbewerbsfähigkeit verschwindet. Und das trifft am Ende eben auch Kommunen wie Schwerin.
SNO: Wie wollen Sie mit solchen Positionen die Stadtvertretung überzeugen? Sie bleibt ja am Ende das entscheidende Gremium.
Lars Schubert: Die Stadtvertretung ist ein Gremium über dem Oberbürgermeister, das ist so. Aber ich bedauere eigentlich, dass sie sich ihrer machtvollen Rolle viel zu selten bewusst ist. Zu oft werden Verwaltungsvorschläge einfach eingereicht, und die Stadtvertretung reagiert nur darauf. Ich finde, Stadtvertretungen müssten viel stärker selbst gestalten. Ich will, dass die Stadtvertretung mehr aktiv wird – nicht, weil mir das das Leben leichter macht, sondern weil das die Demokratie stärkt. Gleichzeitig würde ich natürlich als Oberbürgermeister darauf hinwirken, dass Dinge, die auf meiner Agenda stehen, in die Stadtvertretung eingebracht werden und dafür geworben wird. Ich will die Demokratie in der Stadtvertretung beleben, anstatt möglichst geräuschlos irgendeinen Kurs durchzudrücken.
SNO: Aber Sie wären ja auch Chef der Verwaltung.
Lars Schubert: Ja, aber ich bin nicht Oberverwaltungsmeister, sondern Oberbürgermeister. Und das nehme ich sehr ernst. Ich trete an als oberster Anwalt der Bürgerinnen und Bürger und nicht als oberster Anwalt der Verwaltung. Ich sehe mich der Stadt und der Erhaltung der Demokratie verpflichtet. Wenn eine Verwaltung in ihrer Art und Weise stellenweise übergriffig agiert oder sich vom Bürger entkoppelt, dann muss man das ansprechen. Das höre ich in Gesprächen an vielen Stellen. Da fehlt es oft an Transparenz.
SNO: Ist Ihnen die Verwaltung in Schwerin zu langsam oder zu groß?
Lars Schubert: Wir reden überall über Digitalisierung. Aber viele erleben, dass Digitalisierung vor allem dazu führt, dass immer mehr Verwaltung möglich wird. Ich sage: Verwaltung muss so effizient wie möglich funktionieren. Das sind wir den Steuerzahlern schuldig. Digitalisierung müsste dazu führen, dass wir deutlich weniger Bürokratie brauchen, nicht mehr. Wenn man die Möglichkeiten von Digitalisierung und KI ernsthaft mit einem klaren Reformwillen verbindet, dann könnten wir perspektivisch mit deutlich weniger Verwaltungsaufwand auskommen. Das heißt nicht, dass man morgen alle entlässt. Wir haben demografische Entwicklungen, Renteneintritte und viele Felder, in denen Menschen auch anders eingesetzt werden könnten. Aber der Grundsatz muss sein: Effizienz für den Bürger und nicht Verwaltung als Selbstzweck.
SNO: Wie wollen Sie mit der Stadtvertretung politisch zusammenarbeiten? Gilt das für alle demokratisch gewählten Kräfte?
Lars Schubert: Selbstverständlich sind Linke und AfD zunächst einmal demokratisch gewählt. Aber für mich ist bei Koalitionen nicht entscheidend, wo es irgendwo Überschneidungen gibt, sondern wohin jemand politisch will. Ich sehe sowohl bei der Linkspartei als auch bei der AfD grundsätzliche Probleme. Bei der Linkspartei sehe ich nach wie vor kein eindeutiges Tragen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Bei der AfD ist für mich zentral, dass dort mit Ressentiments gegenüber Schwächeren politische Kraft gewonnen wird. Das halte ich für illegitim und falsch. Deshalb kann es mit mir keine Koalition mit diesen Parteien geben. Aber was die Abstimmung über Anträge angeht, ist das etwas anderes: Ich kann doch meine Anträge nicht danach ausrichten, wer ihnen vielleicht zustimmen könnte. Ich stelle Anträge zum Wohl der Stadt Schwerin, und wer ihnen zustimmt, stimmt eben zu. Das kann man in einer Demokratie nicht verhindern.
Abwanderung stoppen: Wirtschaft als Schlüssel für Schwerins Zukunft
SNO: Viele junge Menschen ziehen weg. Schwerin hat ein Abwanderungsproblem. Wie wollen Sie das umdrehen?
Lars Schubert: Ich habe heute schon beim Stadtschülerrat gesagt: „It’s the economy, stupid.“ Das ist der entscheidende Faktor. Die Akzeptanz der Demokratie, aber auch die Akzeptanz einer Stadt als Lebens- und Wohnstandort hängt von den ökonomischen Perspektiven ab. Und die müssen wir wieder verbessern. Das tun wir durch Investoren- und Unternehmensansprache, durch attraktivere Rahmenbedingungen, durch ein aktives Standortmarketing und dadurch, dass wir Stadtentwicklung nicht in Einzelprojekten denken, sondern im Zusammenhang. Es geht nicht nur um einzelne Investitionen, sondern darum, Entwicklungsräume festzulegen und zu sagen: Das wollen wir gemeinsam fördern. Dazu gehört auch der Wohnungsbau. Wir müssen dort, wo es sinnvoll ist, bauen ermöglichen, statt uns immer weiter selbst einzuschränken. Und es geht auch um Zusammenhalt und Sicherheit. Wir können keinen Investor herlocken, wenn es Orte gibt, an denen Menschen sich unwohl oder unsicher fühlen.
SNO: Sie haben in dem Zusammenhang auch historische Fehlentscheidungen angesprochen – etwa die verpasste Transrapid-Anbindung.
Lars Schubert: Ja. Der Transrapid war aus meiner Sicht die größte verpasste Chance Schwerins nach der Hauptstadtentscheidung. Berlin–Schwerin–Hamburg hätte diese Stadt mitten zwischen die beiden größten deutschen Städte gerückt. Ich habe mich damals sehr dafür eingesetzt. Heute ist das natürlich Geschichte. Aber es zeigt, wie oft wir Chancen des Fortschritts haben liegen lassen. Jetzt sage ich: Das Welterbe ist eine große Chance. Nicht auf der Größenordnung des Transrapids, aber trotzdem etwas, mit dem wir arbeiten müssen. Das Welterbe verpflichtet uns auch, etwas daraus zu machen.
SNO: Bleiben wir bei konkreten Stadtprojekten: Wie wollen Sie mit Problemimmobilien wie dem Strandhotel umgehen, wenn diese in privater Hand sind?
Lars Schubert: Das ist das Wesen der Marktwirtschaft: Politik kann nur Rahmenbedingungen setzen. Ich finde, wenn die Stadt etwas verkauft, dann muss es immer einen konkreten Investitionsplan geben. Jeder kleine Gründer braucht einen Businessplan also muss man das auch von Investoren verlangen. Und wenn man sich nicht daran hält, muss es klare Konsequenzen geben. Ich war in die damaligen Entscheidungen nicht eingebunden, aber ich sehe heute: Solche Orte darf man nicht isoliert betrachten. Zippendorf, Mueß, Kaninchenwerder, die Weiße Flotte, die Lage gegenüber der Altstadt – das ist ein Ensemble mit enormem Potenzial. Man muss solche Räume als Ganzes denken und entwickeln. Natürlich kann man nicht einfach irgendetwas hinbauen, was dort nicht passt. Aber man muss Lösungen finden, die sich für einen Investor trotzdem rechnen. Solche Schandflecken würde ich zur Chefsache machen. Ich kann mich damit nicht zufriedengeben.
SNO: Gibt es weitere Orte, bei denen Sie ähnlich denken?
Lars Schubert: Ja, zum Beispiel das alte Schwalbennest oder der Restaurantbetrieb im Fernsehturm. Wenn Projekte an überzogenen Auflagen scheitern und daraus wieder ein weiterer Lost Place wird, dann kann ich das nicht akzeptieren. Ich will nicht hinnehmen, dass aus lauter Vorgaben und Nichtstun immer mehr Leerstellen in dieser Stadt entstehen.
Wohnen neu denken: Investoren, weniger Auflagen, mehr Dynamik
SNO: Kommen wir zum Wohnen. Viele Schweriner empfinden die Mieten als hoch. Wie wollen Sie das Thema angehen?
Lars Schubert: Sozialer Wohnungsbau heißt ja nicht, dass die Stadt das alles selbst machen muss. Es ist möglich, dass Investoren mit entsprechenden Quoten und Standards solche Wohnungen schaffen. Das halte ich auch für richtig. Was ich nicht sehe, ist, dass die Stadt mit Geld, das sie gar nicht hat, selbst groß Wohnungen baut. Das halte ich für illusorisch. Angebot und Nachfrage bestimmen nun einmal den Preis. Wenn der Preis hoch ist, ist offenkundig das Angebot zu gering. Deswegen sage ich ja: Bauturbo. Wenn ich lese, die Stadt wolle das möglichst restriktiv handhaben, dann sage ich: Genau das Gegenteil ist nötig. Wir müssen bauen ermöglichen. Nicht die Stadt selbst baut, aber sie muss die Rahmenbedingungen dafür setzen.
SNO: Und wie stehen Sie zu Forderungen nach einem Mietendeckel?
Lars Schubert: Da habe ich eine klare Meinung. Einen Mietendeckel hatten wir von 1949 bis 1989. Wie Schwerin damals baulich ausgesehen hat, daran können sich ältere Schweriner noch erinnern. Das kann nicht die Lösung sein. Die Lösung ist marktwirtschaftlich mehr zu bauen und dadurch das Angebot zu erhöhen. Dazu kommt: Auch Anforderungen an Klimaschutz im Baubereich sind oft so ausgestaltet, dass sie das Bauen unnötig verteuern. Auch da brauchen wir mehr Vernunft.
SNO: Schwerin hat kulturell viel zu bieten, gleichzeitig sind in den letzten Jahren Veranstaltungen weggefallen. Wie wollen Sie den Kulturbereich stärken?
Lars Schubert: Die finanziellen Turbulenzen, die auf uns zukommen, lassen sich nicht wegreden. Das ist Teil der Wahrheit. Aber gerade deshalb braucht es eine Perspektive und nicht nur Verwaltung des Mangels. Eine einfache Geschichte ist, dass ich so etwas wie die Schlossfestspiele als national sichtbares Event stärker vermarkten will. Dafür trete ich nicht erst seit heute ein. Solche Formate haben einen einzigartigen Mehrwert. Gleichzeitig müssen wir die vielen ehrenamtlichen Vereine, Kulturverbände und Initiativen wertschätzen und fördern. Man darf nicht zulassen, dass diese Kerne wegbrechen. Wir laufen in eine Durststrecke, das sehe ich klar. Aber diese Durststrecke darf nicht ohne Aufstiegsperspektive bleiben. Genau dafür steht meine Agenda 2035.
Finanzierung der Zukunft: Warum Schwerin laut Schubert ein Einnahmeproblem hat
SNO: Sie sprechen viel über wirtschaftliche Stärke als Grundlage. Sehen Sie Schwerins Problem eher auf der Einnahmeseite als auf der Ausgabenseite?
Lars Schubert: Ja, ganz klar. Es gibt viele, die sagen, wir hätten vor allem ein Ausgabenproblem. Ich sehe das anders. Wir haben angesichts der realen Aufgaben, die wir haben und auch haben wollen, offenkundig ein Einnahmeproblem. Wir wollen doch gute Schulen, gute Infrastruktur, gute Kultur, eine vernünftige Krankenversorgung und eine soziale Absicherung, die Teilhabe ermöglicht. Wenn wir das wollen, müssen wir es gegenfinanzieren. Daran will ich arbeiten.
SNO: Was wären Ihre ersten drei Prioritäten, wenn Sie Oberbürgermeister würden?
Lars Schubert: Ich habe eine Fünf-Punkte-Agenda für die ersten 100 Tage. Der erste Punkt ist ein Wirtschaftsgipfel mit allen Akteuren – Wirtschaft, Verbänden, Kammern, Gründern, um zu klären, wo es klemmt und was wir tun müssen. Der zweite Punkt ist ein Stadtteilgipfel, um die Agenda 2035 ganzheitlich zu denken und die Stadt nicht in Einzelinteressen zu zerlegen, sondern Schwerin als Ganzes zu betrachten. Und der dritte Punkt ist Haushaltsklarheit zu schaffen: Was ist wirklich nötig, was ist prioritär und wie setzen wir in der Realität die ersten Schritte um – immer mit dem klaren Ziel, aus der Lage herauszukommen und uns nicht darin einzurichten.



