Große Lücke zum Bundesschnitt:
MV fällt beim Lebensglück weiter zurück
Deutschland erreicht 2025 ein stabiles Wohlfühlniveau – doch in Mecklenburg-Vorpommern setzt sich ein negativer Trend fort.

Die Lebenszufriedenheit in Deutschland hat sich 2025 weitgehend stabilisiert. Wie der neue Glücksatlas, der von der Uni Freiburg in Zusammenarbeit mit der Süddeutschen Klassenlotterie (SKL) seit 2011 herausgegeben wird, zeigt, liegt sie bundesweit bei durchschnittlich 7,09 Punkten auf einer Skala von 0 bis 10 und damit wieder auf dem Niveau vor der Corona-Pandemie. „Die Erholung nach der Pandemie ist abgeschlossen“, sagt Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen, wissenschaftlicher Leiter der Studie und Professor an der Universität Freiburg. Der leichte Anstieg gegenüber dem Vorjahr fällt jedoch regional unterschiedlich aus: Ostdeutschland legt mit +0,12 Punkten deutlicher zu als Westdeutschland, wo die Werte nahezu stagnieren (+0,02 Punkte). Damit verringert sich die sogenannte „Glückslücke“ zwischen Ost und West auf 0,24 Punkte.
Während sich die Lage in vielen ostdeutschen Bundesländern also verbessert, zeigt sich in Mecklenburg-Vorpommern ein gegenläufiger Trend. Das Land erreicht nur noch 6,06 Punkte und bleibt damit deutlich abgeschlagen auf dem letzten Platz. Seit 2022 sinkt der Wert jedes Jahr – ein bundesweit einzigartiger Verlauf. Lag Mecklenburg-Vorpommern 2019 noch nahezu auf Bundesniveau, hat sich der Abstand inzwischen auf über einen Punkt vergrößert.
Besonders ältere Menschen betroffen
Die Studie zeigt, dass der Rückgang alle Bevölkerungsgruppen trifft. Besonders betroffen sind jedoch ältere Menschen, vor allem alleinlebende Männer über 60 Jahren. In keinem anderen Bundesland ist der Anteil der Menschen, die ihr Leben als unzufrieden bewerten, so hoch wie in Mecklenburg-Vorpommern: 22,7 Prozent der Befragten geben Werte zwischen 0 und 4 an. Bundesweit liegt dieser Anteil bei 8 Prozent. Gleichzeitig bezeichnen sich im Nordosten nur 25,4 Prozent als „hochzufrieden“ (8 bis 10 Punkte) – deutschlandweit sind es 48 Prozent.

Auch innerhalb des Bundeslandes zeigen sich Unterschiede: Während Vorpommern mit 6,75 Punkten etwas höhere Werte erreicht, fällt Mecklenburg mit 5,88 Punkten besonders stark zurück. Keine andere Region in Deutschland liegt niedriger.
Einkommen als Schlüsselproblem
Der Rückgang der Lebenszufriedenheit geht mit wirtschaftlichen Faktoren einher. Die Einkommenszufriedenheit in Mecklenburg-Vorpommern liegt mit 5,67 Punkten fast einen Punkt unter dem Bundesdurchschnitt. Das verfügbare Einkommen je Einwohner ist geringer, die Arbeitslosenquote liegt höher als im Bund. Gleichzeitig wünschen sich die Menschen ähnliche Einkommen wie in wohlhabenderen Regionen – ein Spannungsverhältnis, das Frustration begünstigen kann.

Auch bundesweit ist die Einkommenszufriedenheit der Bevölkerung gesunken – allerdings fast ausschließlich in den unteren Einkommensgruppen. Die Zufriedenheit mit Arbeit, Familie und Freizeit hat sich dagegen leicht verbessert.
Intensivere Gefühle – positiv wie negativ
Ein weiterer Befund des Glücksatlas: Die emotionale Stimmung wird stärker. Mehr Menschen berichten von häufigem Ärger, Angst oder Traurigkeit, aber auch von häufiger erlebtem Glück. 57 Prozent der Menschen in Deutschland geben an, sich häufig glücklich zu fühlen – zwölf Prozentpunkte mehr als noch vor zwei Jahren. Die Studie spricht von einer „Zunahme der Emotionalität“.
Im Bundesländervergleich führt erneut Hamburg mit 7,33 Punkten, gefolgt von Bayern und Rheinland-Pfalz (jeweils 7,21). Nordrhein-Westfalen liegt mit 7,19 Punkten auf Rang vier. Überraschungen gibt es im Mittelfeld: Thüringen verbessert sich deutlich, Schleswig-Holstein verliert erstmals nach Jahren an Lebenszufriedenheit.
Mecklenburg-Vorpommern jedoch bleibt die Ausnahme: Ein Aufholen ist bislang nicht erkennbar. Sowohl bei der subjektiven Lebenszufriedenheit als auch bei der objektiv messbaren Lebensqualität liegt das Land auf dem letzten Platz.
Für den SKL Glücksatlas 2025 wurden zwischen Juli 2024 und Juni 2025 insgesamt 13.905 Menschen ab 16 Jahren vom Institut für Demoskopie Allensbach befragt. Ergänzend erhob das Institut Ipsos im Juni 2025 Online-Daten zur Zufriedenheit mit Arbeit, Einkommen, Freizeit und Familie sowie zur emotionalen Stimmung.
Während Deutschland insgesamt zur Ruhe kommt und sein Zufriedenheitsniveau stabilisiert, bleibt Mecklenburg-Vorpommern in einer Phase anhaltenden Stimmungstiefs. Wirtschaftliche Rahmenbedingungen, Demografie und soziale Strukturen spielen dabei eine wesentliche Rolle. Wie und ob das Land diesen Trend umkehren kann, wird eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe der kommenden Jahre sein.



