Neu gegründet:
Notfallverbund soll Schwerins Kulturgüter bei Bränden und Havarien schützen
Museen, Archive und Schlösser bergen unersetzliche Kulturgüter. Ein neuer Notfallverbund soll in Schwerin und Westmecklenburg bei Bränden, Wasserschäden und anderen Havarien helfen.

Foto: WikimediaImages auf Pixabay
In Kürze:
- Einrichtungen aus Schwerin und Westmecklenburg haben einen gemeinsamen Notfallverbund zum Schutz von Kulturgütern gegründet.
- Bei Bränden, Wasserschäden und anderen Havarien sollen Personal, Wissen und technische Ausrüstung gemeinsam eingesetzt werden können.
- Nach Angaben des Landes ist es der erste Notfallverbund dieser Art in Mecklenburg-Vorpommern.
Was passiert mit historischen Dokumenten, Gemälden oder anderen wertvollen Sammlungsstücken, wenn Wasser in ein Archiv eindringt oder ein Feuer in einem Museum ausbricht? Für solche Fälle haben sich Einrichtungen aus Schwerin und Westmecklenburg jetzt zu einem gemeinsamen Notfallverbund zusammengeschlossen. Er soll dafür sorgen, dass Kulturgüter im Ernstfall schneller gesichert und Schäden begrenzt werden können.
Gegründet wurde der Notfallverbund Region Westmecklenburg am 15. September. Beteiligt sind unter anderem das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege, die Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern, die Landeshauptstadt Schwerin, die Hansestadt Wismar sowie Archive, Museen und kirchliche Einrichtungen. Auch das Bundesarchiv mit dem Stasi-Unterlagen-Archiv in Görslow gehört dazu. Unterstützung sollen die Feuerwehren der Region leisten.
Für Schwerin hat die Zusammenarbeit besondere Bedeutung. Zum Verbund gehören unter anderem das Staatliche Museum Schwerin und das Schlossmuseum. Hinzu kommt das Schweriner Residenzensemble, das seit 2024 zum UNESCO-Welterbe gehört. Kulturdezernent Silvio Horn verwies bei der Gründung darauf, dass Kulturgüter nicht allein von einzelnen Einrichtungen geschützt werden könnten. „Kulturerbe und Kulturgut brauchen Schutz und Sicherheit – genau dafür brauchen wir den Notfallverbund“, erklärte Horn.
Dabei geht es nicht nur um große Katastrophen. Bereits ein Rohrbruch, Starkregen oder der Ausfall einer Klimaanlage kann historische Bücher, Akten, Gemälde oder andere empfindliche Sammlungsstücke beschädigen. Entscheidend ist dann, dass Einrichtungen vorbereitet sind und schnell auf Material, Technik und geschultes Personal zurückgreifen können.
Notfallverbund bündelt Hilfe
Die beteiligten Einrichtungen wollen deshalb bei Vorsorge und Schadensbewältigung enger zusammenarbeiten. Dazu gehören gemeinsame Planungen für mögliche Notfälle ebenso wie die Frage, welche Einrichtung im Ernstfall welche Ausrüstung oder Fachkenntnisse bereitstellen kann.
Dr. Ramona Dornbusch, Direktorin des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege, verwies auf die unterschiedlichen Gefahren. Neben Bränden und Starkregen könnten auch technische Defekte erhebliche Schäden verursachen. Entscheidend sei deshalb, Risiken möglichst früh zu erkennen und Vorkehrungen zu treffen.
Mit der Gründung wurden zugleich zwei sogenannte Erstversorgungsstraßen vorgestellt, die vom Land finanziell unterstützt wurden. Dahinter verbergen sich mobile Ausrüstungen, mit denen beschädigte Kulturgüter nach einer Havarie zunächst gesichert und für die weitere Behandlung vorbereitet werden können.
Zur Ausstattung gehören unter anderem Verpackungsmaterial, Transportbehälter, Schutzzelte, Schutzkleidung und technische Geräte. Sie können beispielsweise eingesetzt werden, wenn nach einem Wassereinbruch durchnässte Archivalien, Bücher oder andere Gegenstände aus einem betroffenen Gebäude geborgen werden müssen.
Erster Verbund in MV
Nach Angaben des Kulturministeriums handelt es sich um den ersten Notfallverbund dieser Art in Mecklenburg-Vorpommern. Die Vorbereitungen dafür laufen bereits seit mehreren Jahren. Seit 2021 beschäftigt sich eine vom Ministerium betreute Arbeitsgruppe mit Strukturen für den Schutz von Kulturgütern in Krisen- und Notfallsituationen.
2025 unterstützte das Land außerdem eine Fortbildungsreihe zum Notfallmanagement für Einrichtungen, die Kulturgüter aufbewahren. Mit dem neuen Verbund soll daraus nun eine dauerhafte Zusammenarbeit in Westmecklenburg entstehen.
Neben Einrichtungen in Schwerin sind unter anderem das Kreisarchiv Nordwestmecklenburg, Einrichtungen der Nordkirche, die Stiftung Mecklenburg sowie die Städte Wismar, Goldberg und Sternberg beteiligt. Auch die Schlösser Ludwigslust, Bothmer und Wiligrad gehören über die Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen zum Netzwerk.
Gegründet wurde der Verbund zunächst durch die Unterzeichnung einer gemeinsamen Absichtserklärung, eines sogenannten „Letter of Intent“. Wie die Zusammenarbeit im konkreten Ernstfall organisiert wird, welche Zuständigkeiten gelten und wie schnell zusätzliche Kräfte und Material an einem Schadensort verfügbar sein sollen, geht aus der Mitteilung nicht hervor.





