Hoher Altersdurchschnitt bei MV-Lehrern:
Teilzeitquote wächst, bleibt aber unter Bundesschnitt
MV kämpft mit Lehrermangel: Hoher Altersdurchschnitt und steigende Teilzeitquoten verschärfen die Personalsituation an den Schulen.

Mecklenburg-Vorpommern steht vor einer enormen Herausforderung im Bildungsbereich: Fast die Hälfte der Lehrerinnen und Lehrer ist 50 Jahre oder älter, und jedes Jahr müssen Hunderte neue Pädagogen eingestellt werden, um altersbedingte Abgänge auszugleichen. Das geht aus aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes für das Schuljahr 2023/24 sowie aus Zahlen des Bildungsministeriums in Schwerin hervor.
Fast jeder zweite Lehrer ist über 50
Mit einem Altersanteil von 49,1 Prozent liegt Mecklenburg-Vorpommern bundesweit an der Spitze der ältesten Lehrerkollegien, nur in Sachsen-Anhalt (54,0 Prozent) und Thüringen (50,0 Prozent) ist der Anteil noch höher. Im Vergleich dazu haben das Saarland (28,4 Prozent) und Bremen (30,1 Prozent) deutlich jüngere Kollegien. Bundesweit sind lediglich knapp 8 Prozent der Lehrkräfte jünger als 30 Jahre.
Das Bildungsministerium geht laut Lehrerbedarfsprognose davon aus, dass jährlich 600 bis 700 neue Lehrkräfte eingestellt werden müssen, um die Pensionierungen auszugleichen. Positiv: Die Zahl der Referendarinnen und Referendare im Land ist zuletzt spürbar gestiegen – ein kleiner Hoffnungsschimmer in einem von Fachkräftemangel geprägten Arbeitsfeld.
Teilzeitquote steigt – aber unter dem Bundesdurchschnitt
Ein zweiter Trend in der Schulstatistik: Immer mehr Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland arbeiten in Teilzeit. Bundesweit lag die Quote im Schuljahr 2023/24 bei 43,1 Prozent – ein neuer Höchststand. Besonders hoch ist der Anteil bei Lehrerinnen: Mehr als jede zweite (50,7 Prozent) arbeitet nur stundenweise, bei den Männern sind es 22,6 Prozent.
In Mecklenburg-Vorpommern fällt der Anteil niedriger aus: 37,1 Prozent aller rund 12.200 Lehrkräfte an öffentlichen Schulen im Land arbeiten in Teilzeit. Bei den Lehrerinnen liegt der Wert bei 40,3 Prozent, bei den männlichen Lehrern bei 27,3 Prozent.
Angesichts des Lehrermangels fordern in anderen Bundesländern immer wieder Stimmen, Teilzeitangebote einzuschränken, um die Unterrichtsversorgung zu sichern. Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) lehnt das ab: „Teilzeitarbeit muss trotz der angespannten Personallage weiter möglich sein“, betonte sie. Damit wolle man auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sichern und den Lehrerberuf attraktiv halten.
Bundesweiter Vergleich: große Unterschiede zwischen den Ländern
Besonders hoch ist der Teilzeitanteil in Hamburg mit 55,0 Prozent, gefolgt von Bremen (52,2 Prozent) und Baden-Württemberg (50,1 Prozent). Deutlich niedriger sind die Werte dagegen in Thüringen (23,0 Prozent) und Sachsen-Anhalt (23,1 Prozent), wo nur etwa jede vierte Lehrkraft in Teilzeit arbeitet.
Der Altersdurchschnitt und die Teilzeitquote sind zwei Faktoren, die die Personalplanung im Bildungsbereich erheblich beeinflussen. Fachleute warnen, dass Mecklenburg-Vorpommern in den kommenden Jahren vor einer „Doppelbelastung“ steht: Zum einen müssen die vielen in den Ruhestand gehenden Lehrkräfte ersetzt werden, zum anderen steigen die Anforderungen an Schulen, etwa durch Digitalisierung, Inklusion und Ganztagsangebote.
Die Landesregierung setzt neben dem Ausbau der Lehrerausbildung auf Anreize für Seiteneinsteiger, um den Bedarf zu decken. Gleichzeitig betonen Gewerkschaften und Verbände, dass attraktive Arbeitsbedingungen, kleinere Klassen und mehr Unterstützungspersonal entscheidend seien, um junge Menschen für den Lehrerberuf in Mecklenburg-Vorpommern zu gewinnen und im Land zu halten.




