Oberbürgermeisterwahl in Schwerin:
Mandy Pfeifer: „Wir müssen Stadtverwaltung und Menschen wieder näher zusammenbringen“
SPD-Politikerin Mandy Pfeifer will Oberbürgermeisterin in Schwerin werden – mit Fokus auf Wohnraum, Zusammenhalt, Verwaltung und Wirtschaft trotz knapper Kassen.

Wie soll Schwerin in den kommenden Jahren zusammengehalten und weiterentwickelt werden? Darüber haben wir von SNO mit Mandy Pfeifer gesprochen. Die Oberbürgermeisterkandidatin, Landtagsabgeordnete und SPD-Fraktionsvorsitzende in der Stadtvertretung spricht im Interview über ihre politischen Schwerpunkte – von Wohnen und Bildung bis hin zu Jugendbeteiligung, Integration und einer bürgernäheren Verwaltung.
SNO: Frau Pfeifer, Sie sind in Güstrow geboren und in Schwerin aufgewachsen. Sie kennen viele Facetten dieser Stadt und haben zudem lange Verwaltungserfahrung. Wie sehen Sie die aktuelle politische Situation in Ihrer Heimatstadt?
Mandy Pfeifer: Wir erleben seit der Kommunalwahl 2024 eine starke Polarisierung . Das macht mir Sorgen. Und das ist eine Herausforderung. Ich bin ja jetzt hier als Kandidatin der SPD, der Linken und der Grünen. Und ich würde natürlich auch gerne die Hand in Richtung CDU reichen, dass wir wieder zu einem demokratischen Konsens finden, der möglicherweise nicht polarisiert. Denn das, was auch überregional wahrgenommen wird, schadet Schwerin eher, als dass es nutzt.
Integration und politische Zusammenarbeit: Streitpunkt Migrationsbeirat
SNO: Ihr Vorgänger Rico Badenschier hatte gesagt, dass sich die Dynamik in der Stadtvertretung stark verändert habe. Er kritisierte dabei auch Entscheidungen wie das Ausbleiben eines Migrationsbeirats. Sehen Sie darin eine besondere Herausforderung für eine künftige Zusammenarbeit?
Mandy Pfeifer: Es kann immer Herausforderungen geben in der Zusammenarbeit, aber man kann Dinge auch schon vorher ganz gut klären. Ich finde es falsch, dass wir keinen Migrationsbeirat einrichten konnten, weil wir erwarten von den Menschen, die zu uns kommen, dass sie sich integrieren. Und sie wissen am besten, was sie dabei hemmt, sich zu integrieren. Also sollten wir ihre Expertise nutzen, um die Dinge, die wir haben, besser zu machen, so dass es auch richtig ankommt. Am Ende ist es daran gescheitert, dass die CDU diesem Migrationsbeirat ihr Go nicht geben konnte. Ich weiß nicht, ob sich die politische Meinung dahingehend ändert, aber als Oberbürgermeisterin kann ich die Fachstelle Chancengleichheit in meinen Bereich organisieren und kann dafür sorgen, dass die Beteiligung trotzdem stattfindet.
SNO: Themen wie Migration, Wohnungsbau und Sozialpolitik haben in der Stadt stark an Bedeutung gewonnen. Wie kann man in so einer Situation den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken?
Mandy Pfeifer: Ich bin der tiefen Überzeugung, dass es nicht nur auf die Parteien ankommt, wenn wir gesellschaftlichen Zusammenhalt besprechen, sondern tatsächlich auch auf die Schwerinerinnen und Schweriner. Ich bin dafür, dass ich mir als Oberbürgermeisterin vorher Verbündete suche, bevor ich kritische Vorlagen in die Stadtvertretung einbringe. Ein Beispiel: Da ging es um die Einrichtung der zweiten Gemeinschaftsunterkunft. CDU und AfD haben dafür gesorgt, dass die Stadt über das „Ob“ nachgedacht hat. Das „Ob“ liegt nicht in der Entscheidungskompetenz der Stadtvertretung. Rico Badenschier hat das „Wo“ bedient. Und auch daran hat es große Polarisierungen gegeben.
Als Oberbürgermeisterin würde ich nicht nur das Wo bedienen, sondern auch das Wie. Damit man Menschen, die möglicherweise mit so einer Entscheidung konfrontiert wären, mitnimmt. Ich rechne nicht mehr damit, dass wir noch eine weitere Gemeinschaftsunterkunft brauchen, aber es kann ähnlich gelagerte Sachzusammenhänge geben, wo wir Entscheidungen treffen müssen. Wenn sie kritisch sind, würde ich schon im Vorfeld auch über das Wie offen sprechen : mit den Menschen, allen Akteuren und mit der Stadtvertretung. Ganz bewusst auch mit der Stadtvertretung, obwohl sie darüber gar nicht mitbestimmen darf, um eben zu präsentieren, wie es gehen kann, und um Polarisierungsspitzen zu nehmen.
SNO: Das heißt, Sie würden dabei auch eng mit dem Land zusammenarbeiten wollen?
Mandy Pfeifer: Mit dem Land, mit den Akteuren vor Ort, die möglicherweise dort Leistungen erbringen sollen, um ihnen das komplette Paket zu präsentieren. Darüber redet es sich dann anders als über diese polarisierenden Themen. Über das Ob brauchen wir nicht diskutieren. Ich hoffe, dass ich das in Zukunft von vornherein anders auflöse, weil das unserer Stadt auch weit über die Stadtgrenzen hinaus schadet.
„Wir brauchen vor allem bezahlbaren Wohnraum“
SNO: Kommen wir zum Wohnungsbau. Beim Warnitzer Feld sollen rund 1.000 Einheiten entstehen. Wie sehen Sie die Wohnraumsituation in Schwerin und welche Ziele haben Sie für die nächsten sieben Jahre?
Mandy Pfeifer: Wir brauchen jedes Jahr ungefähr 300 Wohnungen. Benötigt werden vor allen Dingen kleine Wohnungen und große Wohnungen. Und wir brauchen dringend bezahlbare Wohnungen, darunter auch seniorengerechte und behindertengerechte Wohnungen. Meine Fraktion forciert und benennt das schon immer. Für das Warnitzer Feld gibt es eine demokratische Entscheidung, die ist umzusetzen. Gleichwohl finde ich es schade, dass wir in der aktuellen gesellschafts- und weltpolitischen Situation bestes Ackerland mit Wohnungen bebauen in Schwerin. Es wären auch andere Flächen geeignet gewesen. Mir ist für die Zukunft wichtig, dass beim Wohnungsbau genau diese Fragen beantwortet werden. Investitionen müssen die Probleme der Menschen in der Stadt lösen.
SNO: Baukosten sind derzeit sehr hoch. Wie wollen Sie unter diesen Voraussetzungen sozialen Wohnraum schaffen?
Mandy Pfeifer: Richtig, das ist schwierig. Ich spreche dazu schon mit dem Land. Das würde ich als Oberbürgermeisterin intensivieren. Und wir müssen schauen, wie der Bund seine Milliardenförderung, die unter anderem mit Wohnungsbau verknüpft ist, umsetzen wird. Um für Schwerin davon das Beste rauszuholen. Die guten Kontakte zur Landesregierung habe ich. Vorbereitet habe ich auch schon, dass wir als Schwerin, dass wir Lösungen finden für die Plattenbauviertel mit schwierigen Situationen, wie Dreesch, Mueßer Holz, Neu Zippendorf, Lankow. Aber das betrifft nicht nur Schwerin sondern auch Greifswald, Neubrandenburg, Rostock,. Lösungen dafür zu finden, geht wahrscheinlich nur gemeinsam und mit allen politischen Ebenen.
SNO: Es gibt in Schwerin trotz Wohnraumbedarf auch Leerstand, zum Beispiel in sanierungsbedürftigen Häusern. Wie würden Sie Investoren dazu bewegen, diesen Wohnraum wieder nutzbar zu machen?
Mandy Pfeifer: Bevor ich Ihnen auf diese Frage antworten kann, würde mich mit den Investoren unterhalten, was deren Problemlagen sind oder was sie davon abhält. Was ich sehe ist: Wir haben ziemlich viel verkauft in Schwerin. Jetzt sind wir trotz eigener Notwendigkeiten von Dritten abhängig, das ist schwierig. Mit jedem Verkauf haben wir keine Gestaltungsmöglichkeiten mehr für diese Wohnflächen. Gleichwohl müssen wir mit den Menschen sprechen, denen die Wohnflächen jetzt gehören, um herauszubekommen: Was hindert sie eigentlich daran, diese Wohnungen bezugsfertig zu machen und das möglicherweise mit einer gut gemischten Mieterstruktur
SNO: Der Mietspiegel ist in den vergangenen zwei Jahren deutlich gestiegen. Würden Sie sich eine Mietobergrenze wünschen?
Mandy Pfeifer: Das sind gesetzliche Vorgaben, da nützt mir mein Wunsch relativ wenig. Aktuell können nur die Städte Rostock und Greifswald einen Mietpreisdeckel ansetzen. Gut ist schon mal, dass die Verwaltung jetzt die Richtlinie für die Kosten der Unterkunft angepasst hat. Und je mehr unsere Wohnungsgesellschaft Sanierungen vorankommt, umso besser müssen wir sicherstellen, dass die KDU-Richtlinie sich mit verändert. Das wäre mir erst einmal wichtig an dieser Stelle.
Mehr Zusammenarbeit statt Konzeptflut – Pfeifers Ansatz für die Stadtverwaltung
SNO: Bei Podiumsdiskussionen wurde zuletzt auch die Stadtverwaltung kritisiert. Wie ist Ihre Sicht darauf?
Mandy Pfeifer: In der Stadtverwaltung wird gute Arbeit geleistet und die harsche Kritik ist unberechtigt. Da sitzen Menschen, die ihr Bestes tun. Manchmal habe ich jedoch Zweifel, dass sie gut Bescheid wissen über die Bedürfnisse von Menschen in der Stadt. Also könnte man zum Beispiel nachfragen: Wer von ihnen war schon mal in den Stadtteilen Mueßer Holz, Neu Zippendorf und Großer Dreesch und hat daraus die Ableitungen für sich und seine Arbeit getroffen? Dort wohnen Menschen mit multiplen Unterstützungsbedarfen, und das muss auch einer Stadtverwaltung bewusst sein, die sich um die Ansprüche dieser Menschen kümmert.
Denn jeder soll seine Rechte wahrnehmen können, auch wenn es ihm schwer fällt, die Bürokratie zu verstehen.Ich würde mir viel lieber anschauen: Wie können wir Synergien schaffen? Wie können wir schaffen, dass die unterschiedlichen Themenbereiche in der Stadt spürbar besser zusammenarbeiten? Wir haben eine Flut von Konzepten, aber jedes Fachreferat hat sein eigenes Konzept und selten wird es verschränkt gedacht. Hierhin würde ich gucken. Ich würde auch gerne die Digitalisierung voranbringen. Erstens wird es dann bürgerfreundlicher, weil die Antragsformulare aus der Sicht des Anwenders gestaltet werden. Gleichzeitig macht es Aufgaben frei, die dann wiederum für die Unterstützung der Menschen mit Informations- und Hilfebedarf genutzt werden können. Wir müssen die Stadtverwaltung und die Menschen dieser Stadt wieder näher zusammenbringen. Ich glaube nicht, dass wir zu viele sind, aber wir müssen uns genau anschauen, wie kriegen wir das alles besser hin.
SNO: Welche konkreten Visionen haben Sie dabei?
Mandy Pfeifer: Ich komme sehr aus dem sozialen Bereich und habe ein großes Herz für die Menschen in meinem Wahlkreis. Sie haben große Hemmnisse, überhaupt in ein Sozialamt zu gehen, weil sie sich dort – ich mache mal Anführungsstriche – „nackig machen müssen”. Und sie haben große Sorgen, sich rechtzeitig Hilfe beim Jugendamt zu suchen, weil das sie glauben, dass ihnen die Kinder weggenommen werden. Mal ganz davon abgesehen, dass das so nicht ist, brauchen wir niedrigschwellige Angebote vor Ort, wo gar nicht Sozialamt und Jugendamt draufsteht, aber die Menschen trotzdem ein Vertrauen gewinnen können, um ihre Ansprüche rechtzeitig geltend zu machen.
So etwas würde ich gerne weiterdenken wollen. Das Eltern-Kind-Zentrum (EKiZ) in der Justus-von-Liebig-Straße ist schon so ein Ansatz, da ist ein Kinder- und Familienzentrum dabei, das gute Arbeit leistet. Wir haben die Quadratkilometer-Bildung, wo viele Akteure, die mit Kindern arbeiten, vernetzt werden. Auch das wäre mir ein großes Anliegen, dass ich die Multiplikatoren vor Ort besser miteinander vernetze, um am Ende was sehr Zielgerichtetes für das Kind herauszubekommen. Und dann ist dort im Süden bereits viel passiert: Wir haben die Bundesagentur für Arbeit angesiedelt, wir haben mit dem CAT ein gutes Angebot vor Ort, das ist ja wie ein Leuchtturm. Und jetzt soll auch noch die berufliche Schule für Gesundheit und Soziales entstehen. Die Waldorfschule wird sich dort ansiedeln. Das könnte auch Unternehmen begeistern, das eine oder andere gastronomische Angebot dort anzusiedeln. Das würde den Menschen vor Ort helfen. Aktuell gibt es da nämlich gar nichts.
SNO: Sie setzen sich seit Jahren für Bildungspolitik ein. Wo sehen Sie in Schwerin noch Handlungsbedarf?
Mandy Pfeifer: Das ist ein wichtiges und Resenthema, alleine dass die Eltern bei der Schulwahl ihrer Kinder mit den Füßen abstimmen. Die Kinder brauchen nämlich nach der vierten Klasse eine neue Schule und wenn sie es da nicht an die Spezialgymnasien schaffen, geht ein neuer Anlauf nach der siebten Klasse. Da wir jetzt sinkende Kinderzahlen haben. möchte ich mich dafür einsetzen , dass wir mehr fünfte und sechste Klassen an den Grundschulen zulassen, also die Kinder länger dort bleiben. Das ist ähnlich wie bei den Nordlichtern, die jedes Jahr ganz toll nachgefragt werden, einfach um den Kindern die Perspektive zu bieten, länger zusammen zu bleiben und gemeinsam den Schulweg weiterzugehen. Dass die Kinderzahlen sinken, ist eigentlich schlimm. Aber hier liegt für Schwerin eine Chance und die würde ich gerne nutzen.
SNO: Und viele junge Menschen ziehen zwischen 18 und 24 aus Schwerin weg. Was wollen Sie tun, damit die Stadt für junge Menschen und Familien attraktiver wird?
Mandy Pfeifer: Erstmal glaube ich, dass wir dafür jugendfreundlicher werden müssen. Jugendliche werden in der Stadtvertretung nur Thema, wenn sie – und jetzt mache ich wieder Anführungsstriche – „Probleme machen“. Das ist weder wertschätzend, noch die Botschaft, die sagt: Wir heißen euch willkommen und wir wünschen uns, dass ihr hier bleibt. Was können wir also machen? Wir haben gute berufliche Schulen. Das Regionale Berufliche Bildungszentrum (RBB) Technik ist neu gemacht worden in Rico Badenschiers Zeit. Jetzt wollen wir die berufliche Schule für Gesundheit und Soziales (GeSo) in Neu Zippendorf bauen. Ich habe mich auf der Landesebene sehr dafür eingesetzt, dass wir ein Berufsakademiegesetz erhalten. Hier müssen wir uns jetzt zusammentun und gucken: Wie können wir eigentlich dieses Berufsakademiegesetz für uns nutzen, um auch ein Studienangebot zu erreichen, insbesondere im dualen Studienbereich, orientiert an den Bedürfnissen der Unternehmerinnen und Unternehmer?
Da bin ich gerne bereit, meine guten Kontakte zum Land zu nutzen und zu sagen: Lasst uns mal an einen Tisch setzen und gucken, was geht und wie wir es besonders gut organisieren können. Ich finde auch, junge Menschen müssen an der Entwicklung unserer Stadt beteiligt werden. Wir haben in den letzten Jahren erlebt, dass gerade aus dem politischen Raum heraus eigentlich eine Spaltung der Gruppe versucht wurde, indem ein Lager den Kinder- und Jugendrat und ein Lager den Stadtschülerrat unterstützt hat. Ich rate den jungen Menschen, dass sie sich sehr zusammentun, weil sie zu wenige sind. Sie werden sonst nicht schlagkräftig in dieser Stadt.
Und als Oberbürgermeisterin möchte ich dafür sorgen, dass echte Beteiligungsprozesse stattfinden. Ich bringe da meine Erfahrungen aus der Enquete-Kommission „Jung sein in Mecklenburg-Vorpommern“ mit. Ich halte das für wichtig, damit junge Menschen sich mit unserer Stadt verbinden. Dass sie merken, dass sie hier eine Wirksamkeit haben, dass sie willkommen sind und dass sie gesehen werden. Grundsätzlich finde ich es gar nicht schlimm, wenn junge Menschen mal kurz die Stadt verlassen. Ich habe das auch gemacht. Wichtig ist, dass sie es hier so gut finden, dass sie wiederkommen. Aktuell sehen wir, das ist anders, da müssen wir dringend besser werden.
SNO: Auch beim Klimaschutz gab es zuletzt Diskussionen, etwa um das Zieljahr zuerst 2035 jetzt 2045. Wie realistisch ist das?
Mandy Pfeifer: Die Klimaziele sind von 2035 auf 2045 verschoben, das wurde beantragt und beschlossen. Ich war dagegen: Weil ich die Erfahrung mache, dass es immer ein Stück weit Druck auf dem Kessel braucht in Schwerin, damit sich Dinge weiterentwickeln. Dieses kurz gesteckte Klimaziel ist wichtig. Total wichtig, wenn es darum geht, stadtplanerisch, aber auch während des Baus dafür zu sorgen, dass wir unsere klimapolitischen Ziele erreichen. Das geht nur gemeinsam. Wir müssen uns da auch mit den Bauunternehmen und Architekten der Stadt zusammensetzen. Wir müssen uns gut überlegen: Wie können wir für Verschattungen sorgen in den viel zu heißen Sommern?
Aktuell diskutieren wir einen Antrag des Seniorenbeirates, der sagt: Die Trinkbrunnen, die wir haben, sind ja schön und gut, aber keiner weiß, wo sie sind. Deswegen müssen wir sie ausschildern. Überhaupt haben wir viel, aber kaum einer weiß oder findet es. Das ist so ein Punkt bei den Jugendlichen. Die meisten Jugendlichen kennen die Angebote für sie nicht. Da müssen wir besser werden, da müssen die Träger besser werden, die die Angebote unterbreiten. Das können wir gemeinsam schaffen, mit den Jugendlichen am Tisch, damit auch wir wissen, auf welche Kommunikation die jungen Leute reagieren. Und dem will ich mich gerne stellen.
SNO: Die finanzielle Lage der Stadt ist angespannt. Wie wollen Sie unter diesen Bedingungen Ihre Ziele umsetzen?
Mandy Pfeifer: Nicht alles kostet Geld. Wenn ich sage, ich möchte Menschen früher beteiligen, ich möchte die Stadtgesellschaft mehr informieren, ich möchte die kleinen Sorgen, die das Lächeln aus dem Gesicht wischen, lösen, dann hat das sehr, sehr viel mit meinem persönlichen Engagement zu tun als Oberbürgermeisterin. Also in die Gespräche zu gehen, das kann keiner für mich machen, das muss ich tun. Wie wir jetzt konkret mit den Bauten vorankommen, das bleibt abzuwarten. Da gibt es sicherlich Programme des Landes und möglicherweise auch des Bundes, die wir dann ziehen müssen. Und dem widme ich mich gerne von Projekt zu Projekt. Die Herausforderungen sind da, die Herausforderungen sind uns auch schon in den letzten Jahren sehr kommuniziert worden. Allerdings hat die Stadt es zu meiner eigenen großen Überraschung immer wieder geschafft, die notwendigen drei Millionen zu zeigen, damit wir in den Genuss der Entschuldungshilfe des Landes kommen. Ich würde jetzt gerne sehen, wie das neue FAG wirkt, was nochmals für Entlastung insbesondere für Kommunen mit größeren Herausforderungen sorgt, zu denen ich Schwerin unbedingt zählen wollen würde.
„Trotz hoher Sozialkosten müssen wir attraktiv bleiben”
SNO: Hohe Kosten entstehen besonders in Jugendhilfe, Kitas und beim Personal. Wie wollen Sie Schwerin trotzdem auch für Unternehmen attraktiv halten?
Mandy Pfeifer: Die Ansiedlungspolitik läuft beim Land und da werde ich immer vorstellig sein, dorthin habe ich wirklich gute Kontakte. Unsere Aufgabe als Stadt ist, es den Unternehmerinnen und Unternehmern leicht zu machen, Menschen für Schwerin zu gewinnen. Und dafür brauchen wir vor allem eine Stadt mit einem freundlichen Gesicht. Das ist uns ein bisschen abhandengekommen. Da möchte ich wieder hin. Wir brauchen eine Willkommensstruktur der Stadt, die Unternehmerinnen und Unternehmer und ihre ankommenden neu geworbenen Fachkräfte dabei unterstützt, eine Wohnung zu finden, gute Bildungsangebote zu finden für die Kinder und möglicherweise dabei zu unterstützen, für ihre Partner oder Partnerinnen einen Job zu finden. Ich glaube, dass wir das gut hinbekommen können. Dazu ist eine gute Zusammenarbeit mit allen großen Wohnungsanbietern in der Stadt notwendig.
Die habe ich aber ohnehin auf dem Zettel, weil wir die große Herausforderung bei sozialem und behindertengerechtem Wohnraum haben. Und einen starken Partner haben wir mit der SWG in der Stadt, wo wir die Zusammenarbeit noch besser nutzen können. Und die Suche nach Fachkräften ist die Problematik, die mir die Unternehmen die ganze Zeit spiegeln. Das heißt, wir müssen helfen bei Leuten, die im Bundesgebiet umziehen. Und wir müssen freundlicher werden, wenn Menschen aus dem Ausland zu uns kommen.
Sie dürfen keine Angst haben, weil sie jetzt in Schwerin sind. Vielmehr müssen wir die Unternehmen dabei unterstützen, dass diese Menschen gut in ihren Betrieben ankommen. Das ist mitunter, habe ich gehört, durchaus schon eine Herausforderung. Und dass wir gemeinsam mit den Sozialpartnern, also mit Jobcenter und den Kammern in gutem Kontakt stehen, um entsprechende Angebote zu unterbreiten. Ich weiß zum Beispiel: Die IHK Rostock hat sich auf den Weg gemacht und bringt die Berufssprache auch auf Kammerebene bei. Und so etwas könnten wir mit der IHK Schwerin auch besprechen, das steht auf meinem Zettel.
SNO: Wie würden Sie Ihre ersten 100 Tage im Amt angehen?
Mandy Pfeifer: Ich werde mir die Verwaltung im Detail anschauen: Wer bearbeitet was und wo? Wo sind Synergien? Und dann würde ich versuchen, die zu heben. Aber erst muss ich den Apparat gänzlich verstehen, bevor ich Dinge verändern kann. Und so lange würde ich ganz, ganz ungern das von Frau Dr. Wozniak aufnehmen, die sagt: „Viel zu groß, viel zu dick, viel zu faul.“ Das teile ich sowieso nicht.
SNO: Wenn Sie drei Prioritäten für Schwerin nennen müssten – welche wären das?
Mandy Pfeifer: Angesichts der sinkenden Kinderzahlen und auch der insgesamt bundesweit zu erkennenden demografischen Entwicklung müssen wir uns um unsere Kinder und Jugendlichen kümmern. Da kommen wir gar nicht drum herum, wenn der Laden weiterlaufen soll. Auch in den nächsten Jahrzehnten brauchen wir Kinder und Jugendliche, die gesellschaftlich interessiert sind und auch Bock haben mitzumachen. Das fängt mit Frühen Hilfen und frühen Bildungsangeboten an. Die müssen so ausgerichtet sein, dass dort, wo Unterstützung gebraucht wird, auch Unterstützung gegeben wird, damit jeder am Ende gute Chancen hat, selbstbestimmt in dieser Stadt zu leben.
Ich würde Ähnliches gerne bei den Seniorinnen und Senioren anschauen. Es ist eine riesengroße Community bei uns in der Stadt, 35.000. Das sind Schwerinerinnen und Schweriner, die haben diese Stadt zum großen Teil mit aufgebaut. Die lieben das, die lieben auch ihre Stadtteile, in denen sie wohnen. Die wollen da gar nicht weg. Und da ist ein riesiger Erfahrungsschatz, der noch mit einer DDR-Perspektive kommt. Und manchmal lassen wir Dinge am Geld scheitern, ohne die Menschen zu fragen, die sich schon mal ohne Geld um Dinge gekümmert haben: Wie würdet ihr es eigentlich machen? Auch diesen Schatz würde ich sehr gerne heben. Und ich würde gerne mit den Unternehmerinnen und Unternehmern sprechen, damit sie mir sehr konkret sagen, was drückt am meisten, damit wir gucken können, wie wir diese Dinge auf den Weg bringen können.
SNO: Vielen Dank.
Mandy Pfeifer: Ich danke Ihnen!



