Wahl wird geprüft:
Nachzählung in Schwerin – Sechs Wahlbezirke werden erneut ausgezählt
In sechs Schweriner Wahlbezirken werden heute die Stimmen noch einmal gezählt. Zahlen können sich dadurch ändern – das Direktmandat in Schwerin I aber vermutlich nicht mehr.

In Kürze:
- In sechs Schweriner Wahlbezirken werden heute die Stimmen der Landtagswahl erneut gezählt.
- In Schwerin I gewann Manuela Schwesig mit 54,4 Prozent der Erststimmen deutlich vor Leif-Erik Holm mit 28,2 Prozent. Dieser Abstand kann durch die Nachzählung vermutlich nicht mehr aufgeholt werden.
- Offen ist, warum gerade diese sechs Bezirke überprüft werden und wie viele Stimmen sich durch die Nachzählung tatsächlich verändern.
In Schwerin werden heute Teile der Landtagswahl noch einmal ausgezählt. Stadtwahlleiterin Juliane Rickert hat für Mittwoch, 23. September, eine Nachzählung in sechs Wahlbezirken angeordnet. Betroffen sind Gebiete in der Weststadt, in Lankow, Krebsförden, Wüstmark, auf dem Großen Dreesch und in den Göhrener Tannen.
Los geht es heute um 10 Uhr im Stadthaus am Packhof. Die Nachzählung ist öffentlich. Die Stadtwahlleiterin begründet den Schritt damit, dass das endgültige Wahlergebnis ordnungsgemäß festgestellt werden soll.
Warum ausgerechnet diese sechs Wahlbezirke ausgewählt wurden, sagt die Bekanntmachung nicht. Auch von Fehlern oder anderen Auffälligkeiten bei der Auszählung am Sonntag ist darin nicht die Rede. Deshalb ist bislang offen, was den Ausschlag für die erneute Zählung gegeben hat.
Fest steht: Bei einer Nachzählung können sich Stimmenzahlen verändern. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass anschließend ein anderer Kandidat gewählt ist oder sich das Ergebnis der Landtagswahl grundlegend verschiebt. Entscheidend ist, wie viele Stimmen nach der erneuten Prüfung anders gezählt werden.
Hier wird heute nachgezählt
In Schwerin I werden drei Ergebnisse noch einmal überprüft: Weststadt III, Weststadt VI und der Briefwahlbezirk 903 für Lankow II und Lankow III.
In Schwerin II betrifft die Nachzählung Krebsförden IV/Wüstmark, Großer Dreesch I sowie Großer Dreesch IV/Göhrener Tannen.
Es wird also nicht die gesamte Wahl in Schwerin neu ausgezählt. Auf den Tisch kommen nur die Stimmzettel aus diesen sechs Bezirken.
Große Verschiebung in Schwerin I ausgeschlossen
Am Direktmandat im Wahlkreis Schwerin I wird die Nachzählung nichts ändern. Manuela Schwesig (SPD) erhielt 54,4 Prozent der Erststimmen, Leif-Erik Holm (AfD) 28,2 Prozent. Der Abstand beträgt 26,2 Prozentpunkte.
Nachgezählt werden in diesem Wahlkreis zudem nur drei Bezirke: Weststadt III, Weststadt VI sowie der gemeinsame Briefwahlbezirk für Lankow II und III. Angesichts des deutlichen Vorsprungs von Schwesig können mögliche Korrekturen in diesen Bezirken das Direktmandat nicht mehr verändern.
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Auswirkungen kann die Nachzählung dennoch auf die Ergebnisse der einzelnen Bezirke haben. Werden Stimmen bei der erneuten Prüfung anders bewertet oder zugeordnet, können sich dort Stimmenzahlen und Prozentwerte verschieben. Bei knappen Abständen könnte dadurch auch eine andere Partei in einem Bezirk vorne liegen.
Für das Gesamtergebnis des Wahlkreises wären solche Veränderungen jedoch erst dann von größerer Bedeutung, wenn eine entsprechend hohe Zahl von Stimmen betroffen wäre. Im Duell zwischen Schwesig und Holm ist der Abstand dafür deutlich zu groß.
Lankow zeigt die Unterschiede
Wie unterschiedlich die Ergebnisse schon innerhalb eines Stadtteils ausfallen können, zeigt Lankow. In Lankow II kam die SPD bei den Zweitstimmen auf 38,0 Prozent, die AfD auf 34,1 Prozent. In Lankow III war es umgekehrt: Dort erreichte die AfD 42,8 Prozent, die SPD 35,1 Prozent.
Nachgezählt werden allerdings nicht die Urnenstimmen aus diesen beiden Bezirken. Überprüft wird der Briefwahlbezirk 903, in dem Briefwähler aus Lankow II und Lankow III gemeinsam erfasst sind.
Das Beispiel zeigt auch, warum Veränderungen bei einer Nachzählung vorsichtig eingeordnet werden müssen. Schon innerhalb eines Stadtteils können sich die Ergebnisse deutlich unterscheiden. Aus einigen korrigierten Stimmen lässt sich deshalb noch kein neuer politischer Trend für Lankow oder ganz Schwerin ableiten.
Was sich tatsächlich ändern kann
Bei der heutigen Nachzählung geht es damit vor allem um die genaue Zahl der Stimmen. Denkbar ist beispielsweise, dass einzelne Stimmzettel bei der erneuten Prüfung anders bewertet werden oder eine Stimme zuvor nicht richtig zugeordnet wurde.
Erst nach der Nachzählung lässt sich sagen, ob es überhaupt solche Abweichungen gibt. Bleibt es bei wenigen Stimmen, dürfte sich am Gesamtbild der Wahl wenig ändern. Fallen die Unterschiede größer aus, stellt sich dagegen die Frage, wie sie entstanden sind.
Für das landesweite Ergebnis gilt das noch stärker. Die sechs Schweriner Bezirke machen nur einen kleinen Teil aller Stimmen in Mecklenburg-Vorpommern aus. Änderungen dort fließen zwar in das endgültige Ergebnis ein, führen aber nicht automatisch zu einer größeren Verschiebung im Land.
Heute wird es interessant
Die entscheidende Zahl steht deshalb noch aus: Wie viele Stimmen werden nach der erneuten Auszählung anders verbucht als bisher?
Ein Vergleich der alten und neuen Ergebnisse wird zeigen, ob es lediglich kleinere Korrekturen gibt oder ob die Abweichungen größer sind. Dann dürfte auch die Frage wichtiger werden, weshalb gerade diese sechs Bezirke für die Nachzählung ausgewählt wurden.
Darauf gibt die Bekanntmachung bislang keine Antwort. Die Stadtwahlleiterin nennt lediglich die ordnungsgemäße Feststellung des endgültigen Wahlergebnisses als Grund. Damit geht es heute weniger darum, ob die Landtagswahl in Schwerin plötzlich einen anderen Ausgang nimmt. Entscheidend ist, ob die erneute Auszählung die bisherigen Zahlen bestätigt oder ob und in welchem Umfang sie korrigiert werden müssen.
Transparenzhinweis
Aktualisierung, 23. September: Die Nachzählung der sechs Schweriner Wahlbezirke ist inzwischen abgeschlossen. Nach Angaben der Stadt wurden keine nennenswerten Abweichungen von den am Wahlsonntag gemeldeten Ergebnissen festgestellt. Die Stadtwahlleiterin hat inzwischen auch den Grund für die Nachzählung genannt: In den betroffenen Bezirken gab es entweder Abweichungen zwischen den Schnellmeldungen und den Niederschriften der Wahlvorstände oder die Angaben ließen sich wegen der Qualität der Niederschriften nicht eindeutig abgleichen.
Die Ergebnisse werden dem Wahlausschuss vorgelegt. Dieser soll am Freitag um 11 Uhr in öffentlicher Sitzung im Stadthaus das amtliche Endergebnis für die beiden Schweriner Wahlkreise feststellen.
Nach Angaben der Stadt sind Nachzählungen grundsätzlich nicht ungewöhnlich. Die Häufung bei dieser Wahl könnte mit dem Einsatz vieler neuer Wahlhelfer zusammenhängen. Die Stadtwahlleitung will deshalb noch prüfen, ob die betroffenen Wahlvorstände an den angebotenen Schulungen teilgenommen hatten.
Hinweis der Redaktion: Der folgende Artikel wurde vor Beginn der Nachzählung veröffentlicht und ordnet auf Grundlage der zu diesem Zeitpunkt vorliegenden Informationen ein, welche Auswirkungen mögliche Veränderungen auf das Wahlergebnis haben könnten. Die damals noch offene Frage nach dem Anlass der Nachzählung hat die Stadt inzwischen beantwortet.




