Sa, 18. April 2026
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Oberbürgermeisterwahl in Schwerin:
Lars Schubert: „Schwerin braucht eine Kehrtwende mit Vernunft“

Lars Schubert wirbt für einen wirtschaftlichen Kurswechsel in Schwerin: weniger Verwaltung, mehr Wohnungsbau, klare Prioritäten im Haushalt und eine Stadtentwicklung, die Wirtschaft, Kultur und Lebensqualität zusammendenkt.

  • Veröffentlicht April 3, 2026
Lars Schubert FDP Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl. Foto: Dario Rochow
Lars Schu­bert Kan­di­dat für die Ober­bürg­er­meis­ter­wahl unter­stützt von der FDP. Foto: Dario Rochow

 

SNO hat mit Lars Schu­bert, Ober­bürg­er­meis­terkan­di­dat für Schw­erin, über seine Pläne für die Zukun­ft der Lan­deshaupt­stadt gesprochen. Im Inter­view erk­lärt er, warum er für einen wirtschaftlichen Kur­swech­sel wirbt, wie er Schw­erin als Stan­dort stärken will und weshalb für ihn The­men wie Ver­wal­tung, Woh­nungs­bau, Stad­ten­twick­lung und Kul­tur nur im Zusam­men­hang gedacht wer­den kön­nen.

 

SNO: Herr Schu­bert, Sie sind Kan­di­dat bei der Ober­bürg­er­meis­ter­wahl 2026 für Schw­erin. Warum diese Stadt und warum Ihre Agen­da?

Lars Schu­bert: Schw­erin ist meine Heimat­stadt, sie liegt mir unglaublich am Herzen. Die Natur, die Land­schaft, die Men­schen und let­z­tendlich auch meine prä­gen­den Kind­heits- und Jugen­der­fahrun­gen verbinden mich mit Schw­erin wirk­lich zutief­st. Das merkt man beson­ders dann, wenn man Schw­erin ein­mal ver­lässt und merkt, was einem dann eigentlich ent­ge­ht. Ich werbe für Schw­erin auch über­all, wo ich bin, immer wieder bei Fre­un­den und Bekan­nten, die Stadt zu besuchen und sich ihre Schön­heit anzuschauen. Das haben viele Men­schen noch gar nicht getan. Und das erk­lärt natür­lich viel, warum ich mich für diese Stadt wirk­lich ein­set­zen möchte.

 

SNO: Sie sind mit sehr ambi­tion­ierten Ideen ange­treten. Wie soll Schw­erin für Sie konkret 2035 ausse­hen, also zum Ende ein­er ersten Wahlpe­ri­ode?

Lars Schu­bert: Schw­erin soll die sich seit 20 Jahren drehende Abwärtss­chraube im Trend umgekehrt haben. Im Jahr 2035 wird es immer noch nicht an jed­er Ecke wun­der­voll sein, ohne dass es irgen­dein Prob­lem gibt. Aber es wird dafür gesorgt sein, dass der selb­st­tra­gende Wirtschaft­sauf­schwung, den ich seit 2002 bei mein­er ersten Kan­di­datur als Ober­bürg­er­meis­terkan­di­dat anmahne, tat­säch­lich in greif­bare Nähe rückt. Das ist das entschei­dende Moment für Per­spek­tive, die die Men­schen spüren, damit sie hier nicht wegge­hen, sich im Gegen­teil hier nieder­lassen und Schw­erin Strahlkraft entwick­elt – auch im Bun­des­ge­bi­et – als eine der lebenswertesten Städte Nord­deutsch­lands.

 

„Schwerin muss aus dem Dornröschenschlaf herauskommen”

 

SNO: Daran soll der Bürg­er dann erken­nen, dass wir auf dem richti­gen Weg sind?

Lars Schu­bert: Ja. Wobei Schw­erin im Sinne von Natur und Land­schaft natür­lich heute schon lebenswert ist. Es fehlt nur an wirtschaftlichen Per­spek­tiv­en. Und genau die muss man schaf­fen. Dazu habe ich einige Ideen.

SNO: Wie sehen diese Ideen konkret aus?

Lars Schu­bert: Die Haup­tidee ist, dass wir aus dem Dorn­röschen­schlaf her­auskom­men müssen. Wir dür­fen nicht länger warten, dass irgend­wann irgen­dein Unternehmen kommt und sich auf ein­er unser­er Gewer­be­flächen ansiedeln möchte. Son­dern wir definieren vor­ab Kri­te­rien, was wir als Schw­erin erre­ichen wollen. Manche Städte oder Gemein­den sind auf bes­timmte Branchen aus­gerichtet – etwa Auto­mo­bil, Touris­mus oder Life Sci­ence. Ich will dem aber nicht vor­greifen. Das ist ein strate­gis­ch­er Ziel­bild­prozess, den man als Stadt entwick­eln muss. Und dann kommt der entschei­dende Neuigkeitswert: Wir kön­nen heute glob­al mit KI-Tools ermit­teln, wo ein Unternehmen in Japan, in Süd­ko­rea, in Südameri­ka oder in den USA ger­ade in unserem Ziel­bil­draum dabei ist, wach­sen zu wollen. Das kann man anhand von Börsen­bericht­en und anderen Dat­en erken­nen – teil­weise schon, bevor die Unternehmen selb­st wis­sen, dass sie investieren wollen. Genau das machen wir dann mit Unternehmen. Das habe ich schon 2002 gefordert. Damals gab es diese Tools noch nicht, heute ist das rel­a­tiv gut umset­zbar. Das ist der Unter­schied zu einem Ansatz, bei dem man nur wartet und sagt: Wir haben hier kurze Wege, das Stadthaus, den Wirtschafts­förder­er, eine Tasse Kaf­fee und Gebäck. Ich habe eine andere Vorstel­lung von proak­tivem Han­deln. Und genau damit möchte ich die Stadt wirtschaftlich nach vorne brin­gen.

 

SNO: Sie sprechen von großen Konz­er­nen und inter­na­tionalen Unternehmen. Warum sollte Schw­erin für die attrak­tiv sein? Wir haben einen hohen Gewerbesteuer­hebe­satz, infra­struk­turelle Her­aus­forderun­gen und andere Stan­dort­nachteile.

Lars Schu­bert: Ich fordere nicht erst seit gestern attrak­tive Steuern und Gebühren für Unternehmen. Es ist wie mit ein­er Kneipe: Man kommt nicht mit einem hohen Preis in den Markt und sagt dann, jet­zt kommt mal alle schön her. Man wird nur überzeu­gen kön­nen, wenn das Gesamt­paket stim­mig ist. Wir wollen unsere Assets nicht ver­ram­schen. Aber mit dem Gewerbesteuer­hebe­satz, wie er heute ist, kön­nen wir natür­lich nicht wet­tbe­werb­s­fähig sein. Deswe­gen trete ich für eine Gewerbesteuersenkung ein. Dann kom­men natür­lich sofort die Stim­men, die sagen: Das geht alles nicht, wir sind Kon­so­li­dierungs­ge­meinde und müssen an jed­er Ecke den Bürg­er schröpfen. Da sage ich: Das nenne ich Tots­paren. Das kann man machen, mit mir wird es das nicht geben. Ich werde mich als Vertreter der Stadt gegenüber Land und Bund so ein­set­zen, dass wir lebens­fähig wer­den und bleiben.

 

SNO: Wenn die Gewerbesteuer sinkt, aber neue Unternehmen noch gar nicht da sind, fehlt doch zunächst Geld in der Kasse. Wie wollen Sie das lösen?

Lars Schu­bert: Indem man klare Pri­or­itäten set­zt, was man sin­nvoll mit dem Geld macht, das man bekommt. Und indem man Förderun­gen, die auf Lan­desebene aus­gere­icht wer­den und von denen ich manche für völ­lig sinn­los halte, umwid­met. Das bedeutet: Man muss sich gegenüber dem Land als Inter­essen­vertreter der Stadt – und in Wahrheit auch ander­er Kom­munen – stark machen. Konkret: Die Stadt Schw­erin plant jet­zt wieder E‑Busse anzuschaf­fen, 13 Stück für 7,8 Mil­lio­nen Euro. Da muss ich ganz ehrlich sagen: Das ist teure Sym­bol­poli­tik, die dem Kli­maschutz allen­falls zweitrangig nützt. Jed­er E‑Bus schleppt einen gewalti­gen CO2-Ruck­sack mit sich herum, der nur nicht bei uns anfällt, son­dern in der Pro­duk­tion ander­swo. Kli­maschutz begin­nt aus mein­er Sicht mit regen­er­a­tiv­en Kraft­stof­fen, die heute schon zur Ver­fü­gung ste­hen, ger­ade bei Die­selfahrzeu­gen. HVO100 beispiel­sweise. Ich bin dazu im Aus­tausch mit entsprechen­den Akteuren. Prinzip­iell wäre es möglich, ab mor­gen alle Die­selfahrzeuge in Schw­erin zu einem sehr hohen Anteil kli­ma­neu­tral zu betreiben. Da sage ich mir: Dann verzicht­en wir lieber auf teure Sym­bol­poli­tik wie die Anschaf­fung dieser E‑Busse und gewin­nen dort Spiel­räume.

 

Klimaschutz ist nicht nur lokal sondern Global

 

SNO: Das klingt nach einem grund­sät­zlichen anderen Zugang zur Klimapoli­tik.

Lars Schu­bert: Ja. Das heißt nicht, dass ich mich gegen Kli­maschutz ausspreche. Im Gegen­teil. Aber auf meinen Plakat­en ste­ht nicht umson­st „Kehrtwende“ und gle­ichrangig „Ver­nun­ft“. Ver­nun­ft bedeutet: Kli­maschutz als glob­ale Her­aus­forderung begreifen. Und glob­ale Her­aus­forderung heißt: Was ist der Beitrag, den unser Land leis­ten kann? Nicht: Was kön­nen wir auf lokaler Ebene tun, um uns sym­bol­isch als Erste kli­ma­neu­tral zu erk­lären? Wir haben mit dem EU-Zer­ti­fikate­han­del ein mark­twirtschaftlich­es Instru­ment. Wenn ich das laufen lasse und par­al­lel mit Ver­boten, Reg­u­lar­ien und Förderkulis­sen alles andere drauf­set­ze, dann ver­teuere ich die CO2-Ver­mei­dung. Genau das führt dazu, dass die Wet­tbe­werb­s­fähigkeit ver­schwindet. Und das trifft am Ende eben auch Kom­munen wie Schw­erin.

 

SNO: Wie wollen Sie mit solchen Posi­tio­nen die Stadtvertre­tung überzeu­gen? Sie bleibt ja am Ende das entschei­dende Gremi­um.

Lars Schu­bert: Die Stadtvertre­tung ist ein Gremi­um über dem Ober­bürg­er­meis­ter, das ist so. Aber ich bedauere eigentlich, dass sie sich ihrer machtvollen Rolle viel zu sel­ten bewusst ist. Zu oft wer­den Ver­wal­tungsvorschläge ein­fach ein­gere­icht, und die Stadtvertre­tung reagiert nur darauf. Ich finde, Stadtvertre­tun­gen müssten viel stärk­er selb­st gestal­ten. Ich will, dass die Stadtvertre­tung mehr aktiv wird – nicht, weil mir das das Leben leichter macht, son­dern weil das die Demokratie stärkt. Gle­ichzeit­ig würde ich natür­lich als Ober­bürg­er­meis­ter darauf hin­wirken, dass Dinge, die auf mein­er Agen­da ste­hen, in die Stadtvertre­tung einge­bracht wer­den und dafür gewor­ben wird. Ich will die Demokratie in der Stadtvertre­tung beleben, anstatt möglichst geräusch­los irgen­deinen Kurs durchzu­drück­en.

 

SNO: Aber Sie wären ja auch Chef der Ver­wal­tung.

Lars Schu­bert: Ja, aber ich bin nicht Oberver­wal­tungsmeis­ter, son­dern Ober­bürg­er­meis­ter. Und das nehme ich sehr ernst. Ich trete an als ober­ster Anwalt der Bürg­erin­nen und Bürg­er und nicht als ober­ster Anwalt der Ver­wal­tung. Ich sehe mich der Stadt und der Erhal­tung der Demokratie verpflichtet. Wenn eine Ver­wal­tung in ihrer Art und Weise stel­len­weise über­grif­fig agiert oder sich vom Bürg­er entkop­pelt, dann muss man das ansprechen. Das höre ich in Gesprächen an vie­len Stellen. Da fehlt es oft an Trans­parenz.

 

SNO: Ist Ihnen die Ver­wal­tung in Schw­erin zu langsam oder zu groß?

Lars Schu­bert: Wir reden über­all über Dig­i­tal­isierung. Aber viele erleben, dass Dig­i­tal­isierung vor allem dazu führt, dass immer mehr Ver­wal­tung möglich wird. Ich sage: Ver­wal­tung muss so effizient wie möglich funk­tion­ieren. Das sind wir den Steuerzahlern schuldig. Dig­i­tal­isierung müsste dazu führen, dass wir deut­lich weniger Bürokratie brauchen, nicht mehr. Wenn man die Möglichkeit­en von Dig­i­tal­isierung und KI ern­sthaft mit einem klaren Reformwillen verbindet, dann kön­nten wir per­spek­tivisch mit deut­lich weniger Ver­wal­tungsaufwand auskom­men. Das heißt nicht, dass man mor­gen alle entlässt. Wir haben demografis­che Entwick­lun­gen, Rentenein­tritte und viele Felder, in denen Men­schen auch anders einge­set­zt wer­den kön­nten. Aber der Grund­satz muss sein: Effizienz für den Bürg­er und nicht Ver­wal­tung als Selb­stzweck.

 

SNO: Wie wollen Sie mit der Stadtvertre­tung poli­tisch zusam­me­nar­beit­en? Gilt das für alle demokratisch gewählten Kräfte?

Lars Schu­bert: Selb­stver­ständlich sind Linke und AfD zunächst ein­mal demokratisch gewählt. Aber für mich ist bei Koali­tio­nen nicht entschei­dend, wo es irgend­wo Über­schnei­dun­gen gibt, son­dern wohin jemand poli­tisch will. Ich sehe sowohl bei der Linkspartei als auch bei der AfD grund­sät­zliche Prob­leme. Bei der Linkspartei sehe ich nach wie vor kein ein­deutiges Tra­gen der frei­heitlich-demokratis­chen Grun­dord­nung. Bei der AfD ist für mich zen­tral, dass dort mit Ressen­ti­ments gegenüber Schwächeren poli­tis­che Kraft gewon­nen wird. Das halte ich für ille­git­im und falsch. Deshalb kann es mit mir keine Koali­tion mit diesen Parteien geben. Aber was die Abstim­mung über Anträge ange­ht, ist das etwas anderes: Ich kann doch meine Anträge nicht danach aus­richt­en, wer ihnen vielle­icht zus­tim­men kön­nte. Ich stelle Anträge zum Wohl der Stadt Schw­erin, und wer ihnen zus­timmt, stimmt eben zu. Das kann man in ein­er Demokratie nicht ver­hin­dern.

 

Abwanderung stoppen: Wirtschaft als Schlüssel für Schwerins Zukunft

 

SNO: Viele junge Men­schen ziehen weg. Schw­erin hat ein Abwan­derung­sprob­lem. Wie wollen Sie das umdrehen?

Lars Schu­bert: Ich habe heute schon beim Stadtschüler­rat gesagt: „It’s the econ­o­my, stu­pid.“ Das ist der entschei­dende Fak­tor. Die Akzep­tanz der Demokratie, aber auch die Akzep­tanz ein­er Stadt als Lebens- und Wohn­stan­dort hängt von den ökonomis­chen Per­spek­tiv­en ab. Und die müssen wir wieder verbessern. Das tun wir durch Inve­storen- und Unternehmen­sansprache, durch attrak­ti­vere Rah­menbe­din­gun­gen, durch ein aktives Stan­dort­mar­ket­ing und dadurch, dass wir Stad­ten­twick­lung nicht in Einzel­pro­jek­ten denken, son­dern im Zusam­men­hang. Es geht nicht nur um einzelne Investi­tio­nen, son­dern darum, Entwick­lungsräume festzule­gen und zu sagen: Das wollen wir gemein­sam fördern. Dazu gehört auch der Woh­nungs­bau. Wir müssen dort, wo es sin­nvoll ist, bauen ermöglichen, statt uns immer weit­er selb­st einzuschränken. Und es geht auch um Zusam­men­halt und Sicher­heit. Wir kön­nen keinen Investor her­lock­en, wenn es Orte gibt, an denen Men­schen sich unwohl oder unsich­er fühlen.

 

SNO: Sie haben in dem Zusam­men­hang auch his­torische Fehlentschei­dun­gen ange­sprochen – etwa die ver­passte Tran­srapid-Anbindung.

Lars Schu­bert: Ja. Der Tran­srapid war aus mein­er Sicht die größte ver­passte Chance Schw­erins nach der Haupt­stad­tentschei­dung. Berlin–Schwerin–Hamburg hätte diese Stadt mit­ten zwis­chen die bei­den größten deutschen Städte gerückt. Ich habe mich damals sehr dafür einge­set­zt. Heute ist das natür­lich Geschichte. Aber es zeigt, wie oft wir Chan­cen des Fortschritts haben liegen lassen. Jet­zt sage ich: Das Wel­terbe ist eine große Chance. Nicht auf der Größenord­nung des Tran­srapids, aber trotz­dem etwas, mit dem wir arbeit­en müssen. Das Wel­terbe verpflichtet uns auch, etwas daraus zu machen.

 

SNO: Bleiben wir bei konkreten Stadt­pro­jek­ten: Wie wollen Sie mit Prob­lemim­mo­bilien wie dem Strand­ho­tel umge­hen, wenn diese in pri­vater Hand sind?

Lars Schu­bert: Das ist das Wesen der Mark­twirtschaft: Poli­tik kann nur Rah­menbe­din­gun­gen set­zen. Ich finde, wenn die Stadt etwas verkauft, dann muss es immer einen konkreten Investi­tion­s­plan geben. Jed­er kleine Grün­der braucht einen Busi­ness­plan also muss man das auch von Inve­storen ver­lan­gen. Und wenn man sich nicht daran hält, muss es klare Kon­se­quen­zen geben. Ich war in die dama­li­gen Entschei­dun­gen nicht einge­bun­den, aber ich sehe heute: Solche Orte darf man nicht isoliert betra­cht­en. Zip­pen­dorf, Mueß, Kan­inchen­werder, die Weiße Flotte, die Lage gegenüber der Alt­stadt – das ist ein Ensem­ble mit enormem Poten­zial. Man muss solche Räume als Ganzes denken und entwick­eln. Natür­lich kann man nicht ein­fach irgen­det­was hin­bauen, was dort nicht passt. Aber man muss Lösun­gen find­en, die sich für einen Investor trotz­dem rech­nen. Solche Schand­fleck­en würde ich zur Chef­sache machen. Ich kann mich damit nicht zufriedengeben.

SNO: Gibt es weit­ere Orte, bei denen Sie ähn­lich denken?

Lars Schu­bert: Ja, zum Beispiel das alte Schwal­bennest oder der Restau­rant­be­trieb im Fernse­hturm. Wenn Pro­jek­te an über­zo­ge­nen Aufla­gen scheit­ern und daraus wieder ein weit­er­er Lost Place wird, dann kann ich das nicht akzep­tieren. Ich will nicht hin­nehmen, dass aus lauter Vor­gaben und Nicht­stun immer mehr Leer­stellen in dieser Stadt entste­hen.

 

Wohnen neu denken: Investoren, weniger Auflagen, mehr Dynamik

 

SNO: Kom­men wir zum Wohnen. Viele Schw­er­iner empfind­en die Mieten als hoch. Wie wollen Sie das The­ma ange­hen?

Lars Schu­bert: Sozialer Woh­nungs­bau heißt ja nicht, dass die Stadt das alles selb­st machen muss. Es ist möglich, dass Inve­storen mit entsprechen­den Quoten und Stan­dards solche Woh­nun­gen schaf­fen. Das halte ich auch für richtig. Was ich nicht sehe, ist, dass die Stadt mit Geld, das sie gar nicht hat, selb­st groß Woh­nun­gen baut. Das halte ich für illu­sorisch. Ange­bot und Nach­frage bes­tim­men nun ein­mal den Preis. Wenn der Preis hoch ist, ist offenkundig das Ange­bot zu ger­ing. Deswe­gen sage ich ja: Bau­tur­bo. Wenn ich lese, die Stadt wolle das möglichst restrik­tiv hand­haben, dann sage ich: Genau das Gegen­teil ist nötig. Wir müssen bauen ermöglichen. Nicht die Stadt selb­st baut, aber sie muss die Rah­menbe­din­gun­gen dafür set­zen.

SNO: Und wie ste­hen Sie zu Forderun­gen nach einem Mietendeck­el?

Lars Schu­bert: Da habe ich eine klare Mei­n­ung. Einen Mietendeck­el hat­ten wir von 1949 bis 1989. Wie Schw­erin damals baulich aus­ge­se­hen hat, daran kön­nen sich ältere Schw­er­iner noch erin­nern. Das kann nicht die Lösung sein. Die Lösung ist mark­twirtschaftlich mehr zu bauen und dadurch das Ange­bot zu erhöhen. Dazu kommt: Auch Anforderun­gen an Kli­maschutz im Baubere­ich sind oft so aus­gestal­tet, dass sie das Bauen unnötig ver­teuern. Auch da brauchen wir mehr Ver­nun­ft.

 

SNO: Schw­erin hat kul­turell viel zu bieten, gle­ichzeit­ig sind in den let­zten Jahren Ver­anstal­tun­gen wegge­fall­en. Wie wollen Sie den Kul­turbere­ich stärken?

Lars Schu­bert: Die finanziellen Tur­bu­len­zen, die auf uns zukom­men, lassen sich nicht wegre­den. Das ist Teil der Wahrheit. Aber ger­ade deshalb braucht es eine Per­spek­tive und nicht nur Ver­wal­tung des Man­gels. Eine ein­fache Geschichte ist, dass ich so etwas wie die Schloss­fest­spiele als nation­al sicht­bares Event stärk­er ver­mark­ten will. Dafür trete ich nicht erst seit heute ein. Solche For­mate haben einen einzi­gar­ti­gen Mehrw­ert. Gle­ichzeit­ig müssen wir die vie­len ehre­namtlichen Vere­ine, Kul­turver­bände und Ini­tia­tiv­en wertschätzen und fördern. Man darf nicht zulassen, dass diese Kerne weg­brechen. Wir laufen in eine Durst­strecke, das sehe ich klar. Aber diese Durst­strecke darf nicht ohne Auf­stiegsper­spek­tive bleiben. Genau dafür ste­ht meine Agen­da 2035.

 

Finanzierung der Zukunft: Warum Schwerin laut Schubert ein Einnahmeproblem hat

 

SNO: Sie sprechen viel über wirtschaftliche Stärke als Grund­lage. Sehen Sie Schw­erins Prob­lem eher auf der Ein­nahme­seite als auf der Aus­gaben­seite?

Lars Schu­bert: Ja, ganz klar. Es gibt viele, die sagen, wir hät­ten vor allem ein Aus­gaben­prob­lem. Ich sehe das anders. Wir haben angesichts der realen Auf­gaben, die wir haben und auch haben wollen, offenkundig ein Ein­nah­meprob­lem. Wir wollen doch gute Schulen, gute Infra­struk­tur, gute Kul­tur, eine vernün­ftige Kranken­ver­sorgung und eine soziale Absicherung, die Teil­habe ermöglicht. Wenn wir das wollen, müssen wir es gegen­fi­nanzieren. Daran will ich arbeit­en.

 

SNO: Was wären Ihre ersten drei Pri­or­itäten, wenn Sie Ober­bürg­er­meis­ter wür­den?

Lars Schu­bert: Ich habe eine Fünf-Punk­te-Agen­da für die ersten 100 Tage. Der erste Punkt ist ein Wirtschafts­gipfel mit allen Akteuren – Wirtschaft, Ver­bän­den, Kam­mern, Grün­dern, um zu klären, wo es klemmt und was wir tun müssen. Der zweite Punkt ist ein Stadt­teil­gipfel, um die Agen­da 2035 ganzheitlich zu denken und die Stadt nicht in Einzelin­ter­essen zu zer­legen, son­dern Schw­erin als Ganzes zu betra­cht­en. Und der dritte Punkt ist Haushalt­sklarheit zu schaf­fen: Was ist wirk­lich nötig, was ist pri­or­itär und wie set­zen wir in der Real­ität die ersten Schritte um – immer mit dem klaren Ziel, aus der Lage her­auszukom­men und uns nicht darin einzuricht­en.