Di, 14. Juli 2026
Close

Opferverbände protestieren:
„Keine Ehre für Täter“ – Kundgebung am Lenin-Denkmal

Am 14. Juni protestieren Opferverbände in Schwerin gegen das Lenin-Denkmal am Großen Dreesch. Mit einer Mahnwache fordern sie: Keine öffentlichen Ehrungen für Täter kommunistischer Gewalt.

Avatar-Foto
  • Veröffentlicht Juni 12, 2025
Lenin-Denkmal Schwerin
Die Lenin-Stat­ue in Schw­erin wird seit Jahren von Opfern der DDR-Dik­tatur als Pro­voka­tion emp­fun­den. Foto: Niteshift (talk) – Selb­st fotografiert, CC BY 2.5, Link

 

Seit vier Jahrzehn­ten ste­ht die über­lebens­große Stat­ue von Wladimir Iljitsch Lenin an der Ham­burg­er Allee im Stadt­teil Großer Dreesch – nun formiert sich erneut Wider­stand gegen das Denkmal. Am kom­menden Sam­stag, dem 14. Juni 2025, ruft die Union der Opfer­ver­bände Kom­mu­nis­tis­ch­er Gewaltherrschaft (UOKG) gemein­sam mit der Lagerge­mein­schaft Workuta/GULag Sow­je­tu­nion zu ein­er Mah­nwache unter dem Mot­to „40 Jahre Lenin in Schw­erin sind genug!“ auf. Die Kundge­bung begin­nt um 14 Uhr am Denkmal an der Ecke Ham­burg­er Allee / Plater Straße und soll bis 17 Uhr andauern. Mit Rede­beiträ­gen, Plakat­en und ein­er sym­bol­is­chen Ver­hül­lung der Stat­ue wollen die Ver­anstal­ter ein sicht­bares Zeichen gegen kom­mu­nis­tis­che Gewaltherrschaft set­zen.

Öffentliche Ehrung für einen Verbrecher

Die Organ­isatoren fordern die Ent­fer­nung des Denkmals, das sie als „öffentliche Ehrung für einen Ver­brech­er“ beze­ich­nen. „Lenin hat mit sein­er Poli­tik den Grund­stein für Dik­tatur, Ter­ror und poli­tis­che Ver­fol­gung gelegt“, erk­lärt die UOKG in ihrer Mit­teilung. Sie erin­nern daran, dass Lenin nicht nur die erste Geheim­polizei – die Tsche­ka – grün­dete, son­dern auch ver­ant­wortlich für die Ein­rich­tung der ersten Konzen­tra­tionslager in Europa gewe­sen sei. Auch die massen­hafte Ermor­dung poli­tis­ch­er Geg­n­er gehe auf sein Kon­to.

Beson­ders betrof­fen macht viele das Schick­sal von mehr als 100 Men­schen, die in Schw­erin zwis­chen 1950 und 1953 von sow­jetis­chen Mil­itär­tri­bunalen zum Tode verurteilt und in Moskau erschossen wur­den. Unter ihnen war der Ros­tock­er Stu­dent Arno Esch, ein lib­eraler Demokrat und Paz­i­fist, dessen Urteil erst 1991 vom Ober­sten Gericht­shof der Sow­je­tu­nion aufge­hoben wurde.

Jahrzehntelanger Streit um das Denkmal

Die Debat­te über die Zukun­ft der Stat­ue ist nicht neu. Bere­its in der Ver­gan­gen­heit hat­te die CDU die Ent­fer­nung des Denkmals gefordert. Die Linke hinge­gen plädierte für einen Verbleib – sie sieht in der Stat­ue einen päd­a­gogis­chen Erin­nerung­sort, an dem Schulk­lassen über total­itäre Sys­teme aufgek­lärt wer­den kön­nten. Eine offizielle Entschei­dung der Stadt ste­ht bis heute aus.

»Lesen Sie auch: Gedenken an Arno Esch: Vor 75 Jahren ver­haftet, von den Kom­mu­nis­ten hin­gerichtet

Die Ver­anstal­ter der Mah­nwache hof­fen nun, mit ihrem Protest ein deut­lich­es Zeichen zu set­zen. „Die Völk­er Osteu­ropas haben sich längst von den Lenin­denkmälern befre­it“, heißt es in ihrem Aufruf. In Schw­erin aber ste­he Lenin weit­er­hin „in alter Pracht“ – ein Zus­tand, den sie nicht länger hin­nehmen wollen.