MVgida hat sich nicht erledigt

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(red). Wer geglaubt hat, dass MVgida sich von selbst erledigt, sollte spätestens gestern Abend besser belehrt worden sein. Vielmehr stabilisieren sich bei den Islamgegnern die Teilnehmerzahlen, während die Gegner immer weniger werden.

 

Gestern war in Schwerin wieder MVgida-Tag. Fast schon Routine, war vieles diesmal trotzdem anders als sonst. So hatten die Organisatoren von MVgida in der vergangenen Woche ihre Demonstration überraschend auf den Berliner Platz auf dem Großen Dreesch verlegt. Auf der Facebookseite des Bündnisses wurde der Schritt damit begründet, dass man nun Neues ausprobieren wolle. »MVGIDA will aufrütteln und auf Probleme hinweisen. Was wäre da naheliegender, als auch einmal auf die Trabantenstädte abseits des Schlosses hinzuweisen; sozusagen ein Blick ‚hinter die Kulissen‘ der herausgeputzten Landeshauptstadt.«, hieß es wörtlich.

 

Sicherlich dürfte hinter der Entscheidung aber auch das Kalkül gestanden haben, dass es sich bei dem Großen Dreesch um einen sozialen Brennpunkt der Stadt handelt. So hoffte man dort auf jene Zustimmung durch die Bevölkerung, die den besorgten Abendländern in Schwerin, zumindest nach außen, verwehrt geblieben ist. Ob diese Rechnung aufgehen würde, das war im Vorfeld eine spannende Frage.

 

MVgida und NPD rücken näher zusammen

 

Nach Polizeiangaben versammelt sich gestern Abend 280 Anhänger von MVgida auf dem Berliner Platz. Die Veranstalter selber sprechen von über 300 Demonstranten. Nicht abzustreiten ist, dass es dem Bündnis diesmal besser als die letzten Male gelungen ist, ihre Anhänger zu mobilisieren. Immer wieder konnte man auch Familien sehen, die sich dem Demonstrationszug angeschlossen haben. Sollte der »Spaziergang« ursprünglich um 17:30 Uhr losgehen, dauerte es eine geschlagene Stunde, bis sich die selbsternannten Retter des Abendlandes auf den Weg Richtung Lenin-Denkmal chten. Der Weg führte über die Hamburger Allee bis zur Kreuzung Plater-Straße. Hier wurde eine Zwischenkundgebung abgehalten. Über die Perleberger Straße ging es zurück zum Berliner Platz. Dadurch dass die Route gestern Abend direkt durch das Neubaugebiet führte, erreichte der Demonstrationszug mehr Zuschauer und -hörer als bei den vergangenen Aufmärschen. Hauptpunkt der MVgida-Demonstration war gestern Abend nicht die »Islamisierung des Abendlandes«, sondern es ging um eine Abrechnung mit einem der »Hauptfeinde« von MVgida, den USA. Natürlich ging es auch wieder gegen Asylanten und GEZ. Zumindest in Sachen Feindbild war also alles beim Alten, wenn auch ein bischen weniger »Lügenpresse« zu hören war.

 

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MVgida und NPD scheinen nach dem Ausstieg des bisherigen Hauptorganisators Enrico Naumann nun noch enger als bisher zusammengerückt zu sein. So war einer der Hauptredner gestern Abend der bekannte Neonazi Lutz Giesen, der unter anderem wegen Volksverhetzung, Verwendens verfassungsfeindlicher Symbole, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung in mindestens 15 Fällen vorbestraft ist. Offenbar ist hier inzwischen jede Hemmung gefallen. »MVgida zeigt immer unverblümter, wohin der Spaziergang gehen soll: nämlich nach ganz rechts. Immer mehr entwickelt sich MVgida zum Scharnier zwischen »besorgten« Bürgerinnen und Bürgern und Rechtsextremisten. MVgida verfolgt damit offensichtlich das Ziel die Schamschwelle für rassistische Einstellungen weiter zu senken.«, sagt der Landesvorsitzende von Bündnis 90 / Die Grünen, Andreas Katz.

 

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»Die Hoffnung, das würde sich von selbst erledigen, trügt.«

 

Die Zivilgesellschaft scheint sich immer mehr von der Straße verabschiedet zu haben. Fanden sich beim ersten »Abendspaziergang« noch gut 500 Gegendemonstranten zusammen, um sich gegen die Parolen und Ziele von MVgida auszusprechen, waren es gestern deutlich weniger Gegner. Der Dreescher Stadtteiltreff »Eiskristall« hatte zu einem »Frühjahrsputz« aufgerufen. Während sich auf dem Berliner Platz MVgida sammelten, wollten die Akteure mit ihrer Putz-Aktion signalisieren, dass sie nicht tatenlos zusehen, wenn die Provokateure zusätzliche Unruhe in den Stadtteil bringen. »Demonstrieren, reden, putzen – es gibt viele Wege, Gesicht zu zeigen und etwas für die Stadt zu tun. Wir stellen uns schützend vor die Menschen am Rand der Gesellschaft, die zum großen Teil im Plattenbau leben«, sagen die Organisatoren. Sicherlich hätten sich auch die Organisatoren mehr Teilnahme an der Aktion gewünscht.

 

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»Die Hoffnung, das würde sich von selbst erledigen, trügt. Jetzt sind deutliche Reaktionen der demokratischen Parteien und Zivilgesellschaft gefragt! Es wird Zeit, dass die demokratische Mehrheit sich da zeigt, wo MVgida nach wie vor Raum zu gewinnen sucht: auf der Straße. Mit weiteren Anmeldungen für den Ostermontag und den 20. April macht MVgida klar, dass sie vom Aufgeben weit entfernt sind.«, sagt Andreas Katz und macht damit klar, dass MVgida nach wie vor eine Herausforderung bleibt.

 

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