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Abwahl Sozialdezernentin Trauth beantragt:
Jetzt geht es um Macht im Stadhaus

Noch ist die Stelle besetzt, trotzdem läuft bereits der Kampf um die Nachfolge im Sozialdezernat. Dabei geht es nicht nur um Personalien, sondern auch um Macht, Mehrheiten und viel Geld.

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  • Veröffentlicht Juni 20, 2026
Sozialdezernentin Martina Trauth
Im Schw­er­iner Stadthaus wird nicht nur über die Nach­folge von Mar­ti­na Trauth, son­dern auch über die Zukun­ft des drit­ten Dez­er­nen­ten­postens gestrit­ten. Foto: max­press

 

Noch ist die Stelle offiziell beset­zt, doch in der Schw­er­iner Kom­mu­nalpoli­tik läuft die Debat­te um die Zukun­ft des Sozialdez­er­nats bere­its auf Hoch­touren. Die amtierende Sozialdez­er­nentin Mar­ti­na Trauth ist seit Monat­en erkrankt. Die Partei „Die Linke“, die Trauth ins Amt half, stellt nun in der näch­sten Stadtvertreter­sitzung einen Abwahlantrag. Die Sozialdez­er­nentin selb­st hat­te darum gebeten, da eine Rück­kehr ins Amt nicht zu erwarten ist.

Hin­ter den Kulis­sen bere­it­en nun mehrere Frak­tio­nen schon die Wahl ein­er Nach­fol­gerin oder eines Nach­fol­gers vor. Dahin­ter ver­birgt sich jedoch weit mehr als ein gewöhn­lich­er Per­son­al­wech­sel. Es geht um Ein­fluss im Stadthaus und poli­tis­che Mehrheit­en. Immer wieder schwingt aber auch die Frage im Raum, ob Schw­erin über­haupt einen drit­ten Dez­er­nen­ten benötigt?

Lange wurde nur hin­ter den Kulis­sen in der Stadt­poli­tik gemur­rt, dass eine Lösung der Per­son­al­frage Trauth sich so lange hinziehe. Nun vol­lzieht sich alles in ein­er bemerkenswerten Geschwindigkeit. CDU, SPD, Linke, Unab­hängige Bürger/FDP sowie Bünd­nis 90/Die Grünen/Die PARTEI haben gemein­sam einen Antrag einge­bracht, mit dem die Stadtvertre­tung die Abberu­fung von Mar­ti­na Trauth beschließen soll. Die Dez­er­nentin für Jugend, Soziales und Gesund­heit soll „zum näch­st­möglichen Ter­min“ aus dem Amt ent­fer­nt wer­den.  Dem Antrag liegt eine umfan­gre­iche Unter­schriften­liste mit Unter­stützern aus mehreren Frak­tio­nen bei.

Die Nachfolge wird bereits vorbereitet

Noch bevor über die Abberu­fung entsch­ieden wurde, haben CDU, SPD und Linke einen zweit­en Antrag vorgelegt. Darin wird Schw­erins zukün­ftiger Ober­bürg­er­meis­ter Sebas­t­ian Ehlers (CDU) aufge­fordert, die Wahl ein­er neuen Beige­ord­neten oder eines neuen Beige­ord­neten  vorzu­bere­it­en. Die Wahl soll am 7. Dezem­ber stat­tfind­en. Zuvor soll die Stelle öffentlich aus­geschrieben wer­den.

Die Ver­wal­tung hat den Antrag inzwis­chen geprüft und keine rechtlichen Ein­wände erhoben. Die Entschei­dung liege let­ztlich bei der Stadtvertre­tung, befind­et die Ver­wal­tung. Mit dem Amt ver­bun­den ist zugle­ich die Funk­tion des zweit­en Stel­lvertreters des Ober­bürg­er­meis­ters. Entsprechend groß ist das poli­tis­che Inter­esse an der Beset­zung.

Es geht um Macht im Stadthaus

Offiziell argu­men­tieren die Antrag­steller mit den Anforderun­gen des Dez­er­nats. Zum Ver­ant­wor­tungs­bere­ich gehören Jugend, Soziales, Gesund­heit, Bil­dung und Sport sowie weit­ere gesellschaft­spoli­tis­che Auf­gaben­felder.

Sebas­t­ian Ehlers hat in der „Ost­see-Zeitung” ger­ade erst darauf ver­wiesen, dass die Kom­mu­nalver­fas­sung für kre­is­freie Städte bis zu drei haup­tamtliche Beige­ord­nete vor­sieht. Die Stadtvertre­tung habe sich bere­its in der ver­gan­genen Wahlpe­ri­ode bewusst für drei Dez­er­nen­ten entsch­ieden. Angesichts der Vielzahl und Kom­plex­ität der Auf­gaben sei eine eigen­ständi­ge Leitung des Bere­ich­es notwendig.

Hin­ter den Kulis­sen wird allerd­ings längst über poli­tis­che Mehrheit­en und mögliche Nach­fol­ger disku­tiert. In der Stadtvertre­tung kur­sieren Speku­la­tio­nen über parteipoli­tis­che Absprachen. Die Ver­mu­tung: Mit der Beset­zung des Sozialdez­er­nats kön­nten beste­hende Bünd­nisse gefes­tigt und neue poli­tis­che Gle­ichgewichte geschaf­fen wer­den.

Beson­ders deut­lich äußert sich Man­fred Strauß, Frak­tionsvor­sitzen­der der Unab­hängi­gen Bürg­er gegenüber der OZ. Er spricht offen von ein­er möglichen „Kun­gelei“ und ver­mutet, dass CDU und Linke der SPD den Posten ermöglichen kön­nten. Konkrete Namen wer­den bis­lang jedoch öffentlich nicht genan­nt.

Kritiker stellen die Stelle grundsätzlich infrage

Die Diskus­sion dreht sich inzwis­chen nicht mehr nur um die Per­son Mar­ti­na Trauth oder ihre mögliche Nach­folge. Zunehmend wird auch die Frage gestellt, ob die dritte Beige­ord­neten­stelle über­haupt weit­er­hin benötigt wird.

Kri­tik­er ver­weisen darauf, dass die Ver­wal­tung in den ver­gan­genen Monat­en trotz des krankheits­be­d­ingten Aus­falls von Mar­ti­na Trauth arbeits­fähig geblieben sei. Die bei­den verbliebe­nen Dez­er­nen­ten Bernd Not­te­baum und Sil­vio Horn hät­ten die Auf­gaben mit über­nom­men.

Der dritte haup­tamtliche Beige­ord­nete war in den frühen 2000er Jahren im Zuge von Spar­maß­nah­men abgeschafft wor­den. Erst 2020 beschloss die Schw­er­iner Stadtvertre­tung eine weit­ere Dez­er­nen­ten­stelle zu vergeben. Der dama­lige Ober­bürg­er­meis­ter Rico Baden­schi­er (SPD) betonte, dass diese Stelle eigentlich nicht benötigt würde. Der Bund der Steuerzahler sprach in seinem Schwarzbuch damals von der „Schw­er­iner Luxusver­wal­tung” und kri­tisierte die Neuschaf­fung der Stelle scharf.

Nun greift der  Bund der Steuerzahler Meck­len­burg-Vor­pom­mern das The­ma erneut auf. Dessen Lan­desvor­sitzen­der Sascha Mum­men­hoff fordert die Stadtvertre­tung auf, die frei wer­dende Stelle nicht erneut zu beset­zen.

„Mit der bevorste­hen­den Abwahl der erkrank­ten Dez­er­nentin hat die Stadt­poli­tik die Chance, die Fehlentschei­dung aus dem Jahr 2020 zu kor­rigieren. Eine dritte Beige­ord­neten­stelle kostet min­destens 300.000 Euro jährlich, ist verzicht­bar­er Luxus und das falsche Sig­nal in dieser Zeit“, erk­lärt Mum­men­hoff.

Der Haushalt der Lan­deshaupt­stadt ste­he weit­er­hin unter erhe­blichem Druck. Die Stelle sei sein­erzeit vor allem aus Grün­den des Parteien­pro­porzes geschaf­fen wor­den und werde auch aktuell wieder Teil poli­tis­ch­er Ver­hand­lun­gen. Statt Posten nach Parteizuge­hörigkeit zu vergeben, müsse die Stadt­poli­tik stärk­er auf Sach­poli­tik und fach­liche Kom­pe­tenz set­zen.

Meinung: Schwerin braucht keinen dritten Dezernenten, sondern mehr Mut

Von Ste­fan Rochow

Es gibt poli­tis­che Debat­ten, bei denen man sich fragt, ob die Beteiligten die Real­ität außer­halb des Stadthaus­es über­haupt noch wahrnehmen.

Die Diskus­sion um die Neube­set­zung des Sozialdez­er­nats gehört dazu.

Noch bevor die Abberu­fung von Sozialdez­er­nentin Mar­ti­na Trauth beschlossen ist, wird bere­its die Nach­folge vor­bere­it­et. CDU, SPD und Linke wollen die Stelle neu auss­chreiben und noch in diesem Jahr beset­zen. Die eigentliche Frage wird dabei kon­se­quent umgan­gen: Braucht Schw­erin diesen Posten über­haupt?

Angesichts der Haushalt­slage fällt die Antwort erstaunlich ein­fach aus: Nein.

Seit Monat­en läuft die Ver­wal­tung ohne die Dez­er­nentin. Die Stadt ist nicht zusam­menge­brochen, es gab keinen Ver­wal­tungsstill­stand und keine Krise. Die Auf­gaben wur­den verteilt, die Ver­wal­tung arbeit­ete weit­er.

Warum also sollen die Bürg­er dauer­haft mehr als 300.000 Euro pro Jahr für einen Posten bezahlen, dessen Weg­fall bis­lang offen­bar nie­mand bemerkt hat?

Natür­lich wer­den die bekan­nten Argu­mente vor­ge­tra­gen: Die Auf­gaben seien kom­plex, die Bere­iche Jugend, Soziales, Gesund­heit und Bil­dung wichtig. Das stimmt. Aber nie­mand will diese Auf­gaben abschaf­fen. Die Frage lautet lediglich, ob dafür zwin­gend ein weit­er­er Spitzen­beamter mit hoher Besol­dung und Ver­sorgungsansprüchen nötig ist.

Wer ehrlich auf die Struk­turen blickt, erken­nt schnell: Hier geht es nicht nur um Ver­wal­tung­sor­gan­i­sa­tion. Es geht auch um poli­tis­che Ein­flusszo­nen.

Wenn Parteien Monate vor ein­er Wahl bere­its Mehrheit­en organ­isieren, bevor über­haupt Bewer­ber fest­ste­hen, entste­ht zwangsläu­fig der Ein­druck, dass zuerst über Parteibüch­er und erst danach über Qual­i­fika­tio­nen gesprochen wird. Genau das beschädigt das Ver­trauen in die Kom­mu­nalpoli­tik.

Gle­ichzeit­ig erleben die Bürg­er steigende Gebühren, knappe Kassen und Debat­ten über Einsparun­gen. Vere­ine kämpfen um Zuschüsse, Investi­tio­nen wer­den ver­schoben. Über­all heißt es, das Geld reiche nicht.

Doch sobald im Stadthaus ein Spitzen­posten frei wird, scheint plöt­zlich genug Geld vorhan­den zu sein.

Schw­erin bräuchte deshalb ein­mal das, was in der Poli­tik sel­ten gewor­den ist: den Mut zum Verzicht.

Der argen­tinis­che Präsi­dent Javier Milei ver­dankt seinen Erfolg auch ein­er sim­plen Botschaft: Der Staat wächst von allein, klein­er wird er nur durch poli­tis­che Entschei­dun­gen. Der Gedanke ist richtig. Jede freie Stelle gilt sofort als unverzicht­bar, jede Struk­tur als alter­na­tiv­los. Kaum jemand fragt noch, ob man sie über­haupt braucht.

Genau diese Frage sollte jet­zt gestellt wer­den.