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Neue Wohnquartiere – Wo die Stadt in den kommenden Jahren wachsen soll
Schwerin plant neue Wohnquartiere: In Warnitz, Lewenberg und am Lankower See könnten zahlreiche Wohnungen entstehen. Doch zugleich stehen in der Stadt mehr als 3.400 Wohnungen leer.

In Kürze:
- In Warnitz sind rund 1.000 neue Wohnungen geplant, in Lewenberg könnten weitere 500 bis 600 entstehen.
- Gleichzeitig weist die Schweriner Statistik mehr als 3.400 leerstehende Wohnungen aus.
- Die Projekte zeigen, wo und wie Schwerin künftig wachsen könnte – doch bis zum Baubeginn können noch Jahre vergehen.
Rund 1.000 Wohnungen im Warnitzer Feld, bis zu 600 auf dem Gelände der ehemaligen Möbelwerke und ein neues Wohnprojekt direkt am Lankower See: An mehreren Stellen Schwerins werden derzeit größere Wohnquartiere geplant. Während manche Vorhaben noch mitten im Planungsverfahren stecken, ist an anderer Stelle bereits Baurecht geschaffen worden. Gleichzeitig stehen in der Landeshauptstadt statistisch mehr als 3.400 Wohnungen leer. Ein Blick auf die größten Projekte und die Frage, wie sich Schwerin dadurch verändern könnte.
Wer heute über die Grevesmühlener Chaussee in Richtung Warnitz fährt, sieht dort noch nicht das neue Stadtquartier, das in den kommenden Jahren entstehen könnte. Doch auf dem Papier sind die Planungen inzwischen weit fortgeschritten. Auf einer bislang landwirtschaftlich genutzten Fläche am nordwestlichen Stadtrand soll eines der größten neuen Wohngebiete Schwerins entstehen.
Rund 1.000 Wohnungen sind für das sogenannte Warnitzer Feld vorgesehen. Das Vorhaben steht exemplarisch für eine Entwicklung, die derzeit an mehreren Stellen der Landeshauptstadt zu beobachten ist. In Warnitz wird auf bislang weitgehend unbebauter Fläche geplant, in Lewenberg soll dagegen eine jahrzehntealte Gewerbebrache verschwinden. Am Lankower See wird das Gelände der ehemaligen Strahlenklinik neu genutzt.
Zusammengenommen könnten allein in Warnitz und Lewenberg rund 1.500 bis 1.600 neue Wohnungen entstehen. Doch die Projekte befinden sich in sehr unterschiedlichen Stadien.
Warnitzer Feld soll rund 1.000 Wohnungen aufnehmen
Die Planungen für das Warnitzer Feld laufen bereits seit mehreren Jahren. Im Juni 2020 beschloss der Hauptausschuss, das Verfahren für den Bebauungsplan einzuleiten. Nach einem städtebaulichen Wettbewerb und mehreren Beteiligungsverfahren liegt inzwischen ein konkreter Entwurf vor.

Der Hauptausschuss beschloss am 2. Juni 2026 dessen Veröffentlichung. Vom 29. Juni bis zum 16. August konnten Bürger die Unterlagen einsehen und Stellungnahmen abgeben.
Das Konzept geht dabei weit über eine klassische Einfamilienhaussiedlung hinaus. Vorgesehen sind acht räumlich voneinander unterscheidbare Quartiere. Dort sollen Doppel‑, Reihen- und Kettenhäuser ebenso Platz finden wie mehrgeschossige Wohngebäude. Die Stadt spricht von strukturell gemischten Nachbarschaften.
Zwischen dem bestehenden Warnitz und dem Neubaugebiet soll zudem eine naturnahe Landschaftszone entstehen. Im Inneren des neuen Gebietes ist dagegen eine dichtere Bebauung mit einem Quartierszentrum vorgesehen. Freiräume sollen die einzelnen Nachbarschaften miteinander verbinden.
Das Projekt ist für Schweriner Verhältnisse groß. Eine von der Stadt veröffentlichte Verkehrsuntersuchung arbeitet mit 1.050 Wohneinheiten und einer Kindertagesstätte.
Fast 6.000 zusätzliche Autofahrten pro Werktag
Wie groß die Auswirkungen eines solchen Quartiers sein könnten, zeigt besonders die Verkehrsplanung.

Die Verkehrsuntersuchung prognostiziert durch das neue Wohngebiet rund 5.900 zusätzliche Kfz-Fahrten pro Werktag. Untersucht wurden deshalb verschiedene Möglichkeiten, das Quartier an das bestehende Straßennetz anzuschließen.
Eine Variante sieht neben der Anbindung in Richtung Landesstraße 03 beziehungsweise B 104 zusätzlich eine Verbindung zum Kirschenhöfer Weg vor. Bei einer solchen Durchfahrt würden nach Berechnung der Gutachter auch Autofahrer aus bereits bestehenden Wohngebieten die neue Verbindung nutzen.
Für diese Variante werden rund 545 zusätzliche Fahrten pro Werktag angenommen, die aus den südlich gelegenen Bestandsgebieten durch das neue Quartier führen würden. Gleichzeitig könnten dadurch andere Straßen in Warnitz entlastet werden.
Die Gutachter kommen insgesamt zu dem Ergebnis, dass beide untersuchten Erschließungsvarianten verkehrlich zu bewältigen seien. An einzelnen Stellen wären allerdings bauliche Anpassungen erforderlich.
Verkehr ist nicht die einzige Herausforderung. Bestandteil der Planung sind auch Untersuchungen zu Lärm, Baugrund, Grundwasser sowie den Auswirkungen auf Tiere und Pflanzen. Beim Artenschutz werden unter anderem Amphibien, Reptilien, Fledermäuse und Brutvögel betrachtet. Auch der Verkehrslärm von der Grevesmühlener Chaussee und der B 104 spielt bei der Planung des neuen Wohngebietes eine Rolle.
Noch ist allerdings nicht entschieden, wann dort tatsächlich die ersten Häuser entstehen. Mit der Veröffentlichung des Entwurfs ist das Bebauungsplanverfahren noch nicht abgeschlossen.
Aus einer Industriebrache in Lewenberg soll ein Wohnquartier werden
Ein völlig anderes Bild bietet sich einige Kilometer weiter südöstlich. Zwischen Wismarscher Straße, Möwenburgstraße und Ziegelaußensee liegt das Gelände der ehemaligen Schweriner Möbelwerke.
Die Fläche ist rund 57.300 Quadratmeter groß und wird nach Angaben der Stadt teilweise seit Jahrzehnten nicht mehr genutzt. Einige Gewerbe‑, Dienstleistungs- und öffentliche Nutzungen entlang der Wismarschen Straße sollen bestehen bleiben. Andere ehemalige Gewerbebauten sollen im Zuge der Entwicklung verschwinden.
Auf dem Gelände sollen 500 bis 600 Wohnungen entstehen. Vorgesehen ist eine zwei- bis fünfgeschossige Bebauung.
Wie viele Wohnungen am Ende tatsächlich gebaut werden können, hängt unter anderem von deren Größe ab. In der Begründung zum Bebauungsplan rechnet die Stadt bei durchschnittlich 75 Quadratmetern Wohnfläche mit etwa 520 Wohnungen. Bei durchschnittlich 65 Quadratmetern könnten es bis zu 600 werden.
Vorgesehen sind dabei nicht ausschließlich klassische Mietwohnungen. Die Planungsunterlagen nennen Miet- und Eigentumswohnungen sowie Pflegeeinrichtungen als mögliche Bestandteile des neuen Quartiers.
Auch öffentliche Kinderspielflächen sowie neue Wege für Fußgänger und Radfahrer sind vorgesehen. Das Wohngebiet soll im nordwestlichen Bereich an die Wismarsche Straße angebunden werden. Innerhalb des Quartiers ist eine ringförmige Erschließung geplant.
Die ersten Planungen stammen aus dem Jahr 2013

Das ehemalige Möbelwerke-Gelände zeigt zugleich, wie lang der Weg von einer Planung bis zu einem fertigen Wohnquartier sein kann.
Bereits am 24. September 2013 beschloss der Hauptausschuss die Aufstellung des Bebauungsplans. Mehr als zwölf Jahre später befindet sich das Verfahren weiterhin in der Bauleitplanung.
2024 wurde die Öffentlichkeit frühzeitig beteiligt. Im März dieses Jahres folgte eine weitere Informationsveranstaltung. Am 24. März 2026 beschloss der Hauptausschuss schließlich die öffentliche Auslegung des Entwurfs.
Diese fand zwischen dem 17. April und dem 29. Mai statt. Nach Angaben der Stadt werden die eingegangenen Anregungen der Bürger sowie die Stellungnahmen von Behörden und anderen Trägern öffentlicher Belange derzeit geprüft.
Dass heute von bis zu 600 Wohnungen gesprochen wird, bedeutet deshalb auch hier nicht, dass diese kurzfristig entstehen werden. Zunächst muss das Bebauungsplanverfahren weitergeführt werden.
Am Lankower See ist die Planung bereits weiter
Weiter fortgeschritten ist ein anderes Projekt: das Gelände der ehemaligen Strahlenklinik an der Lübecker Straße.
Die Klinikgebäude wurden bis 2008 genutzt. Danach stand der Gebäudekomplex leer. Im Frühjahr 2024 begannen nach Angaben der Stadt die Abbrucharbeiten.
Auf dem rund 7.000 Quadratmeter großen Areal soll Geschosswohnungsbau entstehen. Entlang der Lübecker Straße ist eine geschlossene Bebauung mit drei bis fünf Geschossen vorgesehen. Im rückwärtigen Bereich sollen weitere mehrgeschossige Gebäude entstehen.
Eine Besonderheit des Projektes ist seine Lage unmittelbar am Lankower See. Die öffentliche Erreichbarkeit des Uferbereichs soll durch die Planung gesichert werden.
Anders als beim Warnitzer Feld und bei den ehemaligen Möbelwerken ist der Bebauungsplan hier bereits einen entscheidenden Schritt weiter.
Die Stadtvertretung beschloss den Bebauungsplan am 23. März 2026 als Satzung. Im Juli wurde dieser Satzungsbeschluss öffentlich bekannt gemacht. Der Plan wird von der Stadt inzwischen unter den rechtskräftigen Bebauungsplänen für Lankow geführt.
Damit bestehen hier bereits die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die vorgesehene Entwicklung.
Mehr als 3.400 Wohnungen stehen statistisch leer
Die großen Neubauvorhaben treffen auf eine zunächst bemerkenswert erscheinende Zahl.
Nach Angaben der Landeshauptstadt gab es zum 31. Dezember 2025 in Schwerin insgesamt 59.086 Wohnungen in 14.588 Wohngebäuden. Davon wurden 3.404 Wohnungen als leerstehend ausgewiesen.
Rechnerisch entspricht das einem Leerstand von knapp 5,8 Prozent des gesamten Wohnungsbestandes.
Gleichzeitig lag die Einwohnerzahl Schwerins Ende 2025 bei knapp 100.000 Menschen.
Die Zahlen werfen eine Frage auf, die bei der weiteren Entwicklung der Stadt eine wichtige Rolle spielen dürfte: Wie viel zusätzlichen Wohnraum benötigt Schwerin – und welchen?
Allein Warnitzer Feld und ehemalige Möbelwerke könnten nach den derzeitigen Planungen zwischen rund 1.500 und 1.600 zusätzliche Wohnungen schaffen. Hinzu kommen weitere kleinere Projekte und Innenentwicklungen.
Die reine Gegenüberstellung von Neubau und Leerstand beantwortet die Frage allerdings nicht. Die städtische Statistik sagt zunächst lediglich aus, wie viele Wohnungen als leerstehend erfasst sind. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass jede dieser Wohnungen unmittelbar vermietbar ist oder der heutigen Nachfrage nach Größe, Ausstattung, Zustand und Lage entspricht.
Dennoch zeigt die Zahl, dass die Diskussion über Schwerins Wohnungsmarkt nicht allein über möglichst viele Neubauten geführt werden kann.
Schwerin setzt zusätzlich auf den „Bau-Turbo“

Parallel zu den großen Bebauungsplänen versucht Schwerin, Wohnungsbau an anderer Stelle schneller zu ermöglichen.
Grundlage dafür ist der sogenannte Bau-Turbo des Bundes. Die 2025 geschaffene Regelung erlaubt Kommunen unter bestimmten Voraussetzungen, bis Ende 2030 bei Wohnungsbauvorhaben von bisherigen bauplanungsrechtlichen Vorgaben abzuweichen. Dadurch kann in geeigneten Fällen auf die Aufstellung oder Änderung eines Bebauungsplanes verzichtet werden.
Die Schweriner Stadtverwaltung hatte zunächst vorgeschlagen, diese Möglichkeit vor allem für Geschosswohnungsbau mit mindestens sechs zusätzlichen Wohnungen im Innenbereich einzusetzen. Eine Ausdehnung auf bislang unbebaute Flächen im Außenbereich sollte ausgeschlossen bleiben.
Ursprünglich schlug die Verwaltung außerdem eine Sozialwohnungsquote von 20 Prozent vor.
Die Stadtvertretung veränderte die Leitlinien allerdings. Ende Juni berichtete der NDR über den Beschluss der Stadtvertreter. Danach soll der Hauptausschuss über die Zustimmung zu entsprechenden beschleunigten Verfahren entscheiden und nicht allein der Oberbürgermeister.
Zugleich sehen die beschlossenen Kriterien nach Angaben des NDR einen Anteil von 25 bis 40 Prozent sozialem Wohnungsbau vor.
Damit verfolgt Schwerin derzeit zwei Wege gleichzeitig: Auf großen Entwicklungsflächen wie Warnitz oder Lewenberg laufen klassische Bebauungsplanverfahren, während kleinere oder bereits in die Stadtstruktur eingebundene Wohnungsbauprojekte unter bestimmten Voraussetzungen schneller ermöglicht werden sollen.
Das Schwerin von morgen entsteht nicht überall gleichzeitig
Die aktuellen Planungen zeigen, wie unterschiedlich Stadtentwicklung funktionieren kann.
Im Warnitzer Feld könnte auf bislang landwirtschaftlich genutzter Fläche ein nahezu neuer Stadtteil mit rund 1.000 Wohnungen entstehen. In Lewenberg soll eine alte Industrie- und Gewerbefläche zu einem Wohnquartier umgebaut werden. Am Lankower See wird eine frühere Klinikfläche einer neuen Nutzung zugeführt.
Die Dimensionen sind beträchtlich. Allein die beiden größten Projekte Warnitzer Feld und ehemalige Möbelwerke könnten Wohnraum für mehrere Tausend Menschen schaffen. Gleichzeitig werden neue Straßen, Wege, Grünflächen und soziale Infrastruktur benötigt – und bestehende Verkehrswege zusätzlich belastet.
Doch zwischen einem Bebauungsplan und einem bezugsfertigen Wohnhaus können Jahre liegen. Das zeigt gerade das Beispiel der ehemaligen Möbelwerke, deren planerische Neuordnung bereits 2013 begonnen wurde.
Deshalb ist die derzeit diskutierte Zahl von mehr als 1.500 möglichen Wohnungen in Warnitz und Lewenberg vor allem eines: ein Blick darauf, wie Schwerin in einigen Jahren aussehen könnte.
Ob alle Wohnungen tatsächlich gebaut werden, wann die ersten Bewohner einziehen und wie stark die neuen Quartiere Schwerins Einwohnerzahl verändern, ist heute noch offen. Klar ist dagegen schon jetzt: An mehreren Stellen der Stadt werden derzeit Entscheidungen vorbereitet oder umgesetzt, die das Gesicht Schwerins langfristig verändern werden.





