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Offene Vorgeschichte:
Schweriner spendeten für Nandolino – doch wie kam der Drache zu seinem Eigentümer?

15.000 Euro Spenden, 24.000 Euro Sachleistungen und mehrere beteiligte Akteure: Die Stadt soll Nandolino geschenkt bekommen. Doch seine Vorgeschichte ist nicht vollständig geklärt.

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  • Veröffentlicht September 7, 2026
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Nan­dolino am Schw­er­iner Pfaf­fen­te­ich: Der Bronze­drache wurde mit Spenden und Sach­leis­tun­gen ermöglicht und soll nun in das Eigen­tum der Stadt überge­hen. Foto:  Tmv23 – Eigenes Werk, CC BY 4.0, Link

 


In Kürze:

  • Für den Drachen Nan­dolino am Pfaf­fen­te­ich kamen rund 15.000 Euro Geld­spenden zusam­men. Hinzu kom­men nach Angaben der Stadt Sach­leis­tun­gen im Wert von rund 24.000 Euro.
  • ALBATROS will Nan­dolino der Stadt schenken. Wie der Vere­in zuvor Eigen­tümer der gemein­schaftlich ermöglicht­en Skulp­tur wurde, ist öffentlich nicht nachvol­lziehbar.
  • ALBATROS, Max­press und die Kanuren­nge­mein­schaft wer­den in den Veröf­fentlichun­gen mit unter­schiedlichen Rollen bei Spende­nak­tion und Pro­jekt genan­nt.

 

Nan­dolino ste­ht seit gut einem Jahr wieder am Schw­er­iner Pfaf­fen­te­ich. Bürg­er und Unternehmen spende­ten für den neuen Bronze­drachen, weit­ere Unter­stützer halfen mit Mate­r­i­al und Leis­tun­gen. Nun soll die Skulp­tur offiziell der Stadt Schw­erin gehören. Doch bei der Geschichte des Gemein­schaft­spro­jek­ts bleibt eine entschei­dende Frage offen: Wie kam Nan­dolino in das Eigen­tum des Vere­ins ALBATROS Umwelt und Natur e.V., der den Drachen jet­zt der Stadt schenken will?

Dafür muss man ins Jahr 2025 zurück­blick­en. Der alte Nan­dolino aus Holz hat­te viele Jahre am Südufer des Pfaf­fen­te­ichs ges­tanden und war vor allem bei Kindern beliebt. Nach­dem die Fig­ur stark ver­wit­tert war, ent­stand die Idee, den Drachen zurück­zubrin­gen – dies­mal dauer­haft aus Bronze.

Geschaf­fen wurde die neue Fig­ur vom Schw­er­iner Kün­stler Nan­do Kall­weit. Weil für Mate­r­i­al und Bronze­guss Geld benötigt wurde, begann eine öffentliche Spende­nak­tion. Die Schw­er­iner Agen­tur Max­press startete dafür unter anderem einen Aufruf auf der Plat­tform GoFundMe. Die Kanuren­nge­mein­schaft wurde dort nicht als Träger oder Ini­tia­tor genan­nt.

Im August 2025 teilte Max­press in ein­er Pressemit­teilung mit, ins­ge­samt 15.000 Euro seien durch Spenden von Bürg­ern, Fir­men und städtis­chen Unternehmen zusam­mengekom­men. Dabei hieß es, die Aktion sei von der Agen­tur „im Namen der Kanuren­nge­mein­schaft“ ini­ti­iert wor­den.

 

In ein­er Pressemit­teilung der Agen­tur Max­press hieß es im August 2025, diese habe die Spende­nak­tion im Namen der Kanuren­nge­mein­schaft ini­ti­iert. (Screen­shot aus der PM)

 

Wer organisierte die Geldspenden?

In ein­er Pressemit­teilung vom Mittwoch beschreibt die Stadt die Entste­hung des Pro­jek­ts nun aus­führlich­er. Darin wird Heiko Stolp, Ini­tia­tor der Schw­er­iner Drachen­boot­fes­ti­vals und selb­st Unter­stützer der Spende­nak­tion, mit den Worten zitiert, er danke „dem Alba­tros-Vere­in, der die Geld­spenden organ­isierte“ sowie Max­press für die „engagierte Begleitung“.

Damit wer­den drei Akteure mit unter­schiedlichen Rollen genan­nt: ALBATROS soll die Geld­spenden organ­isiert haben, Max­press startete den GoFundMe-Aufruf und erk­lärte 2025, die Aktion „im Namen der Kanuren­nge­mein­schaft“ ini­ti­iert zu haben. Wie die Auf­gaben tat­säch­lich zwis­chen ihnen verteilt waren, lässt sich aus den Veröf­fentlichun­gen nicht voll­ständig nachvol­lziehen.

Schw­erin Lokal fragte deshalb die Kanuren­nge­mein­schaft, ob die Ini­tia­tive von ihr aus­ging, ob Max­press in ihrem Auf­trag tätig war und welche Rolle sie bei den Spenden spielte. Der Vere­in beant­wortete die Fra­gen nicht.

Auch im Haup­tauss­chuss am Dien­stag kam Max­press zur Sprache. Der frak­tion­slose Stadtvertreter Heiko Stein­müller ver­wies auf die Beteili­gung der Agen­tur. Ober­bürg­er­meis­ter Sebas­t­ian Ehlers (CDU) ver­wies allerd­ings darauf, dass Max­press gar­nicht involviert sei. Auf den Schenkung­sprozess trifft das sicher­lich zu.

Wie wurde ALBATROS Eigentümer?

Aus Sicht der Ver­wal­tung ist die heutige Eigen­tümer­stel­lung gek­lärt. In den städtis­chen Unter­la­gen wird ALBATROS als Zuwen­dungs­ge­ber des Nan­dolino geführt. Der Wert der Schenkung wird dort mit 39.000 Euro angegeben.

Kul­tur­dez­er­nent Sil­vio Horn sagte dazu im Haup­tauss­chuss: „Am Ende wurde eine Vere­in­barung mit einem Vere­in getrof­fen, der uns nicht daran zweifeln lässt, dass der Vere­in Eigen­tümer dieses Kunst­werks ist.“

Auf Anfrage von Schw­erin Lokal erk­lärte die Ver­wal­tung zudem: „Es liegen dazu Aus­sagen sowohl des Vere­ins ALBATROS als Ver­tragspartei der Schenkung als auch des aus­führen­den Kün­stlers vor, die die Basis des Schenkungsver­trages bilden.“

Nicht gek­lärt ist damit nicht die heutige Eigen­tümer­stel­lung, son­dern deren Vorgeschichte. Schw­erin Lokal wollte von der Ver­wal­tung wis­sen, ob ALBATROS bere­its Auf­tragge­ber des Kunst­werks war oder die Skulp­tur später über­nom­men hat­te. Die Stadt antwortete: „Bitte fra­gen Sie zu diesen Details den Vere­in selb­st.“

ALBATROS beant­wortete die entsprechende Anfrage von Schw­erin Lokal nicht. Das ist für sich genom­men kein Hin­weis auf einen unzuläs­si­gen Vor­gang. Die Organ­i­sa­tion ein­er Spenden­samm­lung und das spätere Eigen­tum an dem finanzierten Kunst­werk müssen nicht bei der­sel­ben Organ­i­sa­tion liegen. Auch eine spätere Über­tra­gung wäre möglich. Welch­er Weg bei Nan­dolino genom­men wurde, ist bis­lang jedoch nicht nachvol­lziehbar.

Was ist ALBATROS?

ALBATROS Umwelt und Natur e.V. ist ein Schw­er­iner Vere­in, der sich unter anderem dem Erhalt his­torisch­er Wasser­fahrzeuge wid­met. Bekan­nt ist er vor allem durch die Restau­rierung des ehe­ma­li­gen Kon­troll­bootes „Alba­tros“, das Vere­ins­mit­glieder vor der Ver­schrot­tung bewahrten und über Jahre wieder auf­baut­en.

Eine weit­ere Verbindung beste­ht zur Agen­tur Max­press. ALBATROS nen­nt in seinem Impres­sum die Sta­dion­straße 1 in Schw­erin als Vere­inssitz. Dort befind­et sich auch die Geschäft­sadresse von Max­press. Auch die angegebene Tele­fon­num­mer ist iden­tisch: 0385 760520. Vere­in und Agen­tur führen damit nach ihren eige­nen Impres­sum­sangaben dieselbe Anschrift und Tele­fon­num­mer.

Für die Nan­dolino-Recherche ist das deshalb von Inter­esse, weil Max­press an der Spende­nak­tion beteiligt war. Welche Bedeu­tung die gemein­same Adresse und Tele­fon­num­mer für das Pro­jekt hat­ten, lässt sich daraus nicht ableit­en.

Wie werden aus 15.000 Euro 39.000 Euro?

Die Bew­er­tung des Nan­dolino beschäftigte eben­falls den Haup­tauss­chuss am Dien­stag. Stein­müller wollte wis­sen, wie sich der Wert von 39.000 Euro erk­lärt. Ehlers betonte, dass dafür kein öffentlich­es Geld einge­set­zt wor­den sei, und erläuterte: „15.000 Euro seien die  Spenden spenden gewe­sen. Hinzu seien 24.000 Euro Arbeit­sleis­tung gekom­men”. Das sei so durch den Kün­stler ange­set­zt wor­den.

In der schriftlichen Antwort an Schw­erin Lokal beschreibt die Ver­wal­tung die Zusam­menset­zung etwas all­ge­mein­er: „15.000 Euro Mate­r­i­al & Gießereikosten; 24.000 Euro son­stige Leis­tun­gen als Sach­leis­tun­gen.“

Den Gesamtwert habe Nan­do Kall­weit bestätigt. Die Stadt schreibt: „Der Wert wurde in dieser Höhe vom Kün­stler Nan­do Kall­weit bestätigt und ist plau­si­bel, auch mit Blick auf andere Kunst­werke im öffentlichen Raum.“

Auch Man­fred Strauß von den Unab­hängi­gen Bürg­ern (UB) äußerte sich im Haup­tauss­chuss dazu. Nach sein­er Darstel­lung ent­fie­len die 15.000 Euro auf das Mate­r­i­al. Kall­weit habe den Wert sein­er Arbeit­sleis­tung zusät­zlich einge­bracht. Strauß sagte, dies sei ihm auf Nach­frage so erläutert wor­den.

Die städtis­che Pressemit­teilung vom Mittwoch fasst die Sach­leis­tun­gen allerd­ings weit­er. Kul­tur­dez­er­nent Horn nen­nt neben dem Verzicht Kall­weits auf eine Bezahlung auch Fun­da­ment, Trans­portleis­tun­gen und weit­ere Arbeit­en, die Unter­stützer unent­geltlich für das Pro­jekt erbracht hät­ten.

Fest ste­ht damit: Die 39.000 Euro sind nicht mit der Höhe der Geld­spenden gle­ichzuset­zen. 15.000 Euro ent­fall­en nach Angaben der Stadt auf Mate­r­i­al und Gießerei. Weit­ere 24.000 Euro wur­den als Sach­leis­tun­gen bew­ertet. Wie sich dieser zweite Betrag im Einzel­nen auf Kün­stler­ar­beit, Fun­da­ment, Trans­port und weit­ere Leis­tun­gen verteilt, geht aus den vor­liegen­den Angaben nicht her­vor.

Schw­erin Lokal bat ALBATROS um eine konkrete Auf­schlüs­selung und wollte wis­sen, wie die einzel­nen Sach­leis­tun­gen bew­ertet wur­den. Der Vere­in beant­wortete auch diese Anfrage nicht.

Warum die Stadt einen Wert braucht

Für die Stadt ist die Bew­er­tung nicht nur eine Zahl auf dem Papi­er. Sie benötigt einen Wert unter anderem für die Eigen­tum­süber­tra­gung, die bilanzielle Behand­lung und einen möglichen Ver­sicherungs- oder Wiederbeschaf­fungswert. Auch Horn ver­wies im Haup­tauss­chuss auf den Ver­sicherungswert eines Kunst­werks, das in städtis­ches Eigen­tum überge­ht.

Zudem entschei­det die Höhe ein­er Schenkung darüber, welch­es poli­tis­che Gremi­um zuständig ist. Nach Angaben der Ver­wal­tung hätte bere­its ein Wert von mehr als 1.000 Euro aus­gere­icht, damit die Stadtvertre­tung über die Annahme entschei­det.

Der Haup­tauss­chuss hat der Schenkung am Dien­stag ein­stim­mig zuges­timmt. Nun muss noch die Stadtvertre­tung am kom­menden Mon­tag entschei­den. Erst danach kann Nan­dolino offiziell in das Eigen­tum der Lan­deshaupt­stadt überge­hen.

Damit übern­immt Schw­erin zugle­ich die Ver­ant­wor­tung für die Skulp­tur. Auf die Frage, wer kün­ftig für Pflege, Wartung, Repara­turen und mögliche Fol­gekosten aufkommt, antwortete die Ver­wal­tung: „Die Stadt als neue Eigen­tümerin.“

Die Stadt begrüßt solche Ini­tia­tiv­en nach eige­nen Angaben ger­ade angesichts ihrer anges­pan­nten finanziellen Lage. Durch Spenden und ehre­namtlich­es Engage­ment kön­nten Pro­jek­te ermöglicht wer­den, die aus eige­nen Mit­teln nur schw­er zu finanzieren wären.

Eine Lücke in der Geschichte des Nan­dolino bleibt den­noch: Auf welchem Weg wurde ALBATROS Eigen­tümer des gemein­schaftlich finanzierten Kunst­werks? Die Gele­gen­heit, die offe­nen Punk­te zu erk­lären, nutzten ALBATROS und die Kanuren­nge­mein­schaft nicht.