Nicht nur meckern, sondern etwas verändern

Sandra Neumann und Marco Rauch engagieren sich seit gut einem Jahr bei der linksjugend ['solid]. Vor allem die Frage der sozialen Gerechtigkeit bewegt die beiden jungen Menschen. Bei Solid wollen sie nicht nur meckern, sondern aktiv etwas verändern.

Sandra Neumann und Marco Rausch gehören zu den Mitbegründern von linksjugend [’solid]
Foto: Schwerin-Lokal.de | Dario Rochow
Immer wieder ist von  Politikverdrossenheit der jungen Generation die Rede. Interessieren sich junge Menschen tatsächlich nicht für Politik? Dieser Frage wollten wir einmal nachgehen und haben uns deshalb mit jungen Menschen unterhalten, die sich  in den parteipolitischen Jugendorganisationen in Schwerin engagieren. Wir trafen Mitglieder der Jungen Union (JU), Junge Liberale (Julis), der Linksjugend solid und den Jusos. 

 

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Die linksjugend [’solid] ist der Jugendverband der Partei Die Linke. Er versteht sich in der Selbstdarstellung als „ein offener sozialistischer Jugendverband, der sich kritisch zur kapitalistischen Gesellschaft in den aktuellen politischen Auseinandersetzungen engagiert.“ Wir treffen Sandra Neumann und Marco Rauch im Bürgerbüro der Linken in der Martinstraße. Marco Rauch ist einer der beiden Solid-Sprecher in Schwerin. Sandra Neumann ist stellvertretende Sprecherin der Linksjugend. Gut ein Jahr sind beide dabei. Im Februar 2017 hat sich der Jugendverband in Schwerin neu gegründet. Seit dieser Zeit ist viel passiert, erzählt uns Sandra Neumann.

 

Nicht nur meckern

 

„Ich selbst bin über einen Bekannten auf dem Abendgymnasium zu Solid gekommen. In vielen Gesprächen bin ich nach und nach an den Verband herangeführt worden“, sagt sie. Sie habe allerdings schon vorher gespürt, dass ich in diesem Land etwas ändern muss. „Ich habe von den Zuständen die Schnauze voll“, so die junge Frau. Sie wollte es aber nicht beim Rummeckern belassen, sondern etwas ändern. Sie trat daher vor einem Jahr Solid bei. 

Der Weg von Marco Rauch führte über die Linkspartei zu Solid. 2013 trat er der Partei bei. Zum Jugendverband Solid hatte er bis 2017 keinen großen Bezug. Erst als er aus Reihen seiner Partei angesprochen wurde, ob er sich vorstellen kann, hier wieder einen Jugendverband aufzubauen, trat er dem Verband bei.

 

 

Vorher gab es Solid zwar schon in Schwerin, die Aktivitäten waren aber völlig eingeschlafen. Sandra Neumann und Marco Rauch gehören zu den Mitgliedern, die seit der Neugründung von Anfang an dabei waren. „Mit vier Leuten haben wir damals angefangen“, sagt Rauch. Inzwischen nähre man sich sehr entschlossen der 50-Mitglieder-Marke. Für das einjährige Bestehen ist das eine Bilanz, die sich sehen lassen kann. 

 

Soziale Aspekte, Tier- und Umweltschutz

 

Sowohl bei Marco Rauch als auch Sandra Neumann waren es soziale Aspekte, die sie politisch aktiv werden ließen. „Ich wollte was bewegen und verändern“, sagt Rauch. Für Sandra Neumann war für ihre Entscheidung auch das Thema Tierschutz und Umwelt wichtig. „Wir müssen bewusster mit der Umwelt umgehen“, da ist sich die stellvertretende Solid-Sprecherin sicher. 

 

Kein 0815 abspulen

 

Die Gesellschaft brauche junge Menschen, die sich für ihre Belange selber einsetzen. „Wir können was bewegen“, da ist sich Sandra Neumann sicher. Bewegen wollen sowohl sie, als auch Marco Rauch in den kommenden Jahren viel in Schwerin. „Wir möchten hier kein 0815 abspulen, sondern als Verband wachsen und nach vorne kommen“. Sie setzen deshalb vor allem auf Präsenz innerhalb ihrer eigenen Partei, aber auch im Gespräch mit anderen Menschen. Gerade erst am Valentinstag hat Solid-Schwerin unter dem Motto „Lieb doch wen Du willst!“ eine Aktion auf dem Marienplatz gegen Homophobie gestartet. Beim Stadtteilfest in Lankow wird man ebenso dabei sein wie bei verschiedenen Sportaktivitäten. Zum Drachenbootfestival überlegt man geradem ob man mit einem eigenen Boot an den Start geht. Auch ist ein Beach-Fest am Zippendorfer Strand geplant, zusammen mit der Mutterpartei. „Die Kommunikation zwischen Alt und Jung muss stimmen“, betont Rauch. 

Weiter möchte man auch eine Bildungsreise nach Berlin in den Bundestag und einen Landtagbesuch organisieren. Politik soll mit solchen Veranstaltungen anfassbar und erlebbar werden. So möchte man junge Menschen zum Mitmachen bewegen. 

 

„Jugend hat einen unschuldigen Blick auf die Welt“

 

Aber auch die Politik kommt bei Solid nicht zu kurz. So ist es in diesem Jahr vor allem die politische Bildung, die sich die Leute von Solid in den Mittelpunkt rücken möchte. Der Jugendverband möchte vor allem die Jugendlichen ansprechen, die das Gefühl haben, von der Politik im Stich gelassen zu werden. So möchte Solid Schwerin eine Diskussion über die Möglichkeiten eines kostenfreien Nahverkehrs anstoßen. Auch setze man sich für ein bedingungsloses Grundeinkommen ein. Alles Dinge, die immer sehr schnell als Utopien abgetan werden. „Die Jugend hat noch einen unschuldigen Blick auf die Welt.“, so Rauch. Sie kenne keine Rücksichtnahmen und Befindlichkeiten, die manchmal Veränderungen im Wege stehen. Junge Menschen haben deshalb mitunter auch einmal radikalere Forderungen an die Gesellschaft, was aber das „Recht der Jugend“ sei. 

Die Realpolitik verliert Marco Rauch dabei aber nicht aus den Augen. So engagiert sich der Student auch im Ortsbeirat Neu Zippendorf. Als stellvertretender Kreisvorsitzender der Linkspartei in Schwerin ist er auch das Bindeglied zwischen Jugend und Mutterorganisation. 

Stefan Rochow

Journalist, Unternehmer und Gründer der digitalen Tageszeitung Schwerin-Lokal.de. Sie erreichen mich per E-Mail unter redaktion@schwerinlokal.de

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