Do, 13. August 2026
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Erinnern statt vergessen:
Ausstellung über NS-Euthanasie an Kindern startet in Schwerin

Eine Ausstellung in der Marienplatz-Galerie erinnert ab 12. August an die Opfer der NS-Kindereuthanasie. Im Mittelpunkt stehen auch die Verbrechen auf dem Schweriner Sachsenberg.

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  • Veröffentlicht August 6, 2026
NS-Euthanasie Schwerin
Der Schw­er­iner Sach­sen­berg war während der NS-Zeit Stan­dort ein­er soge­nan­nten Kinder­fach­abteilung. Die Ausstel­lung in der Marien­platz-Galerie erin­nert an die dort und an anderen Orten ermorde­ten Kinder. Foto:  Con­cordEigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

 


In Kürze:

  • Die Ausstel­lung: Vom 12. August bis 19. Sep­tem­ber erin­nert die Marien­platz-Galerie an die NS-Euthanasie an Kindern.
  • Der regionale Bezug: Auch auf dem Schw­er­iner Sach­sen­berg wur­den kranke Kinder in ein­er Kinder­fach­abteilung ermordet.
  • Die Eröff­nung: Zur Vernissage am 12. August lesen Medi­zin­studierende und Ärzte aus his­torischen Kranke­nak­ten der Opfer.

 


 

Am 12. August eröffnet in der Marien­platz-Galerie Schw­erin die Ausstel­lung „Im Gedenken der Kinder – Die Kinderärzte und die Ver­brechen an Kindern in der NS-Zeit“. Bis zum 19. Sep­tem­ber beschäftigt sie sich mit den soge­nan­nten Euthanasie-Ver­brechen an Kindern während der Zeit des Nation­al­sozial­is­mus. Im Mit­telpunkt ste­hen die Schick­sale von Kindern, die auf­grund von Krankheit­en oder Behin­derun­gen sys­tem­a­tisch ermordet wur­den, darunter auch Opfer aus Schw­erin.

Die Wan­der­ausstel­lung wurde von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedi­zin (DGKJ) auf Grund­lage wis­senschaftlich­er Forschung entwick­elt. Sie doku­men­tiert die Rolle von Kinderärzten im nation­al­sozial­is­tis­chen Gesund­heitssys­tem und zeigt anhand his­torisch­er Quellen, wie Medi­zin­er an den Ver­brechen beteiligt waren. Der Ein­tritt ist frei, die Ausstel­lung ist bar­ri­ere­frei zugänglich.

Zur Eröff­nung am 12. August um 18 Uhr wird auch Schw­erins Ober­bürg­er­meis­ter Sebas­t­ian Ehlers erwartet. Ein beson­der­er Pro­gramm­punkt ist die Lesung his­torisch­er Kranke­nak­ten: Medi­zin­studierende sowie Ärztin­nen und Ärzte wer­den Auszüge aus den Akten ermorde­ter Kinder vor­tra­gen und damit an deren Schick­sale erin­nern.

Während der NS-Zeit wur­den nach heuti­gen Schätzun­gen im Deutschen Reich rund 8.000 kranke oder behin­derte Kinder in soge­nan­nten Kinder­fach­abteilun­gen getötet. Dabei han­delte es sich um spezielle Ein­rich­tun­gen, in denen Kinder unter dem Deck­man­tel medi­zinis­ch­er Behand­lung gezielt ermordet wur­den – etwa durch Medika­mentengaben oder im Zusam­men­hang mit medi­zinis­chen Ver­suchen.

Schweriner Sachsenberg war Tatort der NS-Kindereuthanasie

Auch Schw­erin spielte in diesem Kapi­tel der Geschichte eine Rolle. Auf dem Sach­sen­berg befand sich eine solche Kinder­fach­abteilung. Dort wur­den kranke Kinder im Rah­men des nation­al­sozial­is­tis­chen Euthanasiepro­gramms getötet. Die Ausstel­lung greift diese regionale Geschichte auf und ord­net sie in den gesamt­deutschen Zusam­men­hang ein.

Mit der Wan­der­ausstel­lung soll nicht nur an die Opfer erin­nert, son­dern auch die Ver­ant­wor­tung der Medi­zin in der NS-Zeit aufgear­beit­et wer­den. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedi­zin hat sich in den ver­gan­genen Jahren inten­siv mit der eige­nen Geschichte beschäftigt und Forschungsergeb­nisse öffentlich zugänglich gemacht.

Organisatoren sehen Erinnerung als gesellschaftlichen Auftrag

Prof. Dr. Michael Rad­ke, ehe­ma­liger Direk­tor der Uni­ver­sitäts-Kinder- und Jugend­klinik Ros­tock und Mitor­gan­isator der Ausstel­lung, betont die Bedeu­tung des Erin­nerns. „Wir Kinderärztin­nen und Kinderärzten hal­ten es für unsere Pflicht, den ermorde­ten Kindern ein Gesicht und eine Stimme zu geben. In ein­er Zeit zunehmender radikaler Ansicht­en und Auswüchse und mit Blick auf die von extremen Kräften propagierte Aus­gren­zung bes­timmter Per­so­n­en­grup­pen – darunter auch Kinder – ist das in unserem Land wichtiger denn je.“

Die Ausstel­lung kann vom 12. August bis zum 19. Sep­tem­ber 2026 während der Öff­nungszeit­en der Marien­platz-Galerie besucht wer­den.