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Große Lücke zum Bundesschnitt:
MV fällt beim Lebensglück weiter zurück

Deutschland erreicht 2025 ein stabiles Wohlfühlniveau – doch in Mecklenburg-Vorpommern setzt sich ein negativer Trend fort.

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  • Veröffentlicht November 6, 2025
Lebenszufriedenheit Mecklenburg-Vorpommern
Bis 2019 schien Meck­len­burg-Vor­pom­mern auf dem Weg nach oben, doch seit 2020 sinkt die Leben­szufrieden­heit kon­tinuier­lich. 2025 liegt das mit­tlere Lebens­glück bei nur noch 6,06 Punk­ten – ein Punkt niedriger als 2019. Seit der Pan­demie hat es im Nor­dosten keine Erhol­ung gegeben. Quellen: IfD Allens­bach 2015 bis 2017, Glück­sat­las-Daten­bank 2015 bis 2025; eigene Berech­nun­gen.

Die Leben­szufrieden­heit in Deutsch­land hat sich 2025 weit­ge­hend sta­bil­isiert. Wie der neue Glück­sat­las, der von der Uni Freiburg in Zusam­me­nar­beit mit der Süd­deutschen Klassen­lot­terie (SKL) seit 2011 her­aus­gegeben wird,  zeigt, liegt sie bun­desweit bei durch­schnit­tlich 7,09 Punk­ten auf ein­er Skala von 0 bis 10 und damit wieder auf dem Niveau vor der Coro­na-Pan­demie. „Die Erhol­ung nach der Pan­demie ist abgeschlossen“, sagt Prof. Dr. Bernd Raf­fel­hüschen, wis­senschaftlich­er Leit­er der Studie und Pro­fes­sor an der Uni­ver­sität Freiburg. Der leichte Anstieg gegenüber dem Vor­jahr fällt jedoch region­al unter­schiedlich aus: Ost­deutsch­land legt mit +0,12 Punk­ten deut­lich­er zu als West­deutsch­land, wo die Werte nahezu stag­nieren (+0,02 Punk­te). Damit ver­ringert sich die soge­nan­nte „Glück­slücke“ zwis­chen Ost und West auf 0,24 Punk­te.

Während sich die Lage in vie­len ost­deutschen Bun­deslän­dern also verbessert, zeigt sich in Meck­len­burg-Vor­pom­mern ein gegen­läu­figer Trend. Das Land erre­icht nur noch 6,06 Punk­te und bleibt damit deut­lich abgeschla­gen auf dem let­zten Platz. Seit 2022 sinkt der Wert jedes Jahr – ein bun­desweit einzi­gar­tiger Ver­lauf. Lag Meck­len­burg-Vor­pom­mern 2019 noch nahezu auf Bun­desniveau, hat sich der Abstand inzwis­chen auf über einen Punkt ver­größert.

Besonders ältere Menschen betroffen

Die Studie zeigt, dass der Rück­gang alle Bevölkerungs­grup­pen trifft. Beson­ders betrof­fen sind jedoch ältere Men­schen, vor allem allein­lebende Män­ner über 60 Jahren. In keinem anderen Bun­des­land ist der Anteil der Men­schen, die ihr Leben als unzufrieden bew­erten, so hoch wie in Meck­len­burg-Vor­pom­mern: 22,7 Prozent der Befragten geben Werte zwis­chen 0 und 4 an. Bun­desweit liegt dieser Anteil bei 8 Prozent. Gle­ichzeit­ig beze­ich­nen sich im Nor­dosten nur 25,4 Prozent als „hochzufrieden“ (8 bis 10 Punk­te) – deutsch­landweit sind es 48 Prozent.

Prof. Dr. Bernd Raf­fel­hüschen bei der Vorstel­lung der Studie. Foto: axentis/Lopata

Auch inner­halb des Bun­des­lan­des zeigen sich Unter­schiede: Während Vor­pom­mern mit 6,75 Punk­ten etwas höhere Werte erre­icht, fällt Meck­len­burg mit 5,88 Punk­ten beson­ders stark zurück. Keine andere Region in Deutsch­land liegt niedriger.

Einkommen als Schlüsselproblem

Der Rück­gang der Leben­szufrieden­heit geht mit wirtschaftlichen Fak­toren ein­her. Die Einkom­men­szufrieden­heit in Meck­len­burg-Vor­pom­mern liegt mit 5,67 Punk­ten fast einen Punkt unter dem Bun­des­durch­schnitt. Das ver­füg­bare Einkom­men je Ein­wohn­er ist geringer, die Arbeit­slosen­quote liegt höher als im Bund. Gle­ichzeit­ig wün­schen sich die Men­schen ähn­liche Einkom­men wie in wohlhaben­deren Regio­nen – ein Span­nungsver­hält­nis, das Frus­tra­tion begün­sti­gen kann.

Erhe­bliche Unter­schiede der Zufrieden­heit zwis­chen den Lan­desteilen Meck­len­burg (5,88 Punk­te) und Vor­pom­mern (6,75 Punk­te). Allerd­ings ist selb­st die höhere Leben­szufrieden­heit in Vor­pom­mern im bun­desweit­en Ver­gle­ich klar unter­durch­schnit­tlich. Quelle: Eigene Berech­nun­gen auf Grund­lage der Glück­sat­las-Daten­bank 2025.

Auch bun­desweit ist die Einkom­men­szufrieden­heit der Bevölkerung gesunken – allerd­ings fast auss­chließlich in den unteren Einkom­mensgrup­pen. Die Zufrieden­heit mit Arbeit, Fam­i­lie und Freizeit hat sich dage­gen leicht verbessert.

Intensivere Gefühle – positiv wie negativ

Ein weit­er­er Befund des Glück­sat­las: Die emo­tionale Stim­mung wird stärk­er. Mehr Men­schen bericht­en von häu­figem Ärg­er, Angst oder Trau­rigkeit, aber auch von häu­figer erlebtem Glück. 57 Prozent der Men­schen in Deutsch­land geben an, sich häu­fig glück­lich zu fühlen – zwölf Prozent­punk­te mehr als noch vor zwei Jahren. Die Studie spricht von ein­er „Zunahme der Emo­tion­al­ität“.

Im Bun­deslän­derver­gle­ich führt erneut Ham­burg mit 7,33 Punk­ten, gefol­gt von Bay­ern und Rhein­land-Pfalz (jew­eils 7,21). Nor­drhein-West­falen liegt mit 7,19 Punk­ten auf Rang vier. Über­raschun­gen gibt es im Mit­telfeld: Thürin­gen verbessert sich deut­lich, Schleswig-Hol­stein ver­liert erst­mals nach Jahren an Leben­szufrieden­heit.

Meck­len­burg-Vor­pom­mern jedoch bleibt die Aus­nahme: Ein Auf­holen ist bis­lang nicht erkennbar. Sowohl bei der sub­jek­tiv­en Leben­szufrieden­heit als auch bei der objek­tiv mess­baren Leben­squal­ität liegt das Land auf dem let­zten Platz.

Für den SKL Glück­sat­las 2025 wur­den zwis­chen Juli 2024 und Juni 2025 ins­ge­samt 13.905 Men­schen ab 16 Jahren vom Insti­tut für Demoskopie Allens­bach befragt. Ergänzend erhob das Insti­tut Ipsos im Juni 2025 Online-Dat­en zur Zufrieden­heit mit Arbeit, Einkom­men, Freizeit und Fam­i­lie sowie zur emo­tionalen Stim­mung.

Während Deutsch­land ins­ge­samt zur Ruhe kommt und sein Zufrieden­heit­sniveau sta­bil­isiert, bleibt Meck­len­burg-Vor­pom­mern in ein­er Phase anhal­tenden Stim­mungstiefs. Wirtschaftliche Rah­menbe­din­gun­gen, Demografie und soziale Struk­turen spie­len dabei eine wesentliche Rolle. Wie und ob das Land diesen Trend umkehren kann, wird eine zen­trale gesellschaftliche Auf­gabe der kom­menden Jahre sein.