Laut HELIOS Schwerin ist onkologische Versorgung sichergestellt

In der vergangenen Woche wurde bekannte, dass einige Krebspatienten in Schwerin derzeit nicht mehr vollumfänglich behandelt werden könnten. Hintergrund war der erneute Weggang gleich mehrerer Mediziner aus den HELIOS Kliniken der Landeshauptstadt. Dort bestätigt man eine aktuell personelle Unterbesetzung. Über 95 Prozent der Krebspatienten seien aber weiterhin vor Ort voll behandelbar.

Die HELIOS Kliniken Schwerin. | Foto: Helios

Es war und ist wohl einer der Aufreger in der Landeshauptstadt Schwerin: Wie der NDR in der vergangenen Woche berichtete, habe das Gesundheitsministerium MV auf Anfrage des Senders mitgeteilt, die Fachbereiche Hämatologie und Onkologie an den HELIOS Kliniken Schwerin wären aktuell nicht betriebsfähig. Hintergrund der Anfrage waren Beschwerden von Krebspatienten über die Zustände bei dem als Maximalversorger arbeitenden Klinikum in der Landeshauptstadt.

Zwar stünden Patienten nun nicht ohne Behandlung dar. So einige aber müssten eine Behandlung in anderen Krankenhäusern in Anspruch nehmen. Eine Situation, die auf Dauer nicht tragbar wäre. Nach Aussage des Ministeriums arbeite man aber bei HELIOS an einer Lösung.  „Die Situation ist unbefriedigend und muss schnell behoben werden“, so Ministerin Stefanie Drese (SPD) gegenüber NDR.

 

Fahrtkostenanträge ließen offenbar Krankenkassen aufhorchen

Schon vor den ersten Medienberichten war die Problemsituation offenbar auch bei den Krankenkassen bekannt. Dort nämlich seien ungewöhnlich viele und ungewöhnlich hohe Fahrtkostenabrechnungen in Nachbarkliniken eingegangen. So müssten Patienten nach Aussagen von Ärztekammer-Präsident Prof. Dr. Andreas Crusius gegenüber NDR seien darunter auch solche von Patienten, die nach einer Chemotherapie Fahrtkosten abrechnen müssten, um ihre Weiterbehandlung überhaupt sicherzustellen. Mit Blick auf die vielerorts, so auch in Schwerin, stattgefundene Privatisierung zahlreicher Kliniken erklärte der Kammerpräsident, für ihn gehöre die medizinische Krankenhausversorgung zur Daseinsvorsorge des Staates. Renditen zur Aktionärsbefriedigung sei dabei fehl am Platze.

 

HELIOS: Über 95 Prozent aller Krebspatienten in Schwerin vollumfänglich behandelbar

Für die betroffenen HELIOS Kliniken Schwerin ist die ganze Situation natürlich alles andere als optimal. Denn dort verfolgt man selbstverständlich das Ziel, wirklich jeden Patienten möglichst vor Ort rundum versorgen zu können. Anders als es in den NDR-Darstellungen allerdings den Anschein erwecken könnte, sei diese „Rundum-Versorgung“ auch für die meisten Krebspatienten möglich. Hatte der NDR noch unter Bezug auf Informationen des Klinikums dargestellt, eine „Grundversorgung“ sei gewährleistet, so heißt es nun von HELIOS, dass mehr als 95 Prozent aller Krebspatienten in Schwerin vollumfänglich behandelbar seien. „Dazu zählen die chirurgische Therapie, ebenso wie die Durchführung von Chemotherapien oder Strahlentherapien“, so Prof. Jörg-Peter Ritz, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie.

Die Behandlung von Tumorpatienten habe auch in den Zeiten der Pandemie absoluten Vorrang. Für die wenigen Patienten, die im Moment nicht im Haus weiter betreut werden können, sei eine unkomplizierte und sichere Weiterversorgung mit anderen Krankenhäusern organisiert, so Prof. Ritz. Das betreffe nur wenige spezielle Krankheitsbilder wie etwa die Leukämie im Erwachsenalter.

 

Entwarnung für Kinder und Jugendliche

Aus der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin kommt gar komplette Entwarnung. Nach Angaben des Leitenden Oberarztes Prof. Aram Prokop würden alle onkologisch erkrankten Kinder und Jugendlichen mit Tumoren oder Leukämien weiterhin auf universitärem Niveau und in höchster Qualität in Schwerin behandelbar. Er betont: „Wir können jederzeit neue Patienten aufnehmen und diese gemäß der weltweit besten Therapie-Protokolle behandeln.“

Mit Blick auf die kommenden Wochen und Monate zeigen sich die HELIOS Kliniken Schwerin optimistisch, schnell wieder voll einsatzfähig zu sein. Dazu zählt dann auch die Neubesetzung der Chefarzt-Stelle der Hämatologie.

 

Personalsituation nicht das erste Mal im Fokus

Die Situation in Hämatologie und Onkologie der HELIOS Kliniken Schwerin ist nicht zuletzt auch darauf zurückzuführen, dass auch in diesen Bereichen bisher im Klinikum tätige Ärzte dem Haus den Rücken gekehrt hatten. Auch solche eben, die in leitenden Funktionen tätig waren. Eine Situation, die dem Haus nicht gänzlich neu ist. So waren im September vergangenen Jahres gleich mehrere Kündigungen von Notfallmedizinern bekannt geworden, die eine Umstrukturierung der ärztlichen Versorgung in der Notaufnahme erforderlich machten. Im Ministerium, der Staatskanzlei und auch in der Stadtverwaltung Schwerin dürften inzwischen manche Alarmglocken läuten. Nicht zuletzt, da, wie der NDR berichtete, niedergelassene Ärzte in Brandbriefen bereits vor einem „Versorgungsnotstand“ warnten. Ob dies der Gesamtsituation gerecht wird, sei dahingestellt. Klar dürfte aber sein, dass die Personalsituation der HELIOS Kliniken Schwerin nun sicherlich unter noch größerer Beobachtung stehen dürfte.

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