Erinnern statt vergessen:
Ausstellung über NS-Euthanasie an Kindern startet in Schwerin
Eine Ausstellung in der Marienplatz-Galerie erinnert ab 12. August an die Opfer der NS-Kindereuthanasie. Im Mittelpunkt stehen auch die Verbrechen auf dem Schweriner Sachsenberg.

In Kürze:
- Die Ausstellung: Vom 12. August bis 19. September erinnert die Marienplatz-Galerie an die NS-Euthanasie an Kindern.
- Der regionale Bezug: Auch auf dem Schweriner Sachsenberg wurden kranke Kinder in einer Kinderfachabteilung ermordet.
- Die Eröffnung: Zur Vernissage am 12. August lesen Medizinstudierende und Ärzte aus historischen Krankenakten der Opfer.
Am 12. August eröffnet in der Marienplatz-Galerie Schwerin die Ausstellung „Im Gedenken der Kinder – Die Kinderärzte und die Verbrechen an Kindern in der NS-Zeit“. Bis zum 19. September beschäftigt sie sich mit den sogenannten Euthanasie-Verbrechen an Kindern während der Zeit des Nationalsozialismus. Im Mittelpunkt stehen die Schicksale von Kindern, die aufgrund von Krankheiten oder Behinderungen systematisch ermordet wurden, darunter auch Opfer aus Schwerin.
Die Wanderausstellung wurde von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) auf Grundlage wissenschaftlicher Forschung entwickelt. Sie dokumentiert die Rolle von Kinderärzten im nationalsozialistischen Gesundheitssystem und zeigt anhand historischer Quellen, wie Mediziner an den Verbrechen beteiligt waren. Der Eintritt ist frei, die Ausstellung ist barrierefrei zugänglich.
Zur Eröffnung am 12. August um 18 Uhr wird auch Schwerins Oberbürgermeister Sebastian Ehlers erwartet. Ein besonderer Programmpunkt ist die Lesung historischer Krankenakten: Medizinstudierende sowie Ärztinnen und Ärzte werden Auszüge aus den Akten ermordeter Kinder vortragen und damit an deren Schicksale erinnern.
Während der NS-Zeit wurden nach heutigen Schätzungen im Deutschen Reich rund 8.000 kranke oder behinderte Kinder in sogenannten Kinderfachabteilungen getötet. Dabei handelte es sich um spezielle Einrichtungen, in denen Kinder unter dem Deckmantel medizinischer Behandlung gezielt ermordet wurden – etwa durch Medikamentengaben oder im Zusammenhang mit medizinischen Versuchen.
Schweriner Sachsenberg war Tatort der NS-Kindereuthanasie
Auch Schwerin spielte in diesem Kapitel der Geschichte eine Rolle. Auf dem Sachsenberg befand sich eine solche Kinderfachabteilung. Dort wurden kranke Kinder im Rahmen des nationalsozialistischen Euthanasieprogramms getötet. Die Ausstellung greift diese regionale Geschichte auf und ordnet sie in den gesamtdeutschen Zusammenhang ein.
Mit der Wanderausstellung soll nicht nur an die Opfer erinnert, sondern auch die Verantwortung der Medizin in der NS-Zeit aufgearbeitet werden. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit der eigenen Geschichte beschäftigt und Forschungsergebnisse öffentlich zugänglich gemacht.
Organisatoren sehen Erinnerung als gesellschaftlichen Auftrag
Prof. Dr. Michael Radke, ehemaliger Direktor der Universitäts-Kinder- und Jugendklinik Rostock und Mitorganisator der Ausstellung, betont die Bedeutung des Erinnerns. „Wir Kinderärztinnen und Kinderärzten halten es für unsere Pflicht, den ermordeten Kindern ein Gesicht und eine Stimme zu geben. In einer Zeit zunehmender radikaler Ansichten und Auswüchse und mit Blick auf die von extremen Kräften propagierte Ausgrenzung bestimmter Personengruppen – darunter auch Kinder – ist das in unserem Land wichtiger denn je.“
Die Ausstellung kann vom 12. August bis zum 19. September 2026 während der Öffnungszeiten der Marienplatz-Galerie besucht werden.




