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Brahms trifft Gál:
Musik als Mahnung und Zeichen für Menschlichkeit

Das Festival „Verfemte Musik“ kehrt mit neuer Trägerschaft zurück. Ein Konzert am 21. Oktober in Schwerin ehrt verbotene Komponisten und verbindet Kunst und Erinnerung.

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  • Veröffentlicht Oktober 15, 2025
Grafik Trio á cordes Foto: Joyce Bergman-van Hessen
Grafik Trio á cordes Foto: Joyce Bergman-van Hes­sen

 

Die Lan­deshaupt­stadt ste­ht im Zeichen der musikalis­chen Erin­nerung: Mit dem Fes­ti­val „Ver­femte Musik“ wird ein bedeu­ten­des Kul­tur­pro­jekt fort­ge­führt, das Kun­st, Geschichte und Gegen­wart miteinan­der verbindet. Unter neuer Träger­schaft – beste­hend aus der Musikhochschule Lübeck, der Hochschule für Musik und The­ater Ros­tock, dem Meck­len­bur­gis­chen Staat­sthe­ater und dem Kon­ser­va­to­ri­um Schw­erin – erhält das Fes­ti­val ein sta­biles Fun­da­ment und zugle­ich neue kün­st­lerische Impulse.

Den Auf­takt bildet am 21. Okto­ber 2025 ein Konz­ert im Gold­e­nen Saal des Neustädtis­chen Palais. Unter dem Titel „Johannes Brahms trifft Hans Gál“ wird ein musikalis­ch­er Bogen zwis­chen Roman­tik und Exil geschla­gen. Damit wird der Pro­log für die im Novem­ber fol­gen­den „Tage des Exils Schw­erin & Fes­ti­val Ver­femte Musik“ geset­zt, die vom 8. bis 14. Novem­ber 2025 stat­tfind­en.

Das Konz­ert vere­int sym­bol­isch die Erin­nerung an zwei musikalis­che Wel­ten: Johannes Brahms als Vertreter des etablierten 19. Jahrhun­derts und Hans Gál – einen jüdis­chen Kom­pon­is­ten, der im Nation­al­sozial­is­mus ver­fol­gt und ins Exil gezwun­gen wurde. In Anwe­sen­heit der Ehrengästin Eva Fox-Gál, Tochter des Kom­pon­is­ten, soll der Abend zu einem Moment gemein­samer Erin­nerung wer­den.

Künstlerisches Programm mit internationaler Beteiligung

Die musikalis­che Gestal­tung übernehmen Studierende der beteiligten Musikhochschulen, Schü­lerin­nen des Kon­ser­va­to­ri­ums Schw­erin sowie Mit­glieder der Meck­len­bur­gis­chen Staatskapelle. Mitwirken wer­den außer­dem das Klavier­duo Haufe/Ahmels, der Bari­ton Simon Wall­fisch – Enkel der Holo­caust-Über­leben­den Ani­ta Lasker-Wall­fisch – und die Schw­er­iner Pianistin Yuko Ellinger.

Tick­ets sind über das Meck­len­bur­gis­che Staat­sthe­ater, die Touris­ten­in­for­ma­tion Schw­erin sowie an den Abend­kassen erhältlich. Das voll­ständi­ge Fes­ti­val­pro­gramm ist unter www.tagedesexils.de
abruf­bar. „Ein gemein­sames Zeichen der Ver­ant­wor­tung“ Schw­erins Kul­tur­dez­er­nent Sil­vio Horn würdigte die neue Träger­schaft als wichti­gen Schritt für die Zukun­ft des Fes­ti­vals:

„Ich freue mich außeror­dentlich, dass es gelun­gen ist, die Ver­ant­wor­tung für dieses bedeu­tende For­mat der Erin­nerungskul­tur auf mehrere Schul­tern zu verteilen und damit das Fes­ti­val zukun­ftssich­er aufzustellen.“

Horn betonte, dass das Festival mehr sei als eine reine Konzertreihe:

„Was einst aus poli­tis­chen und ide­ol­o­gis­chen Grün­den ver­boten und ver­drängt wurde, erklingt heute als Mah­nung und als Aus­druck men­schlich­er Würde. Diese Musik ste­ht für Frei­heit, Men­schlichkeit und Wider­stand.“

Das Pro­jekt, so Horn, sei ein Beken­nt­nis zur kul­turellen und his­torischen Ver­ant­wor­tung – weit über die Gren­zen Meck­len­burg-Vor­pom­merns hin­aus.

Stimmen der Partnerinstitutionen

Prof. Dr. Friederike Wiß­mann, Prorek­torin der Hochschule für Musik und The­ater Ros­tock, hob die gesellschaftliche Bedeu­tung her­vor:

„Dass sich Studierende mit ver­femter Musik beschäfti­gen, ist ein wichtiger Beitrag zur Erin­nerungskul­tur – und ein Brück­en­schlag zwis­chen Ver­gan­gen­heit und Gegen­wart. Ziel ist die Auseinan­der­set­zung mit total­itären Struk­turen, auch zur Stärkung der heuti­gen Demokratie.“

Auch Prof. Dr. Bernd Red­mann, Präsi­dent der Musikhochschule Lübeck, betonte die Notwendigkeit his­torisch­er Aufar­beitung:

„Ger­ade heute ist es gesellschaftlich notwendig, die zer­störerischen Fol­gen nation­al­sozial­is­tis­ch­er Kul­tur­poli­tik zu verge­gen­wär­ti­gen. Unsere Koop­er­a­tion über Län­der­gren­zen hin­weg kann für Forschung, Wieder­auf­führung und kul­turelle Bil­dung Immenses bewirken.“

Der Kaufmän­nis­che Geschäfts­führer des Meck­len­bur­gis­chen Staat­sthe­aters, Chris­t­ian Schwandt, sieht in der Zusam­me­nar­beit auch eine Antwort auf finanzielle Her­aus­forderun­gen:

„In Zeit­en knap­per Bud­gets dro­ht die Gefahr, dass nur noch pop­uläre Pro­gramme über­leben. Diese Koop­er­a­tion ermöglicht uns, Ent­deck­un­gen zu machen und sie einem bre­it­eren Pub­likum zu zeigen.“

Musik als Mahnung und Brücke zur Gegenwart

Das Fes­ti­val „Ver­femte Musik“ bleibt damit ein zen­trales Ele­ment der kul­turellen Erin­nerung in Meck­len­burg-Vor­pom­mern. Es erin­nert an Kün­st­lerin­nen und Kün­stler, deren Stim­men während des Nation­al­sozial­is­mus zum Schweigen gebracht wur­den – und lässt ihre Werke heute wieder erklin­gen.

Mit der Fort­führung des Fes­ti­vals set­zen die beteiligten Insti­tu­tio­nen ein Zeichen gegen das Vergessen und für eine offene, erin­nerungs­be­wusste Gesellschaft.