Neugegründete Bürgerinitiative fordert kostenfreien Nahverkehr

Gestern gründete sich die Bürgerinitiative "Freifahrt.Jetzt. Schwerin". Die Initiatoren haben die Zukunftsvision eines kostenfreien Nahverkehrs. Im Moment stehen aber noch mehr Fragen als Antworten im Raum.

Mitglieder der Bürgerinitiative v.l.n.r.: Cornelia Siburg, Gerd Paul, Anita Gröger, Torsten Müller, Daniela Filter, Peter Kuhlmann, Jana Wolff, Gottreich Albrecht, Klaus-Dietrich Woithe, Karsten Jagau, Daniel Lux

 

Kostenfreier Nahverkehr, geht das und wäre das ein Konzept für Schwerin? Die gestern neugegründete Bürgerinitiative „Freifahrt.Jetzt. Schwerin“ ist sich sicher, dass das Schwerin voranbringen würde. „Für die Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele   wäre die Einführung eines kostenfreien Nahverkehrs ein sinnvoller Beitrag der Stadt Schwerin“, so die gewählten Sprecher der Initiative Jana Wolff und Torsten Müller,  mit Blick auf die Stadtpolitik.

Fahrscheinloser Nahverkehr ist den  Gründungsmitgliedern der Initiative nicht genug. Ziel von „Freifahrt. Jetzt. Schwerin“ ist ein kostenfreier Nahverkehr für alle Fahrgäste in Bus und Bahn. Über den Weg dorthin will die Initiative öffentlich ins Gespräch kommen und Lösungsvarianten anschieben. 

 

Es gibt Modellbeispiele

 

„Modellbeispiele hierfür gibt es bereits in anderen europäischen Kommunen, z.B. in unserer Partnerstadt Tallinn, für ausgewählte Bevölkerungsgruppen. Im brandenburgischen Templin ist der öffentliche Busverkehr bereits nahezu kostenfrei verfügbar. Dort kostet eine Jahreskarte nur 44,00 Euro und ist sogar auf mehrere Personen übertragbar.“, sagen Wollff und Müller. 

So wie in Templin möchte die Initiative auch die gesellschaftliche Teilhabe aller Schweriner durch einen möglichst kostenfreien Nahverkehr verbessern. Die Vorteile liegen, nach Ansicht der Initiatoren, klar auf der Hand:  Sauberere Luft, weniger Verkehrsunfälle, weniger Verkehrsstaus,  weniger Lärm, mehr Grünflächen für Insekten wie die bedrohten Bienen, führen zu einer deutlich höheren Lebensqualität für alle. Nachhaltige,  gut durchdachte Verkehrskonzepte sollten nach dem Willen der Bürgerinitiative insbesondere die Fußgänger und die Radfahrer stärker in den Blick nehmen.

 

Kritiker sehen vor allem ein Finazierungsproblem

 

Kritiker des Konzeptes eines kostenlosen Nahverkehrs führen vor allem immer wieder das Finanzierungsproblem ins Feld. So spricht der Deutsche Städte- und Gemeindetag deutschlandweit von Einnahmen von rund 13 Milliarden Euro im öffentlichen Nahverkehr. Diese würden auch für den Betrieb benötigt, um besser zu werden und Angebote auszubauen. Sollte der öffentliche Nahverkehr kostenlos werden, müssten die Einnahmen aus Steuergeldern bereitgestellt werden. Im Falle Schwerins wäre hier die Stadt gefragt. Ob diese, angesichts der Haushaltssituation, mehr Geld in den Nahverkehr investieren kann, muss bezweifelt werden. Die Bürgerinitiative wird also genau darlegen müssen, wie sie sich eine Finanzierung Ihrer Forderung vorstellt. Gelingt es nicht einen ernsthaften Vorschlag dazu auf den Tisch zu legen, so wird die Idee am Ende nur eine Utopie bleiben. 

 

Stefan Rochow

Journalist, Unternehmer und Gründer der digitalen Tageszeitung Schwerin-Lokal.de. Sie erreichen mich per E-Mail unter redaktion@schwerinlokal.de

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