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Oberbürgermeisterwahl in Schwerin:
Mandy Pfeifer: „Wir müssen Stadtverwaltung und Menschen wieder näher zusammenbringen“

SPD-Politikerin Mandy Pfeifer will Oberbürgermeisterin in Schwerin werden – mit Fokus auf Wohnraum, Zusammenhalt, Verwaltung und Wirtschaft trotz knapper Kassen.

  • Veröffentlicht April 5, 2026
Mandy Pfeifer
SPD-Frak­tionsvor­sitzende, Mandy Pfeifer möchte Ober­bürg­er­meis­terin der Stadt Schw­erin wer­den. Foto: SPD Stadt­frak­tion Schw­erin

 

Wie soll Schw­erin in den kom­menden Jahren zusam­menge­hal­ten und weit­er­en­twick­elt wer­den? Darüber haben wir von SNO mit Mandy Pfeifer gesprochen. Die Ober­bürg­er­meis­terkan­di­datin, Land­tagsab­ge­ord­nete und SPD-Frak­tionsvor­sitzende in der Stadtvertre­tung spricht im Inter­view über ihre poli­tis­chen Schw­er­punk­te – von Wohnen und Bil­dung bis hin zu Jugend­beteili­gung, Inte­gra­tion und ein­er bürg­ernäheren Ver­wal­tung.

 

SNO: Frau Pfeifer, Sie sind in Güstrow geboren und in Schw­erin aufgewach­sen. Sie ken­nen viele Facetten dieser Stadt und haben zudem lange Ver­wal­tungser­fahrung. Wie sehen Sie die aktuelle poli­tis­che Sit­u­a­tion in Ihrer Heimat­stadt?

Mandy Pfeifer: Wir erleben seit der Kom­mu­nal­wahl 2024 eine starke Polar­isierung . Das macht mir Sor­gen. Und das ist eine Her­aus­forderung. Ich bin ja jet­zt hier als Kan­di­datin der SPD, der Linken und der Grü­nen. Und ich würde natür­lich auch gerne die Hand in Rich­tung CDU reichen, dass wir wieder zu einem demokratis­chen Kon­sens find­en, der möglicher­weise nicht polar­isiert. Denn das, was auch über­re­gion­al wahrgenom­men wird, schadet Schw­erin eher, als dass es nutzt.

 

Integration und politische Zusammenarbeit: Streitpunkt Migrationsbeirat

 

SNO: Ihr Vorgänger Rico Baden­schi­er hat­te gesagt, dass sich die Dynamik in der Stadtvertre­tung stark verän­dert habe. Er kri­tisierte dabei auch Entschei­dun­gen wie das Aus­bleiben eines Migra­tions­beirats. Sehen Sie darin eine beson­dere Her­aus­forderung für eine kün­ftige Zusam­me­nar­beit?

Mandy Pfeifer: Es kann immer Her­aus­forderun­gen geben in der Zusam­me­nar­beit, aber man kann Dinge auch schon vorher ganz gut klären. Ich finde es falsch, dass wir keinen Migra­tions­beirat ein­richt­en kon­nten, weil wir erwarten von den Men­schen, die zu uns kom­men, dass sie sich inte­gri­eren. Und sie wis­sen am besten, was sie dabei hemmt, sich zu inte­gri­eren. Also soll­ten wir ihre Exper­tise nutzen, um die Dinge, die wir haben, bess­er zu machen, so dass es auch richtig ankommt. Am Ende ist es daran gescheit­ert, dass die CDU diesem Migra­tions­beirat ihr Go nicht geben kon­nte. Ich weiß nicht, ob sich die poli­tis­che Mei­n­ung dahinge­hend ändert, aber als Ober­bürg­er­meis­terin kann ich die Fach­stelle Chan­cen­gle­ich­heit in meinen Bere­ich organ­isieren und kann dafür sor­gen, dass die Beteili­gung trotz­dem stat­tfind­et.

 

SNO: The­men wie Migra­tion, Woh­nungs­bau und Sozialpoli­tik haben in der Stadt stark an Bedeu­tung gewon­nen. Wie kann man in so ein­er Sit­u­a­tion den gesellschaftlichen Zusam­men­halt stärken?

Mandy Pfeifer: Ich bin der tiefen Überzeu­gung, dass es nicht nur auf die Parteien ankommt, wenn wir gesellschaftlichen Zusam­men­halt besprechen, son­dern tat­säch­lich auch auf die Schw­er­iner­in­nen und Schw­er­iner. Ich bin dafür, dass ich mir als Ober­bürg­er­meis­terin vorher Ver­bün­dete suche, bevor ich kri­tis­che Vor­la­gen in die Stadtvertre­tung ein­bringe. Ein Beispiel: Da ging es um die Ein­rich­tung der zweit­en Gemein­schaft­sun­terkun­ft. CDU und AfD haben dafür gesorgt, dass die Stadt über das „Ob“ nachgedacht hat. Das „Ob“ liegt nicht in der Entschei­dungskom­pe­tenz der Stadtvertre­tung. Rico Baden­schi­er hat das „Wo“ bedi­ent. Und auch daran hat es große Polar­isierun­gen gegeben.

Als Ober­bürg­er­meis­terin würde ich nicht nur das Wo bedi­enen, son­dern auch das Wie. Damit man Men­schen, die möglicher­weise mit so ein­er Entschei­dung kon­fron­tiert wären, mit­nimmt. Ich rechne nicht mehr damit, dass wir noch eine weit­ere Gemein­schaft­sun­terkun­ft brauchen, aber es kann ähn­lich gelagerte Sachzusam­men­hänge geben, wo wir Entschei­dun­gen tre­f­fen müssen. Wenn sie kri­tisch sind, würde ich schon im Vor­feld auch über das Wie offen sprechen : mit den Men­schen, allen Akteuren und mit der Stadtvertre­tung. Ganz bewusst auch mit der Stadtvertre­tung, obwohl sie darüber gar nicht mitbes­tim­men darf, um eben zu präsen­tieren, wie es gehen kann, und um Polar­isierungsspitzen zu nehmen.

 

SNO: Das heißt, Sie wür­den dabei auch eng mit dem Land zusam­me­nar­beit­en wollen?

Mandy Pfeifer: Mit dem Land, mit den Akteuren vor Ort, die möglicher­weise dort Leis­tun­gen erbrin­gen sollen, um ihnen das kom­plette Paket zu präsen­tieren. Darüber redet es sich dann anders als über diese polar­isieren­den The­men. Über das Ob brauchen wir nicht disku­tieren. Ich hoffe, dass ich das in Zukun­ft von vorn­here­in anders auflöse, weil das unser­er Stadt auch weit über die Stadt­gren­zen hin­aus schadet.

 

„Wir brauchen vor allem bezahlbaren Wohnraum“

 

SNO: Kom­men wir zum Woh­nungs­bau. Beim War­nitzer Feld sollen rund 1.000 Ein­heit­en entste­hen. Wie sehen Sie die Wohn­raum­si­t­u­a­tion in Schw­erin und welche Ziele haben Sie für die näch­sten sieben Jahre?

Mandy Pfeifer: Wir brauchen jedes Jahr unge­fähr 300 Woh­nun­gen. Benötigt wer­den vor allen Din­gen kleine Woh­nun­gen und große Woh­nun­gen. Und wir brauchen drin­gend bezahlbare Woh­nun­gen, darunter auch senioren­gerechte und behin­derten­gerechte Woh­nun­gen. Meine Frak­tion forciert und benen­nt  das schon immer. Für das War­nitzer Feld gibt es eine demokratis­che Entschei­dung, die ist umzuset­zen. Gle­ich­wohl finde ich es schade, dass wir in der aktuellen gesellschafts- und welt­poli­tis­chen Sit­u­a­tion bestes Ack­er­land mit Woh­nun­gen bebauen in Schw­erin. Es wären auch andere Flächen geeignet gewe­sen. Mir ist für die Zukun­ft wichtig, dass beim Woh­nungs­bau genau diese Fra­gen beant­wortet wer­den. Investi­tio­nen müssen die Prob­leme der Men­schen in der Stadt lösen.

 

SNO: Baukosten sind derzeit sehr hoch. Wie wollen Sie unter diesen Voraus­set­zun­gen sozialen Wohn­raum schaf­fen?

Mandy Pfeifer: Richtig, das ist schwierig. Ich spreche dazu schon mit dem Land. Das würde ich als Ober­bürg­er­meis­terin inten­sivieren. Und wir müssen schauen, wie der Bund seine Mil­liar­den­förderung, die unter anderem mit Woh­nungs­bau verknüpft ist, umset­zen wird. Um für Schw­erin davon das Beste rauszu­holen. Die guten Kon­tak­te zur Lan­desregierung habe ich. Vor­bere­it­et habe ich auch schon, dass wir als Schw­erin, dass wir Lösun­gen find­en für die Plat­ten­bau­vier­tel mit schwieri­gen Sit­u­a­tio­nen, wie Dreesch, Mueßer Holz, Neu Zip­pen­dorf, Lankow. Aber das bet­rifft nicht nur Schw­erin son­dern auch Greif­swald, Neubran­den­burg, Ros­tock,. Lösun­gen dafür zu find­en, geht wahrschein­lich nur gemein­sam und mit allen poli­tis­chen Ebe­nen.

 

SNO: Es gibt in Schw­erin trotz Wohn­raumbe­darf auch Leer­stand, zum Beispiel in sanierungs­bedürfti­gen Häusern. Wie wür­den Sie Inve­storen dazu bewe­gen, diesen Wohn­raum wieder nutzbar zu machen?

Mandy Pfeifer: Bevor ich Ihnen auf diese Frage antworten kann, würde mich mit den Inve­storen unter­hal­ten, was deren Prob­lem­la­gen sind oder was sie davon abhält. Was ich sehe ist: Wir haben ziem­lich viel verkauft in Schw­erin. Jet­zt sind wir trotz eigen­er Notwendigkeit­en von Drit­ten abhängig, das ist schwierig. Mit jedem Verkauf haben wir keine Gestal­tungsmöglichkeit­en mehr für diese Wohn­flächen. Gle­ich­wohl müssen wir  mit den Men­schen sprechen, denen die Wohn­flächen jet­zt gehören, um her­auszubekom­men: Was hin­dert sie eigentlich daran, diese Woh­nun­gen bezugs­fer­tig zu machen  und das möglicher­weise mit ein­er gut gemis­cht­en Mieter­struk­tur

 

SNO: Der Miet­spiegel ist in den ver­gan­genen zwei Jahren deut­lich gestiegen. Wür­den Sie sich eine Mieto­ber­gren­ze wün­schen?

Mandy Pfeifer: Das sind geset­zliche Vor­gaben, da nützt mir mein Wun­sch rel­a­tiv wenig. Aktuell kön­nen nur die Städte Ros­tock und Greif­swald einen Miet­preis­deck­el anset­zen. Gut ist schon mal, dass die Ver­wal­tung jet­zt die Richtlin­ie für die Kosten der Unterkun­ft angepasst hat. Und je mehr unsere Woh­nungs­ge­sellschaft Sanierun­gen vorankommt, umso bess­er müssen wir sich­er­stellen, dass die KDU-Richtlin­ie sich mit verän­dert. Das wäre mir erst ein­mal wichtig an dieser Stelle.

 

Mehr Zusammenarbeit statt Konzeptflut – Pfeifers Ansatz für die Stadtverwaltung

 

SNO: Bei Podi­ums­diskus­sio­nen wurde zulet­zt auch die Stadtver­wal­tung kri­tisiert. Wie ist Ihre Sicht darauf?

Mandy Pfeifer: In der Stadtver­wal­tung wird gute Arbeit geleis­tet und die harsche Kri­tik ist unberechtigt. Da sitzen Men­schen, die ihr Bestes tun. Manch­mal habe ich jedoch Zweifel, dass sie gut Bescheid wis­sen über die Bedürfnisse von Men­schen in der Stadt. Also kön­nte man zum Beispiel nach­fra­gen: Wer von ihnen war schon mal in den Stadt­teilen Mueßer Holz, Neu Zip­pen­dorf und Großer Dreesch und hat daraus die Ableitun­gen für sich und seine Arbeit getrof­fen? Dort wohnen Men­schen mit mul­ti­plen Unter­stützungs­be­dar­fen, und das muss auch ein­er Stadtver­wal­tung bewusst sein, die sich um die Ansprüche dieser Men­schen küm­mert.

Denn jed­er soll seine Rechte wahrnehmen kön­nen, auch wenn es ihm schw­er fällt, die Bürokratie zu verstehen.Ich würde mir viel lieber anschauen: Wie kön­nen wir Syn­ergien schaf­fen? Wie kön­nen wir schaf­fen, dass die unter­schiedlichen The­men­bere­iche in der Stadt spür­bar bess­er zusam­me­nar­beit­en? Wir haben eine Flut von Konzepten, aber jedes Fachrefer­at hat sein eigenes Konzept und sel­ten wird es ver­schränkt gedacht. Hier­hin würde ich guck­en. Ich würde auch gerne die Dig­i­tal­isierung voran­brin­gen. Erstens wird es dann bürg­er­fre­undlich­er, weil die Antrags­for­mu­la­re aus der Sicht des Anwen­ders gestal­tet wer­den. Gle­ichzeit­ig macht es Auf­gaben frei, die dann wiederum für die Unter­stützung der Men­schen mit Infor­ma­tions- und Hil­febe­darf genutzt wer­den kön­nen. Wir müssen die Stadtver­wal­tung und die Men­schen dieser Stadt wieder näher zusam­men­brin­gen. Ich glaube nicht, dass wir zu viele sind, aber wir müssen uns genau anschauen, wie kriegen wir das alles bess­er hin.

 

SNO: Welche konkreten Visio­nen haben Sie dabei?

Mandy Pfeifer: Ich komme sehr aus dem sozialen Bere­ich und habe ein großes Herz für die Men­schen in meinem Wahlkreis. Sie haben große Hemm­nisse, über­haupt in ein Sozialamt zu gehen, weil sie sich dort – ich mache mal Anführungsstriche – „nack­ig machen müssen”. Und sie haben große Sor­gen, sich rechtzeit­ig Hil­fe beim Jugen­damt zu suchen, weil das sie  glauben, dass ihnen die Kinder weggenom­men wer­den. Mal ganz davon abge­se­hen, dass das so nicht ist, brauchen wir niedrigschwellige Ange­bote vor Ort, wo gar nicht Sozialamt und Jugen­damt drauf­ste­ht, aber die Men­schen trotz­dem ein Ver­trauen gewin­nen kön­nen, um ihre Ansprüche rechtzeit­ig gel­tend zu machen.

So etwas würde ich gerne wei­t­er­denken wollen. Das Eltern-Kind-Zen­trum (EKiZ) in der Jus­tus-von-Liebig-Straße ist schon so ein Ansatz, da ist ein Kinder- und Fam­i­lien­zen­trum dabei, das gute Arbeit leis­tet. Wir haben die Quadratk­ilo­me­ter-Bil­dung, wo viele Akteure, die mit Kindern arbeit­en, ver­net­zt wer­den. Auch das wäre mir ein großes Anliegen, dass ich die Mul­ti­p­lika­toren vor Ort bess­er miteinan­der ver­net­ze, um am Ende was sehr  Ziel­gerichtetes für das Kind her­auszubekom­men. Und dann ist dort im Süden  bere­its viel passiert: Wir haben die Bun­de­sagen­tur für Arbeit ange­siedelt, wir haben mit dem CAT ein gutes Ange­bot vor Ort, das ist ja wie ein Leucht­turm. Und jet­zt soll auch noch die beru­fliche Schule für Gesund­heit und Soziales entste­hen. Die Wal­dorf­schule wird sich dort ansiedeln. Das kön­nte auch Unternehmen begeis­tern, das eine oder andere gas­tronomis­che Ange­bot dort anzusiedeln. Das würde den Men­schen vor Ort helfen. Aktuell gibt es da näm­lich gar nichts.

 

SNO: Sie set­zen sich seit Jahren für Bil­dungspoli­tik ein. Wo sehen Sie in Schw­erin noch Hand­lungs­be­darf?

Mandy Pfeifer: Das ist ein wichtiges und Resen­the­ma, alleine dass die Eltern bei der Schul­wahl ihrer Kinder mit den Füßen abstim­men. Die Kinder brauchen näm­lich nach der vierten Klasse eine neue Schule und wenn sie es da nicht an die Spezial­gym­nasien schaf­fen, geht ein neuer Anlauf nach der siebten Klasse. Da wir jet­zt sink­ende Kinderzahlen haben. möchte ich mich dafür ein­set­zen , dass wir mehr fün­fte und sech­ste Klassen an den Grund­schulen  zulassen, also die Kinder länger dort bleiben. Das ist ähn­lich wie bei den Nordlichtern, die jedes Jahr ganz toll nachge­fragt wer­den, ein­fach um den Kindern die Per­spek­tive zu bieten, länger zusam­men zu bleiben und gemein­sam den Schul­weg weit­erzuge­hen. Dass die Kinderzahlen sinken, ist eigentlich schlimm. Aber hier liegt für Schw­erin eine Chance und die würde ich gerne nutzen.

 

SNO: Und viele junge Men­schen ziehen zwis­chen 18 und 24 aus Schw­erin weg. Was wollen Sie tun, damit die Stadt für junge Men­schen und Fam­i­lien attrak­tiv­er wird?

Mandy Pfeifer: Erst­mal glaube ich, dass wir dafür jugend­fre­undlich­er wer­den müssen. Jugendliche wer­den in der Stadtvertre­tung nur The­ma, wenn sie – und jet­zt mache ich wieder Anführungsstriche – „Prob­leme machen“. Das ist wed­er wertschätzend, noch die Botschaft, die sagt: Wir heißen euch willkom­men und wir wün­schen uns, dass ihr hier bleibt. Was kön­nen wir also machen? Wir haben gute beru­fliche Schulen. Das Regionale Beru­fliche Bil­dungszen­trum (RBB) Tech­nik ist neu gemacht wor­den in Rico Baden­schiers Zeit. Jet­zt wollen wir die beru­fliche Schule für Gesund­heit und Soziales (GeSo) in Neu Zip­pen­dorf bauen. Ich habe mich auf der Lan­desebene sehr dafür einge­set­zt, dass wir ein Beruf­sakademiege­setz erhal­ten. Hier müssen wir uns jet­zt zusam­men­tun und guck­en: Wie kön­nen wir eigentlich dieses Beruf­sakademiege­setz für uns nutzen, um auch ein Stu­di­en­ange­bot zu erre­ichen, ins­beson­dere im dualen Stu­di­en­bere­ich, ori­en­tiert an den Bedürfnis­sen der Unternehmerin­nen und Unternehmer?

Da bin ich gerne bere­it, meine guten Kon­tak­te zum Land zu nutzen und zu sagen: Lasst uns mal an einen Tisch set­zen und guck­en, was geht und wie wir es beson­ders gut organ­isieren kön­nen. Ich finde auch, junge Men­schen müssen an der Entwick­lung unser­er Stadt beteiligt wer­den. Wir haben in den let­zten Jahren erlebt, dass ger­ade aus dem poli­tis­chen Raum her­aus eigentlich eine Spal­tung der Gruppe ver­sucht wurde, indem ein Lager den Kinder- und Jugen­drat und ein Lager den Stadtschüler­rat unter­stützt hat. Ich rate den jun­gen Men­schen, dass sie sich sehr zusam­men­tun, weil sie zu wenige sind. Sie wer­den son­st nicht schlagkräftig in dieser Stadt.

Und als Ober­bürg­er­meis­terin möchte ich dafür sor­gen, dass echte Beteili­gung­sprozesse stat­tfind­en. Ich bringe da meine Erfahrun­gen aus der Enquete-Kom­mis­sion „Jung sein in Meck­len­burg-Vor­pom­mern“ mit. Ich halte das für wichtig, damit junge Men­schen sich mit unser­er Stadt verbinden. Dass sie merken, dass sie hier eine Wirk­samkeit haben, dass sie willkom­men sind und dass sie gese­hen wer­den. Grund­sät­zlich finde ich es gar nicht schlimm, wenn junge Men­schen mal kurz die Stadt ver­lassen. Ich habe das auch gemacht. Wichtig ist, dass sie es hier so gut find­en, dass sie wiederkom­men. Aktuell sehen wir, das ist anders, da müssen wir drin­gend bess­er wer­den.

 

SNO: Auch beim Kli­maschutz gab es zulet­zt Diskus­sio­nen, etwa um das Ziel­jahr zuerst 2035 jet­zt 2045. Wie real­is­tisch ist das?

Mandy Pfeifer: Die Kli­maziele sind von 2035 auf 2045 ver­schoben, das wurde beantragt und beschlossen. Ich war dage­gen: Weil ich die Erfahrung mache, dass es immer ein Stück weit Druck auf dem Kessel braucht in Schw­erin, damit sich Dinge weit­er­en­twick­eln. Dieses kurz gesteck­te Kli­maziel ist wichtig. Total wichtig, wenn es darum geht, stadt­planer­isch, aber auch während des Baus dafür zu sor­gen, dass wir unsere klimapoli­tis­chen Ziele erre­ichen. Das geht nur gemein­sam. Wir müssen uns da auch mit den Bau­un­ternehmen und Architek­ten der Stadt zusam­menset­zen. Wir müssen uns gut über­legen: Wie kön­nen wir für Ver­schat­tun­gen sor­gen in den viel zu heißen Som­mern?

Aktuell disku­tieren wir einen Antrag des Senioren­beirates, der sagt: Die Trinkbrun­nen, die wir haben, sind ja schön und gut, aber kein­er weiß, wo sie sind. Deswe­gen müssen wir sie auss­childern. Über­haupt haben wir viel, aber kaum ein­er weiß oder find­et es. Das ist so ein Punkt bei den Jugendlichen. Die meis­ten Jugendlichen ken­nen die Ange­bote für sie nicht. Da müssen wir bess­er wer­den, da müssen die Träger bess­er wer­den, die die Ange­bote unter­bre­it­en. Das kön­nen wir gemein­sam schaf­fen, mit den Jugendlichen am Tisch, damit auch wir wis­sen, auf welche Kom­mu­nika­tion die jun­gen Leute reagieren. Und dem will ich mich gerne stellen.

 

SNO: Die finanzielle Lage der Stadt ist anges­pan­nt. Wie wollen Sie unter diesen Bedin­gun­gen Ihre Ziele umset­zen?

Mandy Pfeifer: Nicht alles kostet Geld. Wenn ich sage, ich möchte Men­schen früher beteili­gen, ich möchte die Stadt­ge­sellschaft mehr informieren, ich möchte die kleinen Sor­gen, die das Lächeln aus dem Gesicht wis­chen, lösen, dann hat das sehr, sehr viel mit meinem per­sön­lichen Engage­ment zu tun als Ober­bürg­er­meis­terin. Also in die Gespräche zu gehen, das kann kein­er für mich machen, das muss ich tun. Wie wir jet­zt konkret mit den Baut­en vorankom­men, das bleibt abzuwarten. Da gibt es sicher­lich Pro­gramme des Lan­des und möglicher­weise auch des Bun­des, die wir dann ziehen müssen. Und dem widme ich mich gerne von Pro­jekt zu Pro­jekt. Die Her­aus­forderun­gen sind da, die Her­aus­forderun­gen sind uns auch schon in den let­zten Jahren sehr kom­mu­niziert wor­den. Allerd­ings hat die Stadt es zu mein­er eige­nen großen Über­raschung immer wieder geschafft, die notwendi­gen drei Mil­lio­nen zu zeigen, damit wir in den Genuss der Entschul­dung­shil­fe des Lan­des kom­men. Ich würde jet­zt gerne sehen, wie das neue FAG wirkt, was nochmals für Ent­las­tung ins­beson­dere für Kom­munen mit größeren Her­aus­forderun­gen sorgt, zu denen ich Schw­erin unbe­d­ingt zählen wollen würde.

 

„Trotz hoher Sozialkosten müssen wir attraktiv bleiben”

 

SNO: Hohe Kosten entste­hen beson­ders in Jugend­hil­fe, Kitas und beim Per­son­al. Wie wollen Sie Schw­erin trotz­dem auch für Unternehmen attrak­tiv hal­ten?

Mandy Pfeifer: Die Ansied­lungspoli­tik läuft beim Land und da werde ich immer vorstel­lig sein, dor­thin habe ich wirk­lich gute Kon­tak­te. Unsere Auf­gabe als Stadt ist, es den Unternehmerin­nen und Unternehmern leicht zu machen, Men­schen für Schw­erin zu gewin­nen. Und dafür brauchen wir vor allem eine Stadt mit einem fre­undlichen Gesicht. Das ist uns ein biss­chen abhan­dengekom­men. Da möchte ich wieder hin. Wir brauchen eine Willkom­mensstruk­tur der Stadt, die Unternehmerin­nen und Unternehmer und ihre ank­om­menden neu gewor­be­nen Fachkräfte dabei unter­stützt, eine Woh­nung zu find­en, gute Bil­dungsange­bote zu find­en für die Kinder und möglicher­weise dabei zu unter­stützen, für ihre Part­ner oder Part­ner­in­nen einen Job zu find­en. Ich glaube, dass wir das gut hin­bekom­men kön­nen. Dazu ist eine gute Zusam­me­nar­beit mit allen großen Woh­nungsan­bi­etern in der Stadt notwendig.

Die habe ich aber ohne­hin auf dem Zettel, weil wir die große Her­aus­forderung bei sozialem und behin­derten­gerechtem Wohn­raum haben. Und einen starken Part­ner haben wir mit der SWG  in der Stadt, wo wir die Zusam­me­nar­beit noch bess­er nutzen kön­nen. Und die Suche nach Fachkräften ist die Prob­lematik, die mir die Unternehmen die ganze Zeit spiegeln. Das heißt, wir müssen helfen bei Leuten, die im Bun­des­ge­bi­et umziehen. Und wir müssen fre­undlich­er wer­den, wenn Men­schen aus dem Aus­land  zu uns kom­men.

Sie dür­fen keine Angst haben, weil sie jet­zt in Schw­erin sind. Vielmehr müssen wir die Unternehmen dabei unter­stützen, dass diese Men­schen gut in ihren Betrieben ankom­men. Das ist mitunter, habe ich gehört, dur­chaus schon eine Her­aus­forderung. Und dass wir gemein­sam mit den Sozial­part­nern, also mit Job­cen­ter und den Kam­mern in gutem Kon­takt ste­hen, um entsprechende Ange­bote zu unter­bre­it­en. Ich weiß zum Beispiel: Die IHK Ros­tock hat sich auf den Weg gemacht und bringt die Beruf­ssprache auch auf Kam­merebene bei. Und so etwas kön­nten wir mit der IHK Schw­erin auch besprechen, das ste­ht auf meinem Zettel.

 

SNO: Wie wür­den Sie Ihre ersten 100 Tage im Amt ange­hen?

Mandy Pfeifer: Ich werde mir die Ver­wal­tung im Detail anschauen: Wer bear­beit­et was und wo? Wo sind Syn­ergien? Und dann würde ich ver­suchen, die zu heben. Aber erst muss ich den Appa­rat gän­zlich ver­ste­hen, bevor ich Dinge verän­dern kann. Und so lange würde ich ganz, ganz ungern das von Frau Dr. Woz­ni­ak aufnehmen, die sagt: „Viel zu groß, viel zu dick, viel zu faul.“ Das teile ich sowieso nicht.

 

SNO: Wenn Sie drei Pri­or­itäten für Schw­erin nen­nen müssten – welche wären das?

Mandy Pfeifer: Angesichts der sink­enden Kinderzahlen und auch der ins­ge­samt bun­desweit zu erken­nen­den demografis­chen Entwick­lung müssen wir uns um unsere Kinder und Jugendlichen küm­mern. Da kom­men wir gar nicht drum herum, wenn der Laden weit­er­laufen soll. Auch in den näch­sten Jahrzehn­ten brauchen wir Kinder und Jugendliche, die gesellschaftlich inter­essiert sind und auch Bock haben mitzu­machen. Das fängt mit Frühen Hil­fen und frühen Bil­dungsange­boten an. Die müssen so aus­gerichtet sein, dass dort, wo Unter­stützung gebraucht wird, auch Unter­stützung gegeben wird, damit jed­er am Ende gute Chan­cen hat, selb­st­bes­timmt in dieser Stadt zu leben.

Ich würde Ähn­lich­es gerne bei den Senior­in­nen und Senioren anschauen. Es ist eine riesen­große Com­mu­ni­ty bei uns in der Stadt, 35.000. Das sind Schw­er­iner­in­nen und Schw­er­iner, die haben diese Stadt zum großen Teil mit aufge­baut. Die lieben das, die lieben auch ihre Stadt­teile, in denen sie wohnen. Die wollen da gar nicht weg. Und da ist ein riesiger Erfahrungss­chatz, der noch mit ein­er DDR-Per­spek­tive kommt. Und manch­mal lassen wir Dinge am Geld scheit­ern, ohne die Men­schen zu fra­gen, die sich schon mal ohne Geld um Dinge geküm­mert haben: Wie würdet ihr es eigentlich machen? Auch diesen Schatz würde ich sehr gerne heben. Und ich würde gerne mit den Unternehmerin­nen und Unternehmern sprechen, damit sie mir sehr konkret sagen, was drückt am meis­ten, damit wir guck­en kön­nen, wie wir diese Dinge auf den Weg brin­gen kön­nen.

SNO: Vie­len Dank.

Mandy Pfeifer: Ich danke Ihnen!