Miteinander Lernen und Leben

Der Verein Ma'an hat im vergangenen Jahr ein spannendes Projekt gestartet. Nun läuft es aus. Mit Erfolg.

 

Almut Lüpkes (Ma’an), Astrid Brumme IB, Rama Akid (Lehrerin), Asem Alsayjare (Ma’an) Foto: Carl Otte

Sicher, Sie können von links nach rechts lesen und schreiben. Das lernen wir alle in der Schule. Doch können Sie das auch von rechts nach links?

In der „sonntags:Schule!“ lernen 140 Kinder aus Arabisch sprechenden Familien im Alter zwischen 6 und 14 Jahren zusätzlich das Schreiben und Lesen von rechts nach links und ein für sie fremdes Alphabet. Das ist wichtig. Es ist ihre Muttersprache. Lerner, die ihre Muttersprache systematisch erlernen, tun sich mit dem Erwerb einer Fremdsprache leichter. Und es ist die Sprache des Landes, in das viele Familien aus Syrien eines Tages zurückkehren möchten. – Eine Generation, die dann nicht einmal die Straßenschilder lesen könnte, wäre verloren.

 

Perspektive der Rückkehr verbessern

 

Der Schweriner Verein „Miteinander – Ma’an“ und das Centrum für internationale Migration und Entwicklung, Berlin (CIM) haben zwischen Sommer 2017 und 2018 einen Arbeitsschwerpunkt auf die „Perspektive Rückkehr verbessern- durch Bildung und Qualifizierung“ gelegt. Mit Erfolg.

„Wenn wir den Kindern schon den Sonntag nehmen, sollen sie wenigstens mit Spaß und Freunde lernen“, so Rahaf Tabboush, Lehrerin der Anfängerklassen an der „sonntags:Schule!“. „Damit uns das gelingt, haben wir alle unsere Lehrkräfte systematisch fortgebildet und ein Curriculum für den Sprachunterricht erarbeitet“, ergänzt Ghadia Ranah, die bereits in Syrien Schulleiterin war und hier die Arbeit koordiniert.

 

Der Ansatz ist in Deutschland vermutlich einmalig

 

„Dieses Curriculum ist in Deutschland bisher vermutlich einmalig. Wir stellen es gern Interessierten zur Verfügung“, so Almut Lüpkes, die zu den Initiatoren des Projektes gehört. Die Oberstudiendirektorin weiß genau wovon sie spricht. „Wir haben gesehen, wie es nach dem Krieg in Ex-Jugoslawien war, wo viele Kinder der Rückkehrer in ihrer für sie so fremden Heimat gescheitert sind. Das muss sich doch nicht wiederholen. Die syrischen Lehrkräfte sind Pädagogen, die ihr Handwerk beherrschen. Auch sie haben Mathematik, Physik und Informatik unterrichtet. Ich verstehe nicht, weshalb unser Bundesland nicht stärker und gezielter auch deren Kompetenzen nutzt, um den eklatanten Lehrkräftemangel zu beseitigen.“

 

„sonntags:Schule!“ in Schwerin Foto: Carl Otte

 

PC-Anwendungen in gleich drei Sprachen erlernten und vertieften etwa 40 Personen aus kaufmännischen und verwaltenden Berufen. „Wir Dozenten haben uns über die Unterstützung der Volkshochschule Schwerin sehr gefreut. Mit den neuen Fähigkeiten können die Teilnehmenden allerdings auch in Deutschland schon etwas anfangen“, sagt Kinda Sweid, die die Kurses mit Ammar Adrah geleitet hat.

„Geflüchtete helfen Geflüchteten! Das ist der Clou an diesem Projekt“, fasst Asem Alsayjare, Vorsitzender von Miteinander – Ma’an zusammen. „Miteinander lernen und leben sind die Säulen unserer Vereinsarbeit. Dazu zählen auch die Schwimmkurse für Kinder und Erwachsene aller Nationalitäten, der Arabischunterricht für Deutsche, die Nähkurse gemeinsam mit Frauen aus der Ukraine. Miteinander geht es einfach besser!“

Der Verein stellte die Ergebnisse des Projekts nun mit einer kleinen Feier beim Internationalen Bund (IB) in der Keplerstraße vor.

Carl Otte

Carl Otte ist freier Mitarbeiter der Digitalzeitung Schwerin-Lokal.de

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